Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Definitorisches 3
2.1 zur Motivation 3
2.2 zur Motivierung 6
3. Motivation beim Fremdsprachlernen 8
3.1 Hintergründiges 8
3.2 Lernmotive im fremdsprachlichen Unterricht 10
4. Motivierungstechniken im Fremdsprachenunterricht 12
4.1 Themenwahl 12
4.2 Text Ton und Bild 13
4.3 Authentizität und Ganzheitlichkeit 14
5. Desiderate in Forschung und Praxis 16
6. Literaturverzeichnis 18
1
1. Einleitung
„Motivation, was hat das [...] mit Unterricht zu tun? Oder anders gefragt: Unterricht, was hat der [...] mit
1
Motivation zu tun? “ Dieser Frage – wenigstens in Ansätzen – nachzugehen, ist Ziel der vorliegenden Arbeit, die allerdings nicht mehr wird leisten können als einen thematischen Überblick. Letzterer wird erfolgen über eine definitorische Annäherung an die zu Grunde gelegten Begrifflichkeiten der Motivation und, damit einhergehend, auch des Motivs einerseits sowie der Motivierung andererseits. Einer Auseinandersetzung mit der Herausbildung von Motivation und Motiven im Rahmen des Fremdspra-chenlernens soll schließlich eine Darstellung ausgewählter Motivierungstechniken folgen, die im fremdsprachlichen Unterricht zur Anwendung kommen können beziehungsweise sollten. Überlegungen zu Desideraten sowohl hinsichtlich Motivationsforschung als auch in Bezug auf Motivation und Motivierung im Fremdsprachenunterricht werden im Schlusskapitel dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen.
1
Reisener, Helmut. „Motivation im heutigen Lernkontext: Ein Dutzend Punkte “ . Fremdsprachenunterricht 1/1995: 14. Zur in dieser Arbeit angewendeten Zitierweise sei angemerkt, dass bei jeder Erstnennung eines Werkes dessen komplette bibliographische Angaben in einer Fußnote wiedergegeben werden; spätere Verweise auf ein schon genanntes Werk oder entsprechende Zitatbelege erfolgen vermittels einer verkürzten Angabe in Klammern (Autor und Veröffentlichungsjahr, Seitenzahl) direkt nach der relevanten Stelle im Text.
2
2. Definitorisches ...
In seinem Artikel „Fremdsprachenlerner “ , 2003 in der
Fremdsprachenunterricht (wieder)
definiert Henning Düwell Motivation im Kontext des
Fremdsprachenunterrichts als
ein zeitlich begrenzter, zielgerichteter Prozess, der nach
Auslösung einer sowohl kognitiv als auch emotional
determinierten Bereitschaft zu handeln durch Anstrengung
solange aufrecht-erhalten wird, bis das oder die angestrebte(n)
Ziel(e) erreicht worden ist bzw. sind. Die ziel-gerichtete
Handlung kann auch vorzeitig durch andere ins Spiel kommende
Kräfte in ihrer Intensität abgeschwächt oder ohne
Zielerreichung ganz zum Stillstand gebracht werden. 2
Motivation ist demnach nicht als Automatismus, sondern
als Prozessverlauf zu begreifen (vgl. Düwell 2003,
348). Hiermit sind nicht nur wesentliche Punkte der
allgemeinen (Lern-) Motivation bereits angesprochen,
sondern auch solche, die im Zusammenhang mit dem hier
zu betrachtenden schulischen Fremdsprachen-unterricht
von besonderem Interesse sind. In der aktuellen
Forschung wird Motivation als eng verknüpft mit
Emotion, Kognition und der von Düwell mit dem Begriff
‚Anstrengung’ belegten Volition
Weiteren klingt bei Düwell eine – in negativer wie
positiver Hinsicht mögliche – Beeinflussbarkeit von
Motivation an, was einen entscheidenden Faktor im
Hinblick auf die Motivierung von Lernenden durch
Lehrende darstellt. In dem vorliegenden Abschnitt soll
nun eine allgemeine definitorische Annäherung an die
Begriffe Motivation und Motivierung unternommen werden;
in den nachfolgenden Kapiteln wird eine Spezifizierung
derselben hinsichtlich des Fremdsprachen-lernens und -
unterrichts erfolgen.
2.1 ... zur Motivation
In dem Kapitel über die „Psychologie des Lerners“ des
Lehrbuchs Pädagogische Psychologie ist von einer
2 Düwell, Henning. „Fremdsprachenlerner. “ Karl-Richard Bausch, Herbert
Christ, Hans-Jürgen Krumm. Handbuch Fremdsprachendidaktik.
