Inhaltsverzeichnis
Einleitung S.4
1 Zum Thema S.6
1.1 Die Bäume in den Märchen S.6
1.2 Der Wald in den Märchen S.7
2 Die Brüder Grimm und die Märchen S.7
2.1 Die Märchen S.7
2.2 Das Märchenschema S.9
2.3 Eine Kurzbiographie der Brüder Grimm S.10
3 Was die Märchen über Bäume sagen S.12
3.1 Aktive Bäume in den Märchen S.13
3.1.1 „Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein“ und der Apfelbaum S.13
3.1.2 „Die Alte im Wald“ und der verzauberte Baum- Prinz S.18
3.1.3 „Aschenputtel“, der Haselbaum und der Birnbaum S.21
3.2 Passive Bäume in den Märchen S.28
3.2.1 „Der goldene Vogel“ und der Apfelbaum S.28
3.2.2 „Der Königssohn der sich vor nichts fürchtet“ und der S.30
Baum des Lebens
3.2.3 „Die wahre Braut“ und der Lindenbaum S.34
3.2.4 „Die zwei Brüder“, die Birke und der Hexenbaum S.38
3.2.5 „Der Meisterdieb“ und der junge Baum S.42
3.2.6 Weitere passive Bäume S.44
4 Was die Märchen über den Wald sagen S.47
4.1 Der böse Wald in den Märchen S.48
4.1.1 Mut und List im bösen Wald S.49
4.1.1.1 „Hänsel und Gretel“ und der Hexenwald S.49
4.1.1.2 „Die drei Schwestern“ und der Zauberwald S.54
4.1.1.3 „Der Räuberbräutigam“ im dunklen Wald S.59
4.1.1.4 „Der Räuber und seine Söhne“ und der Wald der Menschenfresser S.61
4.1.1.5 Weitere Märchen, in denen Mut und List vorkommen S.63
2
4.1.2 Zauberwesen im bösen Wald S.65
4.1.2.1 „Der Eisenhans“ im gefährlichen Wald S.65
4.1.2.2 „Das Waldhaus“ im einsamen Wald S.69
4.1.2.3 „Der Eisenofen“ im grausamen wilden Wald S.72
4.1.2.4 Weitere Märchen, in denen Zauberwesen vorkommen S.75
4.2 Der gute Wald in den Märchen S.78
4.2.1 „Schneeweißchen und Rosenrot“ und der Wald als Gottesgarten S.78
4.2.2 „Die drei grünen Zweige“ und der Wald als Schoß der Natur S.81
4.2.3 „Die zwölf Brüder“ und der Wald als Ort des Schutzes S.83
4.2.4 Weitere Märchen, in denen der gute Wald vorkommt S.85
4.3 Mischformen des guten und bösen Waldes in den Märchen S.87
4.3.1 „Die zwei Brüder“ und der Zauberwald S.87
4.3.2 „Die Gänsehirtin am Brunnen“ und die Alte im großen Wald S.90
4.3.3 „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ und der Wald der S.92 guten Räuber
4.3.4 Weitere Märchen, in denen der gute und der böse Wald vorkommen S.93
5 Ergebnisse S.97
5.1 Die Bäume in den Grimmschen Märchen S.97
5.2 Der Wald in den Grimmschen Märchen S.99
6 Literatur S.103
3
Böser Wald, guter Wald
Die Funktion der Bäume und des Waldes in den Märchen der Brüder Grimm
Einleitung
Die Arbeit soll zeigen, dass der Wald und die Bäume in den „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm eine besondere Rolle spielen. Es geht darum, die Funktion der Bäume und des Waldes in den Märchen darzustellen. Unter diesem Aspekt habe ich alle Märchen der Gebrüder Grimm einer Analyse unterzogen. 1 In der Arbeit geht es einerseits um die Frage, ob es in den Grimmschen Märchen tatsächlich überwiegend einen dunklen, bösen Wald gibt oder nicht. Woran liegt es, dass der Wald überwiegend dunkel und böse wirkt? Andererseits geht es mir um die Frage, welche Rolle die Bäume in den Märchen spielen. Sind sie nur passive Helfer der Märchenhelden oder können sie aktiv ins Geschehen eingreifen?
Welche Funktion der Wald und die Bäume in den Märchen haben, wird im Verlauf der Arbeit verdeutlicht werden.
Zum Thema gibt es keine spezielle Literatur, deswegen werde ich in erster Linie mit den Märchen arbeiten und dabei einen intensiven Blick auf die Rolle der Bäume und des Waldes in der germanischen Mythologie, der deutschen Volkskunde und der Kulturgeschichte werfen. Anhand einer ausführlichen Textanalyse und -interpretation werde ich die Märchen in Bezug auf die oben angeführten Fragen untersuchen. Es geht mir um „die Bäume in den Köpfen, der Haltung der Früheren zu den Bäumen, deren stets wechselnde und doch immer vorhandene Rolle im Bewusstsein, in der Phantasie: in Religion und Mythos, in Poesie und Kunst, im Denken und Fühlen“. 2 Welche Bedeutung Wald und Bäume in der Kulturgeschichte haben und wie sich das in den Märchen niederschlägt, wird bei der Analyse der Märchen im Einzelnen deutlich werden. Ich verwende die Ausgabe letzter Hand. Wenn es diese Märchen in der Urfassung auch schon gab, zusätzlich auch diese, um deutlich zu machen, was seit der Urfassung verändert wurde.
1 Die Märchen plattdeutscher Mundart werde ich nicht einbeziehen. Es würde den Rahmen der Arbeit sprengen,
eine gute Übersetzung zu finden. Die Analyse der Märchen in hochdeutscher Sprache wird dem Thema der
Arbeit auch ohne diese Märchen gerecht.
2 Alexander Demandt: Über allen Wipfeln: der Baum in der Kulturgeschichte. Köln 2002. S.X
4
Bevor die Texte analysiert werden, schicke ich einen kurzen Abriss des Lebens und Wirkens der Brüder Grimm voraus, der es einem erleichtert zu verstehen, wie die Brüder Grimm an die Märchen herangegangen sind.
