Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 1
1.1 Motivation. 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
2 ALLGEMEINE DARSTELLUNG VON UNTERNEHMENSKREDITEN. 4
2.1 Der Kreditvergabeprozess bei Kreditinstituten 4
2.2 Betreuungsstruktur der Banken bei Unternehmenskrediten 6
2.3 Risikobewertung für die Zins- und Preisbildung. 7
2.3.1 Unternehmenskennzahlen. 7
2.3.2 Externes Rating 9
2.3.3 Bankinternes Rating 11
2.3.4 Risikoberechnung und Preisbildung im Kreditgeschäft 15
2.3.4.1 Berechnung des erwarteten Verlustes. 16
2.3.4.2 Berechnung des unerwarteten Verlustes. 19
2.4 Regulatorisches Umfeld für das allgemeine Kreditgeschäft. 20
2.4.1 Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft (MaK) 21
2.4.1.1 Zum Begriff MaK 21
2.4.1.2 Struktureller Aufbau der MaK. 21
2.4.1.3 Überwachung und Steuerung des Kreditrisikos in den MaK. 23
2.4.1.4 Problemkreditmanagement in den MaK. 24
2.4.2 Basel II und die Einflüsse auf die Kreditbewertung 25
2.4.2.1 Zum Begriff Basel II 25
2.4.2.2 Unterlegung von Bankrisiken mit Eigenmitteln 26
2.4.2.3 Bankaufsichtlicher Überprüfungsprozess 28
Inhaltsverzeichnis III
2.4.2.4 Marktdisziplin und Offenlegung. 30
2.4.3 MaK und Basel II im Vergleich. 31
2.5 Kreditüberwachung und Eingriffssignale während der Laufzeit 32
2.5.1 Frühwarnsysteme 32
2.5.2 Überwachung § 18 KWG 34
2.5.3 Weitere Überwachungsmechanismen 35
2.6 Die Unternehmenskrise als Vorstufe zum notleidenden Kredit 35
2.6.1 Zum Begriff notleidender Kredit 35
2.6.2 Ursachen und Phasen einer Unternehmenskrise 36
2.6.3 Betreuungsübergang zum Problemkreditmanagement 38
3 DAS INSOLVENZVERFAHREN UND RECHTSGRUNDLAGEN 39
3.1 Zum Begriff Insolvenz 39
3.2 Statistische Erhebungen zu Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 40
3.3 Zielsetzung und Vergleich zur alten Konkurs- und Vergleichsordnung 42
3.3.1 Verfahrensablauf nach Insolvenzordnung und allgemeine Vorteile. 43
3.3.2 Nachteile für Banken als Gläubiger 44
3.3.3 Vergleich mit dem amerikanischen Konkursrecht. 46
3.4 Unternehmensinsolvenzen und beteiligte Personenkreise. 47
3.4.1 Grundgedanken zum Agency-Ansatz in der Betriebswirtschaftslehre 48
3.4.1.1 Der Insolvenzverwalter als Agent 49
3.4.1.2 Die Gläubiger als Prinzipale. 50
3.4.2 Gläubiger und Poolbildung 51
3.4.3 Unternehmensmanagement 52
3.5 Das Insolvenzverfahren 53
Inhaltsverzeichnis IV
3.5.1 Insolvenzeröffnungsverfahren 53
3.5.2 Eröffnetes Insolvenzverfahren 54
3.5.2.1 Regelverfahren und Liquidation 55
3.5.2.2 Planverfahren. 56
4 MANAGEMENT VON PROBLEMKREDITPORTFOLIEN 60
4.1 Handlungsalternativen bei drohender Insolvenz des Schuldners. 61
4.1.1 Stillhalten 61
4.1.2 Risikominimierung und Stundung 62
4.1.3 Unterstützung von Sanierungsmaßnahmen 64
4.1.3.1 Zum Begriff Sanierung 64
4.1.3.2 Abgrenzung von Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit. 65
4.1.3.3 Sanierungsphasen 67
4.1.3.4 Sanierungsmaßnahmen mit Auswirkungen auf die Passivseite der Bilanz 69
4.1.3.4.1 Eigenkapitalerhöhungen durch Gesellschafter 69
4.1.3.4.2 Rangrücktritt. 70
4.1.3.4.3 Forderungsverzicht 70
4.1.3.4.4 Überbrückungskredite und Sanierungskredite. 72
4.1.3.4.5 Weitere Maßnahmen 73
4.1.3.5 Sanierungsmaßnahmen mit Auswirkungen auf die Vermögensbilanz. 74
4.1.3.5.1 Joint Venture und übertragene Sanierungen 74
4.1.3.5.2 Unternehmensveräußerung 75
4.1.4 Fälligstellen. 76
4.2 Handlungsalternativen bei eingetretener Insolvenz des Schuldners. 77
4.2.1 Regelverfahren und Liquidation 77
Inhaltsverzeichnis V
4.2.2 Unterstützung eines Insolvenzplanes 78
5 VERKAUF VON NOTLEIDENDEN KREDITPORTFOLIEN. 79
5.1 Wirtschaftliche Aspekte von Problemkreditverkäufen 79
5.1.1 Hintergrund, Ziele und Vorteile eines Kreditverkaufs 79
5.1.2 Nachteile der Ausgliederung des Workout Managements. 80
5.2 Phasen des Kreditportfolioverkaufs. 81
5.2.1 Vorbereitung 82
5.2.2 Marktsondierung 83
5.2.3 Due Diligence 84
5.2.4 Bietverfahren 85
5.2.5 Vertragsverhandlungen 85
5.2.6 Vertragsdurchführung 86
5.3 Rechtliche Grundlagen zum Kredit- und Forderungsverkauf 87
5.3.1 Erlaubnispflicht und Banklizenz 87
5.3.2 Strukturelle Gestaltung des Kreditportfolioverkaufs. 88
5.3.2.1 Risikounterbeteiligung. 89
5.3.2.2 Risikoübergang durch Verkauf. 91
5.3.2.3 Abspaltung über neue Gesellschaft 94
5.3.2.4 Outsourcing des Bereichs Problemkreditmanagement. 97
5.3.3 Bankgeheimnis und Datenschutz 100
5.3.3.1 Das Bankgeheimnis beim Verkauf von Problemkrediten. 101
5.3.3.2 Das Bankgeheimnis beim Outsourcing von Problemkrediten. 102
5.3.3.3 Datenschutz 103
5.3.3.4 Zusammenfassung der rechtlichen Rahmenbedingungen und Ergebnis 103
Inhaltsverzeichnis VI
5.3.4 Vertragsbeziehungen zu Förderinstituten. 104
5.4 Auswirkungen auf die Bankbilanz und die Ergebnisrechung 104
5.5 Steuerliche Auswirkungen beim Forderungsverkauf 108
5.5.1 Umsatzsteuer. 108
5.5.2 Gewerbesteuer 110
5.5.3 Körperschaftssteuer. 110
5.6 Allgemeine Hindernisse des Kreditverkaufs in Deutschland. 112
6 DER DEUTSCHE MARKT FÜR NOTLEIDENDE KREDITE 113
6.1 Marktteilnehmer auf der Verkäuferseite 115
6.1.1 Privat- und Geschäftsbanken 115
6.1.2 Öffentliche Kreditinstitute. 116
6.2 Marktteilnehmer auf der Käuferseite 117
6.2.1 Private Equity Gesellschaften und Investmentfonds 118
6.2.2 Banken. 120
6.3 Strategien und Methoden der Käufer von notleidenden Kreditportfolien. 121
6.3.1 Sicherheitenverwertung und Abwicklung. 122
6.3.2 Sanierung und Verkauf 123
6.3.3 Verbriefung der Forderungen- Asset Backed Securities. 123
6.3.3.1 True-Sale-Verbriefungen 124
6.3.3.2 Synthetische Verbriefungen. 126
6.4 Vergleich zu anderen NPL-Märkten 128
6.4.1 USA 128
6.4.2 Asien. 129
6.4.3 Europa 130
Inhaltsverzeichnis VII
7 UNTERNEHMENSKREDITVERLAUF AM BEISPIEL DER NEUTRAL GMBH 131
7.1 Wirtschaftliche Grundlagen. 131
7.2 Sicherheitenbewertung. 132
7.3 Vom Standard-Firmenkredit zum notleidenden Kredit 134
7.3.1 Verlauf der Unternehmensentwicklung aus bilanzieller Sicht 134
7.3.2 Chronologischer Verlauf der Unternehmensentwicklung in der Krise. 136
7.3.3 Ursachen und Merkmale der Unternehmenskrise 140
7.3.4 Unternehmenskennzahlen. 141
7.3.5 Fazit 143
7.4 Wertberichtigung. 144
7.5 Engagementverkauf 144
7.5.1 Due Diligence 145
7.5.2 Vertragsverhandlung 145
7.5.3 Vertragsdurchführung 146
7.6 Aktueller Stand 146
8 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK. 147
8.1 Zusammenfassung. 147
8.2 Ausblick. 149
A ANHANG 150
A.1 Abkürzungen. 151
A.2 Abbildungsverzeichnis 154
A.3 Tabellenverzeichnis 156
A 4 Literaturverzeichnis 157
1 Einleitung Seite 1
1 Einleitung
1.1 Motivation
Durch die beständig hohe Anzahl von Unternehmensinsolvenzen und den nachhaltigen konjunkturellen Abschwung der deutschen Volkswirtschaft in den letzen Jahren, wird die Kreditwirtschaft erheblich belastet. Die expansive Kreditpolitik der 1980er Jahre sowie eine teilweise unzureichende Kreditanalyse und mangelhaftes Kreditcontrolling sind die Hauptursachen für die heutigen Kreditausfälle. Jedes zweite Kreditinstitut bezeichnet das Kreditrisiko als derzeit schwerste Herausforderung der Branche. Kurz- und mittelfristig wird in deutschen Banken noch mit einer Verschlechterung dieser Entwicklung gerechnet. 1 Bereits in den Jahren 2001 und 2002 gerieten rund 100 von den ungefähr 240 gefährdeten deutschen Kreditinstituten in eine bedrohliche Schieflage 2 oder meldeten bereits Insolvenz an. 3 Um dieser gefährlichen Entwicklung Einhalt zu gebieten, wurden Maßnahmen ergriffen, die zur Begrenzung der Risiken im Kreditgeschäft beitragen sollen. Die „Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft“ (MaK) der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beinhalten auch für den organisatorischen Aufbau des Problemkreditbereichs neue Vorgaben. Zusammen mit dem zweiten Konsultationspapier des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II) und des damit einhergehenden risikoorientierten Kreditmanagements ergeben sich für alle Kreditinstitute neue Grundlagen und Voraussetzungen, besonders für den Bereich der Problemkredite.
