Inhaltsverzeichnis
3.4.1 Operatives Controlling in der Hotellerie 16
3.4.2 Strategisches Controlling in der Hotellerie 17
3.4.2.1 Schritte des Strategischen Planung in
der Hotellerie
18
3.4.1.1 Regelkreis des Strategischen Controllings 20
3.4.1.2 Die Bestimmung Strategischer Erfolgspotenziale
und Strategischer Geschäftsfelder 21
3.4.1.3 Die Zielbildung 22
3.4.2 Wichtige Instrumente des Strategischen
Controllings 22
3.4.2.1 Potenzialanalyse 23
3.4.2.2 Stärken-Schwächen-Analyse 23
3.4.2.3 Produktlebenszyklusbetrachtungen 25
3.4.2.4 Die GAP-Analyse 26
3.4.2.5 Portfolio-Analyse 27
3.4.2.6 Produkt-Markt-Matrix nach Ansoff für ein Hotel 30
3.4.2.7 Konkurrenzanalyse 32
3.4.2.8 Benchmarking 33
3.5 Strategieimplementierung 35
3.6 Strategieumsetzung mit der Balanced Scorecard 37
3.7 Strategiekontrolle 40
3.8 Frühwarnsystem und Risiko-Management 42
3.8.1 Frühwarnsystem in der Hotellerie 42
3.8.2 Risiko-Management in der Hotellerie 43
3.8.3 Szenariotechnik als kreatives Verfahren zur
Identifikation potenzieller Krisen 44
3.9 Die Unternehmens- und Umweltanalyse als
Grundlage des Strategischen Controllings 45
3.9.1 Die Umweltanalyse 46
3.9.2 Die Unternehmensanalyse 47
IV
Inhaltsverzeichnis
4. Strategische Einflussfaktoren in der Hotellerie 48
4.1 Interne strategische Einflussfaktoren 48
4.1.1 Humankapital 48
4.1.1.1 Mitarbeiterorientierung 49
4.1.1.2 Fluktuation 50
4.1.1.3 Motivation der Mitarbeiter 50
4.1.2 Dienstleistungsqualität und Kundenzufriedenheit 51
4.1.2.1 Dienstleistungsqualität in der Hotellerie 51
4.1.2.2 Relative Qualität und Kundennutzen 52
4.1.2.3 Gästezufriedenheit in der Hotellerie 52
4.1.2.4 Messung der Kundenzufriedenheit 53
4.1.3 Beschwerdemanagement in der Hotellerie 54
4.2 Externe strategische Einflussfaktoren 55
4.2.1 Umweltproblematik im Tourismus 55
4.2.2 Ökologische Einflussfaktoren 56
4.2.3 Sicherheit 57
4.2.3.1 Terroranschläge in New York (2001) 57
4.2.3.2 Irak-Krieg (2003) 59
4.2.4 Katastrophen 61
4.2.4.1 Seilbahnunglück / Kaprun (2000) 61
4.2.4.2 Tsunami (2005) 62
5. Fazit 64
Literaturverzeichnis VIII
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Betriebsarten der Hotellerie
Abbildung 2: Der Vergleich der Anlageintensität von
Hotels mit anderen Branchen
Abbildung 3: Aufgabe des Hotel-Controllings
Abbildung 4: Inhalt des Controlling-Systems
Abbildung 5: Planungshorizont
Abbildung 6: Die Schritte der strategischen Planung
Abbildung 7: Regelkreis der strategischen Controlling
Abbildung 8: Stärken-Schwächen-Profil eines Hotels
Abbildung 9: Der Verlauf eines Produktlebenszyklus
Abbildung 10: Grundmodell der GAP-Analyse
Abbildung 11: Portfolio-Matrix der Boston Consulting
Group (BCG)
Abbildung 12: Kundenzufriedenheits- Portfolio
Abbildung 13: Produkt-Markt-Matrix
Abbildung 14: Die Balanced Scorecard eines Hotelbetriebes
Abbildung 15: Formen der strategischer Kontrolle