Um nachvollziehen zu können, welch große Bedeutung der Natur im Allgemeines und den Bäumen und dem Wald im Besonderen in den Märchen der Brüder Grimm zukommen, muss man sich vergegenwärtigen, in welcher politischen Gesellschaftsform die Brüder Grimm lebten. Im beginnenden industriellen Zeitalter wurde die Gesellschaft als eine Gesellschaft des bloßen Gewinn- und Nützlichkeitsstrebens erlebt. „Der bürgerliche Alltag erschien grau, abwechslungslos und eintönig“. 3 Der Beginn des industriellen Zeitalters war geprägt von einer Sehnsucht nach der Ferne und der Vergangenheit. Die Wirklichkeit des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts wurde radikal abgelehnt. Die Epoche der Romantik löste allmählich den Realismus ab. Das Mittelalter erschien vielen Romantikern als die „ideale Zeit“ der Geschichte, gesellschaftlich wie auch kulturell. 4 Die schmerzlich empfundene Diskrepanz zwischen dem Verfall menschlicher Werte und den politisch nicht realisierbaren bürgerlichen Idealen spiegelt sich im Nachdenken über das Verhältnis des Menschen zur Geschichte und zur Natur. Die Landschaftsdarstellungen und - vorstellungen der romantischen Dichter und Maler verbreiteten sich zunehmend in der Bevölkerung, und auch die Volkslieder der Zeit zeigen ein gesteigertes Interesse an Naturthemen. Die Sehnsucht nach der unberührten Natur wuchs im selben Maße wie die Industrialisierung die Natur aus dem unmittelbaren Leben der Städter verdrängte. In diesem Zusammenhang spielen die Märchen der Brüder Grimm eine große Rolle. Die Darstellung der Natur, insbesondere des Waldes und der Bäume, hat in den Grimmschen Märchen einen hohen Stellenwert.
3 Albrecht Lehmann: Mythos deutscher Wald. - In: Der Bürger im Staat 1/51 (2001), S.4
4 ebd.
5
1 Zum Thema
Die Natur hat in den Märchen oft zwei Gesichter: Einerseits steht sie für das Ursprüngliche und für die Nähe zu Gott, andererseits steht sie für das Bedrohliche und Unberechenbare. Beides spiegelt sich in den Grimmschen Märchen. Der Wald, und immer wieder spezielle Bäume sind aus den Märchen nicht wegzudenken.
Die Romantiker, zu deren Epoche auch die Grimms gehören, glaubten an die Macht der Intuition, des Schauens und Ahnens. Sie priesen das Reich der Phantasie und des Traumes und maßen den dunklen Bereichen der Seele eine sinnstiftende Bedeutung zu. „Sinnliches, Abenteuerliches, Wunderbares, Phantastisches und Schauriges in der Dichtung sollten den Menschen wieder auf den Pfad der Intuition geleiten, weg von der so genannten Zivilisation und hin zur Hingabe an die Natur“. 5 Die Analyse der gesammelten Märchen der Brüder Grimm macht deutlich, dass der Wald und einige heimische Bäume bestimmte Funktionen haben. In dieser Arbeit geht es darum herauszuarbeiten, welches Gesicht die Natur in Gestalt des Waldes und bestimmter Bäume in den Grimmschen Märchen hat.
1.1 Die Bäume in den Märchen
In den Märchen der Gebrüder Grimm werden immer wieder spezielle Bäume genannt. Dabei haben sie einen unterschiedlichen Stellenwert. Sie stehen entweder im Mittelpunkt des Geschehens, leiten das Märchen ein oder werden nur am Rande erwähnt. In jedem Fall dienen sie einem bestimmten Zweck. Ist es meistens ein guter? Sind die Bäume nützlich und hilfreich, ein Ort des Schutzes für die Märchenhelden oder sind sie Helfer von Zauberern und Hexen. Warum werden manche Bäume ihrer Gattung nach benannt und andere bleiben unbenannt? Welchen Bäumen eine besondere Rolle zukommt, will ich in der Analyse und Interpretation der Texte herausarbeiten. Wie der Philologe Alexander Demandt gehe ich davon aus, dass „einzelne Märchenbäume bedeutsam“ sind. 6 Welche Funktion die Bäume in den Märchen der Brüder Grimm haben, wird in Kapitel 3 ausführlich untersucht. Das Kapitel 3 wird unterteilt in aktive Bäume, passive Bäume und die Mischformen beider. Bei den aktiven Bäumen untersuche ich die Märchen, in denen Bäume den Märchenhelden aktiv zur Seite stehen und selbst handeln. Bei den passiven Bäumen geht es um Märchen, in denen Bäume nicht direkt handeln, aber als passive Helfer von Märchenhelden und bösen Geschöpfen auftreten.
5 Lehmann, S. 6
6 Demandt, S.259
6
1.2 Der Wald in den Märchen
In der Arbeit will ich nachzeichnen, wie der Wald in den Märchen der Brüder Grimm eingebunden ist. Ist der Wald in den Märchen eher dunkel, böse und bedrohlich, und wenn ja, warum zieht es die Märchenhelden trotzdem immer dahin? Wie oft ist der Wald ein Ort wichtiger Handlungen, und wann wird er nur als neutraler Lebensraum am Rande erwähnt? Wie oft spielt der Wald eine Rolle in den Märchen der Grimms und welche Rolle spielt er? Welche Faszination geht vom Wald aus? Symbolisiert der Wald wirklich eine Nähe zu Gott und dem Schoß der Natur?
Die Funktionen des Waldes in den Märchen werde ich in Kapitel 4 untersuchen. Es wird unterteilt sein in böser Wald, guter Wald und Mischformen beider.
2 Die Brüder Grimm und die Märchen
2.1 Die Märchen
240 Märchen trugen die Brüder Grimm zusammen, die angeblich auf rund vierzig verschiedene „Beiträger“ und dreißig schriftliche Quellen zurückgehen, schätzt der bekannte Grimm- Forscher Heinz Rölleke. 7 Dass diese „Beiträger“ vorwiegend einfache Leute waren, die durchs Land zogen und sich mit dem Märchenerzählen ihren Lebensunterhalt verdienten, wird mittlerweile bezweifelt. Heute geht man davon aus, dass es hauptsächlich Frauen waren, und vorwiegend aus dem adligen oder bürgerlichen Milieu stammten. 8 Im 16. und 17. Jahrhundert bezeichnete man Märchen als „Spinn-, Rocken- und Kunkelmärchen“, was darauf schließen lässt, dass Märchen innerhalb des einfachen Volkes weiter getragen wurden. 9 Die gesammelten Märchen wurden aus der Mundart ins Hochdeutsche übersetzt. Der Begriff Volksmärchen wurde von Jacob Grimm geprägt, der damit den Ursprung der Märchen ganz klar in den Volksmund gelegt hatte. Hierin unterscheiden sich die Volksmärchen deutlich von den Kunstmärchen, die einer konkreten Dichterpersönlichkeit zugeordnet werden können. Ursprünglich erschienen die Märchen der Brüder Grimm mit dem Zusatz „ächt hessisch“. Da jedoch im Laufe der Märchenforschung bekannt wurde, dass es nicht nur hessische
7 Meinhard Prill: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, in: Kindlers Neues Literaturlexikon, Walter Jens
(Hrg.), München 1988, Band 6, S.914. Vgl.: Heinz Rölleke: Die Urfassung der Grimmschen Märchensammlung
von 1810. Eine Rekonstruktion ihres tatsächlichen Bestandes (in Euph. 68, 1974, S.331- 336)
8 Prill, S.915. Vgl.: Heinz Rölleke: Die „stockhessischen“ Märchen der „Alten Marie“. Das Ende eines Mythos
um die frühesten KHM- Aufzeichnungen der Brüder Grimm (in GRM, N.F.25, 1975, S.74-86)
9 Friedrich Panzer: Märchen. In: Deutsche Volkskunde. Leipzig 1926, Punkt 1-50, Punkt 24
7
„Beiträger“ gab, sondern einige Märchen auch von der Tochter hugenottischer Einwanderer stammten, wurde in späteren Ausgaben der „Kinder- und Hausmärchen“ der Hinweis auf die „ächt hessischen“ Märchen wie auch das Attribut „deutsch“ weg gelassen. 10
Die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm erschienen in zwei Teilen, 1812 der erste und 1815 der zweite Teil. Der dritte Teil mit Varianten und Anmerkungen folgte 1822 und war der erste wissenschaftliche Beitrag zur Märchenforschung. Die Zusammenstellung der Märchen erfolgte nach Angaben der Brüder Grimm unter dem Kriterium, alles „durch den Mund des Volkes“ Überlieferte „so rein als möglich, treu und genau mit aller Eigentümlichkeit selbst des Dialekts, ohne Zusatz und sogenannte Verschönerung wiederzugeben“, aus der Überzeugung heraus, dass „in diesen Volksmärchen lauter urdeutscher Mythus, den man für verloren gehalten“ sich bewahrt habe. 11 In vielen dieser Märchen finden sich tatsächlich Überbleibsel alter Mythen, die als „spielerische Abkömmlinge einer uralten intuitiven Schau des Lebens und der Welt“ betrachtet werden können. 12 In den Volksmärchen vereinten sich Volksglauben, Mythologie und Aberglauben. In diesem Zusammenhang spielen die Bäume und der Wald eine wichtige Rolle. Die Märchen zeigen, welche Bedeutung speziellen Bäumen und auch dem Wald schon in der germanischen Mythologie zukam.