Schuldnerunternehmen in angespannter wirtschaftlicher Lage stellen Banken vor die Wahl, dem Kreditnehmer weitere Mittel zur Verfügung zu stellen, um eine drohende Illiquidität zu vermeiden und Sanierungsmaßnahmen zu unterstützen oder zu versuchen, sich durch eine Kreditkündigung weitgehend schadlos zu halten.
Neben dem klassischen Kreditabwicklungsmanagement (Workout) werden zunehmend die Möglichkeiten der Risikoausgliederung für deutsche Banken interessant. Dabei stellen der Verkauf und die Verbriefung (Securitisation) von notleidenden Krediten die Eckpfeiler von eigenkapitalentlastenden Risikotransfers dar. Medienwirksam wurden bereits Kreditportfolien deutscher Kreditnehmer in Höhe von mehreren Milliarden Euro an meist ausländische Investoren verkauft. Bei dieser Entwicklung steht Deutschland jedoch noch am Anfang. Insgesamt ist festzustellen, dass die mangelnden Kenntnisse über die spezifischen und
1 www.basel-ii.net/modules.php?name=News&file=print&sid=77 (27.08.2005)
2 Neben echten Bankinsolvenzen (vgl. www.the-exit.net/plaza/bankinsolvenzen.de) beinhaltet
die Zahl auch sämtliche deutschen Sparkassen und Volksbanken, die teilweise über Jahre hinweg,
wie bspw. die Berliner Volksbank, nur mit Hilfe des verbundseigenen Sicherungsfonds
geschäftsfähig gehalten werden konnten.
3 BaFin (2002a)
1 Einleitung Seite 2
rechtlichen Probleme 4 des Handels mit notleidenden Krediten ein wichtiges Hindernis für die Entwicklung des Marktes in Deutschland darstellt.
1.2 Aufbau der Arbeit
Zur vollständigen Darstellung des Managements von Problemkrediten sind Ansätze aus verschiedenen Bereichen der rechtswissenschaftlichen, betriebswirtschaftlichen und im Speziellen der finanzwirtschaftlichen Literatur zu integrieren. Für die Arbeit wurde daher ein modularer Aufbau gewählt.
Nach der Einleitung in Kapitel 1 erfolgt im Kapitel 2 mit der Allgemeinen Darstellung von Unternehmenskrediten eine Übersicht über den Kreditvergabeprozess und die Instrumente des Kreditcontrollings vor dem Hintergrund aktueller Vorschriften für das Bankenwesen. Neben den einführenden Begriffsdefinitionen werden Ansätze der allgemeinen Risikobewertung behandelt.
Da die Insolvenzordnung die rechtlichen Grundlagen für einen Großteil des Problemkreditmanagements beinhaltet, werden in Kapitel 3 das Insolvenzverfahren und andere rechtliche Grundlagen näher dargestellt. Darüber hinaus wird sie mit Ergebnissen statistischer Erhebungen zu Unternehmensinsolvenzen in Deutschland unterlegt. Nachdem der Vergabeprozess bei Unternehmenskrediten und die rechtlichen Grundlagen der Insolvenz behandelt worden sind, folgt im Kapitel 4 eine Übersicht über die praxisrelevanten Handlungsalternativen für das Management von
Problemkreditportfolien. Unterschieden werden hierbei die Handlungsmöglichkeiten der Bank und deren Auswirkungen bei drohender und bereits eingetretener Insolvenz des Kreditnehmers.
Kapitel 5 beschäftigt sich mit der Alternative des Verkaufs von notleidenden Kreditportfolien, den damit einhergehenden Fragestellungen nach den allgemeinen und rechtlichen Hintergründen sowie den bilanziellen Auswirkungen. Mit der Darstellung des deutschen Marktes für notleidende Kredite in Kapitel 6 soll der Aktualität und Brisanz des gesamten Themas Kreditverkauf Rechnung getragen werden. Dabei wird sowohl auf die Marktteilnehmer und deren Motivation als auch auf einen Vergleich der internationalen Märkte dieses Segments eingegangen.
Zur Veranschaulichung der im Rahmen dieser Arbeit behandelten Themen wird in Kapitel 7 ein Unternehmenskreditverlauf am praktischen Beispiel der Neutral GmbH dargestellt. Dabei wird neben dem chronologischen Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung des
4 Vgl. auch Louven/Schröder (2003)
1 Einleitung Seite 3
Schuldnerunternehmens in den letzten Jahren vor der Insolvenzanmeldung besonders auf die Analyse von Unternehmenskennzahlen, Krisenerkennungsmerkmalen,
Ratingeinstufungen und getroffenen Maßnahmen aus Sicht der kreditgebenden Bank eingegangen.
Abschließend wird in Kapitel 8 die Zusammenfassung der gewonnen Erkenntnisse aus dem Problemkreditmanagement mit der Möglichkeit des Kreditverkaufs durch einen Ausblick auf die weitere Marktentwicklung von Kreditverkäufen in Deutschland ergänzt. Der Aufbau der Arbeit ist in folgender Darstellung noch einmal zusammenfassend dargestellt.
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 4
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten
Die Grundlage für die Kreditentscheidung und die Kreditzinsfestlegung bilden neben der Beurteilung des Risikos auch eine intensive Auseinandersetzung mit der wirtschaftlichen und rechtlichen Situation des Kreditnehmers. Sobald bei der periodisch wiederholten Risikobeurteilung erste Anzeichen für eine gravierende Veränderung der wirtschaftlichen Lage des Kreditnehmers ersichtlich werden, muss über eine Anpassung der bankinternen Betreuungsstruktur entschieden werden. Obwohl die MaK Vorschriften für die Kompetenzen der betreuenden Mitarbeiter enthalten, muss mit Rücksichtnahme auf kleinere Institute hierbei keine separate Sanierungsabteilung 5 gegründet werden. Um im Sanierungsfall des Kreditnehmers die Voreingenommenheit des marktabhängigen Betreuers auszuschließen und eine bedarfsgerechte Betreuung zu gewährleisten, findet bei allen deutschen Großbanken ein entsprechender Betreuungsübergang statt.
2.1 Der Kreditvergabeprozess bei Kreditinstituten
Der Kreditvergabeprozess und dessen Umsetzung haben wesentlichen Einfluss auf das mit der Kreditvergabe verbundene Risiko und werden daher im Folgenden dargestellt. Besonders aufgrund der MaK gleichen sich die Kreditvergabe-und
Kreditentscheidungsprozesse institutsübergreifend immer mehr an. Das bedeutet, dass bereits heute abhängig von der Kredithöhe die Entscheidung zur Kreditvergabe von mindestens einer Markt-Kompetenz bspw. dem Firmenkundenbetreuer und einer Risiko-Kompetenz bspw. einem Unternehmensanalyst getragen werden muss. Für den Fall, dass sich Entscheidungsträger auf keinen einheitlichen Entschluss einigen können, muss die Bank auch nach den Anforderungen der MaK bereits im voraus Eskalationspläne 6 installiert haben.