Abbildung 16: Denkmodell zur Darstellung von Szenarien
Abbildung 17: Ableitung der Personalstrategie
Abbildung 18: Umweltschutzkonzept
Abbildung 19: Nationale und Internationale Besucher
New York 2001
Abbildung 20: Besucher New York 2000 bis 2002
Abbildung 21: Entwicklung der betriebswirtschaftlichen
Kenndaten im Winter 2002/03
Abbildung 22: Europasportregion Zell am See / Kaprun
Abbildung 23: Die Anzahle der geschlossenen Hotels
nach Tsunami
VII
Einleitung
1. Einleitung 1.1 Problemstellung
Die Hotelbranche ist seit den 90er Jahren durch chronisch ansteigende Überkapazitäten geprägt 1 . Die daraus resultierende erhöhte Wettbewerbsintensität hat zu einem Umdenken im Hotelmanagement geführt und somit die Beschäftigung mit betriebswirtschaftlichen Fragen verstärkt 2 . Ein Hotelbetrieb ist ein Unternehmen, welches im
Dienstleistungssektor tätig ist. Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, muss das Hotel als Gesamtheit funktionieren. Viele Hotels bedienen sich verschiedenster Controllingsysteme, um ihre Unternehmensziele zu erreichen und die Unternehmens-strategie umzusetzen. Dabei ist festzustellen, dass der Fokus meist nur auf einzelne Bereiche des Hotelbetriebes gelegt wird 3 .
Für den Erfolg eines Hotels sind vor allem die Mitarbeiter verantwortlich. Kundenzufriedenheit ist dabei äußerst wichtig, denn diese spiegelt sich letztendlich in den Übernachtungs-zahlen des Hotels wider 4 .
Durch die Verbindung von Finanz-, Kunden-, interner Prozess- und Mitarbeiterperspektive werden die wichtigsten Ziele eines
Unternehmens gemeinsam dargestellt, Kennzahlen zur Erreichung der Ziele
untereinander Unternehmensstrategie erleichtert. Eine gute Möglichkeit, die Perspektiven Finanzen, Kunden und Mitarbeiter zu verbinden und eine gemeinsame Strategieverfolgung zu implementieren, wäre die Nutzung der Balanced Scorecard (BSC) 5 . Das operative Hotel-Controlling mit dem Schwerpunkt der Gewinnsteuerung behält zwar seinen Stellenwert, doch das strategische Controlling und die Unternehmensführung eines Hotelbetriebes gewinnt immer mehr an Bedeutung und stellt die Basis für den notwendigen nachhaltigen Wandel in der Hotellerie dar 6 .
1 Vgl. Hänssler, K.H.: Manag. in der Hot. und Gastronomie, 5.Aufl., München, 2001, S.195.
2 ebenda, S.5.
3 Vgl. Gewald, S.: Hotel-Controlling, 2. Aufl., München, 2001, S.64.
4 Vgl. Hänssler, K.H.: Manag. in der Hot. und Gastronomie, 6.Aufl., München, 2004, S.150.
5 Weitere Ausführungen zur BSC, vgl. Abschnitt 3.6.
6 Vgl. Dreyer / Dehner: Kundenzufriedenheit im Tourismus, 2.Aufl., München, 2003, S.1.
1 Kamal Jabr
Einleitung
1.2 Zielsetzung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Fragen der dauerhaften Unternehmenssicherung und mit der Notwendigkeit des strategischen Controllings als Instrument für die Unterstützung der Unternehmensführung.