Anders als die romantischen Dichter ihrer Zeit nutzen die Grimms die überlieferten Märchen aber nicht zur Schaffung eigener Texte. Besonders Jacob Grimm betonte immer wieder, dass die überlieferten Märchen unverfälscht und ohne Ausschmückungen ihrerseits aufgeschrieben werden. Jacob Grimm wollte die Authentizität der Märchen bewahren. Wilhelm Grimm hingegen „stand mit seinen Neigungen den dichterischen Freunden näher“. 13 Deren Anliegen war es, auch etwas „als Künstler zu gestalten und tätig auf ihre Zeit zu wirken“. 14 Heute ist es unstrittig, dass „sowohl Jacob wie Wilhelm Grimm durchaus eine Bearbeitung der mündlich überlieferten Texte vornahmen“. 15 Die Texte sollten durch Ergänzungen, stilistische Angleichungen, durch die Einfügung von Sprichwörtern und die Einführung der direkten
10 Prill, S.915
11 Zitiert nach: Prill, S.914
12 Heinz Kosak, Heinz Rölleke: Die deutschen Märchen. In: Freundesgabe. Jahrbuch der Gesellschaft zur Pflege
des Märchengutes der europäischen Völker e.V. 1960 I. S.5
13 Panzer, Friedrich: Zum Geleit. In: Urfassung, Brüder Grimm, Hamburg 1948, Band 1, S.XLI. Gemeint sind
die Freunde Clemens Brentano und Achim von Arnim
14 ebd.
15 Prill, S.915
8
Rede „lebendiger gemacht werden“. 16 Dass die Brüder Grimm Wegweiser in der Märchenforschung waren, ist dennoch unumstritten.
Die Gattung Märchen, die im Zeitalter der Aufklärung noch als phantastisch und töricht bezeichnet wurde, stellte eine Art Geschichtsquelle dar: (ihre) „Wurzeln reichen in die Kindheitstage der Menschheit zurück und enthalten Bruchstücke eines in ältere Zeiten reichenden Glaubens. Urzeitliches Glauben, Fürchten und Hoffen, Deuten und Wähnen wird sichtbar, die Weltanschauung urtümlicher Menschheit bildet einen erkennbaren Hintergrund der Geschichten.“ 17
Den Brüdern Grimm war die germanische Mythologie vertraut, insbesondere Jacob Grimm. Als Literaturwissenschaftler gehörte die germanische Mythologie zu seinen Arbeitsfeldern. Die große Bedeutung, die speziell Bäume, aber auch die Natur insgesamt schon für die Germanen hatte, war ihm vertraut. Wie viel davon in den Märchen bestehen blieb, wird die Arbeit aufzuzeigen versuchen.
2.2 Das Märchenschema
Das Märchen hebt „die Gesetze von Raum und Zeit auf zugunsten einer surreal- verzauberten Welt; Tiere können sprechen, Dinge ein Eigenleben entwickeln, ohne dass sich die Träger der Märchenhandlung darüber wundern“. 18 Die begrenzte und überschaubare Zahl der Akteure im Märchen reflektieren ihre Handlungen nicht, sie sind nicht als Individuen, sondern als Typen gezeichnet. Die Position des Helden oder der Heldin sind mit echten Menschen besetzt, die des Feindes oder Gegners mit nicht- menschlichen Wesen. „Dinge teilen sich in alltägliche und übernatürliche, die verschiedene Gestalten annehmen können.“ 19 Der Ausgangspunkt von Märchen ist meist eine Notlage oder eine an den Helden herangetragene Aufgabe, den Mittelteil bildet die Lösung dieser Situation und den Schluss das Happy End. Märchen stellen eine überschaubare Welt von Gut und Böse dar. Stereotypen dienen der Betonung von Tabus und Verboten, von Rätseln und Gesten. Märchen sind einfach strukturiert. Charakteristisch ist „die Beschränkung darauf, was unmittelbar wichtig für die Handlung ist, alle ablenkenden Ausschmückungen oder mögliche Alternativen sind
16 Prill, S.915
17 Panzer, Punkt 36
18 Prill, S.915
19 Max Lüthi: Volksmärchen und Volkssage. Bern (1961) 1975, S.24/25
9
ausgeschaltet.“ 20 Das Märchen hat eine „handlungsfreudige Struktur“, was mit der mündlichen Übertragungsform eng zusammenhängt. Zudem sind Aktionen besser vorstellbar als bewegungslose Situationen. 21 In Märchen findet man keine ausführliche Vorstellung der handelnden Personen und der Schauplätze, es kann an jedem x- beliebigen Ort spielen und ist dadurch übertragbar. 22
Das Märchen „deutet und erklärt nicht, es schaut nur und stellt dar“. 23 Märchen beinhalten keine Reflexion: Nichts wird näher beschrieben, umschrieben oder detailgetreu geschildert. In der Regel begnügt sich das Märchen mit kurzen, knappen Beschreibungsformeln. Der Wald ist groß, die Prinzessin schön, das Schloss prächtig, die Hexe ist böse oder hässlich.