Nach der Hereinnahme der Unternehmensunterlagen werden diese einem ersten Plausibilitätscheck unterzogen, bei dem die ersten Mindestanforderungen für eine spätere Kreditvergabe erfüllt sein müssen. Dabei ist mit einer Ablehnung des Kreditantrags zu rechnen, wenn bspw. die Transparenz der Gesellschafterstrukturen und
Haftungsverhältnisse nicht hergestellt werden kann oder der Kreditverwendungszweck nicht eindeutig nachvollziehbar ist. Eine unzureichende Eigenkapitalausstattung, starke Schwankungen der wirtschaftlichen Verhältnisse oder die Verwendung des Kredits zur Ablösung einer anderen Bank führen besonders bei Neukunden zu weiteren klärenden Gesprächen.
5 BaFin (2002c), MaK Tz. 57 und 58
6 Vgl. Kapitel 2.4.1
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 5
Sobald die ersten Plausibilitätstests mit positivem Ergebnis beendet worden sind, wird die Kreditanfrage, wie in Abbildung 2 dargestellt, zur weiteren Bearbeitung und Preisfestsetzung in das Risikomanagement weitergeleitet.
Dabei wird aus der Abbildung 3 deutlich, dass der Firmenkundenbetreuer weitestgehend von der Marktfolge entlastet wird, um seinen primären Aufgabenbereichen der Kundenakquisition und Kundenbetreuung nachkommen zu können.
7 Eigene Darstellung in Anlehnung an OeNB (2004), S. 18
8 Vgl. OeNB (2004), S. 22
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 6
Anhand dieser Aufgabenverteilung kann eine Verantwortlichkeits- und Kompetenzstruktur aufgebaut werden. Die Kreditkompetenz beschreibt eine von der Geschäftsleitung dem Betreuer erteilte Ermächtigung, bis zu einem bestimmten Betrag Kredite an Kunden in Eigenverantwortung zu vergeben. In der Regel wird diese gemäß dem Vier-Augen-Prinzip nur als gemeinsame Kompetenz von mindestens zwei Entscheidungsberechtigten ausgeübt. 9
Obwohl bei einem späteren Betreuungsübergang des Kreditengagements in das Sanierungs- und Abwicklungsmanagement der Kreditentscheidungsprozess bspw. für Sanierungskredite andere Strukturen aufweist 10 , bleibt die Kompetenzregelung mit dem Vier-Augen-Prinzip auch im marktunabhängigen Bereich bestehen.
2.2 Betreuungsstruktur der Banken bei Unternehmenskrediten
Bei der Entscheidung der ersten Einstufung eines Kreditengagements ist das interne Rating 11 ausschlaggebend. In Abbildung 4 ist das interne Rating und die zugehörige Betreuungsstruktur am Beispiel der Dresdner Bank AG mit den Bonitätsklassen 1-16 beispielhaft dargestellt.
Nach dem MaK-Anschreiben 13 vom 02.10.2002 kann die Intensivbetreuung zwar in eigener Verantwortung vom Vertriebsbereich wahrgenommen werden, doch muss in diesem Falle das Zweitvotum vom marktunabhängigen Bereich kommen. Ob es sinnvoll ist, statt einer
9 OeNB (2004), S. 14 f.
10 Siehe auch Abschnitt 2.6
11 Siehe auch Abschnitt 2.2.3
12 Eigene Darstellung
13 BaFin (2002a)
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 7
eigenen Einheit „Intensivbetreuung“ im Markt dem Firmenkundenbetreuer
Intensivbetreuungsaufgaben zu übertragen, ist eine Frage des Einzelfalls. Dafür spricht, dass der Betreuer das Engagement bereits kennt. Andererseits unterscheidet sich das Anforderungsprofil eines Firmenkundenbetreuers von dem eines Intensivbetreuers. So ist letzteres recht deutlich dem eines Sanierers angenähert. Für diese Betreuungsstruktur im Marktsegment gibt es mehrere unterschiedliche Varianten der Zuständigkeit und Federführung auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll. 14 In den MaK wird als nächste Stufe die Problemkreditbetreuung aufgeführt. Diese enthält keine weiteren Prozessanweisungen oder besondere Funktionstrennungen in Abwicklungsmanagement. 15 Sanierungsmanagement und Während im
Sanierungsmanagement die Fortführung des Betriebes als vordergründiges Ziel anzusehen ist, setzt das Abwicklungsmanagement auf die Maximierung der Liquidationserlöse bei der Sicherheitenverwertung. Da diese Zielsetzungen deutlich auseinander gehen, wird auch in der Praxis zwischen Problemengagement und Abwicklungsengagement unterschieden.
2.3 Risikobewertung für die Zins- und Preisbildung
Die Zunahme der Unternehmensinsolvenzen der letzten Jahre und mangelhaftes Kreditrisikomanagement der Banken führten zu erhöhten Einzelwertberichtigungen bei deutschen Kreditinstituten. Im Kreditgeschäft stellt eine marktgerechte und dennoch risikoorientierte Kalkulation des Zinssatzes weiterhin die Hauptertragsmöglichkeit dar. Interne und externe Ratings beinhalten sämtliche Haupteinflussfaktoren, die eine möglichst standardisierte Beurteilung und realitätsnahe Bewertung von Unternehmen ermöglichen. Nachfolgend sollen die beiden Ratingformen und deren Bestandteile jeweils näher erläutert und von einander abgegrenzt werden. Die Berechnungsansätze der Kreditrisikokosten bilden im Anschluss daran die Grundlage für die Preisbildung im Kreditgeschäft. 2.3.1 Unternehmenskennzahlen
Die Basis jeden Ratings stellen die klassischen Unternehmenskennzahlen dar. Sie dienen neben der Unternehmensbewertung auch dem Management als Frühwarnsystem zur Erkennung möglicher Krisen oder sogar drohender Insolvenz.
14 Mehr dazu siehe Theewen (2004), S. 23-39
15 Vgl. Kistner (2004), S. 46
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 8
Die Deutsche Bundesbank untersuchte 2.651 Unternehmen, die zwischen den Jahren 1985 und 1990 scheiterten. Die Studie definiert aussagekräftige Prognosekennzahlen und beschreibt, wann die Alarmsignale aufleuchten sollten: 16
In 82 Prozent der Insolvenzfälle lag im letzten Jahresabschuss die Eigenkapitalquote unter zehn Prozent.
Kapitalrüc Die Kapitalrückflussquote setzt den Einnahmeüberschuss ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital und drückt somit die Ertragskraft des Unternehmens aus. In 63 Prozent der Insolvenzfälle war die Kapitalrückflussquote unter vier Prozent.
• Umsatzrend = ite
Die Umsatzrendite ermittelt den prozentualen Anteil des Gewinns vom Umsatz. In 68 Prozent der Insolvenzfälle lag die Umsatzrendite unter einem Prozent.
Cash Der Cash-Flow setzt sich aus dem Jahresüberschuss, den Abschreibungen und den Erhöhungen bzw. Verringerungen der langfristigen Rückstellungen zusammen. Er beschreibt unter anderem die Finanzkraft des Unternehmens. In 71 Prozent der Insolvenzfälle war die Cash-Flow-Marge unter zwei Prozent.
• r Dynamische
Unter der Annahme, der Cash-Flow wird vollständig zur Tilgung der Verbindlichkeiten eingesetzt, gilt der dynamische Verschuldungsgrad als Indikator für den Zeitraum den ein Unternehmen zur aktuellen Schuldentilgung benötigen würde. In 85 Prozent der Insolvenzfälle war der dynamische Verschuldungsgrad 625 Prozent. Kritische Werte einer oder mehrerer oben genannten Kennzahlen gelten trotz der Branchenunterschiede als Indikatoren für schnellen Handlungsbedarf.
16 Vgl. Kroeber (2003)
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 9
Zur umfassenderen Analyse von Großunternehmen und Konzernen werden üblicherweise weitere Kennzahlen analysiert. Da diese aber sehr stark branchenabhängig sein können, werden die spezifischen Warngrenzen hier nicht mit angegeben. Allgemein werden die Kapitalstruktur, die Kapitaldienstfähigkeit, die Liquidität und die Ertragskraft untersucht. Das quantitative Modul des bankinternen Ratings, dargestellt in Abbildung 5, beinhaltet die Berechnung dieser vier Kriterien.
