Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 2
2 TYPEN VON RASSISMEN 4
2.1 WHITECENTRISM 5
2.2 EUROZENTRISMUS 5
2.3 KULTURALISMUS 7
2.4 VERANDERUNG 8
2.5 XENOPHOBIE 10
2.5.1 Islamophobie 10
2.5.2 Germanophobie 11
2.5.3 Francophobie 11
3 AUFTRETEN UND CHARAKTERISTIKA VON RASSISMUS IN DER
BRITISCHEN PRESSE 12
3.1 NEGATIVE ASPEKTE 12
3.1.1 Hauptthemen der Berichterstattung 12
3.1.1.1 Kriminalitätssyndrom 12
3.1.1.2 Aktualitätssyndrom 14
3.1.1.3 Negativsyndrom 15
3.1.2 Gefahrensemantik 15
3.1.3 Quellen 16
3.1.4 Repräsentation von ethnischen Minderheiten 17
3.1.4.1 (Nicht ) Beachtung von minderheitsrelevanten Themen 18
3.1.4.2. Ethnische Minderheiten bei den Medienangestellten 18
3.2 POSITIVE ASPEKTE 19
3.3 UNTERSCHIEDE ZWISCHEN TABLOIDS UND BROADSHEETS 20
4 FALLBEISPIELE 22
4.1 IMMIGRANTEN UND ASYLSUCHENDE 22
4.1.1 Gesundheit 22
4.1.2 Kriminalität 23
4.1.3 Kosten 25
4.2 RROMA 25
4.3 ANDERE NATIONEN 26
4.4 ANDERE ETHNISCHE MINDERHEITEN 30
5 FAZIT 32
6 LITERATUR 34
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1 Einleitung
Nach dem Wahlerfolg der Labour Party 1997 titelte der Observer in seiner Hauptbericht-erstattung: "GOODBYE XENOPHOBIA!" (zitiert nach Law 2002: 36). Die Zeitung wähnte mit dem Regierungswechsel ebenso einen Richtungswechsel weg von einer allgemeinen Fremdenfeindlichkeit eingeläutet wie der Kolumnist Brian McNair, der in Bezug auf die Berichterstattung der Printmedien mutmaßte: "Racism is dying. Racists are increasingly isolated, finding no endorsement of their views from the media" (zitiert nach Law 2002: 43).
Nur drei Jahre später jedoch kritisierte die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) die britischen Printmedien mit dem folgenden Kommentar: "Particular concern is expressed at the consistent inflammatory attacks on asylum seekers and migrants coming to the UK, which have appeared in local but also in some national mainstream newspapers" (zitiert nach ICAR 2004: 80).
Sind in den britischen Printmedien nun also rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen festzustellen oder lassen sie sich in McNairs Sinne weitestgehend als rassismusfreien Raum interpretieren? Mit anderen Worten: Lassen sich die Printmedien tatsächlich als "Great Anti- Racist Show" bezeichnen oder erfolgt mit ihrer Hilfe eher, wie von Kritikern behauptet, eine Perpetuierung von real existierenden Vorurteilen und Stereotypen oder, im Extremfall, sogar überhaupt erst die Schaffung dieser Vorurteile?
In der vorliegenden Arbeit werde ich versuchen, mich dieser Fragestellungen von verschiedenen Seiten aus zu nähern. In einem einleitenden theoretischen Teil werde ich daher zuerst die verschiedenen Typen von Rassismen definieren und erläutern. Dabei möchte ich mich nicht auf einen traditionellen Rassismusbegriff stützen, der auf eine Definition des biologischen Rassismus angelegt ist, sondern vielmehr mit einer modernen Definition arbeiten, die auch die neu entstandenen Formen des rassistischen Denkens mit einschließt.
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In einem zweiten Teil werde ich mich dann mit dem generellen Auftreten und den Charakteristika der Rassismen in den Printmedien auseinandersetzen. Hierbei werde ich zuerst die negativen Aspekte der Berichterstattung behandeln, um dann auf die Merkmale von "Best Practice"- Beispielen zu sprechen zu kommen. Des Weiteren möchte ich mich in diesem Kapitel mit den Unterschieden zwischen der Berichterstattung der sensationalistischen Tabloids und den seriöseren Broadsheets befassen. Im Gegensatz zum vierten Kapitel, in dem ich verschiedene Fallbeispiele analysieren werde, liegt der Schwerpunkt des dritten Kapitels dabei vor allem auf den generellen Merkmalen der Berichterstattung, wie sie dann auch anhand der Beispiele in Kapitel 4 nachzuvollziehen sein werden.
In einem abschließenden fünften Kapitel werde ich schließlich ein Fazit der Arbeit ziehen, indem ich die wichtigsten Punkte der Argumentation noch einmal resümieren und zusammenfassend bewerten werde.