2.3 Eine Kurzbiographie der Brüder Grimm
Jakob Grimm (1785- 1863) war Sprach- und Literaturwissenschaftler. Er studierte in Marburg Jura, arbeitete seit 1808 als Bibliothekar in Kassel und war ab 1829 Professor der deutschen Altertumswissenschaft in Göttingen. Ab 1840 hielt er als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften an der Berliner Universität Vorlesungen und war 1848 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Von 1850 bis zu seinem Tod arbeitete er am „Deutschen Wörterbuch“.
Jakob Grimm gilt als der wissenschaftlich- analytische Kopf der Brüder. Er widmete sich der germanischen Sprachwissenschaft und der germanischen Altertumskunde. Er ist der bedeutendste Sprachforscher seiner Zeit und begründete die 1819 erstmals erschienene „Deutsche Grammatik“. Er veröffentlichte Publikationen zur germanischen Rechtsgeschichte, zur Religionsgeschichte, eine Sammlung bäuerlicher Rechtsquellen und die Sagen- und Märchensammlungen. 1835 gab er die „Deutsche Mythologie“ heraus. Neben einer Fülle von Publikationen zu allen Gebieten der germanischen Philologie edierte er altdeutsche,
20 Prill, S.916
21 Lüthi: Volksmärchen und Volkssage, S.82
22 ebd.
23 ebd., S.79
10
altnordische, mittelalterliche und lateinische Werke, zum Teil gemeinsam mit seinem Bruder. Sein „Deutsches Wörterbuch“ blieb unvollendet.
Wilhelm Grimm (1786- 1859) war Literaturwissenschaftler und studierte Rechtswissenschaften. Er arbeitete seit 1816 in Kassel und ab 1830 in Göttingen, ebenfalls als Bibliothekar. 1841 ging er mit seinem Bruder nach Berlin. Er arbeitete dort ebenfalls als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften mit seinem Bruder zusammen. Wilhelm Grimm war Sagenforscher und Herausgeber zahlreicher mittelhochdeutscher Literaturwerke sowie Mitarbeiter am „Deutschen Wörterbuch“. Er war mehr künstlerisch und pädagogisch interessiert. Ihm gebührt der Hauptanteil an der sprachlichen Gestaltung der „Kinder- und Hausmärchen“. 24
24 Werner Habicht (Hrg.) mit Wolf- Dieter Lange und der Brockhaus- Redaktion: Der Literaturbrockhaus: in acht
Bänden - Grundlegend überarbeitete und erweiterte Taschenbuchausgabe. Mannheim 1995, Band 3, S.404/405
11
3 Was die Märchen über Bäume sagen
In den Märchen der Brüder Grimm wimmelt es nur so von Bäumen. Um ihre jeweilige Bedeutung herauszustellen, werde ich das Erscheinen einzelner Bäume in den Märchen interpretieren und analysieren. Im Hintergrund steht dabei die Frage, inwiefern diese Bäume eine Bedeutung in der germanischen Mythologie, der Volkskunde und der Kulturgeschichte hatten.
Bäume stellten für den Menschen stets etwas Positives, Nutzbringendes dar. In der Frühzeit gehörten Nüsse, Bucheckern und geröstete Eicheln zu den Grundnahrungsmitteln. Bis ins 19. Jahrhundert dienten Eicheln und Bucheckern zum Mästen der Schweine. 25 Es sind die Bäume, durch deren Holz die Menschen „ durch die Jahrtausende den wichtigsten Werkstoff“ erhielten. 26 Mit Holz wurde Feuer erzeugt zum Wärmen, Kochen und Eisenschmieden, Häuser, Möbel und Schiffe wurden gebaut, Werkzeuge und Waffen hergestellt. Aus Rinde, Blättern und Früchten wurde Medizin gewonnen oder das Gift für Pfeile hergestellt. Baum war nicht gleich Baum, und Holz nicht gleich Holz. Jeder Baum hatte etwas anderes zu bieten und wurde wegen seiner besonderen Qualitäten geschätzt. Bäume wurden verehrt, unter ihrem Dach wurde gefeiert oder Gericht gehalten. „Ein vielfältiges Brauchtum knüpft sich an sie: von dem Reis, das bei der Geburt gepflanzt wird, bis zum Baum auf dem Grab.“ 27 Was ist aber mit der mystischen Seite der Bäume- warum verkörpert ein Apfelbaum etwas anderes als ein Haselbaum?
Welche Rolle die Bäume in den Grimmschen Märchen spielen oder was es zu bedeuten hat, dass gerade dieser Baum und nicht jener dieses und jenes Märchen trägt, soll analysiert werden. Zur besseren Übersicht habe ich den Baum- Teil der Arbeit in zwei Kapitel unterteilt: aktive Bäume und passive Bäume. Da die Gattung eines für das Märchen bedeutsamen Baumes oft nicht genannt ist, mache ich innerhalb dieser Unterteilung eine zweite Unterteilung: ihrer Gattung nach benannte und unbenannte Bäume.
Pro Kapitel werde ich einige Märchen ausführlich analysieren, um zu verdeutlichen, wie diese Bäume in das Märchen eingebunden sind und welche Funktion sie erfüllen. Habe ich eine Gattung intensiv bearbeitet, skizziere ich im Anschluss alle anderen Märchen, in denen diese Gattung auch vorkommt.
Die Auswahl der Märchen, die ich intensiv analysiere, treffe ich unter zwei Gesichtspunkten. Einerseits möchte ich die Märchen analysieren, in denen die Bedeutung eines Baumes
25 Demandt, S.3
26 ebd.
27 ebd., S.7
12
innerhalb des Märchens besonders hervortritt, andererseits die Häufigkeit bestimmter Baumarten in den Grimmschen Märchen deutlich machen.
3.1 Aktive Bäume in den Märchen
Als aktive Bäume bezeichne ich die Bäume, die sich entweder eigenständig bewegen können oder in der Lage sind, etwas hervorzubringen, das den Märchenhelden hilft. Sie arbeiten den Märchenhelden zu und verhelfen ihnen zum Glück. Haben sie ihre Funktion erfüllt, werden sie in der Regel nicht mehr erwähnt. 28 Ich beginne das Baum- Kapitel mit den aktiven Bäumen, da diese das Märchenhafte dieser nicht- menschlichen Lebewesen besonders hervorheben. Ihnen kommt auch insofern eine ganz besondere Bedeutung zu, als dass sie in den Märchen der Grimms sehr selten vorkommen.