Anhand dieser Kriterien wird eine erste Kategorisierung des Kreditnehmers als Basis für das bankinterne Rating vorgenommen. Abhängig vom Ergebnis dieses Ratings erfolgt schließlich eine Einstufung in die Bonitätsklasse 1-9 oder 10-14 18 . 2.3.2 Externes Rating
Analog zum bankinternen Rating haben externe und unabhängige Ratingagenturen das Ziel, ein Urteil über die wirtschaftliche Fähigkeit im Hinblick auf die Zahlungsverpflichtungen eines Unternehmens zu fällen. Beim externen Rating werden Änderungen der Ratingeinstufung nur durch wesentliche Veränderungen, die im Unternehmen oder der Branche begründet sein können, vorgenommen. Eine Ratingagentur tritt demnach weder als Kapitalgeber noch als Kapitalnehmer auf dem Markt auf. Vielmehr handelt es sich um eine
17 EBITDA: Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortisation
18 Bonitätsklassen „15“ und „16“ bezeichnen Abwicklungsengagements
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 10
Institution, die auf neutrale Bonitätsbeurteilung spezialisiert ist und die nicht im direkten Spannungsfeld zwischen Nachfragern und Anbieter steht 19 . Die Ratingeinstufung soll mittelfristig Bestand haben und dem Investor eine langfristige Orientierung hinsichtlich der Unternehmensentwicklung geben. So bedienen sich externe Ratingansätze, immer abhängig von der jeweiligen Ratingagentur und dem betreffenden Kreditnehmer, einer standardisierten Anerkennung von Sicherheiten. So können bspw. Forderungen aus dem Retail-Segment 20 völlig länder- und kundenunabhängig mit einem einheitlichen Risikogewicht von 75 Prozent 21 bewertet werden. Daraus folgt für die langfristige Bewertung ein kontinuierlicher Verlauf. Im Gegensatz dazu passen sich interne Ratings an den Konjunkturverlauf an und versuchen diesen im Voraus abzugreifen, um kurz- und mittelfristig eine möglichst reale und marktgetreue Bewertung des Unternehmens und der vorhandenen Sicherheiten zu erhalten. Ohne diese Anpassung des internen Ratings würde es einen linearen Verlauf ähnlich dem externen Rating aufweisen und damit das Bild der Kreditentscheidungen und der Kreditpreisbildung erheblich verzerren. Aufgrund dieser unterschiedlichen Ratingmethodik ist ein direkter Vergleich des internen und externen Ratings, wie in Abbildung 6 darstellt wird, nicht möglich.
Die Struktur eines externen Ratings ist jedoch einem bankinternen Rating ähnlich und beinhaltet neben der Analyse des Finanzrisikos und des Geschäftsrisikos auch eine Analyse des Branchen-und Länderrisikos. Detaillierte Informationen über das
Kontoführungsverhalten der Unternehmung sind für die Kreditanalyse allerdings unerlässlich
19 Vgl. Brezski / Kinne (2004), S. 197ff
20 Retail: Einzelhandel
21 Vgl. Schmidt (2004), S. 99
22 Eigene Darstellung
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 11
und können nur über interne Ratings berücksichtigt werden. Ratingagenturen wie Moodys, Standard&Poor’s und FitchRating setzen daher auf die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der gerateten Unternehmung in Bezug auf Verhandlungen mit Lieferanten und Kreditversicherern sowie eine Erleichterung des Zugangs zum Kapitalmarkt. Der Aufbau der Ratingklassen ist bei allen Agenturen ähnlich und gliedert die Unternehmen in bis zu jeweils neun Unterstufen in die zwei Bereiche „Investment Grade“ 23 und „Speculative Grade“ 24 .
Die Kosten für ein Erstrating belaufen sich auf durchschnittlich 60 TEUR 25 und fallen unabhängig der geplanten Kapitalstrukturveränderungen an. Ein derart kostspieliges Rating ist daher nicht für klein- und mittelständische Betriebe sondern nur für größere Unternehmen erforderlich und sinnvoll, wenn bspw. die Ausgabe von Anleihen oder Genussrechten am Kapitalmarkt geplant ist. Im gesamten Kreditentscheidungsprozess werden externe Ratings allerdings lediglich als Vergleichswert zum bankinternen Rating herangezogen. 2.3.3 Bankinternes Rating
Der IRB-Ansatz 26 berücksichtigt die genaue Kreditportfoliostruktur und Risikogewichtung und stellt damit die Basis für die Berechnung der Eigenkapitalhinterlegung im Sinne der Anforderungen nach Basel II 27 dar. Ein weiterer Vorteil der internen Methode im Vergleich zur externen besteht darin, dass die meisten Unternehmen nicht auf ein externes Rating angewiesen sind, welches mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. 28 Beim IRB-Ansatz wird zwischen dem Basisansatz und dem Fortgeschrittenen Ansatz unterschieden. Dabei kommen beim Fortgeschrittenen Ansatz neben zusätzlichen institutsabhängigen Mindestanforderungen für bestimmte Ratingstufen und evtl. erweiterte Sicherheiten auch die Restlaufzeit von Kreditengagements zur Anrechnung. 29 Diese Form des IRB-Ansatzes stellt lediglich eine Erweiterung des Standardansatzes dar und bleibt daher im Folgenden weitgehend unberücksichtigt.
Um die große Anzahl der Kennzahlen auf branchenspezifisch relevante einschränken zu können, werden Unternehmen bereits zu Beginn des Ratingprozesses anhand von Umsatz, Anzahl der Mitarbeiter und Bilanzsumme in die Unternehmenssegmente Small Cap (SC),
23 Der „Investment Grade“ umfasst bspw. bei Standard & Poor’s die Ratingstufen AAA bis BBB
24 Der „Speculativ Grade“ (Non-Investment Grade) umfasst bspw. bei S&P die Ratingstufen unter BB
Weitere Informationen zu Ratingklassen siehe bspw. unter
www.berateragentur.de/aktuell_artikel/rating.html (27.06.2005)
25 www.gabot.de/dehne/themen/basel2/basel2.pdf (27.06.2005)
26 IRB: Internal Rating Based Approach
27 Vgl. Abschnitt 2.3.2
28 Brezski / Kinne (2003), S. 194
29 Vgl. Schmidt (2004), S. 98 f.
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 12
Mid Cap (MC) und Large Cap (LC) kategorisiert 30 . In den drei Segmenten findet man wiederum die Unterscheidung in verschiedene Branchen. So unterscheiden sich relevante Kennzahlen in den Branchen Handel, Versorgung, Transport und Bauwirtschaft untereinander und vom Standardmodell, welches alle übrigen beinhaltet. Bei Unternehmen der Versorgungswirtschaft spielt für die Bank die Liquidität bspw. eine eher untergeordnete Rolle. Im Gegenzug wird bei der Ermittlung der Ertragskraft noch der Investitionsaufwand vom EBITDA abgezogen, bevor die Umsatzrentabilität ermittelt wird. Im qualitativen Modul findet bei LC’s vom Betreuer eine umfassende Analyse und Einschätzung des jeweiligen Marktes und der Wettbewerbssituation sowie des Managements statt. Bei der Markteinschätzung wird u. a. auf folgende Punkte eingegangen:
• Marktanteil und Marktstellung
• Strukturelle Angebotsentwicklung
• Marken- und Produktimage
• Vorhandene Rechte, Patente, Lizenzen
• Kunden- und Lieferantenabhängigkeit
Damit die Aussagen informationstechnisch leichter erfasst werden können und der gesamte Ablauf des Ratingprozesses sowohl effektiv als auch standardisiert ablaufen kann, erhält jedes Attribut vier voreingestellte Merkmalsausprägungen zur Auswahl. So kann beispielsweise im Bereich des Marktanteils eine Auswahl zwischen folgenden Antwortausprägungen getroffen werden:
• Klarer Marktführer, mit Abstand höchster Marktanteil, beherrscht den Markt
• Mitführer (mehrere führende Anbieter mit ähnlichen Markanteilen), einflussreich
• Deutlicher Abstand zu(m) Marktführer(n), beschränkter Markteinfluss
• Unbedeutender Marktanteil und Markteinfluss
Bei der Beurteilung des Managements verlässt sich der Berater neben der persönlichen Einschätzung auch auf die Erfahrungswerte der Vergangenheit und macht Aussagen über
• Qualifikation im Tagesgeschäft,
30 Grundstruktur eines internen Ratings am Beispiel der Dresdner Bank AG
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 13
• Strategische Fähigkeiten,
• Zeitnahe Informationsbereitschaft,
• Informations- und Prognosequalität.