Dabei geht es vorrangig um Fragen der Planung und Kontrolle der Strategieentwicklung und -umsetzung im Hotelunternehmen, bzw. in einzelnen Geschäftsfeldern oder Bereichen des Hotelbetriebes. Die zunehmende Dynamik und damit Unsicherheit im gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und technischen Umfeld vieler Unternehmen hat deren ökonomische Situation in den vergangenen Jahren stark verändert. Eine alleine an operativen Größen orientierte Unternehmensführung steht angesichts des häufigen, schnellen und überraschenden Wandels im
Unternehmensumfeld vor dem Problem, dass sich jede Auswirkung der geänderten Situation zu spät auf die operativen Erfolgskriterien auswirkt.
Hier zeigt sich mittels des strategischen Controllings ein geeignetes Instrument, um die strategischen Probleme zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu identifizieren, zu analysieren und zu bewerten. Ziel des strategischen Controllings ist nicht die kurzfristige Erfolgserzielung, sondern die langfristige Anpassung des Hotels an die veränderten Umweltbedingungen. Daher beschäftigt sich diese Arbeit auch mit den internen und externen Einflussfaktoren und deren Auswirkungen auf die Umsetzung von Strategien und dem langfristigen Erfolg eines Hotelbetriebs.
1.3 Aufbau und Vorgehensweise
Der Aufbau dieser Arbeit orientiert sich an der Zielsetzung einer erfolgreichen langfristigen Existenzsicherung. Dies steht im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit und spiegelt sich in der Definition des strategischen Controllings für den betrieblichen Erfolg eines Hotelbetriebes wider.
Das zweite Kapitel setzt sich nachfolgend mit der Begriffsdefinition und der Erläuterung der Besonderheiten der Hotellerie auseinander. Kapitel drei der Arbeit befasst sich mit dem Inhalt des Begriffs Controlling. Im Einzelnen ist dieses Kapitel wie folgt gegliedert: Nach einem Überblick über den Controllingbegriff und die wesentlichen Aufgaben und Prozesse des Controllings, werden zunächst die Prozesse des strategischen Controllings in der Hotellerie erläutert. Es folgt durchgängig die Prozesslogik aus Planung von Strategien,
2 Kamal Jabr
Einleitung
Umsetzung mittels Balanced Scorecard sowie
Strategieimplementierung und strategischer Kontrolle. In diesem Kapitel wird auch auf die Frühwarnsysteme und das Risikomanagement kurz eingegangen. Kapitel vier beschäftigt sich mit den internen und externen Einflussfaktoren für die Zielerreichung eines Hotelbetriebes.
3 Kamal Jabr
Definition und Charakteristik eines Hotels
2 Definition und Charakteristik eines Hotels
2.1 Begriffsdefinition
Es gibt keine einheitliche und verbindliche Definition, welche Unternehmung sich als Hotel bezeichnen darf. National und international hat es nicht an Versuchen gefehlt, eine einheitliche Auffassung zum Hotelbegriff durchzusetzen, allerdings ohne Erfolg. Damit ist die Bestimmung und Abgrenzung der Hotellerie nicht unproblematisch 7 . Das Statistische Bundesamt legt in der Tourismus-Berichterstattung folgende Begriffsdefinitionen von Hotels zugrunde: “Beherbergungsstätten, die jedermann zugänglich sind und in denen ein Restaurant- auch für Passanten-vorhanden ist, sowie in der Regel weitere Einrichtungen oder Räume für unterschiedliche Zwecke (Konferenzen, Seminare, Sport, Freizeit, Erholung) zur Verfügung stehen 8 . Folgende Voraussetzungen müssen mindestens erfüllt sein, damit von einem Hotel gesprochen werden kann: • Mindestzahl an Zimmern oder Betten • Höherer Standard als andere Beherbergungsunternehmen • Neben Beherbergungsleistungen werden auch
Bewirtungs- und sonstige Leistungen angeboten • Ein Hotel ist für einen vorübergehenden Aufenthalt vorgesehen.