3.1.1 „Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein“ und der Apfelbaum
Dieses Märchen handelt von einem benachteiligten Mädchen. Es wird tyrannisiert, weil es „nicht anders aussah als andere Menschenkinder“ 29 und zwei Augen hat. Es erfährt Hilfe durch eine alte „weise Frau“. 30 Erst verzaubert diese ihr Zicklein, dass es durch einen bestimmten Spruch Speisen herbeizaubern kann. Dann, nachdem die Mutter die Ziege aus Bosheit getötet hat, lässt dieselbe alte Frau aus den Innereien der Ziege einen Baum wachsen. Dieser Baum ist „ein wunderschöner prächtiger Baum, der hatte Blätter von Silber und Früchte von Gold“ 31 . Nur Zweiäuglein schafft es, die goldenen Früchte zu pflücken, und als ein schöner junger Ritter kommt und nur Zweiäuglein ihm eine goldene Frucht pflücken kann, erlöst er sie dafür auf ihren Wunsch von ihrer boshaften Familie und nimmt sie als seine Frau mit.
28 Eine Ausnahme dieser Regel findet sich im Märchen vom Zweiäuglein und im Märchen von Schneeweißchen
und Rosenrot.
29 Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder
Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und
Herkunftsnachweisen, herausgegeben von Heinz Rölleke. Stuttgart1984, Band 1, S.206
30 ebd., S.207
31 ebd., S.211
13
Der Apfelbaum ist der einzige Baum, der im Märchen vom Zweiäuglein vorkommt. Er hat eine eindeutig helfende, aktive Funktion. Hier geht es um ein benachteiligtes Mädchen, das Hilfe benötigt. Diese Hilfe widerfährt Zweiäuglein in Gestalt der alten Frau, die eine „Jenseitige“ ist: „Das deutsche Märchen lässt den Jenseitigen gerne als alten Mann oder alte Frau dem Helden in den Weg treten“. 32 Diese „spenden dem Helden zauberische Gaben“. 33 Die gute Alte stellt Zweiäuglein erst eine durch ihre Zauberkräfte Nahrung spendende Ziege zur Seite, dann lässt sie aus deren Eingeweiden den besagten Baum entstehen. Zweiäuglein liebte die Ziege für die Dienste, die sie ihr leistete, wie andere ihre Mutter lieben. Zweiäuglein empfing von der Ziege so etwas wie mütterlichen Beistand. Sie verschaffte ihr Nahrung, verhalf ihr nach der Verwandlung in einen Baum zur Erlösung aus ihrem elenden Dasein und zur Erfüllung des Lebens. 34 Laut Demandt sind diese Bäume „im antiken Sinne beseelt“ und erscheinen „als handelnde Wesen“. 35 Wenn man davon ausgeht, dass die Ziege von der gutmütigen Alten beseelt ist, um Zweiäuglein zu helfen, kann man davon ausgehen, dass auch der prächtige Apfelbaum von der Alten beseelt ist. Auch die Grimms gehen in ihren Anmerkungen davon aus, dass „die weise Frau, die sich seiner Noth erbarmt, wahrscheinlich seine recht verstorbene Mutter“ ist. 36
In Gestalt dieses Baumes hilft sie dem Zweiäuglein, die ansonsten keine Hilfe zu erwarten hätte. Der Apfelbaum hat hier eine eindeutig helfende Funktion. Das Motiv des von einem verstorbenen geliebten Menschen beseelten Baumes taucht in drei weiteren Märchen der Grimms auf: Im Märchen vom „Aschenputtel“, im Märchen vom „Machandelboom“ und im Märchen „Die Alte im Wald“. 37
Zweiäuglein beweint ihr Schicksal und ist unschuldig an ihrem Unglück. Auch hier, wie beim Zweiäuglein, wird der Gefühlsausbruch nur erwähnt, weil das Weinen den Kontakt zu der Jenseitigen in Gestalt der guten Alten herstellt. Der Baum scheint aus dem Gefühl des Mitleids heraus entstanden zu sein. Es ist das Mitleid eines höheren Wesens, das über übernatürliche Kräfte verfügt. Der Baum wächst über Nacht, und steht sofort in voller Blüte. Natürliche Wachstumsprozesse werden hier genauso ausgeblendet wie in den anderen
32 Max Lüthi: Das europäische Volksmärchen, Tübingen 1985, S.21
33 ebd., S.9
34 Scherf, Walter: Lexikon der Zaubermärchen. Stuttgart 1982, S.87
35 Demandt, S.260
36 Brüder Grimm, Band 3, S.213
37 Das Märchen vom Machandelboom gehört zu den Märchen in plattdeutscher Mundart, deswegen werde ich es
nicht besprechen.
14
Märchen. Hier veranlassen höhere Mächte, dass ein Zauberbaum wächst, der seinem Eigentümer - und nur ihm- Reichtum und Glück bringt. 38
Der schöne junge Ritter verweilt an dem wohl eher ärmlichen Haus allein wegen des Baumes und fragt sofort, wem der schöne Baum gehört. Alle Beteiligten wundern sich nicht im Geringsten über den wundersamen Baum, sondern nehmen ihn hin und bewundern ihn. Das Wunder ist „ein Element der Handlung und hat in ihr seinen bestimmten Sinn; deshalb wird es ohne Staunen und ohne Erregung hingenommen, als ob es selbstverständlich wäre.“ 39 Für den Ritter ist vollkommen klar, dass nur der Eigentümer Macht über diesen wundersamen Baum haben kann. Zweiäuglein betont auch sofort, dass sie die Eigentümerin ist und es ihr aus diesem Grund mühelos gelingen wird, von dem Baum etwas abzubrechen. Es scheint, als wäre mit dem Baum auch das Selbstbewusstsein der Märchenheldin gewachsen.
Der Baum mit den goldenen Äpfeln hat die Aufgabe, Zweiäuglein zu helfen. Er soll sie aber nicht etwa ernähren, sondern mit dem jungen schönen Ritter bekannt machen. Die
Beschaffenheit der Äste und Früchte ist märchenhaft und übernatürlich. Die Äste des Wunderbaumes sind aus Silber, die Früchte sind aus Gold. Der Baum erfährt im Märchen eine Erhöhung und verfügt über übernatürliche Kräfte. 40 Hier bekommt der Märchenheld ein „Wunderding“ an die Hand. 41 Diese sind allerdings nicht dazu da, „um spielerisch verwendet zu werden, um dem Helden Spaß, Annehmlichkeiten, Reichtum zu schenken, sondern sie sollen ganz bestimmte Handlungssituationen bewältigen“. 42 Das Zweiäuglein soll aus seiner Misere herausgebracht werden. Die ganze Kostbarkeit des Wunderbaumes wird durch die kostbaren Äste und Früchte besonders hervorgehoben. Zweiäuglein, die nicht nur nach Liebe hungerte, sondern auch kaum Lebensmittel bekam, ist nun offensichtlich reich. Sie ist nicht mehr angewiesen auf ihre boshafte Familie.