Die Struktur der voreingestellten Antwortausprägungen ist im qualitativen Modul des Ratings unabhängig von der Unternehmensgröße und der Branche für alle Unternehmen gleich. Großbanken nutzen ihr breit gefächertes Kreditportfolio mit verschieden Branchen verteilt über verschiedene Länder und beziehen in die einzelnen Ratings ein spezifisches Länderrisiko mit ein. Dieses wird in einem aufwendigen Verfahren über drei Blöcke zentral für die Gesamtbank ermittelt. Der erste Block bezieht Daten wie
• Reales Wirtschaftswachstum pro Kopf,
• Inflationsrate,
• Auslandsverschuldung in Prozent des Exports u. v. a.
mit ein. Im zweiten Block findet die qualitative Bewertung statt und lässt Aussagen über
• das Finanzsystem und Ressourcenallokation 31 ,
• die politische Stabilität und
• die äußere Sicherheit u. v. a.
zu. Da im dritten Block der Korruptionsindex (CPI 32 ) hinzugerechnet wird, kann der Länderrisikoscore auch in Industrieländern negativ beeinflusst werden. Nur in Ausnahmefällen werden abschließend noch Sonderfaktoren im Rating mit berücksichtig. Diese Faktoren beziehen sich auf latente Risiken, Branchenbesonderheiten und Besonderheiten der Bilanzierung und führen zu einer direkten Herauf- oder Herunterstufung um ein bis zwei Ratingklassen. Die Abbildung 7 stellt noch einmal die gesamte Ratingstruktur eines bankinternen Ratings in übersichtlicher Form dar. Das Rating von MC’s wird um einige Aussagen erweitert. Im quantitativen Modul werden neben den sechs Kennzahlen drei weitere errechnet, um ein umfassenderes Bild der Kapitaldienstfähigkeit und Kapitalstruktur zu erhalten. So werden bspw. auch die
31 In der Wirtschaftswissenschaft wird das Zuordnen knapper Ressourcen auf verschiedene
Verwendungsmöglichkeiten Ressourcenallokation genannt.
32 nähere Informationen unter www.transparency.org (22.06.2005)
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 14
Anlagendeckung 33 und Anlagenintensität 34 errechnet. Darüber hinaus wird das qualitative Modul des Ratings durch Aussagen über das Kontoverhalten ergänzt. Dem Firmenkundenbetreuer sind die Auswirkungen der Eingabe des Ratings natürlich bekannt und dennoch kann er hier konträren Zielen gegenüberstehen. Bei der Kontoführung und Limitausnutzung ist aus der ertragswirtschaftlichen Sicht der Bank, die volle Inanspruchnahme gewährter Linien sinnvoll. Dies wird aus bewertungstechnischer Sichtweise allerdings als negativ angesehen und führt zu einem schlechteren Rating. Die Gestaltung des Gesamtportfolios eines jeden Betreuers wird dagegen umso positiver bewertet, je mehr Unternehmen hoher Ratingstufen darin enthalten sind.
Eine schlechte Bonitätsklasse ist automatisch mit einer bestimmten
Ausfallwahrscheinlichkeit verknüpft, welche immer auch die Preisbildung beeinflusst. Das interne Rating bspw. der Dresdner Bank AG wurde im Zusammenhang mit der Betreuungsstruktur bereits im Abschnitt 2.2.3 erwähnt. Es ist über die Abstufungen von Klasse eins „Unzweifelhafte Fähigkeit zur Rückzahlung von Zahlungsverpflichtungen“ bis „Kreditnehmer ist in Zahlungsverzug“ in 16 Bonitätsklassen unterteilt.
35 eigene Darstellung
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 15
Vereinfachungen des Ratingprozesses bestehen dahingehend, dass bei
Tochtergesellschaften von Konzernen mit engen wirtschaftlichen Verflechtungen automatisch die Bonitätsklasse der Muttergesellschaft übernommen wird. Engagements, bei denen die Forderung bereits vollständig einzelwertberichtigt wurde, gehen automatisch in die Risikoklasse 15 über.
Die Kosten für die Erstellung eines bankinternen Ratings werden mit der Kreditbearbeitungsgebühr berechnet und erst bei Zustandekommen eines Kreditvertrages fällig. Im Gegensatz zum externen Rating beurteilt das interne Rating das Unternehmen auf Basis der aktuellen wirtschaftlichen Situation zum Zeitpunkt des Ratings. Es kann jährlich deutlichen Änderungen unterliegen.
Zusammenfassend bildet das interne Rating die Grundlage der Betreuungsstruktur, Kreditentscheidung und der Festlegung der Kreditkonditionen durch die Bank. 2.3.4 Risikoberechnung und Preisbildung im Kreditgeschäft Entscheidungen über das Eingehen von Kreditrisiken werden nicht nur von einer ausreichenden Eigenkapitalunterlegung abhängig gemacht, sondern vielmehr, ob das eingegangene Risiko mit den Ergebnisbeiträgen wirtschaftlich abgedeckt werden kann. Banken müssen wie jedes erfolgreiche Unternehmen mit den Erlösen die entstehenden Kosten erwirtschaften. Dies setzt besonders im Kreditgeschäft eine risikogerechte Preisgestaltung voraus. 36 Neben den Refinanzierungskosten, den Abschluss- und Bearbeitungskosten spielt die Ermittlung einer ausfall- und branchenorientierten Risikoprämie sowie der Eigenkapitalkosten eine wichtige Rolle bei der Preisbildung im klassischen Kreditgeschäft. Diese Kostenbestandteile eines Kredites werden nachfolgend in Abbildung 8 dargestellt.
36 Vgl. Bisani (2004), S. 118
37 Eigene Darstellung in Anlehnung an Bisani (2004), S. 119
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 16
Dabei haben die Basler Eigenkapitalvorschriften nur auf die Höhe der Eigenkapitalkosten direkten Einfluss. Wie im nachfolgenden Abschnitt aber deutlich wird, beeinflussen sie auch die Ermittlung der Risikokosten in Form des erwarteten Verlustes. 38 2.3.4.1 Berechnung des erwarteten Verlustes
Risiko ist die Gefahr einer negativen Abweichung eines tatsächlichen von einem geplanten Ergebnis. So ist die mögliche Erzielung eines Verlustes für sich genommen kein Risiko, sofern dieser Verlust in entsprechender Höhe geplant war. Das eigentliche Risiko entsteht also dadurch, dass die aufgrund von Kreditausfällen tatsächlich eingetretenen Verluste höher sein können als die planbaren, erwarteten Verluste. Über eine Gruppe von Unternehmen besteht historisch begründet eine bestimmte Ausfallquote. Werden diese historischen Ausfallraten in die Zukunft projiziert, kann damit gerechnet werden, dass auch für die Folgeperioden eine bestimmte Ausfallwahrscheinlichkeit besteht. Der erwartete Verlust (EL 39 ) eines solchen Portfolios ist die Summe aller einzelnen im Portfolio enthaltenen erwarteten Verluste. Da ein Banker nicht im Vorhinein schon bei der Kreditvergabe weiß, welches einzelne Engagement ausfällt, wird die errechnete Ausfallwahrscheinlichkeit der ganzen Gruppe im Voraus bei jedem Einzelengagement der Gruppe als Risikoprämie berechnet. 40 Der Steuerungsprozess des EL erfolgt im Wesentlichen durch das Management der Einzelkreditengagements. Im Abschnitt 2.4 wird eine Auswahl von Instrumenten dieses Überwachungs- und Steuerungsprozesses noch näher beschrieben.
Die Risikoprämie eines Kredites wird, wie in Abbildung 9 dargestellt, über drei Faktoren bestimmt. Hierbei besteht bei der kundenspezifischen Ausfallwahrscheinlichkeit (PD 41 ) ein direkter Bezug zum Ergebnis des internen Ratings. Dabei wird jeder Ratingklasse eine bestimme Ausfallwahrscheinlichkeit zugeordnet. Mit einer Verschlechterung der Ratingklasse nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalles überproportional zu. Der zweite Faktor stellt die erwartete Inanspruchnahme des Kredits zum Zeitpunkt des Ausfalls (EAD 42 ) dar. Im Gegensatz zu Darlehen verfügen Barkredite und Kredite des Umlaufvermögens üblicherweise über keinen regulären Tilgungsplan oder Regelungen über die Höhe der Inanspruchnahme. Die Einrechnung dieses Faktors berücksichtigt die Art des Kredites, das Kreditlimit und die damit verbundene Inanspruchnahme des Kredites entsprechend bei der Berechnung der Risikoprämie.
