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Vorwort
Zum Anfang eines jeden Jahres erscheint in einem Mitteilungsblatt unseres Landkreises eine grafische Darstellung der Ausländeranteile innerhalb unserer Bevölkerungsstruktur. Eine aufgeschnittene runde Torte verdeutlicht in Prozent- zahlen, wie viel Menschen, aus welchen Ländern, zu uns kamen um bei uns zu leben. Beim Anblick des größten Stückes, das sich auf den Ausländeranteil türkischen Ursprunges bezog, musste ich an Mehmet und seine Kopftuch bedeckte Mutter denken. Mehmet macht hervorragende Döner, das weiß jeder hier, aber ob er und seine Familie sich an das Leben hier in der „Fremde“ gewöhnt haben, ob sie auf Dauer hier bleiben, gar „Altwerden“ möchten, kann ich nur ahnen. Ich begann, mir Fragen zu stellen: Was wäre, wenn Mehmed seine Mutter in einem Altenheim betreuen ließe, weil er keine Zeit mehr für sie hat. Wie würde sich die alte Frau in einem deutschen Altenheim fühlen, sie, die Muslimin unter lauter Christen? Aber nein, dazu wird es sicher nicht kommen, dachte ich, Türken leben alle in der Großfamilie und sicher gibt es Angehörige, die sich um die Mutter kümmern werden. Aber was erwartet alte oder pflege- bedürftige Menschen die vor dreißig, vierzig Jahren aus einem gänzlich an- deren Kulturkreis zu uns kamen überhaupt in unseren Altenheimen? Könnten wir ihnen helfen, dass sie auch im Alter in ihrem Glauben weiter leben und dass sie ihre Traditionen bewahren? Und wir, die Pflegenden, sind wir sensibilisiert und ausreichend kompetent, Menschen aus uns fremden Kulturkreisen in einer wertschätzenden Weise, mit Respekt und Toleranz so zu begegnen, dass wir ihre Würde nicht verletzen? Für mich stand fest, dass ich mich bei RODI, im Rahmen meiner Weiterbildung zum Pflegedienstleiter und in meiner Facharbeit zur „Transkulturellen Kompetenz“ mit diesen und weiteren Fragen auseinan- dersetzen wollte. Mir war klar geworden, dass ich mich in der praktischen Aus- übung meines Berufes nicht ausschließlich auf die Umsetzung meiner erlernten kaufmännischen und pflegerischen Fachkenntnisse begrenzen wollte, sondern, dass ich JEDEN Bewohner, unabhängig von seiner politischen, kulturellen und Glaubens - Herkunft in seiner individuellen Ganzheit annehmen möchte. In meiner Facharbeit werde ich wichtige Aspekte der transkulturellen Pflege aufzeigen und auch hier und da zu Lösungen kommen, die mir und anderen kultursensibel „Pflegen – Wollenden“ im Pflege-Alltag von Nutzen sein werden.
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Inhaltsverzeichnis:
1 Vorwort
Einleitung 4
1. Beschreibung der Begrifflichkeiten Trans und Interkulturalität 5
anhand Darstellungen unserer eigenen Auswanderungs
geschichte zur Mitte des 19 Jhdt
1.1 Geschichte der Migration in Deutschland und wie es zu vielen
Vorurteilen kam 7
1.2 Die fünf Weltreligionen ihre Verbreitung und Bedeutung sowie
einige ihrer wichtigsten Rituale 10
1.2.1 Buddhismus 11
1.2.2 Christentum 12
1.2.3 Hinduismus 15
1.2.4 Islam 16
1.2.5 Judentum 21
2.1.1 Bevölkerung m Migrationshintergrund 50 Jahre und älter 26
2.1.2 meine Prognosen bezüglich der zu erwartenden Alten
pflege-situation in Deutschland vor dem Hintergrund der
Migration 31
2.1.3 Lösungsstrategien 32
3
3. Wegbereiter / Innen der „Transkulturellen Pflege“ 33
3.1 Madeleine Leininger , Theorie der „Transkulturellen Pflege“ 33
3.2 Monika Habermann , Das „Interkulturelle Kompetenzmodell“
3.3 Dagmar Domenig, „Professionelle Transkulturelle Pflege“ 35
4. Bestehende Einrichtung der Altenpflege in ihrer bereits
erfolgreichen Umsetzung 36
4.1 Multikulturelles Seniorenzentrum "Haus Am Sandberg" Duisburg 37
4.1.1 Auszüge aus dem Clearing – Bericht des Heimleiters Ralf 37
im selben Haus 41
5. Transkulturelle Pflegeprozesse mit muslimischen Bewohnern 44
MERHABA ! – Sei willkommen !