Der Baum kann aber mehr als nur durch seine silbernen Blätter und goldenen Früchte zu glänzen. Sowohl Einäuglein als auch Dreiäuglein gelingt es nicht, für den Ritter einen Ast abzubrechen. Die Zweige und Früchte weichen vor ihnen zurück und lassen sich nicht von ihnen brechen. Nur Zweiäuglein ist in der Lage, den Wunsch des Ritters zu erfüllen. Als die Heldin Früchte pflücken will, „zogen sie sich nicht vor ihr zurück, sondern ließen sich von
38 Brüder Grimm, Band 2, S.211: „Einäuglein stieg hinauf, aber wie es einen von den goldenen Äpfeln greifen
wollte, fuhr ihm der Zweig aus den Händen; und das geschah jedes mal, so dass es keinen einzigen Apfel
brechen konnte, es mochte sich anstellen, wie es wollte.“
39 Lüthi: Das europäische Volksmärchen, S.56
40 Panzer, Punkt 7
41 Lüthi: Das europäische Volksmärchen, S.31
42 ebd.
15
selbst in seine Hand herab, also dass es einen nach dem andern abpflücken konnte und ein ganzes Schürzchen voll mit herunter brachte.“ 43 Zweiäugleins Apfelbaum erinnert Demandt an den antiken Tantalos:„Er muss hungern, weil die Baumfrüchte vor seiner Nase sich seinem Zugriff entziehen.“ 44
Der Ritter weiß gleich, dass nur Zweiäuglein die Besitzerin des Baumes sein kann, denn nur ihr gehorcht der Baum. Der Baum weiß demnach, wem er gehorchen muss. Weil der Baum beseelt von der weisen Frau ist, hat er die Fähigkeit zu handeln. Warum ist es aber ein Apfelbaum, der Zweiäuglein hilft? Jeder Baum mit goldenen Früchten und silbernen Ästen wäre kostbar. Weil es aber auch um Liebe geht, müssen die Früchte noch eine besondere Bedeutung haben. Dem Apfel wird der Aspekt der Sexualität zugesprochen. Der Apfel ist „ein uraltes Symbol der Erde und der Offenbarung des weiblichen Prinzips“, er wurde Göttinnen der Liebe und Fruchtbarkeit zugesprochen. 45 In Salomons Hohelied heißt es: „Stärkt mich mit Traubenkuchen, erquickt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe.“ 46
In der germanischen Mythologie wurde die Zeugung Wölsungs erst durch einen von Odin vermittelten Apfel ermöglicht. 47 Von einem jungfräulichen Mädchen hieß es im Mittelalter: “Sie hat des Apfels Kunde nit“, wenn sie der Liebe unkundig war. 48 Frauenapfel ist eine gängige alte Umschreibung der weiblichen Brust. Und Goethes Doktor Faustus bekennt in der Walpurgisnacht: „Einst hatt ich einen schönen Traum. Da sah ich einen Apfelbaum. Zwei schöne Äpfel glänzten dran. Sie reizten mich, ich stieg hinan.“ 49 In Deutschland galt der Andreasabend als Orakelnacht für Heiratslustige. Die betreffende Person musste einen Apfel schälen, ohne die Schale abreißen zu lassen. Über die Schulter geworfen konnte man aus der Form der Schale den Anfangsbuchstaben des Zukünftigen deuten. 50
Es liegt nahe, dass im Märchen die Äpfel von Zweiäugleins Baum Weiblichkeit symbolisieren. Dass sie einen Zweig mit diesen Früchten für den Königssohn bricht, wirkt wie ein verschlüsseltes sexuelles Signal. 51 Schließlich ist der Apfel auch das Symbol des Sündenfalls. Da es im Märchen aber nicht um sexuelle Dinge geht, wird nur die Kostbarkeit
43 Brüder Grimm, Band 2, S.212
44 Demandt, S.260
45 Doris Laudert: Mythos Baum: Was Bäume uns Menschen bedeuten. Geschichte- Brauchtum- 30
Baumporträts, München 1999, S.51
46 Zitiert nach: Laudert, S.51
47 ebd., S.52. Wölsung war der Ahnherr eines von Odin abstammenden Heldengeschlechts.
48 ebd.
49 Zitiert nach: Laudert, S.52
50 ebd., S.53
51 In der Urfassung des Märchens „Das Mädchen ohne Hände“ gewinnt die Märchenheldin in dem Moment ihre
abgeschlagenen Hände zurück, als sie einen Apfelbaum umfasst. Brüder Grimm, Urfassung, Band 1, S.92/93
16
des Baumes verdeutlicht, indem die Äpfel golden sind. Das Märchen „rückt die Innenwelt auf die Ebene des äußeren Geschehens“, sodass man, abgesehen vom Verführungs- Symbol des Apfels, Zweiäugleins innere Werte durch den kostbaren Baum symbolisiert sehen kann. 52 Durch die Übergabe des Apfels an den Ritter klingt der Paradies- Mythos aber dennoch an.
Als der Ritter Zweiäuglein mitgenommen hat, meinen die Zurückgebliebenen noch, der „wunderbare Baum“ bleibe ihnen erhalten, so dass immerhin „jedermann davor stehen bleiben, zu uns kommen und ihn rühmen“ wird. 53 Doch am folgenden Tag ist der märchenhafte Apfelbaum dem Zweiäuglein „nachgefolgt“ und steht wundersamer weise vor dem Fenster seiner Besitzerin. 54 Diese nochmalige Erwähnung eines Baumes, in Verbindung mit dem aktiven Verb „nachfolgen“, stellt eine Ausnahme in den Märchen dar. Der Baum ist wie ein treuer Hund der Märchenheldin gefolgt. Es ist das einzige Mal, dass ein Baum, der seine Aufgabe erfüllt hat, nochmals in dieser aktiven Form erwähnt wird. Nur in den Märchen „Die wahre Braut“ und „Schneeweißchen und Rosenrot“ taucht ein Baum am Ende des Märchens nochmals auf. In diesen beiden Märchen sind die Bäume allerdings passiv. Die moralische Aussage des Märchens gleicht der Aussage vieler anderer Märchen. Zweiäuglein bekommt den Wunderbaum, weil sie ein gutes Mädchen ist, das ihrem Schicksal ausgeliefert zu sein scheint. Mit Hilfe des Baumes verbessern sich ihre Überlebenschancen schlagartig, und sie findet ihr Glück. Die bösen Schwestern und die ebenso böse Mutter gehen leer aus und sind machtlos. Die klare Trennung von Gut und Böse in den Märchen der Brüder Grimm wird dadurch untermalt, dass nur die etwas bekommen, die ein gutes Herz haben. „Der Blinde, der Enterbte, der Jüngste, Elternlose, der Verirrte“ sind „Isolierte“, die die „wahren Märchenhelden“ sind. 55
Weitere Apfelbäume mit helfender Funktion gibt es nicht. Demnach ist der Apfelbaum mit den goldenen Früchten im Märchen vom „Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein“ der einzige aktive Apfelbaum in den gesamten Märchen der Brüder Grimm.
