II
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Über die kognitiven Hintergründe deutscher
Klammerkonstruktionen 3
1.1. Allgemeines 3
1.2. Abfolge prädikativer Elemente im Nebensatz 3
1.3. Kognitive Funktion des Prädikats 4
1.4. Klammerung und Wortstellungsregularitäten:
antizipatorisch -regressiver Wortbindungsmechanismus und
Thema -Rhema-Gliederung des Satzes 5
1.4.1. Diskursive Gewichtung innerhalb der sprachlichen Äusserung 5
2. Zur Analyse der Verarbeitung abstrakter Konzepte mittels
Pr äpositionen 8
2.1. Allgemeines 8
2.1.1. Definition 8
2.2. Zur Tiefenstruktur von Präpositionen 8
2.2.1. Beschaffenheit des durch Präpositionen erstellten
Wirklichkeitsmodells 9
2.3. Präpositionsverwendung als mentale Handlung 10
3. Versprachlichung abstrakter Wirklichkeitsmodelle 12
3.1. Allgemeines zur Sprachproduktion 12
3.1.1. Unterschiedliche Bewusstseinsgrade der Spracherzeugung:
zur Problematik der Produktionsbeschreibung 12
3.1.2. Erzeugung grammatischer Formen 13
3.2. Wortstellung (Rückblick auf die organisierende Funktion
von Klammerung und Präpositionen in der Linearstruktur) 13
3.2.1. Reihenfolge der Wortgenerierung 13
3.2.2. Organisierendes Einsatzmoment von Klammerung und
Pr äpositionen 15
3.3. Die diskursive Bedeutung von Klammerung und Wortfolge
dargestellt am Beispiel des zusammengesetzten Satzes 16
3.3.1. Das Satzgefüge 16
3.3.2. Satzgefüge als Abbild mentaler Wissensrelationen 17
3.3.3. Oberflächenstrukturelle Diskrepanz zwischen Wortfolge
und Logik 17
3.3.4. Beispiele extraponierter Satzteile und deren kognitive
Bedeutung 17
4. Schlusswort 19
Bibliographie 21
1
Einleitung
Zur Einführung in das Thema „Probleme des Zusammenhangs zwischen Grammatik und mentalen Prozessen“ nimmt das Buch „Grammatik und mentale Prozesse“ 1 -Grundlage dieser Arbeit - einen wissenschaftshistorischen Rückblick auf die Entwicklung der Psycholinguistik vor unter Berücksichtigung
philosophiegeschichtlicher Einflüsse auf die Sprachtheorien des 19.Jh. Freilich gibt es diesbezüglich viel Erwähnenswertes, z.B. Humboldts energeia-Konzept von Sprache oder Hegels Verständnis vom Geist als sprachgebundener Vermittler zwischen Subjekt und Objekt, sowie Bühlers handlungstheoretische Bestimmung deiktischer Elemente. Die Liste liesse sich beliebig erweitern, doch möchte ich dies der Leserin dieser Arbeit ersparen und stattdessen einen zielgerichteteren Weg zu meinen Interessen an der Beziehung zwischen Grammatik und mentalen Prozessen einschlagen.
Zunächst sei mir ein Hinweis auf einige terminologische Ungenauigkeiten gestattet, die sowohl bei den erwähnten Linguisten als auch sonst oft in der Fachliteratur vorzufinden sind. Clemens Knoblochs 2 Kritik an der heute ausführlichen Debatte über „Sprache und Bewusstsein“ soll die Reichweite der hier in Frage stehenden Beziehung vor Augen führen:
„ Meist scheitern ernsthafte Auseinandersetzungen schon daran, dass unklar bleibt,
ob unter „Sprache“ das Anthropologicum („Sprache schlechthin also, die
menschliche Sprachfähigkeit), die Gesamtheit des Sprechens in einer Einzelsprache
oder eben diese Einzelsprache als System lexikalisch-grammatischer Ordnungen
und Schemata gemeint ist.“ 3
In Bezug auf diese Arbeit lautet die Antwort hierauf, dass zwei grammatische Phänomene der deutschen Sprache im Hinblick auf deren kognitive Hintergründe interessieren, nämlich a) die Klammerung b) die Verwendung von Präpositionen.