5.1 Checkliste für den kultursensiblen Leiter einer 44
Pflegeeinrichtung
5.2 Die „kultursensible“ Pflegeplanung 45
6. Kultursensible Mitarbeiter 46
6.1 interne Qualitätszirkel zum Thema :Multikulturalismus 46
7. Wo ich Informationen und ggf. Unterstützung erhalten kann,
wenn Bewohner aus anderen Kulturkreisen auf meiner Station
leben? 48
7.1 Adressen von Behörden, Verbänden und Vereinen 48
8. Schlusswort 55
9. Literaturhinweise 56
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Einleitung
Kriege, wirtschaftliche Unruhen, Arbeitslosigkeit und Naturkatastrophen beunruhigen die Menschheit in Europa. Die damit verbundenen existenziellen Ängste gelten als Auslöser für eine Völkerwanderung, wie wir sie alltäglich erleben Immer wieder gibt es Ereignisse, welche, bis dahin sesshafte Menschen, aus ihrem angestammten Kulturkreis und dem Mittelpunkt ihres Lebens vertreiben.Glücklich Der, dem auf der Suche nach politischer Sicherheit oder einer wirtschaftlichen Existenz der Schritt in die Fremde gelingt. Noch glücklicher aber Derjenige, der Fuß fassen kann, der eine gute Anstellung und eine wohnliche Bleibe findet und der seinen Kindern eine zukunftsweisende Ausbildung sowie eine Erziehung ermöglicht, die mit den eigenen, überlieferten Traditionen und Werten einhergehen kann.
Heute sind viele der „Wanderer zwischen den Kulturen“, die es bereits vor 40 J. zu uns nach Deutschland verschlagen hatte , im Rentenalter. Von ihrer ur- sprünglichen Vision, dann wieder in die Heimat zurückzukehren blieb nicht viel. Da sind Kinder und Kindeskinder die sich im „ehemaligen“ Gastland Zuhause fühlen weil sie dort zur Welt gekommen sind. Sie beherrschen seine Sprache, erleben seine Kultur, sind gar selbst Bestandteil seiner Kultur geworden. Auch die alten Freunde von damals sind nicht mehr; wen würde man also noch an- treffen? Und mit den im Alter verstärkt auftretenden Beschwerden und Krank- heiten kann man sich im Gesundheitssystem der neuen Heimat noch einiger- maßen gut arrangieren, während man mit dem Gesundheitssystem der alten Heimat nicht sonderlich vertraut ist. Wen wundert `s also, wenn hier alt gewor- dene Menschen ihren Lebensabend in diesem Land, welches ihnen längst zur Heimat wurde, verbringen möchten.
Bei meinen Recherchen zum Fachthema bin ich mit vielen Menschen und ihren unterschiedliche Ansichten in Kontakt gekommen. Verwandte, Freunde und Bekannte, die privat oder beruflich mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu tun haben, Mitarbeiter von Behörden, Ministerien, aber auch Kolleg/Innen aus der bereits praktizierenden „Transkulturellen Pflege“ (Dagmar Domenig, Schweiz) und der „Kultursensiblen Altenpflege“ , wie es sie bereits seit 10 Jahren bei uns in Deutschland gibt (Multikulturelles Seniorenzentrum – Haus Am Sandberg – Duisburg, Frau E. und HL – R. K. ), haben mich dabei mit Hinweisen und Informationen so gut versorgt, dass es mich vom Ballast vieler
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der bereits in meinem Kopf existierenden Vorurteile befreite, während andere Denkmuster gleichzeitig eine Bestätigung fanden. Fragen nach dem „Religiös- Anderssein“ haben mich besonders beschäftigt. Entsprechend ihrer Gewichtung werden sie deshalb von mir auch sehr ausführlich behandelt.