Die Untersuchung und Analyse von rassistischen Einstellungen ist ein weites Feld, über das ich in dieser Arbeit leider nur in Ausschnitten berichten kann. Ich bitte deshalb um Verständnis dafür, dass ich sowohl in der Beschreibung der verschiedenen Rassismustypen als auch in den ausgewählten Fallbeispielen lediglich einen kleinen Querschnitt der behandelnswürdigen Themen und Aspekte geben kann. Dabei habe ich die aus meiner Sicht wichtigsten Felder herausgearbeitet. Abweichende Meinungen über die Prominenz und Interpretation dieser Stellen sind also durchaus möglich.
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2 Typen von Rassismen
Es gibt zahlreiche Definitionen des Rassismusbegriffs, die sich in mehr oder weniger starkem Maße unterscheiden. Allen Definitionen ist gemein, dass sie abwertende Denkmuster und daraus resultierende Verhaltensweisen gegenüber einer Gruppe von Menschen voraussetzen, die als fremd oder fremdartig eingestuft wird. Traditionell erfordert die Rassismusdefinition eine Unterteilung der Menschheit aufgrund von (imaginären) biologischen Unterschieden. So entsteht eine Hierarchie der "Rassen", an deren Spitze die eigene "Rasse" steht. Menschen anderer (angeblich biologischer) Herkunft werden als minderwertig eingestuft. Albert Memmi definiert Rassismus 1987 somit als "verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers . . . , mit der eine Aggression gerechtfertigt werden soll" (Memmi 1992: 151). Bei dieser Definition stehen ganz eindeutig die biologische Differenzierung sowie der Gewaltaspekt im Vordergrund.
Traditioneller Rassismus, bei dem explizit auf eine biologische Unterscheidung hingewiesen wird, nimmt in modernen Gesellschaften jedoch zunehmend ab. Im gleichen Maße steigen menschengruppenfeindliche Tendenzen an, die sich nicht auf die Unterteilung der Menschheit in Rassen berufen, sondern vielmehr auf eine Unterscheidung verschiedener Menschengruppen aufgrund ihrer Kultur verweisen. Ein moderner Rassismusbegriff muss somit auch diese Komponente umfassen.
Modernere Definitionen von Rassismus legen folglich geringeren Wert auf den (pseudo-) biologischen Aspekt des Rassismusbegriffs. In seinem 2005 erschienen Artikel "Wir und sie: Was Menschen zu `Fremden´ macht" weist Mark Terkessidis darauf hin, dass sich Rassismus weder um imaginäre biologische Unterschiede formieren muss, noch dass ihm notwendigerweise eine explizit aggressive oder feindliche Absicht vorausgeht:
"Wenn man über Rassismus spricht, dann geht es um eine Spaltung -- und zwar eine
illegitime Spaltung -- innerhalb einer Bevölkerung. Es geht nicht um `Feindlichkeit´
gegenüber `Fremden´, sondern um die Prozesse, in denen Menschen überhaupt erst
zu Fremden gemacht werden" (Terkessidis 2005: 23).
Weiterhin erläutert er, dass eine Konzentration der Rassismusdefinition auf die extremistische Ausformung des Rassismus, also die eigentliche aggressive
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Handlung, dazu führt, "dass Rassismus als eine Art `Betriebsunfall´ im normalen Funktionieren des Rechtsstaates gedeutet wird" (Terkessidis 2005: 24). Somit können alltägliche fremdenfeindliche Handlungen nicht als Rassismus gedeutet werden.
Ich sehe beide Definitionen in diesem Rahmen als verkürzt an: Weder ist Rassismus nur auf die biologische Unterteilung der Menschheit und auf tatsächlich aggressives Verhalten beschränkt, noch geht es dabei lediglich um eine Spaltung innerhalb einer bestimmten Bevölkerung. Aus diesen Gründen möchte ich mich für eine Definition von Rassismus aussprechen, die sowohl den Alltagsrassismus als auch den eher globalen Rassismus (wie zum Beispiel Antisemitismus) mit einschließt. Im Hinblick auf die vorliegende Untersuchung möchte ich mich somit Ian Law anschließen, der Rassismus folgendermaßen definiert: "Racism refers to those situations where ideas of stock or biological difference are given social significance and symbolically mobilised" (Law 2002: 10). Rassistisches Denken umfasst folglich alle Einstellungen, in denen verschiedene Gruppen von Menschen aufgrund ihrer angeblichen biologischen oder kulturellen Herkunft unterschieden werden. Im Hinblick auf diese Unterscheidung entsteht eine Hierarchie von Rassen oder Kulturen, die zu aggressivem Verhalten gegenüber den als minderwertig angesehen Gruppen führen kann.