2.1.1.1 Betriebsarten der Hotellerie
Die Tourismuswirtschaft differenziert das Beherbergungsgewerbe in Hotellerie und Parahotellerie 9 . Die Hotellerie ist das Kernstück des Beherbergungsgewerbes. Es stellt die funktionale Ganzheit der Einrichtungen dar, die den komplexen Bedarf von Touristen nach Beherbergungs-, Bewirtungs- und Komplementärleistungen während ihres Aufenthaltes am Zielort decken.
7 Vgl. Henschel, K.: Hotelmanagement, München, 2001, S.2.
8 Statistisches Bundesamt, Tourismus, 1995, S.233.
9 Die Hotellerie kann auch differenziert werden in Hotellerie im weiteren Sinne ( Hotels, Gasthöfe, Pensionen und Hotels garnis) und Hotellerie im engeren Sinne (darunter sind nur die
Hotels als Betriebsart zu verstehen). 4 Kamal Jabr
Definition und Charakteristik eines Hotels
Die Parahotellerie ist die funktionale Ganzheit der
Einrichtungen, die ergänzend zur traditionellen Hotellerie vor allem den Bedarf nach Beherbergungsleistungen deckt. Beherbergungsleistungen sind eingeschränkt bzw. fehlen ganz, ebenso Komplementärleistungen.
2.1.1.2 Betriebstypen der Hotellerie
Die Komplexität der angebotenen Hotelleistungen verursacht eine Vielzahl heterogener Hoteltypen. Eine Einteilung der Betriebstypen der Hotellerie ist im Wesentlichen nach den Gesichtspunkten • Standortorientierung
• Aufenthaltszweck (z.B. Stadthotel, Urlaubshotel, und Kurhotel)
• Güteklassen (ein bis fünf Sterne) • Betriebsgröße (Groß-, Mittel-, und Kleinbetriebe) möglich 11 .
10 In Anlehnung an Henschel, K.: Hotelmanagement, München, 2001, S.5.
11 Vgl. Hänssler, K.H.: Manag. in der Hot. und Gastronomie, 5.Aufl., München, 2001, S.44-49.
5 Kamal Jabr
Definition und Charakteristik eines Hotels
Entscheidende Beurteilungskriterien für die Güteklassen im Rahmen der Hotelklassifizierung bilden Ausmaß der Anlagen und Ausstattungsmerkmale sowie Intensität der personellen Dienstleistungen. Der DEHOGA Normenkatalog definiert die genauen Spezifizierungsmerkmale für Zimmergröße, Sanitär-komfort, Zimmerausstattung, Gästeartikel zur freien
Entnahme, Aufenthaltsräume, Rezeption, Getränke- und Speisenservice im Zimmer und Wäscheservice. Nach einer längeren Diskussionsphase wird in Deutschland erst seit 1996 eine bundesweit einheitliche Klassifizierung angewandt. Im Gleichklang zu Österreich und zahlreichen anderen Ländern weltweit ist die Typisierung nach Sternen in Luxus (5), First Class (4), Komfort (3), Standard (2) und Tourist (1) unterteilt. Hinsichtlich der Unterteilung nach der Anzahl der verfügbaren Betten, wird in Kleinbetriebe mit bis zu 100 Betten, in Mittelbetriebe zwischen 100 und 200 Betten und in Großbetriebe mit über 200 Betten differenziert, wobei die Kleinbetriebe mit 83 % einen überwiegenden Anteil in Deutschland im Jahre 2000 repräsentieren 12 . In engem Zusammenhang mit dem Betriebstyp sind die Standortwahl sowie die Zielgruppendefinition zu sehen. Dabei ist die Standortwahl sowohl hinsichtlich der geographischen Lage der Gemeinde als auch der Standortsituation innerhalb der Gemeindefläche zu verstehen. Diese Grundentscheidungen haben Auswirkung auf die bauliche Gestaltung und die geplante bzw. gewünschte Betriebstypenzuordnung 13 . Die Standortwahl ist auch für die Qualität der angebotenen Leistungen, der Zielgruppen-Definition wie auch der Preisfindung und somit für grundlegende Marketingentscheidungen ausschlaggebend 14 .