Meistens verursacht das, was uns fremd vorkommt, unbehagliche Gefühle. Wenn wir aber ausreichend informiert sind, sehen wir manche Dinge aus ganz anderen Blickwinkeln – und schon sind wir wieder eine ganze Spur toleranter. Mir persönlich hat das Beschreiben des Islam, des Judentums und der anderen Religionen zu manch neuer Erkenntnis verholfen. Läge heute ein hilfloser, alter Mensch jüdischen oder islamischen Glaubens auf meiner Pflegestation, so würde ich viel beherzter in seinem Sinne handeln können. Seine Riten und Gebräuche sind mir jetzt kein „Buch mit sieben Siegeln“ mehr.
Zahlen und Fakten, wie ich sie im Titel bereits ankündigte, spielten für mich eine große Rolle, als ich mir über die Ist-Situation und die möglicherweise zu erwartende Situation der Migration in Deutschland Klarheit verschaffen wollte. Jeder Planung muss eine solide Bestandsaufnahme vorausgehen – und meine Pläne gehen dahin, zur Transkulturellen Kompetenz in der Altenpflege heranzu- wachsen.
1. Beschreibung der Begrifflichkeiten „Trans – und Interkulturalität“ anhand Darstellungen unserer „eigenen“ Auswanderungs- geschichte zur Mitte des 19. Jhdt
Noch zur Mitte des 19.Jahrhunderts, also um 1850 wanderten viele Deutsche aus wirtschaftlichen und politischen Gründen aus. Nord – und Südamerika, Kanada und Australien waren dabei die beliebtesten Ziele, denn dort konnte man als freier (nicht Leibeigener) Mensch sich und seine Familie am besten über die Runden bringen. Aber es gab auch bereits frühere Auswanderungs- bewegungen Deutscher auf den Balkan und nach Russland. (Siebenbürgen, Moldavien, Wolga-Region, Sibirien) Mit kostenlosem Grundbesitz , Freiheit von der Leibeigenschaft ,unsäglichen Goldvorkommen u.s.w. lockte man auch hier die Menschen. Und sie gingen scharenweise, mit Sack und Pack. Die Daheim- gebliebenen, welche in der glücklichen Lage waren, jemals wieder etwas von
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ihren Angehörigen in Erfahrung zu bringen, erfüllte es mit Stolz und einem, für die damaligen Verhältnisse seltenem Selbstbewusstsein, wenn ihnen zuge- tragen wurde, wie gut es die Angehörigen in der neuen Heimat hatten. Viele folgten ihren Verwandten in die neue Freiheit – und viele zog es nie wieder zurück in ihr Ursprungsland. Mit welch, oft brutalen Mitteln das viel gelobte Land aber von den ersten Siedlern in Besitz genommen worden war, interessierte die Wenigsten. In Nordamerika beispielsweise wurden im Rahmen erster Besiedelungsvorgänge etliche Indianerstämme vollkommen ausgerottet – aber auch von den Wolga – Deutschen erfuhr man nicht viel Besseres. Die dort ursprünglich beheimateten Kosakenvölker mussten der Flut der Deutschen nach Norden entweichen und waren ab dato heimatlos. Diese Auswanderungs- bewegungen brachten Deutsche, (die bis 1871 noch zum preußischem Königreich gehörten) zum ersten Mal in dieser Größenordnung mit fremden Kulturen in Verbindung. Da es jedoch zu keinen nennenswerten Vermisch- ungen zwischen den Völkern kam (es war Vertreibung und Ausrottung), und da Deutsche ihre eigene Kultur mitsamt ihrem Glauben in die Fremde exportierten (sie wurden ihnen zur Heimat in der Fremde), kann man diese historischen Begebenheiten allenfalls mit ersten „Interkulturellen Kontakten“ bezeichnen. Ganz anders stellt sich die „“Transkulturelle Situation“ dar. Wir jetten um die ganze Welt, essen Pizza, Döner und Sushi, erlernen fremde Sprachen, heiraten Menschen aus anderen Nationen und nehmen teilweise auch deren Glauben an, den wir dann inbrünstig praktizieren. Gesundheitliche Heilung erhoffen wir uns vom indischen Guru, indianischen Schamanen oder von der traditionellen chinesischen Medizin. Unsere Kinder kommen weiß, gelb oder schwarz auf die Welt und wir erreichen es immer öfter, dass sie deswegen in der U-Bahn nicht dumm begafft werden. Wir haben somit Grenzen zu anderen Kulturen durchlässig gemacht und sind auf dem besten Wege, diese Grenzen für immer zu überwinden. Spötter behaupten, dass wir bald nur noch eine einzige, nämlich eine „Global-Kultur“ haben werden.
