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Inhaltsverzeichnis
Einleitung S 3
1 Die Tragödientheorie des Aristoteles S 4
2 Die Tragödientheorie Lessings S 8
2.1 Briefwechsel über das Trauerspiel S 8
2.2 Hamburgische Dramaturgie S 10
2.2.1 Naturnachahmung S 11
2.2.2 Phobos Eleos und Katharsis S 11
2.2.3 Charakter S 12
2.2.4 Die drei Einheiten S 13
3 Vergleich der beiden Tragödientheorien S 14
3.1 Gemeinsamkeiten S 14
3.2 Unterschiede S 14
4 Emilia Galotti S 15
4.1 Virginia-Motiv S 15
4.2 Aufbau S 15
4.3 Naturnachahmung S 16
4.4 Mitleid Furcht und Katharsis S 17
4.5 Charakter S 18
4.6 Die drei Einheiten S 19
4.6.1 Einheit der Handlung S 19
4.6.2 Einheit der Zeit S 19
4.6.3 Einheit des Ortes S 20
4.7 Sprache S 21
5 Schluss S 22
6 Bibliographie S 23
3
Einleitung
Die vorliegende Hauptseminararbeit befasst sich mit der Frage, inwieweit die Tragödientheorie Lessings mit der von Aristoteles übereinstimmt bzw. von dieser abweicht.
Veranschaulicht wird dies an Lessings „Emilia Galotti“.
Die Arbeit ist in vier Blöcke gegliedert.
Zunächst wird die Tragödientheorie des Aristoteles dargestellt. Im zweiten Abschnitt findet sich die Darstellung der Tragödientheorie Lessings. Es folgt eine kurze tabellarische Gegenüberstellung der beiden Tragödientheorien. Im letzten Abschnitt werden die zuvor herausgearbeiteten Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede am Beispiel der „Emilia Galotti“ aufgezeigt.
Der zweite und vierte Abschnitt sind weitestgehend begrifflich gleich untergliedert, so dass ein Vergleich leicht möglich ist.
Es wird bei der Darstellung der aristotelischen Tragödientheorie auf die „Poetik“ (nach Fuhrmann) zugegriffen, bei Lessings Theorie der Tragödie auf den „Briefwechsel über das Trauerspiel“ sowie auf die „Hamburgische Dramaturgie“.
Von einer umfassenden Darlegung der unterschiedlichen Interpretationen der von Aristoteles gebrauchten Termini wird abgesehen, da dies den Rahmen der Seminararbeit überschreiten würde.
4
1. Die Tragödientheorie des Aristoteles
Die Tragödientheorie des Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.) ist
hauptsächlich seinem fragmentarisch erhaltenem Werk „Poetik“ zu
entnehmen.
Die „Poetik“ des Aristoteles gliedert sich in 3 Komplexe.
In den Kapiteln 1-5 geht es um die Dichtung allgemein, die Kapitel 6-
22 umfassen die Behandlung der Tragödie und die Kapitel 23-26 die
des Epos.
Aristoteles definiert die Tragödie wie folgt: „Die Tragödie ist
Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung von
bestimmter Größe, in anziehend geformter Sprache, wobei diese
formenden Mittel in den einzelnen Abschnitten je verschieden
angewandt werden – Nachahmung von Handelnden und nicht durch
Bericht, die Jammer und Schaudern hervorruft und hierdurch eine
Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt.“ 1 In der Aussage „Die Tragödie ist Nachahmung“ findet sich das
Mimesis-Postulat. Durch eine mimetische Darstellung kann sich der
Zuschauer in die Handlung einfühlen und mit den Figuren mitfühlen. Wenig später sagt Aristoteles weiter, dass: „[...] die Tragödie nicht Nachahmung von Menschen, sondern von Handlung und
Lebenswirklichkeit [ist].“ 2 . Im Vordergrund steht bei Aristoteles die Handlung, während die Charaktere zurückstehen, da diese für ihn
lediglich eine Art Handlungsträger sind. Mit einer „guten Handlung“
ist gemeint, dass ein Stoff Anfang, Mitte und Ende haben muss.
„Demzufolge dürfen Handlungen, wenn sie gut zusammengefügt sein
sollen, nicht an beliebiger Stelle einsetzen noch an beliebiger Stelle
enden [...].“ 3 Das die Handlung „in sich geschlossen“ sein muss,
besagt, dass es keine Nebenhandlungen geben darf, sondern nur einen
klaren Strang.
Des Weiteren wird die Formung der Sprache durch Verse gefordert,
wenn es heißt: „in anziehend geformter Sprache“.
1 Aristoteles: Poetik. Griechisch/Deutsch, hrsg. u. übers. v. Manfred Fuhrmann, Reclam Verlag, Stuttgart 1982.
Kap. 6, 1449b (S. 19)
2 Ebd. Kap. 6, 1450a (S. 21)
3 Ebd. Kap. 7, 1450b (S. 25)
5
Während man allerdings der ersten Hälfte des Satzes kaum Beachtung
schenkte, wurde die zweite Hälfte über Jahrhunderte Diskussionsstoff
für zahlreiche Interpreten.