38 Vgl. Bisani (2004), S. 119
39 EL: Expected Loss
40 Vgl. Heinrich (2004), S. 388
41 PD: Probability of Default = Anzahl der Ausfälle / Anzahl der Kunden
42 EAD: Exposure at Default
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 17
Werden vom Kreditnehmer in ausreichender Höhe Sicherheiten zur Verfügung gestellt, mindert dies natürlich die Risikoprämie entsprechend. Diesem Umstand wird mit der Ermittlung des dritten Faktors Rechnung getragen. In die Verlustquote (LGD 43 ) fließen sowohl Informationen über die Art der Sicherheit, der realistisch anzusetzende Wert der Sicherheit, die Höhe des erwarteten Ausfalls als auch Informationen über eine erwartete Insolvenzquote mit ein. Diese kann in einem frühen Stadium der Konditionenfestlegung anhand eines Branchenvergleichs und einer Vermögensstrukturanalyse nur geschätzt werden. Mit Berücksichtigung der Art der Sicherheit wird den unterschiedlichen Bewertungsansätzen von bspw. vor- oder nachrangigen Grundschulden Rechnung getragen.
Bei der Berechnung des EAD wird berücksichtigt, dass ein Teil der üblicherweise nicht in Anspruch (IA) genommen Linien im Falle eines kurz bevorstehenden Ausfalls vom Kreditnehmer noch ausgenutzt wird. Das Ausmaß dieses Effektes hängt zusätzlich von der Produktart ab. Mit dem in nachfolgender Formel dargestelltem K-Faktor 45 wird diesem Effekt Rechnung getragen.
− − + = CEEF x ) Faktor K x ) IA Limit ( IA ( EAD
Um das Risiko zu ermitteln, das dem eines Barkredites äquivalent ist, ist das Exposure bei einigen Kreditarten daher mit einem Cashäquivalenzfaktor (CEEF 46 ) zu multiplizieren. Dieser berücksichtigt das Risiko der Inanspruchnahme beim Ausfall, das im Wesentlichen im Verhalten dritter Vertragspartner des Schuldnerunternehmens begründet ist 47 . So wird bspw. bei Lastschriften eine viel geringere Wahrscheinlichkeit für einen Rückruf angenommen als für die Erfüllung eines Kontrakterfüllungs- oder Leistungsavalkredites 48 .
43 LGD: Loss given Default
44 Eigene Darstellung in Anlehnung an Dresdner Bank Präsentation (2005)
45 K-Faktor: Prozentsatz der freien Linie, die neben der IA in die EAD-Berechnung eingeht
46 CEEF: Cash Exposure Equivalent Factor
47 Präsentation Dresdner Bank AG (2004)
48 Ein Bürgschaftskredit bei dem die Bank bspw. für evtl. Regressansprüche Dritter gegen den
eigenen Kunden eine selbstschuldnerische Bürgschaft übernimmt, wird Avalkredit genannt.
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 18
Wird der so errechnete EAD um die Sicherheitenerlöse (Recovery Rate), die Genesungsrate (Cure Rate 49 ) und die übrigen Insolvenzerlöse (Insolvenzquote 50 ) aus dem unbesicherten Teil der IA korrigiert und im Verhältnis zur ursprünglichen EAD betrachtet, ergibt sich die zur Berechung der Risikoprämie benötigte Verlustquote.
LGD
Die Kapitalverlustquote, deren Berechnung beispielhaft in Abbildung 10 grafisch dargestellt wird, hängt stark von der Kreditportfoliostrategie und der Effektivität des Abwicklungsmanagements ab und beträgt bei deutschen Geschäftsbanken z. Zt. ungefähr 60-70 Prozent.
Selbst wenn bereits ein Insolvenzeröffnungsverfahren beim Kreditnehmer eröffnet wurde, lassen sich die Insolvenzquote und Erlöse aus der Sicherheitenverwertung in diesem Stadium nur schätzen.
Die so nach Basel II ermittelten Risikokosten führen bei Unternehmen mit ohnehin wirtschaftlicher Schieflage theoretisch zu extrem hohen Zinsen. Die Ausgabe von Sanierungskrediten soll jedoch in die Krise geratenen Unternehmen die Aufrechterhaltung und Sanierung des Betriebes ermöglichen. Daher sind in späten Stadien der Unternehmenskrise hohe Zinssätze nicht mehr durchsetzbar oder wirtschaftlich. Die Praxis zeigt, dass in Folge dessen die Zinssätze bei solchen Krediten immer nur knapp über dem Refinanzierungszinssatz der Banken liegen und nicht der ursprünglichen Kalkulation nach dem oben geschilderten Risikokostenansatz entsprechen.
49 Die institutsabhängige interne Erfahrungsquote (z. Zt. zwischen 20-30 %) derer Unternehmen, die
sich nach Einstufung als Ausfall wieder erholen, wird auch Cure Rate genannt.
50 Für die Vorkalkulation werden institutsabhängige interne Erfahrungswerte (z. Zt. zwischen 5-10%
des unbesicherten Kreditteils) verwendet.
51 Eigene Darstellung
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 19
2.3.4.2 Berechnung des unerwarteten Verlustes
Es ist jedoch zu beobachten, dass trotz aller Planung die tatsächlichen Verluste des Portfolios vom EL abweichen können. Diese zweite Komponente neben dem EL spiegelt sich im unerwarteten Verlust (UL 52 ) oder dem „wahren“ Kreditportfoliorisiko wieder und stellt die Berechnungsgrundlage für die Eigenkapitalunterlegung 53 des Kreditrisikos dar. Zu den Einflussfaktoren, die zu einem UL führen, gehören
• der Diversifikationsgrad des Portfolios,
• bewusste Inkaufnahme von Risiken und entsprechende Steuerung,
• Strukturveränderungen und nicht ausreichende Datenhistorie und falsch berechnete
Risikoprämien sowie
• unvorhersehbare gesamtwirtschaftliche Ereignisse.
Der wird einerseits durch die relative Höhe der Diversifikationsgrad
Einzelengagementrisiken (Granularität), andererseits aber auch durch die Korrelationen zwischen den Einzelengagementrisiken und die damit verbunden direkten Klumpenrisiken gebildet. Bei positiver Korrelation fallen Kunden mit hoher Wahrscheinlichkeit gleichzeitig oder kurz hintereinander aus. Zwei Kredite mit einer solchen Korrelation, bspw. an einen Automobilzulieferer und an einen Automobilhersteller, stellen so ein Klumpenrisiko dar. 54 Durch die Hinterlegung von Risikokapital werden die Gefahr und das Ausmaß einer Schädigung der anderen Bankgläubiger bei unerwartetem Verlust vermindert. Doch die Bindung von Eigenkapital verhindert das Neugeschäft in entsprechender Höhe und erhöht somit die Kapitalkosten. Die bisherigen einfachen Vorschriften zur
Eigenkapitalhinterlegung von acht Prozent genügen diesen komplexeren Ansätzen allerdings nicht mehr und wurden mit „Basel II“ weiterentwickelt 55 . Die Aufteilung in die beiden genannten Risikoarten, wie sie in Abbildung 11 dargestellt werden, führen zu einer differenzierten Risikomessung. Deren Ziel ist es, die erwarteten Verluste mit hoher Wahrscheinlichkeit im Voraus berechen zu können, um das Risikokapital und die daraus entstehenden Risikokapitalkosten, die sich direkt auf die Zinspreisfindung und den Kunden auswirken, so gering wie möglich zu halten.
52 UL: Unexpected Loss
53 Vgl. auch Abschnitt 2.4.2
54 Vgl. Heinrich (2004), S. 389
55 Siehe auch Abschnitt 2.4.2
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 20
2.4 Regulatorisches Umfeld für das allgemeine Kreditgeschäft
Das Kreditgeschäft nimmt nach wie vor einen überragenden Stellenwert bei den meisten deutschen Banken ein. Aufgrund hoher Insolvenzzahlen und Bonitätsverschlechterungen vieler Firmen ist die Sparte in den letzten Jahren durch hohe Risikokosten belastet. Dies führte zu einer zunehmenden Strukturierung des Kreditgeschäfts. Heute befassen sich fast alle Kreditinstitute damit, differenzierte Kreditstrategien zu formulieren und das Kreditgeschäft neu zu organisieren. Neben der stagnierenden gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit hohen Insolvenzzahlen und schlechten Renditen sind insbesondere auch Veränderungen auf der aufsichtsrechtlichen Seite für den Umgestaltungsprozess der Banken verantwortlich. Hierzu gehören die Mindestanforderungen der Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin 57 ) an die Organisation des Kreditmanagements, „Basel II“ als zukünftiger neuer Rahmen für die Eigenkapitalunterlegungspflicht 58 sowie die jeweilige Übernahme dieser Bestimmungen in das deutsche Kreditwesengesetz (KWG).
