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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Soziale und politische Ordnung 4
2.1. Nürnberg, der Rat und die Patrizier 4
2.2. Soziale Schichtung und Ratsherrschaft 5
3. Die Patrizier 7
3.1. Ursprünge 7
3.2. Wirtschaftliche Aspekte 7
4. Die Stromer 11
4.1. Ulmans Familie 11
4.2. Ulmans politisches Wirken 12
4.3. Ulrich Stromer 12
4.4. Die Beziehungen zu Kaiser Karl IV 14
4.5. Stiftungen und Bautätigkeit 17
4.6. Das Ende des Stromerkonzerns 17
5. Die Mendel 18
6. Die Tucher 19
7. Charakterisierung 20
7.1. Der Nürnberger Patrizier - ein moderner „Homo ökonomicus“ ? 20
7.2. Der Nürnberger Patrizier - ein mittelalterlicher Stadtadliger? 21
8. Resümee 22
9. Literaturliste 23
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1. Einleitung
Das 14. Jahrhundert gilt als Zeit des Umbruchs und der Wandlung in Europa, in der sich in der Reichsstadt Nürnberg Entwicklungen abzeichneten, die bis zum Ende der Frühen Neuzeit ihre Wirkungsmächtigkeit behielten und somit gleichzeitig ein Stabilitäts- und Stillstandselement beinhalteten. Dabei fällt das Augenmerk fast zwangsläufig auf eine Schicht der Bevölkerung, welche die Geschicke dieser Stadt zum Großteil bestimmte: das Patriziat. Diese Arbeit stellt sich die Aufgabe, die Bedeutung der Patrizier Nürnbergs im sozialen und politischen, aber auch im wirtschaftlichen Bereich herauszustellen. Wie wirkten dabei die Bürger über die Stadtgrenzen hinaus bis auf die Reichsebene und in die „Große“ Politik? Dabei kommt man freilich nicht umhin, eine Selektion der zu betrachtenden Personen vorzunehmen. Es soll so der Rahmen der Übersichtlichkeit nicht gesprengt werden.
Nach der Einleitung werde ich im 2. Kapitel kurz allgemein zur Bedeutung der Patrizier in der fränkischen Reichsstadt schreiben, um danach die soziale Schichtung und die Ratsherrschaft zu beleuchten. Im folgenden 3. Kapitel betrachte ich sowohl die Ursprünge als auch die wirtschaftliche Seite der Nürnberger Oberschicht. Dann folgt der Schwerpunkt der Arbeit im 4. Kapitel, in dem ich einzelne Patrizierfamilien näher vorstellen werde. Insbesondere die Familie der Stromer hat einen breiten Raum dieses Abschnittes der Arbeit eingenommen, was nicht zuletzt an ihrem Gewicht im politischen Bereich liegt. So wird auch auf das Verhältnis zu Kaiser Karl IV. einzugehen sein. Nachdem die Familien der Mendel und Tucher (5. und 6. Kapitel), freilich in engerem Rahmen betrachtet wurden, wird die patrizische Oberschicht als solche charakterisiert. Es schälen sich hierbei zwei, wie es scheint, konträre Ansichten heraus (7. Kapitel). Ein Resümee fasst die gewonnenen Einsichten in die Geschichte der Nürnberger Patrizier hilfreich zusammen (8. Kapitel). Eine Literaturliste bildet als 9. Kapitel den Abschluss der Arbeit.
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2. Soziale und politische Ordnung
2.1. Nürnberg, der Rat und die Patrizier
Die Stadt Nürnberg konnte im Verlauf des Spätmittelalters zahlreiche andere Städte, darunter auch das vormals in Oberdeutschland mächtige Regensburg in seiner Bedeutung zurückdrängen 1 . Zeitweilig galt die Stadt als wichtigste Reichsstadt des späten Mittelalters wie Peter Moraw schreibt 2 .
Dabei wurde Nürnbergs Geschick im späten 13. und dann vor allem ab dem 14. Jahrhundert von einigen wenigen ratsfähigen Familien geleitet, welche in der bedeutendsten politischen Institution der Stadt, dem Kleinen Rat, saßen 3 . Dieser Kleine Rat hatte bei allen ausschlaggebenden Angelegenheiten ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, auch wenn der Kompetenzbereich der Städter ursprünglich nicht so weit ging. Noch im 13. Jahrhundert hatten Reichsbeamte und der Nürnberger Burggraf das Regiment in der Hand, wenngleich die Bürgerschaft bereits als Rechtssubjekt anerkannt wurde 4 . Dies änderte sich im Laufe der Zeit, so dass schließlich die ursprünglich Verantwortlichen aus ihren Schlüsselpositionen herausgedrängt wurden 5 , ohne dass die Bürger dabei meist auf direkte Konfrontation setzten. Die entsprechende Entwicklung ging schrittweise vonstatten. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Komplexe erfasst, doch soll dies nicht das bestimmende Thema dieser Ausarbeitung sein. Nur so viel sei gesagt, dass der Rat zum Beispiel die Bildung von Zünften und Innungen unterdrückte, die Handwerker bevormundete 6 , Kleiderordnungen und Verhaltensregeln aufstellte, um sich so besser gegenüber anderen Ständen abgrenzen zu können. Er übernahm selbst die Verwaltung der Kirchen der Stadt, die niedere Gerichtsbarkeit auch im Umland und vieles andere mehr 7 . Die vom Rat mitunter hart bekämpften Zünfte, die nichtzunftfähigen Handwerker und erst recht die Unterschichen konnten keinen bedeutenden Einfluss auf die politischen Entscheidungen