Die Hotellerie stellt einen wesentlichen Bestandteil der Tourismusbranche dar und ist somit dem Dienstleistungssektor und in weiterer Folge dem tertiären Sektor hinzuzählen 15 . Die Hotelbetriebe stellen neben den Zielorten nicht nur ein wesentliches Tourismusobjekt dar, sondern weisen auch eine enge Beziehung zum Tourismusort auf, da die Beherbergung
12 Vgl. Hänssler, K.H.: Manag. in der Hot. und Gastronomie, 5.Aufl., München, 2001, S. 49.
13 ebenda, S. 11.
14 Vgl. Pircher-Friedrich, A.: Strategisches Management in der Hot., Frankfurt, 2000, S. 108.
15 Vgl. Dreyer / Dehner: Kundenzufriedenheit im Tourismus, 2.Aufl., München, 2003, S. 13.
6 Kamal Jabr
Definition und Charakteristik eines Hotels
eine wesentliche touristische Grundleistung für den Reisenden darstellt.
Ein Hotel ist ein touristischer Betrieb. Durch die Teilnahme am Tourismus hat der Reisende vorübergehend seinen
gewöhnlichen Aufenthaltsort verlassen. Seine Bedürfnisse nach Wohnen und Nahrung müssen nun außerhalb des eigenen Haushaltes befriedigt werden. Das geschieht in dafür spezialisierten Beherbergungs- und Bewirtungsbetrieben. Da die Bedürfnisse nach Wohnen und Nahrung sehr unterschiedlich sind, gibt es dementsprechend unterschiedliche Beherbergungs- und Bewirtungsbetriebe 16 .
2.1.3 Strukturelle Probleme von Hotel-Unternehmungen
Hotel-Unternehmungen als Dienstleistungsbetriebe sehen sich einer Vielzahl von betriebswirtschaftlichen Problemen gegenüber. Zum einen steht einem kurz- bis mittelfristig relativ unveränderlichen Angebot an Zimmern oder Sitzplätzen eine sehr starken Schwankungen unterworfene Nachfrage gegenüber, die die Kapazitätsauslastung erschwert. Zum anderen zeichnet sich die Hotellerie durch einen hohen Anteil des Anlagevermögens (Gründstück, Gebäude, Einrichtung, Anlagen) am Gesamtvermögen sowie eine hohe Personalintensität aus. Daraus ergibt sich in Folge von Abschreibungen und Personalkosten eine hohe Fixkostenbelastung, die eine erfolgreiche Unternehmensführung erschwert 17 .
2.2 Charakteristik der Hotellerie
Unabhängig von der Verschiedenartigkeit der einzelnen Dienstleistungsbranchen lassen sich folgende Unterscheidungsmerkmale zur Sachgüterproduktion anführen:
2.2.1 Nichtlagerfähigkeit
Aufgrund der Tatsache, dass Dienstleistungen nicht auf Vorrat produziert werden können, ist der Dienstleistungsprozess ausschließlich auf den Nachfrager (externer Faktor) abgestimmt
16 Vgl. Henschel, K.: Hotelmanagement, München, 2001, S.3.
Alle diese Betriebe haben die Funktion, einen kurzfristigen und vorübergehenden Bedarf
nach Beherbergungs- und Bewirtungsleistungen zu decken, der im Rahmen eines
touristischen Vorgangs besteht.
17 Vgl. Henselek, H.: Hotelmanagement: Planung und Kontrolle, München, 1999, S.12.
7 Kamal Jabr
Definition und Charakteristik eines Hotels
und lässt sich nicht im Voraus erstellen 18 . Eine nicht verkaufte Hotelübernachtung kann zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr zusätzlich verkauft werden 19 . Somit ist jede angebotene und nicht abgesetzte Dienstleistung unwiederbringlich
verloren. Diese Besonderheit ist für die Hotellerie als Grundlage für ein etwaiges Überbuchen sowie kurzfristiger „last-minute-Angebote“ zu sehen.