a) Die Satzklammer ist charakteristisch für die deutsche Syntax. Da es sich hierbei um eine strukturelle Komplizierung handelt 4 , ist die Frage nach dem daraus
1 Redder Angelika et al. Grammatik und mentale Prozesse, Stauffenburg, Tübingen 1999, S. 1-9
2 Knobloch Clemens..Sprache und Sprechtätigkeit, Sprachpsychologische Konzepte, Niemeyer Tübingen 1994,
S. 203-217
3 ebd. S. 203
4 Eroms Hans-Werner:Linearität, Kohärenz und Klammerung im deutschen Satz in: Redder Angelika et al.
Grammatik und mentale Prozesse Stauffenburg, Tübingen 1999, S. 195-217, S. 196
2
gezogenen Nutzen für die Alltagskommunikation beachtenswert. Für ihre Beantwortung erweist sich die Untersuchung von Hans-Werner Eroms 5 als hilfreich.
b) Die Verwendung von Präpositionen im Deutschen ist mir aufgrund dessen allgemein problematischen Charakters sowohl für den Fremdsprachenerwerb als auch in der alltäglichen Sprachverwendung ins Auge gestochen. Die Rückschlüsse auf kognitive Prozesse, die beim Vergleich von Konstruktionen wie „das Buch fiel vom Regal“ und „das Buch fiel aus dem Regal“ gezogen werden können, werden Thema des zweiten Kapitels sein.
Nach eingehender Beschäftigung mit den hier zugrundeliegenden Untersuchungeninsbesondere mit denen von Wilhelm Griesshaber und Hans-Werner Eroms für das erste und zweite Kapitel dieser Arbeit - bleibt mir einleitend nur noch das hier etwas zu kurz kommende, jedoch nicht weniger beachtungswürdige sprachphilosophische Moment der Auseinandersetzung mit dem Thema Grammatik und mentale Prozesse zu erwähnen. Die vorliegende Arbeit soll nebst der Zusammentragung von Ergebnissen auch über die vorgestellten Verhältnisbestimmungen reflektieren. Unter Berücksichtigung sprachphilosophischer Ansätze wird im dritten Kapitel modellhaftig die Prozessualität der Sprachproduktion - speziell fokussiert wird die Variation der Wortfolge und ihre Bedeutung für kognitive Verarbeitungsprozesse - dargestellt und dabei gleichzeitig Hypothesen und Ergänzungsmöglichkeiten zu den vorgestellten Ansätzen sichtbar gemacht.
5 Ebd.
3
1. Über die kognitiven Hintergründe deutscher Klammerkonstruktionen
1.1. Allgemeines
Die Satzklammer ist das Grundmuster des deutschen Satzes. Sie ist sowohl in Hauptsätzen als auch in Nebensätzen anzutreffen 6 . Deutsche Sätze weisen demnach folgender Aufbau vor:
Die Klammer kann entweder von der Personalform oder von unterordnenden Konjunktionen (z.B. als in vergleichenden Konjunktionalsätzen) eröffnet werden. Den zweiten Klammerteil können bilden: Verbzusatz, Infinitiv oder Partizip II. Die Stellung der Personalform ist vor allem für die Erkennung der Satzart entscheidend, jedoch ist dies für die folgenden Ausführungen weniger von Bedeutung als in erster Linie den kognitiven Verarbeitungssinn der Spaltung blockhafter Einheiten (z.B. des Prädikats; s. Kap. 1.3.) zu ermitteln.
