Das Zweite Vatikanische Konzil
von Dawn Puckett
INHALT
1 DIE KONZILSPÄPSTE 3
2 ANKÜNDIGUNG UND ZIEL 5
3 DIE VORBEREITUNG UND ORGANISATION DES KONZILS 7
4 DER KONZILSVERLAUF 11
4.1 Die erste Sitzungsperiode (11. Oktober-8. Dezember 1962) 11
4.2 Die zweite Sitzungsperiode (29. September-4. Dezember 1963) 15
4.3 Die dritte Sitzungsperiode (14. September-21. November 1964) 20
4.4 Die vierte Sitzungsperiode (14. September-8. Dezember 1965) 29
4.5 Das Ende des Konzils 34
5 DIE BEDEUTUNG DES KONZILS FÜR DIE KATHOLISCHE KIRCHE 35
6 FAZIT 37
7 LITERATUR 38
1 DIE KONZILSPÄPSTE
Angelo Guiseppe Roncalli wurde am 25.11.1881 in Sotto il Monte geboren und stammte aus einer ärmlichen, kinderreichen Kleinbauernfamilie. Nach seiner Promotion und Priesterweihe in Rom im Jahre 1904 wurde er 1905 Bischofssekretär und Professor für Kirchengeschichte, Apologetik und Patrologie am Priesterseminar in Bergamo. Im Ersten Weltkrieg wurde Roncalli als Sanitäter und Militärskaplan eingesetzt. 1925 trat er, nach seiner Ernennung zum Apostolischen Visitator in Bulgarien, in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Im gleichen Jahr folgte seine Erhebung zum Titularerzbischof von Areopoli. Neun Jahre später ernannte ihn Papst Pius XI. zum Apostolischen Delegaten für die Türkei und Griechenland und zum Administrator des Apostolischen Vikariats in Istanbul. Roncalli lernte dadurch sowohl die griechisch-orthodoxe, sowie die unierte Kirche kennen. Während der Zeit der Besetzung Griechenlands durch die deutschen Truppen machte er sich durch seine
Hilfsbereitschaft für die Bevölkerung einen Namen. Ende 1944 wurde er überraschend von Papst Pius XII. als Nuntius, damals einer der wichtigsten und schwierigsten Posten des Vatikans, nach Paris berufen. Dort gelang ihm, die Abberufung der 33 der Kollaboration mit dem Vichy-Regime beschuldigten Bischöfe zu verhindern. Seit 1951 war Nuntius Roncalli auch ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei UNESCO. Am 12.01.1953 wurde er zum Kardinal kreiert.
Damit endete Roncallis diplomatischer Dienst. Sein neues Wirkungsfeld war das Patriarchat von Venedig. Dort war er ganz Seelsorger, 30 neue Pfarreien errichtete er in seiner
5- jährigen Amtszeit. Nach dem Tod Pius XII. wurde Kardinal Roncalli am 28.9.1953 im Alter von 77 Jahren zum Nachfolger gewählt. Dieser gab sich den Namen Johannes XXIII. Doch bei diesem Namen horchte man auf, noch mehr bei der Zählung. Hatte es nicht schon mal einen Johannes XXIII. (1410-1415) gegeben? Ja, aber dieser war allerdings lange umstritten, ob er als gültiger oder als Gegenpapst zu zählen sei. Mit ungewohnter Herzlichkeit, Bescheidenheit und Güte öffnete Johannes XXIII. sofort die Herzen der Menschen. Mit größter Selbstverständlichkeit verließ er den Vatikan und wallfahrtete mit der Eisenbahn nach Loreto und nach Asissi, was bei seinem Vorgänger Pius XII. unvorstellbar gewesen wäre. Die ganze Welt war begeistert von dem neuen Papst, der gerne Abstecher aus dem Vatikan in die nähere Umgebung machte. Er besuchte nicht nur Kirchen und kirchliche Seminare, sondern auch Spitäler, ja sogar Gefängnisse. Der Auftritt Johannes XXIII. hatte jedoch nicht nur Zustimmung gefunden. Kritiker fanden, hier wäre der Papst zu weit gegangen. Nichts desto trotz prägte er sich so in die Herzen der Menschen als der gute Papst, als der Papst der Öffnung der Welt ein. Er selbst sprach von sich als "Joseph, Euer Bruder". Was seit Pius IX. nicht mehr geschehen war, führte Johannes XXIII. wieder ein: die öffentliche Fußwaschung am Gründonnerstag.
Sein Amtsstil wich von seinen Vorgängern ab. Die Bischöfe waren in Johannes Augen nicht einfach Befehlsempfänger des Papstes, sondern seine Brüder, mit denen er zusammen die Kirche leitete.
Johannes XXIII. hatte acht Enzykliken verfaßt, von denen die "Mater et Magistra" (15.05.1961) und die "Pacem in terra" (11.04.1963) am bedeutesten sind. Mit der "Mater et Magistra" nahm er die große Tradition päpstlicher Sozialenzykliken wieder auf, betonte deren Bedeutung und entwickelte deren Soziallehren weiter. Großes Aufsehen erregte die Friedensenzyklika "Pacem in terra". Johannes XXIII. bezeichnete selbst sie als zweiten Pfeiler seines Pontifikats, als ersten sah er das Konzil.
