Universität Bielefeld
Fakultät für Geschichtswissenschaften, Philosophie und Theologie
Hausarbeit
Der Herodianische Tempel
von
Miriam Kleinemas
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - 3 -
2. Funktionen von Kultbauten allgemein - 5 -
3. Geschichtliche und religiöse Einordnung des Herodianischen Tempels - 8 -
4. Die Tempelanlage - 12 -
4.1. Das Tempelplateau - 12 -
4.2. Der Tempel - 14 -
4.2.1. Der Eingang - 14 -
4.2.2. Die drei Vorhöfe - 15 -
4.2.3. Das Innere - 19 -
5. Die liturgische Bedeutung des Herodianischen Tempels - 22 -
5.1. Das Kultpersonal - 22 -
5.2. Das Opfer - 25 -
6. Der Tempel heute – Die Klagemauer - 31 -
Schluss - 33 -
7. Abbildungen - 35 -
8. Literaturverzeichnis - 45 -
1. Einleitung
„Wer den Tempel des Herodes nicht gesehen hat, hat noch kein wahrhaft schönes Gebäude gesehen.“1
Dieses Sprichwort, das aus der Zeit des Herodianischen Tempels stammt lässt erahnen, dass es sich um einen prächtigen Bau gehandelt haben muss. Diese Pracht bzw. das Aussehen und der Aufbau des Tempels, aber auch dessen Funktionen geben sehr viele verschiedene Quellen wieder. Die Bücher von Flavius Josephus gehören einer dieser Quellen an. Er lebte zur Zeit des Tempels und beschrieb in seinen Büchern das Aussehen des Tempels sowie den dort stattfindenden Kult. Neben ihm gab es noch andere, wie zum Beispiel Philo von Alexandria. Auch er hat Bücher verfasst in denen er auf die Kulthandlungen der damaligen Zeit eingeht. Eine andere Quelle ist die Tora. Sie beinhaltet wichtige Gesetzte und Kultvorschriften und ist für das Judentum und das Christentum von Bedeutung. Im Christentum heißt die Tora „die fünf Bücher Mose“. Der „Talmud“, ein jüdisches Buch, das aus der „Mischna“ und der „Gemara“ besteht, darf auch nicht unerwähnt bleiben. Diese Schriften enthalten Bestimmungen zum Kult und Maßangaben zum Tempel. Weitere wichtige jüdische Schriften, bezogen auf den Herodianischen Tempel sind die „Tosefa“ und der „Midraschim“. Als letzte Quelle ist die Archäologie zu nennen. Archäologen haben es durch ihre Untersuchungen geschafft, einzelne Teile des Tempels zu rekonstruieren. Hilfreich waren ihnen dabei einerseits die Überbleibsel einzelner Teile des Tempels (z.B. Mauerreste) aber auch durch Ausgrabungen gefundene Gegenstände aus der damaligen Zeit. Zum Beispiel Münzen, die den Tempel zeigen.
Zwei Punkte, die im Zusammenhang mit den aufgeführten Quellen zu nennen sind, sind Zuverlässigkeit und Echtheit. Keiner kann heute mehr mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass der Tempel wirklich exakt so aussah wie z.B. Josephus ihn beschreibt. Bei der Mischna gibt es zudem das Problem, dass viele Aussagen über den Tempel erst nach 130 Jahren aufgeschrieben wurden und es daher fraglich ist, ob alles der Richtigkeit entspricht. Die Rekonstruktion wird demnach durch die Quellenlage erschwert.
Die von der Verfasserin dieser Arbeit verwendete Literatur (ausgenommen der Originalquellen) wurde von Wissenschaftlern verfasst, die sich ihrerseits auf die genannten Quellen bezogen haben und die danach versucht haben den Tempel und die dort stattfindenden Kulthandlungen zu rekonstruieren.
Im Vordergrund dieser Arbeit sollen die Funktionen des Tempels stehen. Dazu wird die Verfasserin wie folgt vorgehen:
Um den Tempel am Ende dieser Arbeit besser einordnen zu können, wird eine Übersicht über die Funktionen von Kultbauten allgemein gegeben (Kapitel 2.). Dort soll gezeigt werden, was in Kultbauten normalerweise stattfinden kann und wie dies geschieht. Anschließend wird die Verfasserin eine geschichtliche und religiöse Einordnung des Tempels vornehmen (Kapitel 3).
Im vierten Kapitel wird der Aufbau der Tempelanlage dargestellt. Im Besonderen wird auf den Tempel eingegangen. Hier soll dargestellt werden, dass der Tempel architektonisch gesehen aus mehreren Abschnitten bestand. Zudem sollen die Funktionen der Abschnitte herausgestellt werden. Das anschließende Kapitel (Kapitel 5) beschäftigt sich inhaltlich einerseits mit dem Kultpersonal (Kapitel 5.1) und andererseits mit den im Tempel stattfindenden Kulthandlungen (Kapitel 5.2). Dabei geht die Verfasserin in Kapitel 5.1 schwerpunktmäßig auf die Priester und in Kapitel 5.2 auf das „Opfer“ ein. Zudem sollen in diesem Kapitel die mit dem Opfer im Zusammenhang stehende liturgische Ordnung beschrieben werden. Das ist wichtig, um weitere Funktionen zu erkennen.
Im letzten Kapitel (Kapitel 6) kehrt die Verfasserin in die heutige Zeit zurück und geht auf den letzten noch existierenden Teil des Tempels ein, die Klagemauer. Auch an dieser Stelle sollen nach ein paar einführenden und erklärenden Worten die Funktionen der Mauer im Mittelpunkt stehen.
2. Funktionen von Kultbauten allgemein
In diesem Kapitel soll zuerst der Begriff „Kultbauten“ definiert werden. Dafür ist es notwendig das Wort „Kult“ näher zu bestimmen. Anschließend folgt ein allgemeiner Überblick über die Funktionen von Kultbauten.
S. Mowinckel definiert den Begriff „Kult“ im religionswissenschaftlichen Sinne wie folgt:
„I. K. kann definiert werden als die sichtbaren, gesellschaftlich festgesetzten und geordneten, wirkungskräftigen Formen, durch die das religiöse Erleben der Gemeinschaft zwischen Gottheit und »Gemeinde« verwirklicht wird und ihre Wirkungen ausübt. Kult ist somit kein Sondergebiet der Religion, sondern ein Hauptaspekt derselben, in Relation zu dem all ihre Phänomene betrachtet werden können.“2
[....]
1 Sprichwort aus dem Talmud, zitiert nach Meek, H. A. (1996): Die Synagoge. München: Knesebeck Verlag. S. 48, Hervorhebung die Verf..
2 Mowinckel, S.: Kultus, Religionswissenschaftlich. I. Definition. In: Galling, Kurt. (Hrsg.) (1960): Religion in Geschichte und Gegenwart: Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft.3. völlig neu bearbeitete Auflage. Bd. 4. Tübingen: J.C.B. Mohr. S. 120-126.
Arbeit zitieren:
Miriam Kleinemas, 2005, Der Herodianische Tempel, München, GRIN Verlag GmbH
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