2.2.2 Immaterialität
Die Hotelübernachtung stellt eine immaterielle Dienstleistung dar, obwohl es sich beim Hotelzimmer, dem Ort der eigentlichen Leistungserbringung, um ein Sachgut handelt. Der Hotelier ist daher stets mit der Problematik, die Hotelleistung lediglich mit verbalen Umschreibungen und Abbildungen erklären zu können, konfrontiert 20 .
2.2.3 Standortwahl und Standortgebundenheit
Aus der Immaterialität von Dienstleistungen resultiert eine spezifische Standortgebundenheit 21 . Im Gegensatz zur Industrie, wo die Produkte zum Kunden oder einem etwaigen Zwischenhändler transportiert werden können, kann eine Hotelleistung ausschließlich am Standort eines Hotelbetriebes nachgefragt und konsumiert werden. Es ist daher
unumgänglich, dass der Gast zum Hotel kommt und im Hotel seine Leistungen konsumiert 22 .
2.2.4 Keine Umtauschmöglichkeit
Neben der Nichttransportfähigkeit ist eine touristische Dienstleistung auch nicht umtauschbar. Im Gegensatz zu einem Sachgut ist daher sowohl die Rückgabe als auch der Umtausch einer Dienstleistung grundsätzlich nicht möglich 23 . Ein Hotelbetrieb kann somit nach erbrachter Nächtigungsleistung diese Hotelleistung bei Nichtgefallen dem Gast weder zurückgeben noch umtauschen. 2.2.5 Das uno-actu-Prinzip
Zu den hotelleriespezifischen Eigenschaften zählt auch das „uno-actu-Prinzip“. Darunter versteht man die Gesetz- 18 Vgl.Seitz, G.: Hotelmanagement, Berlin, 1997, S.3.
19 Vgl. Meyer / Hoffmann : Erfolgsfaktoren in d. Gastronomie, 2.Aufl., Berlin, 2002, S. 17 f.
20 Vgl. Dreyer / Dehner: Kundenzufriedenheit im Tourismus, 2.Aufl., München, 2003, S. 15.
21 Vgl. Seitz, G.: Hotelmanagement, Berlin, 1997, S.3.
22 Vgl. Hänssler, K.H.: Manag. in der Hot. und Gastronomie, 5.Aufl., München, 2001, S.13.
23 Vgl. Pompl, W. / Lieb, M.: Qualitätsmanagements im Tourismus, München, 1997, S. 15.
8 Kamal Jabr
Definition und Charakteristik eines Hotels
mäßigkeit, dass die Erstellung hotelbetrieblicher Dienstleistungen an die Anwesenheit des Nachfragers gebunden ist. Mit dem aus den siebziger Jahren stammenden Begriff "Unoactu-Prinzip“ ist die zeitgleiche Leistungserstellung undverwendung gemeint. Es ist daher von einer synchronen Beziehung zwischen Leistungserbringung durch den Hotelier und entsprechender Inanspruchnahme der Hotelleistung durch den Hotelgast die Rede 24 .
2.2.6 Komplementarität mit anderen Leistungsträgern Die Hotelleistung muss als Teil eines touristischen Gesamtpaketes angesehen werden. Der potenzielle Hotelgast trifft zunächst, abgesehen von bestehenden Stammgästen eines Hotelbetriebes, die Wahl für einen bestimmten Ort oder eine Region. Erst nachdem der Gast aufgrund seiner Urlaubsbzw. Reisemotivation (Kultur, Sport, Beruf, Bildung, etc) eine Reisedestination ausgewählt hat, erfolgt die nachfolgende Hotelauswahl.