1 Waas, Adolf: Der Mensch im deutschen Mittelalter. Graz 1964. S. 182.
2 Moraw, Peter: Monarchie und Bürgertum. In: Seibt, Ferdinand (Hrsg.): Kaiser Karl IV. Staatsmann und Mäzen. München ²1978. S. 45.
3 Hirschmann, Gerhard: Das Nürnberger Patriziat. In: Deutsches Patriziat 1430-1740. Limburg an der Lahn 1968. S.
257.
4 Hirschmann 1968. S. 259.
5 Hofmann, Hanns Hubert: Nobiles Norimbergenses. Beobachtungen zur Struktur der reichsstädtischen Oberschicht. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 28/1965. S. 119ff. Äußerst bedeutend für diese Entwicklung war schließlich das Kaiserprivileg von 1313, das einen Großteil der Ratsautonomie festlegt. Vgl. Hofmann 1965. S. 121.
6 So legte der Rat die Zahl der Lehrlinge und Gesellen eines jeden Handwerksmeisters fest, regelte die Preise der Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren und vergab Import- und Exportmonopole. Vgl. Grote, Ludwig: Die Tucher. Bildnis einer Patrizierfamilie. Passau 1961. S. 54; Hofmann 1965. S. 131f. und S. 137.
7 Hofmann 1965. S. 135f.; Pitz, Ernst: Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands im Mittelalter. Wiesbaden
1979. S. 166.
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nehmen, sieht man einmal vom Aufstand von 1348/49 ab. Und gerade die Handwerker, die sich durch ihren Gewerbefleiß hervortaten, wurden rigoros vom Patriziat bevormundet 8 . Während in anderen Städten die Kämpfe zu Beteiligungen der Zünfte am Stadtregiment führten oder gar eine reine Zunftherrschaft etabliert werden konnte, blieb dies in Nürnberg völlig aus 9 . Die Patriziatsherrschaft wurde im Gegensatz dazu nach 1349 noch verstärkt 10 und hielt bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an. Erst 1794 wurde ein Vertrag geschlossen, welcher das politische Regiment der Oberschicht empfindlich einschränkte. Endgültig ging sie 1806 im Zuge der Napoleonischen Ära unter 11 .
Wie zeichneten sich nun diese ratsfähigen Familien aus? Wie können wir sie fassen? Welche wirtschaftlichen, politischen und sozialen Unternehmungen kennzeichneten sie? Diese und andere Fragen zum Nürnberger Patriziat möchte ich stellvertretend an den Familien der Stromer (auch Stromeir), Mendel und Tucher beantworten. Oft können daraus auch allgemeine Schlussfolgerungen zur gesamten leitenden Oberschicht der Stadt gezogen werden. Auszugehen ist besonders bei den Stromers von einem Vertreter der Familie, der ein Handelsbuch, welches zugleich eine Familienchronik darstellt, verfasst hat: Ulman Stromer und sein „Püchel von mein geslecht und von abentewr“ 12 . Bevor ich mich nun der Oberschicht im Speziellen widme, noch einige Worte zur sozialen Schichtung der Stadt.
2.2. Soziale Schichtung und Ratsherrschaft
In der Stauferzeit vollzog sich der Übergang von der grob in Adel, Freie und Hörige gegliederten zur berufsständisch geordneten Gesellschaft. Letztere kann für Nürnberg und andere Städte zur besseren Übersicht in die zahlenmäßig größte Gruppe der Unterschichten, dann der Stelleninhaber (Handwerksmeister, Krämer, Zünfte) und schließlich die des niederen Adels bzw. der städtischen Führungsschicht eingeteilt werden 13 .
8 Kusch, Eugen: Nürnberg. Lebensbild einer Stadt. Nürnberg 1989. S. 67.
9 Adolf Waas nennt Esslingen, Ulm, Freiburg und andere Städte als Beispiele für eine Teilung der Regierungsgeschäfte mit den Zünften und Magdeburg, Stendal und Biberach für eine fast völlige Zunftherrschaft. Waas 1964. S. 195. Auch Eugen Kusch nennt Ulm, Lindau und Augsburg als Städte, in denen die Zünfte verstärkten Einfluss erlangten. Vgl. Kusch 1989. S. 63.