Zunächst ist die Rede von „Nachahmung von Handelnden und nicht
durch Bericht“, denn die dramatische Form des Theaters ist handelnd,
die epische dagegen erzählend. Die Nachahmung soll direkt erfolgen
anhand von Handelnden.
Es folgen die viel interpretierten aristotelischen Kernbegriffe „eleos“
(Jammer), „phobos“ (Schaudern) und „katharsis“ (Reinigung).
Die Absicht der Tragödie ist es mit Hilfe von „Jammer“ und
„Schaudern“ eine „Reinigung“ von Affekten beim Zuschauer zu
bewirken.
Nach Aristoteles sind „Jammer“ und „Schaudern“ gleichwertige
Affekte.
Der Reaktionsablauf sieht wie folgt aus: Der Zuschauer empfindet
„phobos“ angesichts der Bedrohung des Helden, was eine Anhebung
des Erregungsniveaus zur Folge hat, worauf es zu einer
Spannungsentladung durch „eleos“ kommt. Schließlich kommt es zur
„katharsis“, was eine Reinigung von den Erregungszuständen
bedeutet. 4
„»Jammer« und »Schaudern« sind bei Aristoteles [...] in erster Linie
als psych. Erregungszustände aufgefasst [...]“ 5 und somit ist auch
„der Begriff der K. psycholog. gemeint: als die befreiende
Affektentladung und das damit verbundene psych.-phys. Lustgefühl
(gr. Hedone).“ 6 Der Katharsis-Begriff ist bei Aristoteles also doppelt konnotiert.
Einerseits ist er nicht loszulösen von seiner wörtlichen medizinischen
Bedeutung und meint eine Purgierung von beschwerlichen und
störenden Stoffen und Erregungen. Andererseits verweist die
„katharsis“ auf das eigentümliche Vergnügen, das die Tragödie dem
4 Vgl. Gelfert, Hans-Dieter: Die Tragödie, Theorie und Geschichte. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1995.
S. 17
5 Schweikle, Günther: Metzler-Literatur-Lexikon, Begriffe und Definitionen. 2. überarb. Aufl. Stuttgart: Metzler
1990. S. 234
6 Ebd. S. 234-235
6
Zuschauer durch die Erregung und Befreiung von diesen Affekten
verschafft. 7 Im aristotelischen Sinne sind die von Schadewaldt verwendeten
Begriffe „Jammer“ und „Schaudern“ treffender, da sie auf das
Physiologisch- Psychische zielen, während Lessings Termini „Furcht“
und „Mitleid“ eher moralisch-ethisch besetzt sind. 8 Im Gegensatz zur Wirkungslehre Aristoteles` erweisen sich die
Ausführungen zu „peripetie“, „anagnorisis“ und „pathos“, sowie die
Überlegungen zum mittleren Charakter und die Regel von den
Einheiten als weniger unklar.
Den Übergang von „phobos“ in „eleos“ nennt Aristoteles Peripetie,
was einen „Umschlag dessen, was erreicht werden soll, in das
Gegenteil [...]“ 9 bedeutet.
Nach Aristoteles ist es am besten, wenn die Peripetie zugleich mit der
Wiedererkennung (Anagnorisis) eintritt. Er versteht unter Wieder-
erkennung einen „Umschlag von Unkenntnis in Kenntnis [...]“ 10
„Das Umschlagen von Phobos in Eleos muß [...] eine für den
Zuschauer nachvollziehbare Motivation haben. Aristoteles sieht diese
in einem Fehler (hamartia) des Helden.“ 11 Hamartia bezeichnet keine habituelle Schwäche, sondern ein einmaliges Fehlverhalten, durch das
der Held ins Unglück gerät. Nur durch ein solches Moment kann im
Zuschauer der Wechsel vom Affekt des Schauderns zu dem des
Jammerns ausgelöst werden.
Es stellt sich an diesem Punkt die Frage, wie der Held überhaupt auszusehen hat. Aristoteles erkannte zunächst, dass „[...] die Bereitschaft des Publikums, sich mit dem Schicksal des Helden zu
identifizieren und an seinem Leid emotional Anteil zu nehmen“ 12 von Wichtigkeit ist. Daraus ergibt sich, dass weder „makellose Männer“
noch „Schufte“ 13 als ideale Helden einer Tragödie geeignet sind, denn
7 Vgl. Fick, Monika: Lessing-Handbuch, Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart; Weimar: Metzler 2000. S. 282-283 8 Vgl. Gelfert, Die Tragödie, S. 17 9 Aristoteles, Poetik, Kap. 11, 1452a-1452b (S. 35) 10 Ebd. S. 35 11 Gelfert, Die Tragödie, S. 17-18 12 Alt, Peter- André: Tragödie der Aufklärung, Eine Einführung. Tübingen und Basel: Francke 1994. S. 32 13 Aristoteles, Poetik, Kap. 13, 1452b-1453a (S. 39)
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Annika Freise, 2005, Lessings "Emila Galotti" als aristotelisches Drama , Munich, GRIN Publishing GmbH
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