Das Hotel steht somit in einem Komplementraritätsverhältnis mit anderen Tourismusunternehmen sowie in Abhängigkeit mit natürlichen und geographischen aber auch kulturellen Rahmenbedingungen seines Standortes 25 . Der Hotelier muss daher über sein betriebliches Angebot hinaus auch für die Produktpolitik im weiteren Sinne Interesse zeigen, da diese das wichtigste Kriterium bei der Destinationsauswahl eines Gastes ist 26 .
2.2.7 Personalintensität
Die Personalintensität stellt eine weitere Besonderheit der Hotellerie dar.
So muss ein Hotelbetrieb, selbst wenn er Low-Budget-Leistungen anbietet, mit einem Mindestniveau an Personalauslastung arbeiten, das höher liegt als bei den meisten anderen Unternehmen. Dies setzt den Betrieben deutliche Grenzen beim durchführen von signifikanten Kostensenkungen. Man kann davon ausgehen, dass Hotelbetriebe gezwungen sind, über ein Drittel ihres Umsatzes für Personalaufwand zu verwenden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass zwischen Personalaufwand und Qualität der hotelbetrieblichen Dienstleistungen eine hohe Korrelation besteht,
24 Vgl. Meyer / Hoffmann: Erfolgsfaktoren in der Gastronomie, 2.Aufl., Berlin, 2002, S. 17.
25 Vgl. Hänssler, K.H.: Manag. in der Hot. und Gastronomie, 5.Aufl., München, 2001, S. 14.
26 Vgl. Pircher-Friedrich, A.: Strategisches Management in der Hot., Frankfurt, 2000, S. 114.
9 Kamal Jabr
Definition und Charakteristik eines Hotels
so dass sich Verringerungen des Personalaufwands nur sehr selten ohne negativen Einfluss auf die Qualität realisieren lassen 27 .
2.2.8 Anlagevermögen
Da die Hotellerie gegenüber anderen Wirtschaftszweigen einige Besonderheiten aufweist, müssen bei den Investitionen und deren Finanzierung bestimmte Bedingungen beachtet werden.
2.2.8.1 Die Kapitalintensität von Investitionen
Investitionen in der Hotellerie haben einen hohen Kapitalbedarf. Das betrifft nicht nur Hotelneubauten sondern auch Modernisierungen, die als notwendige Konsequenz des Wettbewerbs unerlässlich sind. Hinzu kommt der Trend zum größeren Betrieb, der dementsprechende Investitionen erfordert 28 .
Der Kapitalbedarf wird durch folgenden Kosten beeinflusst: 1. Grundstückskosten 2. Erstinvestitionen und Pre-Opening-Kosten 3. Baukosten
4. Einrichtungs- und Ausstattungskosten
2.2.8.2 Die Anlageintensität
Hotels weisen ein hohes Anlagevermögen auf, welches in einem Eigentümerbetrieb bis über 90% der Bilanzsumme beträgt 29 .
Auch für die Hotellerie gilt, dass je höher die Anlageintensität ist, umso höher der Fixkostenkoeffizient (d.h. der Anteil der fixen Kosten an den Gesamtkosten) und desto geringer die Flexibilität des Unternehmens ist. Somit befinden sich Pachtbetriebe in einer günstigeren Situation als Eigentümerbetriebe 30 .
27 Vgl. Gewald, S.: Hotel-Controlling, München, 1999, S.4.
28 Vgl. Henschel, K.: Hotelmanagement, München, 2001, S. 264.
29 ebenda, S. 269.
30 Es bestehen Unterschiede zwischen Eigentümer- und Pachtbetrieben. Pachtbetriebe weisen einen geringeren Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen auf, da in deren Bilanz die
Vermögensposition Grund und Boden nicht erschient und die Position Gebäude und
Einrichtungen einen niedrigeren Anteil aufweist als im Falle des Eigentümerbetriebes. Vgl.
Henschel, K.: Hotelmanagement, München, 2001, S.269. 10 Kamal Jabr
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Diplom Kaufmann Kamal Jabr, 2005, Strategisches Controlling in der Hotellerie, München, GRIN Verlag GmbH
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