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1.1 Geschichte der Migration in Deutschland und wie es zu vielen Vorurteilen 1 kam
In der Art, wie wir sie heute begrifflich definieren, begann sie bei uns in Deutschland um 1955. Es war zunächst die Zeit der Zuströme arbeitskräftiger Männer aus Italien (Kalabrien, Apulien, Sizilien, Sardinien), die per Anwerbe- abkommen zwischen der italienischen und der deutschen Regierung beschlossen wurde. Westdeutschland befand sich im wirtschaftlichen Auf- schwung und es mangelte an einheimischen Arbeitskräften (10 Jahre nach Ende 2.Weltkrieg) Ab 1960 folgten weitere Anwerbeabkommen mit Spanien (1960), Griechenland (1960), der Türkei (1961) und Jugoslawien (1968) 2 Unsere Sprache wurde um zwei Begriffe reicher: „Ittaker und Kanacke“ und die deutsche Wirtschaft boomte.
1968 lebten insgesamt bereits 1,9 Mio. Ausländer in der BRD, von denen 1 Mio. erwerbstätig waren. Innerhalb von 5 Jahren, bis zum Anwerbestopp (1973), erreichte die Zahl der Erwerbstätigen mit 2,8 Mio. ihren bis heute höchsten Stand. Insgesamt lebten zu diesem Zeitpunkt 4 Mio. Ausländer in Deutschland. Die größten Gruppen unter den ausländischen Beschäftigten bildeten zum damaligen Zeitpunkt 605.000 Türken und 535.000 Jugoslawen, gefolgt von 450.000 Italienern, 250.000 Griechen und 190.000 Spaniern. 3 Ursprünglich war ihr ständiger Verbleib in der BRD nicht vorgesehen, da sie in einer Art Rotationsverfahren nach einer gewissen Zeit gegen andere Arbeiter aus den jeweiligen Ländern ausgetauscht werden sollten, weswegen man es auch nicht für nötig befand, ihnen angemessene, zumutbare Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Sie lebten in ärmlichsten Baracken (Relikte aus der Zeit der Kriegsflüchtlinge) mit oftmals nur einer Waschgelegenheit, einem Wc und einer gemeinsamen (armseligen) Küche, die von allen Bewohnern gleichzeitig genutzt wurden. Am Tag arbeiteten sie hart, oftmals im Akkord (bezahlt nach Leistung) und zumeist an den übelst riechenden, heißesten oder gefährlichsten Arbeitsplätzen. Um ihren Familien in der Heimat möglichst viel ihres hart erschufteten Geldes schicken zu können, lebten sie selbst zumeist von der Hand in den Mund. Auszugehen war den meisten nicht möglich (es hätte
1 Begriffe, die zu Vorurteilen führten sind in Klammern, in Anführungszeichen dargestellt
2 Quelle: Statistisches Bundesamt
3 Quelle: BAMF, Bundesagentur für Arbeit, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
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Ausgaben verursacht), weswegen sie sich nur beim gemeinsamen Kochen am Abend in der Barackenküche ein wenig heimatliche Atmosphäre gönnten, während sie ihre Spaghetti kochten und das Transistorradio Adriano Celentano spielte. Viele verkrafteten das Heimweh, das kalte Klima und die Einsamkeit nicht gut. Sie wurden krank, einige begannen zu trinken, zu spielen oder sie ließen sich zu aggressiven Verhaltensweisen oder kriminellen Machenschaften herab (Begriffe wie „Messerstecher“ kursierten. Einige gingen nach kurzer Zeit deshalb auch wieder zurück, aber sofort rückten dafür andere nach. Die Arbeit- geber wollten diese jungen, guten und dabei preiswerten Arbeitskräfte für längere Zeit behalten, da es sich nicht rechnete, ständig Kräfte von neuem anzulernen. So blieben die meisten dieser Arbeiter, entgegen aller Vorsätze hier. In den Ursprungsländern herrschten Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Not, was nicht dazu verlockte, wieder heim zu gehen. Viele dieser jungen Menschen fuhren während eines kurzen Urlaubs in ihre Heimat um dort zu heiraten und die Frischangetraute auf legalem Weg in die neue Heimat mitzu- nehmen. Auch gestandene Familienväter