Johannes XXIII. starb völlig unerwartet und von der ganzen Welt betrauert am Pfingstmontag ,den 3.06.1963 an Krebs.
Wie Johannes XXIII. war auch sein Nachfolger Paul VI. (1963-1978) Norditaliener. Als Sohn eines Rechtsanwalts und Politikers geboren, besuchte Giovanni Battista Montini ab dem 26.09.1897 das Priesterseminar in Brescia. Am 8.03.1920 wurde er zum Priester geweiht. Nach weiteren Studien an der staatlichen Universität trat er in die päpstliche Diplomatenakademie ein. 1954 wurde Montini zum Erzbischof von Mailand ernannt, 15.12.l958 zum Kardinal. Am zweiten Tag des Konklaves am 21.06.1963 wurde er zum Papst gewählt. Als vorläufig letzter Papst mit der Tiara gekrönt, gab er bei der traditionellen Krönungsmesse am 30.06.1963 sein Programm bekannt. Als ersten und wichtigsten Punkt nannte er die Fortsetzung und Vollendung des Konzils. Bemühungen um soziale Gerechtigkeit, um Frieden und um die Einheit der Christen. Paul VI. hatte 7 Enzykliken geschrieben, von denen "Populorum Progressio" (1967) als die bedeutendste gilt. Fragen der Weltwirtschaft, der dritten Welt und des Weltfriedens sind Grundthemen, die sie behandelt.
Ein weiterer Charakterpunkt des Pontifikats Paul VI waren seine Auslandsreisen, 1964 nach Israel und Jordanien, wo er mit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel zusammentraf. 1965 besuchte er Amerika und sprach vor der Vollversammlung der UNO. Paul VI. war nicht nur der erste Papst, der amerikanischen Boden betrat, sondern auch der Erste, der die anderen Erdteile besuchte.
Paul VI. starb überraschend am 6.08.1978 an Kreislaufversagen.
2 ANKÜNDIGUNG UND ZIEL
Schon Pius XI. (1922-1939) wollte zu Beginn seines Pontifikats ein Konzil einberufen, das eine Fortsetzung des unvollendeten I. Vatikanums (1869/70) sein sollte. Trotz positiver Reaktionen der Bischöfe verfolgte er das Projekt nicht weiter .
Pius XII. (1948-1958) hingegen hatte nach dem Krieg intensive Vorarbeiten für ein Konzil vornehmen lassen. Es war sogar schon eine Zentralkommission gegründet worden. Doch kam der Konzilplan aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitarbeitern und den Kommissionen zum Erliegen.
Die Konzilsankündigung Johannes XXIII. erfolgte spontan. Sie sei ihm gekommen während eines Gespräches am 20. Januar 1959 mit dem Kardinalstaatssekretär Tardini. Wie es der Papst selber schilderte, besprach man die Lage der Weltkirche. Johannes XXIII. beschrieb dieses Gespräch 1962 folgendermaßen: "Plötzlich so entsprang in Uns eine Eingebung wie eine Blume, die in einem unerwarteten Frühling blüht. Unsere Seele wurde von einer großen Idee erleuchtet ... Ein Wort, feierlich und verpflichtend, formte sich auf Unseren Lippen. Unsere Stimme drückte es zum ersten Mal aus- Konzil."
(Otto Hermann Pesch: Das Zweite Vatikanische Konzil, S.22, Zit. Johannes XXIII., Würzburg 1993)
Johannes XXIII. hatte kurz nach seinem Amtsantritt die Vorarbeiten aus der "Pius- Zeit" gelesen und wußte ohne langes Nachdenken, daß er dieses Konzil niemals einberufen würde . Sein eigener Konzilsplan entwickelte sich erst in den folgenden Jahren.
Am 25. Januar 1959 rief der Papst die in Rom 17 anwesenden Kardinäle zu einer Besprechung zusammen und verkündete die Einberufung eines Konzils: "Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne! Gewiß ein wenig zitternd vor Bewegung, aber zugleich mit demütiger Entschlossenheit im festen Vorsatz sprechen Wir vor euch den Namen und das Vorhaben aus: einer Diözesansynode der Stadt Rom und eines Ökumenischen Konzils für die Gesamtkirche."
(Otto Hermann Pesch: Das Zweite Vatikanische Konzil, S.47, Zit. Johannes XXIII, Würzburg 1993)
Die Ankündigung des Konzils löste bei mehreren Kardinälen Widerstand aus, denn sie sahen keinen Grund ein Konzil einzuberufen. Andere wiederum sahen u.a. ein Versprechen der langerwarteten Erneuerung oder eine Lösung des Problems über die Einheit der Christen. Ein Prälat machte den Papst auf die lange Vorbereitungszeit des I. Vatikanums aufmerksam und meinte, es sei unmöglich, schon 1963 ein Konzil zu organisieren. Darauf erwiderte Johannes: "Gut, dann werden wir es schon 1962 eröffnen."
(Otto Hermann Pesch: Das Zweite Vatikanische Konzil, S.47, Zit. Johannes XXIII, Würzburg 1993)
Was beabsichtige Johannes mit diesem Konzil?
[...]
Arbeit zitieren:
Dawn Puckett, 2000, Das zweite Vatikanische Konzil, München, GRIN Verlag GmbH
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