Der folgende Abschnitt soll nach der jeweiligen Begriffsdefinition die aktuellen Anforderungen an das Kreditgeschäft der Banken seitens der Aufsichtsbehörde sowie den aktuellen Stand von „Basel II“ darstellen.
56 Eigene Darstellung in Anlehnung an Mercer Oliver Wyman: Strategisches Pricing von
Unternehmenskrediten, Präsentation vom 22.11.2003, S. 8, siehe auch
www.wima-kongress.de/2003/download/Strat.%20Pricing%20von%20Krediten.pdf (18.07.2005)
57 BaFin: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
58 Christians (2005), S. 4 f.
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 21
2.4.1 Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft (MaK)
2.4.1.1 Zum Begriff MaK
Die Risiken des Kreditgeschäfts spielen für die meisten Kreditinstitute eine besondere Rolle. In jüngster Vergangenheit führten u. a. hohe Abschreibungen zu massiven Problemen auch bei deutschen Banken und Sparkassen. Die Notwendigkeit, die Finanzsysteme zu stärken, ist zunehmend ins internationale Bewusstsein gerückt und bereits im Schlusskommuniqué des G7-Gipfels von Lyon im Juni 1996 wurden entsprechende Maßnahmen gefordert. Die Banken selbst haben ein primäres Interesse daran, dass neben ihrer eigenen Überlebensfähigkeit und wirtschaftlichen Kraft, das gesamte Bankensystem gestärkt wird. Das bedeutet, dass die Ziele der Bankenaufsicht eigentlich dazu führen sollen und können, dass die Banken in ihren Aktivitäten nicht gestört, sondern letztlich unterstützt werden. Die von der Bankenaufsicht publizierten Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft haben in starker Anlehnung an die bereits im Jahre 2001 vom Genossenschaftssektor veröffentlichten „verbundeinheitlichen Grundsätze für das Kreditgeschäft“ genau diese Themen aufgegriffen. 59 Per 20.12.2002 sind die Anforderungen in Kraft getreten, doch den Banken wurden verschiedene Übergangsfristen 60 bei der Umsetzung eingeräumt. 61 2.4.1.2 Struktureller Aufbau der MaK
Die Entwicklung der MaK erfolgte in einem Dialog zwischen Aufsicht, Kreditinstituten und Prüfern. Dabei reihen sich die MaK in die bereits bestehenden Mindeststandards für Handelsgeschäfte (MaH) 62 und für die Interne Revision (MaIR) 63 ein und stellen damit einen weiteren wichtigen Baustein im Rahmen der Entwicklung einer qualitativen Bankenaufsicht dar. Beide Konsultationspapiere aus dem Jahr 2002 beabsichtigen die Begrenzung der Risiken, die Sicherung der Solvenz, die Schaffung von Rahmenbedingungen für die Steuerung und die Überwachung von Risiken. Die Struktur der MaK lässt sich, wie in Abbildung 12 dargestellt wird, grob einteilen in Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Organisation des Kreditgeschäftes, Anforderungen an das Risikomanagementsystem und Bestimmungen hinsichtlich Auslagerung und Prüfung. 64 Das Kreditwesengesetz 65 bildet die rechtliche Grundlage der MaK und fordert von Kreditinstituten geeignete Regelungen zur Steuerung, Überwachung und Kontrolle der
59 Heinrich (2004), S. 384 f.
60 Übergangsfristen zur MaK-Umsetzung: 30.06.2004 für Anforderungen, die keine IT-Umsetzung
erfordern sowie 31.12.2005 für solche, die eine IT-Umsetzung erfordern
61 Vgl. Bundesbank (2003), S. 46 und Heinrich (2004), S. 385
62 Siehe auch www.bakred.de/texte/verlautb/minanfhg.htm (25.07.2005)
63 Siehe auch www.fma.gv.at/de/pdf/050218_m.pdf (25.07.2005)
64 Vgl. Heinrich (2004), S. 386 f.
65 § 25a Abs. 1 KWG
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 22
eingegangenen Risiken, über eine ihrem Geschäftsumfang und Tätigkeit angemessene Geschäftsorganisation und über angemessene Kontrollverfahren. Dabei stimmt die Definition des Kreditrisikos nach deutschem Recht 66 mit der international für bankaufsichtliche Zwecke üblichen Definition überein. 67 Neben der rechtlichen Grundlage basieren die MaK auf den Principles for the Management of Credit Risk des Basler Ausschusses (Basel I und II). Daher wurde bei der Erstellung der MaK vermieden, für die Implementierung aussagefähiger Risikoklassifizierungsverfahren, welche den wichtigsten Bestandteil einer risikobewussten Kreditentscheidung darstellen, bestimmte Verfahren vorzuschreiben.
Die Organisation des kompletten Kreditprozesses von der Akquisition bis zur möglichen Abwicklung des Engagements wird in den MaK geregelt. Wobei mit Hilfe der Unterteilung in Textziffern (Tz.) die vollständige funktionale Trennung und Aufteilung von Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Kompetenzen, wie die Abbildung 13 zeigt, dargestellt werden kann.
Abbildung 13: Ablauforganisation und MaK 69
66 §19 Abs. 1 KWG
67 Vgl. Bundesbank (2003), S. 46
68 Eigene Darstellung
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 23
Die weitere Unterteilung nach MaK in einen jeweils marktabhängigen und einen marktunabhängigen Bereich 70 sorgt für eine ausgewogene risikoorientierte Steuerung des Kreditgeschäfts.
Die Akzeptanz und der Erfolg der MaK in der Bankwirtschaft hängen von einer sachkundigen Auslegung der Begrifflichkeiten und der Anwendungserfordernisse ab. Daher wurde durch die BaFin ein Gremium aus Fachleuten verschiedener Institutgruppen, Prüfern, Verbandsvertretern und Mitarbeitern der Bankenaufsicht institutionalisiert, welches sich um Auslegungsfragen kümmern soll. 71
2.4.1.3 Überwachung und Steuerung des Kreditrisikos in den MaK In diesem Rahmen der Trennung des Steuerungsprozesses sollten nach den MaK unter Gesichtspunkten der Qualitätssicherung (Vier-Augen-Prinzip), der Trennung von Verantwortlichkeiten zur Auflösung von Interessenskonflikten und dem Gesichtspunkt der Spezialisierung idealerweise folgende Trennungsprinzipien eingehalten werden: 72
• Trennung zwischen Kreditbereich und Marktbereich
• Unabhängigkeit von Markt und Marktfolge also der Kreditgewährungs- und
Risikoübernahmefunktion mittels des Portfoliomanagements
• Trennung der dezentralen Einzelrisikosteuerung (EL) von der zentralen
Portfoliosteuerung (UL)
Dabei spielt die Gestaltung der Kreditprozesse und Arbeitsabläufe eine entscheidende Rolle bei der Einzelkreditrisikosteuerung. Eine Aufteilung der Einzelkreditrisikosteuerung in Teilprozesse ist auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichem Detaillierungsgrad möglich. Die MaK unterscheiden jedoch die Einzelprozesse nach Kreditgewährung, Kreditweiterbearbeitung, Kreditbearbeitungskontrolle, Intensivbetreuung, Behandlung von Problemkrediten und Risikovorsorge 73 . Wobei im Rahmen dieser Arbeit nur die Problemkreditbetreuung näher untersucht werden soll. 74
Die gesamte Steuerung von Risiken auf der Portfolioebene bildet dabei einen wesentlichen Bestandteil eines Kreditrisikomanagements nach MaK. Diese fordern zwar ein Verfahren zur Identifizierung, Steuerung und Überwachung der Kreditrisiken auf
69 Eigene Darstellung in Anlehnung an Christians (2005), S. 10
70 Theewen (2004), S. 13
71 Heinrich (2004), S. 386 f.
72 Vgl. Heinrich (2004), S. 399
73 BaFin (2002b), MaK, Tz. 36 - 66
74 Vgl. Heinrich (2004), S. 404
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 24
Einzelengagementebene 75 , doch die BaFin erwartet ebenfalls, dass diese Systeme auch auf Portfolioebene einsetzbar sind. 76
Auch unter Beachtung der MaK kann eine Bank auf der Basis der errechneten Risikoprämie grundsätzlich jedes Geschäft tätigen, sofern sie die Prämie für den EL im Markt vereinnahmen kann. Erst das Portfoliomanagement entscheidet, welche Risiken im Portfolio verbleiben und welche nicht. Die Kreditentscheidung wandelt sich tendenziell von einer „Ja/Nein - Entscheidung“ zu einer „Ja, aber zu einem bestimmten Preis - Entscheidung“. 77 2.4.1.4 Problemkreditmanagement in den MaK
Für die Sanierungsarbeit der Kreditinstitute sind ebenfalls die Normen zur Problemkreditbetreuung zu beachten. Die MaK subsumieren unter dem Begriff „Problemkreditmanagement“ sowohl Sanierungs- als auch Abwicklungsengagement. 78 Die Möglichkeit der Spezialisierung auf besondere Fähigkeiten und Tätigkeiten bei der Problemkreditbearbeitung machen es aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll, diese außerhalb des „normalen“ Kreditgeschäftes zu bearbeiten. Daher haben alle größeren Kreditinstitute bereits spezielle Einheiten geschaffen, in denen die mit besondern Risiken behafteten Kredite bearbeitet werden.