holten ihre Familien nach Deutsch- land , suchten für sich und ihre Familien Wohnungen in festen Steinhäusern, die ihnen mehr Komfort boten und die dabei in erreichbarer Nähe zum Arbeitsplatz lagen. Schnell kam es zur Bildung typischer „Ausländersiedlungen“ mit „Ghetto“ – ähnlichem Charakter. In den umliegenden Schulen gab es die ersten Verständigungsprobleme, während aus dem Transistorradio nun Franz- Josef Degenhardt ertönte „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder, geh doch in die Oberstadt, mach`s wie deine Brüder“. In dieser Zeit gründeten couragierte junge Leute, mit oder ohne konfessionellen Hintergrund, ihre ersten Arbeitsgruppen zur „verbesserten Integration der Ausländer in Deutschland“. Das Wort „Ausländerintegration“ wurde zum wichtigen Begriff der 68er Generation. Auch auf politischer Ebene begann das große Umdenken. Das Bundesverfassungsgericht z.B. festigte zwischen 1970 und 1980 mehrmals den Aufenthaltstatus dieser „Gastarbeiter“, so dass ihre Verweildauer nicht mehr von den Bedürfnissen der allgemeinen Arbeitsmarktlage abhängig war. Seit einigen Jahren wird es ihnen sogar ermöglicht die deutsche Staats- bürgerschaft anzunehmen, wenn sie nachweislich (Fragenkatalog des Herrn Oettinger z.B.) mit unseren gesellschafts – kultur und sprachspezifischen Eigenheiten vertraut sind.
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Meiner Meinung nach am besten gelang den hier lebenden italienischen Migranten ihre gesellschaftliche Integration. (z. damaligen Zeitpunkt etwa 400.000) Überwiegend katholischen Glaubens und mit ihren herrlichen Stränden rund um Rimini, die sich als „Teutonengrill“ bei deutschen Urlaubern einen Namen gemacht hatten, vielleicht aber auch noch durch die Freundschaft Mussolinis (dem Duce) zum „Führer“ im 3.Reich, war ihnen am ehesten die Sympathie der Deutschen gewiss. Schwierig wurde es allenfalls Vätern von blonden Töchtern. (lass dich ja nicht mit den „Papagalli“ ein) Am schwersten hatten es wohl die Türken. Sie blieben zumeist unter sich, aßen allem Anschein nach gern Knoblauch, dessen gesundheitsfördernde Wirkung man in Deutschland kaum kannte („stinken wie ein Türke“) und betraten so gut wie nie eine katholische Kirche. In ihrer äußeren Erscheinung („Kopftuch“, „lange, Knöchel bedeckende Kleider“) wirkten sie bereits fremdartig, was bei vielen unbehagliche Gefühle auslöste, schließlich befand sich Deutschlands Frauen auf dem Emanzipationstrip. Auch traten sie selten allein auf sondern meistens in Gruppen, („Frauen immer im gebührenden Abstand hinter ihren Männern“) was eine Annäherung zu ihnen erschwerte. Zu jungen Türkinnen bekam man so gut wie nie Kontakt, da sie unter ständiger Beobachtung ihrer Väter oder Brüder schienen, jeder Versuch hätte zu bösen Konsequenzen führen können.
Aus dieser Zeit stammen die meisten unserer Vorurteile gegen sie, die erst in der heutigen Zeit, Dank Antalya, Döner, einer intelligenten, aufgeklärten türkischen Mittel – und Oberschicht sowie der bekanntermaßen erfrischend herzlichen Gastfreundlichkeit dieser Menschen in Vergessenheit geraten.
Nun scheint auch endlich der Zeitpunkt gekommen, dass wir diesen, mittlerweile alten Menschen, die mehr als 40 Jahre fleißig unsere Rentenkassen mit ihren Beiträgen gefüllt haben, (und fleißig ihren „Soli“ abgeführt haben, obwohl der sie nichts angeht) auf eine ihnen angemessene Weise, durch eine kompetente „Transkulturelle Pflege“ unseren Dank und unsere Achtung zollen könnten. Am ehesten wird uns das gelingen, wenn wir auf ihren Glauben, ihre Religion, das, was ihre kulturelle Identität am eindrucks- vollsten geprägt hat, unsere Aufmerksamkeit lenken – und dieses Wissen in uns hineinsaugen.