In der Definition unterschieden werden muss des weiteren zwischen implizitem und explizitem Rassismus. In Bezug auf die mediale Berichterstattung meint expliziter Rassismus die "offene und bevorzugte Berichterstattung über Argumente und Positionen oder über Wortführer, die eine offene rassistische Politik oder Sichtweise verbreiten" (Hall 1982: 525). Implizierter Rassismus ist folgerichtig definiert als "jene scheinbar naturalisierten Repräsentationen von Ereignissen im Zusammenhang mit Rasse - ob in Form von `Tatsachen´ oder `Fiktion´ -, in die rassistische Prämissen und Behauptungen als ein Satz unhinterfragter Vorannahmen eingehen" (Hall 1982: 525). Rassismus muss dem Produzenten beziehungsweise Träger also keinesfalls bewusst sein: "Tatsächlich aber hängt ein ideologischer Diskurs nicht von den bewussten Intentionen derjenigen ab, die innerhalb dieses Diskurses Aussagen formulieren" (Hall 1982: 526).
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Im Folgenden werde ich die im Hinblick auf die vorliegende Arbeit wichtigsten Formen des Rassismus kurz vorstellen. Ich möchte mit dieser Analyse natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Rassismus zeigt sich immer wieder in neuen und unterschiedlichen Formen und ob der Kürze dieser Untersuchung ist es nur möglich, einen kurzen Überblick zu geben.
2.1 Whitecentrism
Der Whitecentrism ist eine Unterform des Rassismus, die sich über den Vergleich mit anderen "Kulturen" manifestiert. Hierbei werden alle kulturellen und sozialen Gegebenheiten einer als fremd angesehenen Gruppe oder Kultur mit einer imaginären "weißen Norm" verglichen: "Treatment, presentation and representation use a homogenous white yardstick, which in seeking to subvert whiteness reestablishes white `normality´" (Law 2002: 26). Bei diesem Vergleich wird die jeweils andere Kultur negativ beurteilt und folglich als minderwertig eingestuft.
"Whiteness", d.h. das konstruierte Gefüge weißer (meist westlicher) Normen, wird als Normalität angesehen, von der alle nicht- weißen Kulturen abweichen. Die Perzeption von Mitgliedern dieser weißen Kultur erfolgt durch deren Darstellung als individuell, verschiedenartig und komplex. Nichtweiße Menschen und Kulturen hingegen besitzen gemäß diesem Konstrukt immer gleiche (und Charaktereigenschaften.
Im Zusammenhang mit diesem Konzept ist zu beachten, dass die postulierte "Whiteness" keine soziale Realität ist. "Weiße" Normen sind eine "kulturell konstruierte Kategorie" (Dyer 1994: 65), die weder genau definierbar sind noch einer historischen oder gesellschaftlichen Untersuchung standhalten.
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2.2 Eurozentrismus
Der Eurozentrismus ist eine Ausprägung des Ethnozentrismus, der gekennzeichnet ist durch "the tendency to look at the world primarily from the perspective of one's own culture" (Wikipeda 2005b: 1). Ethnozentrismus findet sich in fast allen Kulturen wieder, besonders ausgeprägt ist er jedoch bei Mitgliedern von Großmächten und Imperien. Law bezeichnet ihn auch als "kolonialen Rassismus" (Law 2002: 29).
Ähnlich wie der Whitecentrism, der andere Kulturen im Vergleich mit weißen Normen abwertet, benutzt der Eurozentrismus imaginäre europäische soziale, ökonomische und kulturelle Normen, um andere Normen negativ zu attributieren. Diese imaginären europäischen Normen konzentrieren sich dabei primär um die kulturelle Tradition Nordwesteuropas. Eurozentrismus ist somit "the practice, conscious or otherwise, of placing emphasis on European (and, generally, Western) concerns, culture and values at the expense of those of other cultures" (Wikipeda 2005a: 2).
Kennzeichnend für den Eurozentrismus ist die Konstruktion einer linearen historischen Verbindung zwischen dem antiken Griechenland über Rom bis zum heutigen Europa (und oftmals Nordamerika). Geschichte wird als Aufeinanderfolge von Weltmächten und Imperien interpretiert. Kulturelle Errungenschaften werden den Gesellschaften Europas (vor allem Westeuropas) zugeschrieben: "In all cases, Europe, alone and unaided, is seen as the `motor´ for progressive historical change: it invents democracy, class society, feudalism, capitalism, the industrial revolution" (Shohat/Stam 1994: 2).
Dem "Westen" wird ein ihm innewohnender Fortschritt zur Demokratisierung zugeschrieben. Außereuropäische demokratische Traditionen werden nicht anerkannt. Anti- demokratischen Maßnahmen europäischer Mächte außerhalb Europas wird ebenso wenig Relevanz zugeschrieben wie den nichtdemokratischen Praktiken und Ereignissen innerhalb Europas und Nordamerikas in der jüngeren Vergangenheit (zum Beispiel Sklavenhandel, Imperialismus, Kolonialismus). Ein Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen und dem momentanen Reichtum und der Macht Europas und
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Quote paper:
Marion Klotz, 2005, Rassismus in den britischen Printmedien, Munich, GRIN Publishing GmbH
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