Bonitätsmäßig schlechtere Unternehmen sind auch gemäß MaK nach bestimmten Kriterien, wie bspw. stark rückläufige Ertragslage, häufige Überziehungen, Pfändungen etc. entweder der Intensivbetreuung oder der Problemkreditbetreuung zuzuführen. 79 Die unter Intensivbetreuung fallenden Kunden sind dann nach einem bestimmten Turnus anhand bestimmter Kriterien auf ihre weitere Behandlung hin zu überprüfen. Aufgrund derer findet die Eingruppierung in
die weitere Behandlung in der Intensivbetreuung, Rückführung in die Normalbetreuung oder Abgabe an die Abwicklung bzw. Sanierung
statt. 80 Die Sanierungsorganisation ist in den MaK unter Einräumung eines weiten Ermessensspielraums geregelt. Erfüllt ein gewerbliches Kreditengagement die festgelegten
75 BaFin (2002b), MaK, Tz. 72
76 Christians (2005), S. 6
77 Vgl. Heinrich (2004), S. 395
78 Vgl. Fischer (2005), S. 118
79 Heinrich (2004), S. 407
80 BaFin (2002b), MaK, Tz. 56 - 59
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 25
Kriterien, ist ein mit Sanierung vertrauter Mitarbeiter einzuschalten. 81 Mit Rücksicht auf kleinere Institute ist hierfür jedoch nicht zwingend die Einrichtung einer besonderen Abteilung „Sanierung“ erforderlich.
Sofern sich ein Kreditinstitut für eine Sanierung entscheidet, sind sämtliche weiteren Vorgänge von der Sanierungskonzepterstellung über die Betreuungs-und
Kompetenzstruktur bis hin zur Risikovorsorge und das Reporting in den MaK geregelt. 82 2.4.2 Basel II und die Einflüsse auf die Kreditbewertung
Anlass für die Einführung der derzeit noch geltenden Basler Eigenkapitalvereinbarung von 1988 (Basel I) war seinerzeit vor allem die Besorgnis der Zentralbankpräsidenten der G10-Länder, dass die Eigenmittel 83 der wichtigsten Banken weltweit auf einen gefährlich tiefen Stand gefallen waren. Im letzten Jahrzehnt wurde Basel I zu einem international akzeptierten Standard, der in weit über 100 Staaten im Bankwesen Anwendung findet. Seit Inkrafttreten haben sich die Kapitalmärkte jedoch stark verändert und die Anleger sind risikosensitiver geworden. Daneben standen die aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalanforderung zunehmend im Widerspruch zu den verbesserten bankinternen Methoden zur Messung des betriebswirtschaftlich erforderlichen Eigenkapitals sowie den weiterentwickelten Verfahren zur Risikomessung und -steuerung, insbesondere beim Rating über den IRB-Ansatz. 84 2.4.2.1 Zum Begriff Basel II
So wurden vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht bereits im Jahre 1999 erste Vorschläge zur Verbesserung erarbeitet. Mit weiteren Änderungen wurden diese am 20.06.2004 zu den neuen Rahmenvereinbarungen der Eigenkapitalanforderungen für Kreditinstitute (Basel II) im 3. Konsultationspapier verabschiedet 85 und treten im Jahr 2007 in Kraft.
Basel II basiert auf einem „Drei-Säulen-Konzept“ und umfasst neben den in der Öffentlichkeit am meisten diskutieren Mindestanforderungen an das Eigenkapital auch eine umfassendere Bankenaufsicht und eine unter dem Stichwort Marktdisziplin eingebundene erweiterte Offenlegungspflicht der Kreditinstitute. 86
81 BaFin (2002b), MaK, Tz. 58
82 BaFin (2002b), MaK, Tz. 59 - 66
83 Das deutsche Kreditwesengesetz (KWG) spricht im Zusammenhang mit dem Begriff Eigenkapital
von der Eigenmittelausstattung der Kreditinstitute
84 Vgl. Cluse (2004)
85 Vgl. Cluse (2004)
86 Übelhör / Warns (2004), S. 20
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 26
Grundsätzliches Ziel der neuen Regelungen nach Basel II ist einerseits die aufsichtsrechtliche Überwachung von Kreditinstituten näher an betriebswirtschaftlichen Risikomanagementprinzipien auszurichten und andererseits derzeit noch bestehende Regelungslücken zu schließen. 2.4.2.2 Unterlegung von Bankrisiken mit Eigenmitteln
Einer der Hauptgründe, der die deutschen Bankmanager derzeit zu massiven strukturellen Veränderungen im operativen Kreditgeschäft und im Kreditportfoliomanagement zwingt, sind die durch Basel II bevorstehenden Veränderungen der
Eigenkapitalunterlegungsvorschriften 88 (Säule 1).
Die Anforderungen der Eigenkapitalunterlegung in Höhe von acht Prozent nach Basel I wird auch bei Basel II beibehalten. Allerdings werden die Risikogewichte nun nach der Bonität der Schuldner differenziert. Bei guten Schuldnern ist zukünftig weniger Eigenkapital vorzuhalten als bei schlechten Schuldnern, so dass eine risikoadäquate Bepreisung der Kredite möglich wird. 89 Nach dem jetzigen Verhandlungsstand wird die Gewichtung der Risiken nach der folgenden Formel erfolgen: 90
Die Höhe der Eigenkapitalunterlegung ergibt sich aus der Summe der risikogewichteten Aktiva und dem 12,5-fachen der Eigenkapitalanforderung für das operationelle Risiko und das Marktrisiko. Für die Berechnung der jeweiligen Positionen kommen verschiedene
87 Übelhör/Warns (2004), S. 20
88 § 2 Abs. 1des EK-Grundsatzes zu §§ 10 ff. KWG
89 Übelhör/Warns (2004), S. 21
90 Vgl. Basel II (2003a), S. 7
2 Allgemeine Darstellung von Unternehmenskrediten Seite 27
Verfahren zur Anwendung, die unter dem Ansatz des externen Ratings und unter IRB-Ansätzen bereits erläutert wurden. 91
Die Tabelle 1 zeigt die wesentlich komplexere Unterscheidung der Gewichtungssätze für die Eigenkapitalunterlegung nach Basel II als die vorhergehende Aufteilung in lediglich vier Risikoklassen nach den Eigenkapitalunterlegungsvorschriften nach Basel I und einem Standardsatz von maximal acht Prozent.
Dabei werden die starke Orientierung an den Risikoklassen sowie die höheren Hinterlegungssätze für Unternehmen mit einer schlechteren Bonitätsklasse deutlich. Nach Schätzung der KfW 93 haben rund 70 Prozent der deutschen mittelständischen Unternehmen, die das Hauptgeschäft im deutschen Kreditbereich darstellen, eine Ratingnote von „BBB-“ und schlechter. Daraus resultiert das Bemühen der Banken, ihre Kreditportfolien nachhaltig zu diversifizieren oder nichtstrategische Kredite zu verkaufen 94 . Durch die Diversifikation lässt sich Eigenkapital einsparen, welches dadurch der Generierung von renditebringendem Neugeschäft zur Verfügung steht. Abbildung 15 stellt beispielhaft dar, wie der UL mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit von 99,0 Prozent 95 durch Eigenkapital gedeckt wird. Beide Portfolios haben den gleichen UL wobei das letztere besser diversifiziert ist und dadurch eine geringere Streuung um den UL hat. Die Wahrscheinlichkeit hoher Kreditausfälle ist geringer, so dass weniger Eigenkapital bei gleichem Sicherheitsniveau bereitgestellt werden muss. So wurde also durch eine aktive Steuerung der Verlustverteilung des Kreditportfolios 2 und eine Vergrößerung der Diversifikation eine Eigenkapitalersparnis erwirtschaftet.
91 Übelhör/Warns (2004), S. 21 f.
92 Eigene Darstellung in Anlehnung an Übelhör/Warns (2004), S. 25
93 KfW (2003), S. 17
94 Siehe Kapitel 5
95 Bei einem Jahr Haltedauer des Kredites
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Dipl. Wi.-Ing. Frank Wirtky, 2005, Management und Handel von notleidenden Unternehmenskrediten in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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