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„Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sich zu ihnen bekennen, ehrliche Leute sind. Und wenn Türken und Heiden kämen und wollten hier im Lande wohnen, dann würden wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen.“ Friedrich der Große, 1740
1.2 Die fünf Weltreligionen – ihre Verbreitung und Bedeutung sowie einige ihrer wichtigsten Rituale
Cicero, ein lateinischer Schriftsteller deutete „Religion“ als aus „relegere“ kommend, was so viel heißt wie: Gewissenhaft das zu beachten, was der Verehrung des Göttlichen dient.
Und ein chinesisches Sprichwort sagt:
Wer auf den Finger schaut, der zum Mond zeigt, ist ein Narr
Religion ist demzufolge der Finger, welcher uns die Wege zur Verehrung des Göttlichen aufzeigt.
Seit jeher Glauben die Menschen an überirdische Mächte. Die Hoffnung, Antwort zu finden auf die Fragen „Woher kommen wir “ und „Wohin werden wir gehen“ ist dabei von zentraler Bedeutung.
Glaube hat viele verschiedene Erscheinungsformen, die wiederum für jeden Menschen eine höchst persönliche Gültigkeit haben. Zu einem besseren Verstehen der „Andersgläubigen“ beschreibe ich im Folgenden die fünf
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wichtigsten (Welt) Religionen. Mit einem verbesserten Hintergrundwissen über diese, uns manchmal fremden Religionen, wird es uns leichter gelingen, dem alten Menschen in der Ausübung seines Glaubens zu helfen - auch werden wir ihm eher eine Stütze bei der Einhaltung bestimmter Riten sein , wenn wir uns selbst mit ihnen auskennen.
1.2.1 Der Buddhismus
Die Grundlage des Buddhismus ist das Bewusstsein der Vergänglichkeit aller Dinge, die Respektierung aller Konfessionen, der Gleichmut dem eigenen Tod gegenüber und der Dienst allen Lebewesen.
Die Geschichte von den Anfängen des Buddhismus beginnt, wie könnte es anders sein, wie ein orientalisches Märchen aus Tausend und einer Nacht. Prinz Siddharta Gautama aus dem Adelsgeschlecht der Sakya, um 560 v.Chr. im indisch, nepalesischen Grenzgebiet durch Königin Maya geboren, verließ im Alter von 29 Jahren seine Heimat um nach der, „alles Leid überwindenden Wahrheit“ zu suchen. Nach 6 Jahren der völligen Enthaltsamkeit und vielen Entbehrungen wachte er eines morgens unter einem Feigenbaum als „Buddha“, was soviel wie: „Erleuchteter“ bedeutet, auf. Von nun an zog er auf der Suche nach Anhängern quer durch den indischen Subkontinent. Im buddhistischen Glauben leben heutzutage etwa 320 Mio. Menschen in 86 Ländern weltweit. (In Europa leben ca. 22.000) 300 Mio. teilen sich in Mahayana- (56%) u. Hinayana- Sekten (38%) und Lamaismus (6%) auf.
Die Buddhistische Religion…………………………………………….. „welche sowohl wegen ihrer innern Vortrefflichkeit und Wahrheit als wegen der überwiegenden Anzahl ihrer Bekenner als die vornehmste auf Erden zu betrachten ist ..." Schopenhauer, 1854
Wie wird man ein Buddhist? Durch freie Entschließung. Nicht durch die Geburt, nicht durch Nationalität, noch Rasse; nicht durch eine Weihe, Taufe oder sonst eine rechtsverbindliche Zeremonie, denn der Buddhismus besitzt weder die Gewalt einer Staatsreligion, noch eine Hierarchie. Wer die Lehre des Buddha
Arbeit zitieren:
Gerhard Schauf, Michelle Schauf, 2006, Transkulturelle Kompetenz in der Altenpflege - Informationen, Fakten und praktische Lösungsvorschläge vor dem Hintergrund der Migration , München, GRIN Verlag GmbH
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