Tübingen/Basel: A. Francke, 4 2003, 348.
3
Überlappung der Begriffe Emotion und Motivation die
Rede, die wiederum „in enger wechselseitiger Beziehung
3 zum Begriff Kognition“
könnten motivationale Impulse Bestandteile von Emotion
„emotional getönt “ (Wild/Hofer/Pekrun 2001, 215);
zugleich seien außerdem Kognitionen „Bestand-teile von
Emotionen und motivationsrelevante Überzeugungen [...]
kognitiv repräsentiert“ (ebd.).
emotionalen und kognitiven
Motivation folgt (nicht nur) nach Heinz Heckhausens
4 ‚Rubikon-Modell’ eine Phase
beziehungsweise des Aktionalen. In diesem Kontext ist
auch der Interesse-Begriff zu erwähnen, der nach der
5
einer Person zu
(Wild/Hofer/Pekrun 2001, 220 f.) bezeichnet; sowohl das
Interesse als auch die Motivation sind bedingt durch
ein vielfältiges Zusammenwirken von
kognitiven und intentionalen Faktoren (vgl. ebd.).
Vor allem im Zusammenhang mit der Lernmotivation
sinnvoll und nutzbringend scheint die Unterscheidung
6 es ist
von intrinsischer und extrinsischer Motivation;
allerdings darauf zu
extrinsisch motiviertes
antagonistisch, sondern vielmehr als sich gegenseitig
ergänzend und in Wechselbeziehung zu anderen Faktoren
7 stehend anzunehmen. Die intrinsische Motivation
3 Wild, Elke, Manfred Hofer, Reinhard Pekrun. „Psychologie des Lerners. “
Andreas Krapp, Bernd Weidenmann (Hg.). Pädagogische Psychologie. Ein
4 Lehrbuch. Weinheim: Beltz Psychologie Verlags Union, 2001, 215.
4 Vgl. Heckhausen, Heinz. Motivation und Handeln: mit 52 Tabellen.
2 1989. Das ‚Rubikon-Modell’ wird in der aktuellen Berlin: Springer,
Forschung zum Teil als zu idealtypisch und insofern unvollständig
kritisiert (vgl. u. a. Rustemeyer, Ruth. Einführung in die
Unterrichtspsychologie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesell-schaft,
2004, 50). Es unterscheidet vier Phasen: die prädezisionale der
Intentionsbildung, die präaktionale der Intentionsinitiierung, die
aktionale der Intentionsrealisierung und die postaktionale der
Intentionsdeakti-vierung; die um die eindeutig volitionale dritte Phase
der Aktion gruppierten Phasen werden der Motivation zugerechnet.
5 Vgl. Krapp, Andreas. „Das Interessekonstrukt. “ Ders., Manfred Prenzel
(Hg.). Interesse, Lernen Leistung. Neuere Ansätze einer pädagogisch-
psychologischen Interessenforschung. Münster: Aschendorff, 1992, 297-329.
6 Vgl. u. a. Reisener, Helmut. Motivierungstechniken im
Fremdsprachenunterricht. Übungsformen und Lehrbuch-arbeit mit englischen
und französischen Beispielen. Ismaning: Hueber, 1989, 11.
7 Zwar wird die Abgrenzung von intrinsischer und extrinsischer Motivation
teilweise nicht zu unrecht als problematisch kritisiert (vgl. u. a.
4
bezeichnet die „Auseinandersetzung mit Lerninhalten ‚um ihrer selbst willen’ “ (Wild/Hofer/Pekrun 2001, 221), bezieht sich also auf Lernbereitschaft integrativen Charakters, die „von der positiven Erlebnisqualität her[rührt], die unmittelbar mit dem Handlungsvollzug assoziiert wird“ (ebd.). Die extrinsische Motivation hingegen ist zweckbestimmt und also instrumenteller Art;
motivationalen Impulse ‚von außen’: „Instrumentelle Handlungen sind extrinsisch, weil sie nicht wegen der unmittelbaren Anreize der Handlung als solcher, sondern wegen der antizipierten Folgen ausgeführt werden. “ (Ebd.) Wenn sie vielleicht auch angesichts der extrinsischen Motivation am deutlichsten zu Tage zu treten scheint, so ist doch in Bezug auf alle bisher genannten Motivationskomponenten gemäß einer dynamisch-interaktionistischen Sichtweise (vgl. Rustemeyer 2004, 13) von beziehungsweise einer gegenseitigen Bedingtheit von Person und (sozialer) Umwelt auszugehen: „Die Variablen Person und Umwelt bilden eine untrennbare Einheit und ihr Einfluss kann nicht isoliert betrachtet werden. “ (Ebd.) In der Motivationspsychologie wird darüber hinaus „unterschieden zwischen der Motiviertheit als einem aktuellen Zustand und dem Motiv als einer relativ stabilen Disposition der Person “ (Rustemeyer 2004,
8
12). Bei Walter Apelt findet sich demgegenüber die Abgrenzung einer „generelle[n] und relativ gefestigte[n]
9
Verhaltensdisposition “ von einer „spezielle[n] Moti-vation im konkreten Lehr-
Rustemeyer 2004, 29 f.), dennoch greift die aktuelle pädagogische Mo-
tivationsforschung mehrheitlich auf diese Unterscheidung zurück; es sei
aber nochmals betont, dass die Verwobenheit von intrinsischer und
extrinsischer Motivation dabei unbedingt mitreflektiert werden muss.