10 Pitz 1979. S. 166. Für einen knappen Überblick über die politischen Strukturen der Stadt Nürnberg siehe Kusch
1989. S. 63ff.
11 Hirschmann 1968. S. 270f.
12 Für diese Arbeit verwandt wurde: Stromer, Ulman: „Püchel von mein geslecht und von abentewr“. Teilfaksimile der Handschrift Hs 6146 des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg (Hrsg.: Verband Deutscher Papierfabriken). Bonn 1990. S. 91-144.
13 Auch eine andere Einteilung (in politisch Partizipierende und von der Teilhabe am politischen System Ausgeschlossene) wäre denkbar.
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Zur politisch machtlosen Unterschicht zählten so neben Bettlern, Zigeunern und anderen marginalisierten Berufsgruppen auch Tagelöhner, Gesellen, Dienstmägde und die Juden, denen keine gewerblichen Stellen (allerdings mit Ausnahmen) zugänglich waren. Die Stelleninhaber bildeten so etwas wie eine Mittelschicht, in der vor allem kleinere Kaufleute, Amtsleute, die Handwerker, ob nun in Zünften organisiert oder nicht, und andere mehr vertreten waren. Besonders zwischen den Zünften und der Oberschicht, deren Vertreter auch meliores genannt wurden, kam es immer wieder zu Reibereien um die politischen Mitspracherechte 14 . Doch während es in vielen anderen Städten den Zünften im Laufe der Zeit gelang, an der Stadtherrschaft zumindest partiell beteiligt zu werden, konnte die insbesondere aus ehemals unfreien Ministerialen abstammende Nürnberger Oberschicht ihre Herrschaft verteidigen und ausbauen. Die begrenzt zugelassenen Zünfte übten keinerlei politische Rechte aus, sondern wurden im Gegenteil in Abgängigkeit zum Rat belassen und seinerseits bevormundet. Ohne Ratsgenehmigung konnten beispielsweise die Zünfte keine Zusammenkünfte veranstalten oder sie mussten gar den Beauftragten des Stadtrates Einsicht in die Korrespondenz mit auswärtigen Handelspartnern gewähren 15 . Einige Autoren bezeichnen Nürnberg deshalb und wegen der reichsstädtischen Bedeutung als „Zentrum des oligarchischen Regierungssystems“ 16 . Die politische Führung lag somit, nachdem im 13. Jahrhundert zunehmend die königlichen und burggräflichen Vertreter an Macht einbüßten, in den Händen einer kleinen Gruppe ratsfähiger Familien, dem Patriziat. Diese Familien besetzten mit ihren Angehörigen die wichtigsten politischen Gremien der Stadt (vor allem den Kleinen Rat). Eine Abschottung dieser privilegierten Schicht gegen neuaufstrebende Konkurrenten fand allerdings erst allmählich ab dem 15. Jahrhundert statt 17 . Die Verquickung der einzelnen ratsfähigen Familien verstärkte sich noch zusehends durch Heiraten, gemeinsame Wirtschaftsprojekte, aber auch im kollektiven, politischen Vorgehen gegen andere Rivalen wie den Nürnberger Burggrafen 18 . Ein Aufstieg vor allem reicherer Handwerker- und Kaufmannsfamilien gelang insbesondere über ein Einheiraten in die patrizischen Kreise. Zu den ältesten Ratsfamilien zählten die Stromer, Holzschuher, Tucher und Mendel.
14 Planitz, Hans: Die deutsche Stadt im Mittelalter. Von der Römerzeit bis zu den Zunftkämpfen. Graz u.a. 1954. S.
256; Waas 1964. S. 191.
15 Kusch 1989. S. 70; Pirenne, Henri: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Europas im Mittelalter. Tübingen u.a.
7 1994. S. 177.
16 Zit. nach Planitz 1954. S. 330.
17 Ernst Pitz spricht von einer Geschlechterverfassung. Vgl. Pitz 1979. S. 168. Siehe auch Hirschmann 1968. S. 261.
18 Allein zur Genealogie der alten Ratsfamilie der Pfinzinger, mit der auch die Stromer und Mendel mehrfach verwandt waren, siehe besonders: Wunder, Gerd: „Pfinzing die Alten“. Ein Beitrag zur Geschichte des Nürnberger Patriziats. In: MVGN 49/1959. S. 34ff. Siehe auch Stromer 1990. S. 92f.
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Marcel Korge, 2004, Soziale Struktur und politisches Wirken des Nürnberger Patriziats - Die Familien der Stromer, Mendel und Tucher , Munich, GRIN Publishing GmbH
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