52 Lüthi: Das europäische Volksmärchen. S.17
53 Brüder Grimm, Band 2, S.213
54 ebd., S.214
55 Lüthi: Das europäische Volksmärchen, S.61
17
3.1.2 „Die Alte im Wald“ und der verzauberte Baum- Prinz
Ein treues Dienstmädchen überlebt den Angriff von Räubern, indem es sich hinter einem Baum versteckt. Dort erfährt sie durch eine weiße Taube und einen verzauberten Baum Hilfe. Mit Hilfe eines goldenen Schlüssels, den die Taube ihr gibt, findet sie im Baum Nahrung und muss nicht verhungern. Mit Hilfe eines zweiten goldenen Schlüssels findet sie in dem Baum ein Bett, ein dritter goldener Schlüssel lässt sie dort kostbare Kleider finden. Einige Tage lebt das Mädchen dort und wird immer wieder von der weißen Taube und dem Baum versorgt, bis die Taube sie bittet, einen goldenen Ring aus dem Haus einer alten Frau zu holen. Als das Mädchen es getan hat, verwandelt sich der Baum in einen Prinzen. Sie hat ihn erlöst und lebt fortan mit ihm auf seinem Schloss.
Welche Funktion dieser Baum hat, der seiner Gattung nach unbenannt bleibt, wird schnell deutlich. Er ist ein aktiver Helfer, auch wenn er sich nicht regt. Sein Baumstamm wird durch Zauberkräfte mit Lebensmitteln, einem Bett und Kleidern angefüllt. Er steht in einem großen Wald, wo das Dienstmädchen mit seiner Herrschaft überfallen wird. Auch wenn in Märchen Logik keinen Platz hat, assoziiert der Leser gleich einen Baum mit großem Umfang. Demnach kann es sich hier nur um einen Laubwald handeln, denn Nadelbäume wurden nie mit breiten, ausladenden Baumstämmen in Verbindung gebracht. Der besagte Baum könnte eine Eiche sein, denn hinter Eichen kann sich, wie im Märchen „Der Königssohn, der sich vor nichts fürchtet“, gegebenenfalls sogar ein Riese verstecken, so dick kann ihr Stamm werden. 56 Die Eiche galt lange Zeit als der deutsche Baum schlechthin, sie kommt in den Grimmschen Märchen ganze vierzehn Mal explizit vor.
Das Motiv eines Baumes, der sich mit Hilfe eines Schlüssels aufschließen lässt, gibt es aber bereits in der Literatur des Mittelalters. In dem mittelalterlichen Epos „Wolfdietrich“ handelt es sich allerdings um eine Linde, die bekanntlich im Alter ebenfalls einen immensen Umfang entwickeln kann. In diesem Epos findet der Held eine Linde, „die sich aufschließen lässt, worauf zwölf Tänzerinnen erscheinen und eine goldene Zeder in ihrem Innern Wein spendet“. 57
Da die Gattung des Baumes in diesem Märchen aber nicht genannt wird, habe ich hier weder die Eiche noch die Linde intensiv betrachtet. Im Hinblick auf die Bedeutung, die eine Linde im Märchen „Die wahre Braut“ hat, ist es aber vorstellbar, dass es sich auch in diesem Märchen um eine Linde handelt. Die Eiche hingegen hat in keinem der Grimmschen Märchen
56 Brüder Grimm, Band 2, S.169
57 Zitiert nach: Demandt, S.191
18
eine auch nur annähernd passende Bedeutung. Die Metamorphose, nach der aus dem Baum wieder ein Königssohn wurde, scheint mir für dieses Märchen wichtiger.
Welche Funktion hat der Baum aber innerhalb des Märchens? Die Taube und der Baum versorgen die Heldin aktiv mit allem, was sie braucht. Unter diesem Aspekt kann man sagen, dass der Baum aktiv ist. Zum anderen gelingt es der Heldin unwissentlich und unbeabsichtigt, den Baum wieder zu dem zu machen, was er eigentlich ist, ein Prinz. Es ist ein Teil des Märchenschemas, dass der Held „seinen eigenen Weg verfolgt und dadurch andere erlöst, ohne dies beabsichtigt zu haben, oder er anderen hilft, ohne dabei an sich zu denken, und sich gerade dadurch den Weg zu seinem Ziel eröffnet“. 58
Die Hilfe, die dem Mädchen zuteil wird, ist allerdings nicht ganz uneigennütziger Art, wie im weiteren Verlauf deutlich wird. Die Alte in dem Waldhaus, zu der das Mädchen gehen soll, um den Ring zu holen, hatte den Prinzen in einen Baum verwandelt. Alle paar Stunden wurde er zur weißen Taube. Als das Mädchen der Alten den Ring wegnimmt, fällt der Zauber von dem Prinzen ab und er kann seine menschliche Gestalt wieder annehmen. Im Moment der Metamorphose lehnt sich das Mädchen gegen ihn und „da war es, als wäre der Baum weich und biegsam und senkte seine Zweige herab. Und auf einmal schlangen sich die Zweige um es herum und waren zwei Arme, und wie es sich umsah, war der Baum ein schöner Mann, der es umfasste und herzlich küsste und sagte: Du hast mich erlöst und aus der Gewalt der Alten befreit, die eine böse Hexe ist.“ 59 Schon ein mittelalterliches Lied erzählt von belebten Ästen, die einen Menschen umschlingen, allerdings handelt es sich dabei um Rosenäste: In ihren Anmerkungen verweisen die Grimms selbst auf „die Idee von einem sich belebenden Baum in einem Liede des Dürner: Wie ein roseboum hoch unde kranc mit zwein blüenden esten umbe vienge mich.“ 60
Das Motiv der Verwandlung von Menschen in Bäume war schon früher ein beliebtes Motiv in der Dichtung. Schon Ovid widmete diesem Motiv sein Buch „Metamorphosen“. In Ovids Dichtung wurden die Menschen allerdings von den Göttern meistens dann in Bäume verwandelt, wenn sie in Not waren. „So bat Myrrha, die wegen einer begangenen Schandtat gehetzt umherstreifte, die Götter um Verwandlung, und wurde zum Baum.“ 61 Die Nymphe Daphne, der vom liebestollen Apoll nachgestellt wurde, bat ebenfalls um Verwandlung, und
58 Lüthi: Das europäische Volksmärchen, S.61
59 Brüder Grimm, Band 2, S.182
60 Brüder Grimm, Band 3, S.205
61 Laudert, S.37
19
wurde zum Lorbeerbaum. 62 Sogenannte Baumnymphen waren so untrennbar mit ihrem Baum verbunden, dass sie mit ihm sogar den Tod teilten. In Dantes „Göttlicher Komödie“ bricht Virgil im „Wald der Selbstmörder“ einen Zweig ab, und vernimmt die Klage der in den Baum gebannten Seelen: „Menschen waren wir und sind nun Bäume geworden“. 63
Grimms „Die Alte im Wald“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir im Märchen generell keine Gründe für etwas erfahren. Wieder ist ein Baum ein Wunderding, diesmal ist es ein verwunschener Prinz. Man könnte auch sagen, ein Jenseitiger, denn die Verwandlung versinnbildlicht oder verschlüsselt im Märchen auch den Tod. 64 Die menschlichen Märchenhelden begegnen aber Jenseitigen furchtlos, und „verkehren mit ihnen, als ob sie ihresgleichen wären“. 65 Es sei im Märchen selbstverständlich, so Lüthi, dass die Heldin den Verwunschenen, den sie erlöst habe, heiratete. Sie sähe darin „nichts Besonderes“. 66 Wie schon beim Zweiäuglein scheint auch hier der Baum beseelt zu sein, in diesem Märchen nicht von irgendeiner guten Alten, sondern von dem verzauberten Königssohn. Es hat den Anschein, als sei der Baum in der Lage, selbstbestimmt zu handeln. Es war zwar wieder eine alte Frau im Spiel, diesmal allerdings eine böse. Scheinbar war sie machtlos, denn das Dienstmädchen konnte ihr mühelos den Ring wegnehmen und den Zauber lösen. Ein Wunderding wurde hier durch ein anderes erlöst, der Mann in Gestalt des Baumes durch den Ring. Der Baum hatte in diesem Märchen eine helfende Funktion, brauchte das Mädchen aber seinerseits zum Zweck seiner Rückverwandlung. Das gibt es in den über zweihundert Märchen der Grimms nur einmal.