8
Motiviertheit ist hier als Synonym für Motivation zu verstehen,
anstelle des Begriffs Motiv ist in der neueren Literatur und Forschung
zum Thema oft von motivationaler oder Zielorientierung die Rede (vgl.
Rustemeyer 2004, 12 sowie Wild/Hofer/Pekrun 2001, 218). Analog zur
Unterscheidung von Motiv und Motiviertheit wird auch Emotion einerseits
als situativer, momentaner Zustand und andererseits als dispositionelle
Reaktionstendenz begriffen (vgl. Rustemeyer 2004, 11).
9
Apelt, Walter. „Motivation im Fremdsprachenunterricht – Bilanz und
Ausblick (2). “ Fremdsprachenunter-richt. 3/1996: 167. (Im Folgenden wird
auf diesen Aufsatzteil mit dem Kürzel: Apelt 1996 b verwiesen.)
5
und Lernprozeß“ (Apelt 1996 b, 167), der Aktual-
motivation. Apelt bezeichnet Motive in ihrer Vielfalt
und unterschiedlichen Zusammenwirkung als „Ursachen
bzw. Handlungsbeweggründe “ (ebd.),
Motivation determinieren; letztere erscheint demzufolge
„als ein Gefüge von Motiven, als eine allgemeine
Handlungsdynamik“ (ebd.) oder – um mit John Brian
Walmsley zu sprechen –
10 Antriebskräften“ . In Erweiterung des auf seine
Dichotomie reduzierten Verständnisses von intrinsischer
und extrin-sischer Motivation, wie es beispielsweise
noch dem Aufsatz „Motivation
Fremdsprachenunterricht“ Günther Zimmermanns aus dem
Jahr 1970 zu Grunde gelegt ist, nennt Apelt vier
Aspekte, die im Kontext
berücksichtigen sind und die bereits weiter oben
angesprochen wurden: den kognitiven, den emotionalen,
den sozialen sowie den historisch-gesellschaftlichen
Aspekt (vgl. ebd., 168); ausführlicher wird hierauf in
Kapitel 3 eingegangen werden. Konkretisierend in Bezug
auf die Lernmotivation und
zusammenfassend, lässt sich unter Rückgriff auf Ruth
Rustemeyers Einführung in die Unterrichtspsychologie
festhalten, dass
Emotion und Motivation durch vorauslaufende Kognitionen wie z.
B. lernrelevante Erinnerun-gen, Attributionen, Erwartungen aber
auch Interessen und Wertzuschreibungen ausgelöst werden.
Emotion und Motivation beeinflussen dann ihrerseits das
Lernverhalten der Person und ihre Handlungskontrolle, also die
bewusste Steuerung des Lernverhaltens und wirken damit auf die
Lernleistung (dies. 2004, 13).
2.2 Motivierung
Während bei der vorangegangenen, noch recht allgemein
gehaltenen Beschäftigung mit der Motivation deren
Verortung in einem Wirkungsgeflecht von
Umwelteinflüssen, persönlichen
Beziehung des Individuums zu seiner Umwelt (vgl.
11 Reisener 1989, 13) im Mittelpunkt stand und auch
Vgl. Walmsley, John Brian. „Motivationsarten und
Fremdsprachenunterricht. “ Neusprachliche Mitteilungen. 1/1977: 66.
11 In diesem Zusammenhang sei auf das „Pfadmodell der Zusammenhänge
zwischen Unterrichtsbedingungen, Lernerleben und Lernkriterien “ Norbert
M. Seels verwiesen (ders. Psychologie des Lernens. Lehrbuch für Pädagogen
6
Quote paper:
Silvia Bannenberg, 2005, Aspekte der Motivation und Motivierung im Fremdsprachenunterricht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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