1.2. Abfolge prädikativer Elemente im Nebensatz
Nebensätze zeichnen sich bekanntlich durch die Endstellung der Personalform aus. „Bei vergleichenden Nebensätzen mit der blossen Konjunktion als folgt die Personalform allerdings unmittelbar auf die Konjunktion: Der Grossvater hüstelte, als hätte er Asthma bekommen.“ 7 . Gestützt auf die Weinrichsche Formel für den Verbkomplex im Deutschen und dessen jeweils ungestörte Abfolge im Nebensatz, nennt Eroms den Aufbau des Verbkomplexes im Nebensatz Grundlage für die kognitive Organisation jeglicher syntaktischer Strukturen; er spielt damit auf die starre Reihenfolge der Komponenten im rechten Klammerteil von Nebensätzen an. Ein Vergleich folgender Beispielsätze mag diese veranschaulichen:
6 Heuer Walter et al. Richtiges Deutsch, NZZ Verlag, Basel 1997, S. 201
7 ebd., S. 207
4
Die Abfolge verbaler Elemente liesse sich demgemäss auf folgende Formel bringen: Negator, Verbzusatz, Vollverb/Funktionsverbgefüge, Kausativauxiliar, Passivauxiliar/ Intransformativauxiliar/ Wahrnehmungsverb, Modalverb 2 , Modalverb 1 , Perfekt-/ Plusquamperfektauxiliar 2 , Perfekt/ Plusquamperfekt-auxiliar 1 , Modalverb epist / werden, tun.“ 8
Die Bildung eines Hauptsatzes würde folglich, ausgehend von dieser kohärenten Prädikatsstruktur, auf der Vorversetzung des Finitums beruhen. Neben dem Konjunktionalsatz gibt es noch zwei Nebensatzarten, die dieser Vorversetzungs-Tendenz folgen und somit von ihrer artgemässen Form abweichen: Konstruktionen mit Ersatzinfinitiv, z.B. ...dass er das hat erledigen wollen und dialektale Wendungen wie z.B. ehe sie rausz sindt komen. Hier lässt sich die für Nebensatzkonstruktionen unübliche Vorversetzung des Finitums erkennen und damit - so Eroms - die manifeste Tendenz zur Klammerbildung, deren Motivation wohl, wie im folgenden erklärt wird, im kognitiven Bereich zu suchen ist.
1.3. Kognitive Funktion des Prädikats
Dass in Sätzen wie: Susanne will das Buch auf den Tisch legen die Prädikatsteile ein Ganzes bilden, kann wohl nicht bestritten werden. Hier lassen sich Spuren synthetischer grammatischer Formen erblicken, in denen sich finite und infinite Morpheme zu einem Bedeutungsganzen vereinten 9 . Warum also nicht die Einheit beibehalten und sagen: *Susanne will legen das Buch auf den Tisch.? Die Auffindung des Finitums scheint - nach Eroms 10 - in erster Linie für die Erkennung der Satzart nützlich zu sein. Sie ermöglicht den Aufbau einer Spannung, die sich spätestens mit der Äusserung des rechten Klammerteils löst. So ist es naheliegend anzunehmen, die gesamte syntaktische Struktur entstehe in Abhängigkeit des Finitums, und zwar als Resultat einer kognitiven Bedeutungsstrukturierung nach seiner Erwähnung. Es nimmt sogleich eine zentrale Stellung für die Abtrennung der Satzglieder ein. Im Rahmen einer erweiterten Dependenzgrammatik definiert Eroms das Prädikat als „Kopf der Propositionsmitteilung“ 11 , das heisst somit, als Ausgangspunkt für die abstrakte Anordnung der Satzglieder, die sich hierarchieförmig von ihm aus verzweigen.
8 Eroms op. cit. S. 203
9 ebd., S. 210
10 ebd., S. 196
Arbeit zitieren:
Maria Sandra Carrasco, 2000, Zusammenhänge zwischen Grammatik und mentalen Prozessen, München, GRIN Verlag GmbH
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