Wie die Erlösung vonstatten ging, erfährt man nicht, denn es ist nur von Bedeutung, dass sie stattfindet. Im Märchen sieht man „nicht hinter die Dinge; nur die handelnden Figuren erblicken wir, nicht ihr Woher und Wohin, nicht ihr Warum und Wozu. Aber wir sehen, sie treten immer genau an der richtigen Stelle in den Verlauf der Handlung ein und verschwinden, sobald nichts Wichtiges mehr zu tun bleibt für sie.“ 67
62 Laudert, S.37
63 Zitiert nach: Demandt, S.202
64 Lüthi: Das europäische Volksmärchen, S.65
65 ebd., S. 9
66 ebd., S.12
67 ebd., S.79
20
Weitere ihrer Gattung nach nicht benannte aktive Bäume, die dem Märchenhelden helfen, gibt es in den Grimmschen Märchen nicht. In den über zweihundert gesammelten Märchen der Brüder Grimm gibt es nur insgesamt drei Märchen, in denen ein Baum der aktive Helfer eines Märchenhelden ist.
Im Märchen vom „Aschenputtel“ existiert ein einziges Mal eine Mischform. Hier gibt es innerhalb eines Märchens sowohl einen aktiven, als auch einen passiven Baum.
3.1.3 „Aschenputtel“, der Haselbaum und der Birnbaum
In diesem Märchen pflanzt ein Mädchen, das von seiner bösen Stiefmutter und deren ebenso bösen Töchtern schikaniert wird, das Reis eines Haselstrauches auf das Grab der geliebten Mutter. Dort wächst kurz darauf ein „schöner Baum“. 68 Dieser Haselbaum wird für sie nicht nur ein Ort der Zuflucht, sondern versorgt Aschenputtel mit kostbaren Kleidern. So kann sie zum Schlossball und den Prinzen für sich gewinnen.
Der erste Baum in diesem Märchen ist der Haselbaum. Er ist der wichtigste Baum in diesem Märchen, ohne den es undenkbar ist. Wie der kostbare Apfelbaum des Zweiäuglein ist der Haselbaum des Aschenputtels ein aktiver Baum. Es scheint, dass der Haselbaum das Vehikel der toten geliebten Mutter ist, die Aschenputtel helfen und für Gerechtigkeit sorgen möchte, wo keine zu erwarten ist. Die Mutter sagte auf ihrem Sterbebett zu Aschenputtel, dass sie vom Himmel aus auf sie herabblicken und um sie sein wird. 69 Nach ihrem Tod steht Aschenputtel allein in der Welt. Die Stiefmutter und -schwestern machen ihr das Leben zur Hölle und der Vater reagiert nicht.
Das Mitbringsel vom Vater, ein Haselreis, pflanzt sie auf das Grab der Mutter. Dort weint sie und beklagt ihr Schicksal. Dieser für den Märchenhelden untypische Gefühlsausbruch wird nur deswegen erwähnt, weil das Weinen hier „den Kontakt zu einem Jenseitigen herstellt“, hier der Mutter. 70 Inmitten ihres nun entbehrungsreichen Lebens ist der Haselbaum, der auf dem Grab ihrer Mutter wächst, für sie der einzige Halt. Der Baum ist scheinbar in der Lage, selbstbestimmt zu handeln. Auch hier handelt es sich wieder um einen beseelten Baum.
68 Brüder Grimm, Band 1. S.138
69 ebd., S.137
70 Lüthi: Das europäische Volksmärchen, S.15
21
Arbeit zitieren:
Claudia König, 2005, Böser Wald, guter Wald - Wald und Bäume in den Märchen der Brüder Grimm, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 24 Seiten
Symbolik im Märchen dargestellt am Beispiel "Hänsel und Gretel&qu...
Hausarbeit, 28 Seiten
Unterrichtsstunde: „Dribbeln wie die Profis“ – Erlernen von Dribblingt...
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Unterrichtsentwurf, 17 Seiten
Eine kurze Interpretation zu Friedrich Schillers "Der Taucher&quo...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 17 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Referat (Ausarbeitung), 16 Seiten
Theodor Storms 'Immensee' als Werk des bürgerlichen Realismus
Eine epochale Einordnung
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Offener Unterricht und Unterrichtsplanung
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Lehrprobe: Einführung in den direkten Zielschuss nach Passvorlage im F...
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Unterrichtsentwurf, 24 Seiten
Geschichte der olympischen Spiele: Mythen und Historie
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 20 Seiten
Unterrichtsstunde - Gedicht: Wir schreiben ein Elfchen zum Frühling (3...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 16 Seiten
Die Geistlichenkritik in "Reinhart Fuchs"
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 18 Seiten
Entwicklung und Arbeit der Una...
Seminararbeit, 32 Seiten
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 18 Seiten
Die Bedeutung des Waldes als sozialfreier Raum im Märchen "Das ta...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 20 Seiten
Heiligkeit und Heiligenkult als Instrument sakraler Herrschaftslegitim...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Beziehungen und Geschlechterrollen in Ovids "Ars Amatoria"
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Claudia König hat den Text Böser Wald, guter Wald - Wald und Bäume in den Märchen der Brüder Grimm veröffentlicht
Claudia König hat einen neuen Text hochgeladen
David Hockney - Six Fariy Tales from the Brothers Grimm/Sechs Märchen ...
Eine Ausstellung im Brüder Gri...
Burkhard Kling
Handbuch zu den "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm
Entstehung - Wirkung - Interpr...
Hans-Jörg Uther
0 Kommentare