Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Die substantivische Komposition im Neuhochdeutschen 4
2. Die substantivische Komposition im Frühneuhochdeutschen 7
3. Die substantivische Komposition in Georg Agricolas Vom Bergkwerck 12 Bücher 9
3.1. Kopulativkomposita 9
3.2. Determinativkomposita 9
3.2.1. Die Gruppe Substantiv plus Substantiv 9
3.2.2. Die Gruppe Adjektiv plus Substantiv 15
3.2.3. Die Gruppe Verb plus Substantiv 17
3.2.4. Die Gruppe Präposition plus Substantiv 18
Schluss 19
Literaturverzeichnis 21
2
Einleitung
Untersuchungsgegenstand dieser Hausarbeit sind die zusammengesetzten Substantive aus dem frühneuhochdeutschen Text Georg Agricolas Vom Bergkwerck 12 Bücher, welches erstmalig um 1557 erschienen ist, und auf Grund dieser Zeit der frühneuhochdeutschen Sprache zugeordnet werden kann. Als Textgrundlage wird die diplomatische Abschrift 1 , die am Institut für Germanistik der TU Dresden gemacht wurde, verwendet. Dabei wird sowohl diachrone als auch (indirekt) synchrone Sprachgeschichte betrieben: So werden die untersuchten Komposita einmal mit dem Entwicklungsstand der Zusammenfügungen des Neuhochdeutschen verglichen. Dafür verwendete ich hauptsächlich die Duden-Grammatik 2 , die Grammatik Peter Eisenbergs 3 sowie Erbens unabdingbare Einführung in die deutsche Wortbildungslehre 4 .
Zum anderen erfolgt ein Vergleich des Untersuchungskorpus mit den Erkenntnissen der frühneuhochdeutschen Forschung, die aus anderen Texten derselben Epoche gewonnen wurden. Da das Frühneuhochdeutsche eine durchaus heterogene Sprache ist, so dass man für jeden Text eine eigene Grammatik entwickeln könnte, ist zu ergründen, ob und inwieweit sich die substantivischen Komposita im Agricola von denen anderer Werke derselben Zeit unterscheiden. Besonders hilfreich erwiesen sich für den synchronen Vergleich die Einführung ins Frühneuhochdeutsche von Hartweg/ Wegera 5 sowie die Sprachgeschichte von Peter von Polenz 6 . Weitere - ebenfalls verwendete Literatur - ist dem Literaturverzeichnis zu entnehmen.
1 Unveröffentliche diplomatische Abschrift von Georg Agricola: Vom Bergkwerck 12 Bücher, Basel 1557 auf
CD-ROM.
2 Duden, Bd. 4: Die Grammatik, hg. v. der Dudenredaktion, 6., neu bearbeitete, und 7., völlig neu erarbeitete und
erweiterte Auflage, Mannheim Leipzig Wien Zürich 1998 und 2005.
3 Eisenberg, Peter: Grundriß der deutschen Grammatik, Bd. 1: Das Wort, Stuttgart 2000.
4 Erben, Johannes: Einführung in die deutsche Wortbildungslehre (=Grundlagen der Germanistik 17), 4.
aktualisierte und ergänzte Auflage, Berlin 2000.
5 Hartweg, Frederic/ Wegera, Klaus-Peter: Frühneuhochdeutsch. Eine Einführung in die deutsche Sprache des
Spätmittelalters und der frühen Neuzeit (=Germanistische Arbeitshefte 33), Tübingen 1989.
6 Polenz, Peter von: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Bd. 1: Einführung,
Grundbegriffe, 14. bis 16. Jahrhundert, 2. überarbeitete und ergänzte Auflage, Berlin New York 2000.
3
1. Die substantivische Komposition im Neuhochdeutschen
Im Neuhochdeutschen ist die substantivische Komposition dadurch gekennzeichnet, dass als Erstglied Wörter aller Wortarten, Konfixe und syntaktische Fügungen auftreten können. Substantive nehmen dabei am häufigsten die Erstgliedposition ein. Die Komposita können hochgradig komplex gebaut sein, weiterhin gibt es kaum Beschränkungen bei der semantischen Verbindbarkeit lexikalischer Einheiten zu komplexen Wörtern. Besonders die substantivischen Komposita zeichnen sich durch Stabilität aus, sie sind wortintern nicht flektier- und erweiterbar. 7 Nach den heute geltenden Rechtschreibregeln werden sie zusammengeschrieben, allerdings ist die Verbindung zwischen den Konstituenten mit Bindestrich in bestimmten Fällen möglich:
1. als Leseerleichterung bei unübersichtlichen Komposita oder Hervorhebung von Eigennamen (z.B. Lotto-Annahmestelle, Opel-Werke)
2. wenn Erstglied Einzelbuchstabe oder Kurzwort ist (z.B. x-Achse, LKW-Fahrer) 3. bei Komposita mit syntaktischen Fügungen als erste Konstituente (z.B. Mund-zu-Mund-Beatmung) 8
Überdies gelten für englische Entlehnungen bestehend aus Adjektiv und Substantiv Sonderbestimmungen: So ist für sie die Zusammenschreibung sowie die der Originalsprache entsprechende Getrenntschreibung, allerdings mit Großschreibung der zweiten Konstituente, zugelassen, vgl. Softdrink oder Soft Drink, Hotpants oder Hot Pants. Die Getrenntschreibung weitet sich in jüngerer Zeit, besonders durch den Einfluss der Werbung, auch auf Komposita ohne englische Bestandteile aus. Insbesondere Firmennamen und Produktbezeichnungen werden zur besseren Kenntlichmachung in dieser Weise geschrieben, vgl. Esso Super Diesel, Volkswagen Partner oder ProSieben. 9 Das Verbindungsstück zwischen den unmittelbaren Konstituenten eines zusammengesetzten Substantivs wird als Kompositionsfuge bezeichnet. Sie ist das einzige für die Komposition
7
Vgl. Duden, Bd. 4: Die Grammatik, 2005, S. 720.
8 Weitere Möglichkeiten, Bindestriche bei Komposita zu setzen, siehe Duden, Bd. 4: Die Grammatik, 2005, S.
720-721.
9 Vgl. Duden, Bd. 4: Die Grammatik, 2005, S. 721.
4
charakteristische und weitgehend auf sie beschränkte Formmittel. Die Gestaltung derselben kann nach verschiedenen Möglichkeiten erfolgen:
1. ohne Fugenelement, die verknüpften Glieder werden nicht verändert, z.B. Hausfrau, Klobrille
2. ohne Fugenelement, aber mit Apokopierung des Vokals e im Auslaut des Erstgliedes; z.B. Schulbuch 3. mit Fugenelement
Folgende Fugenelemente sind in substantivischen Kompositionen zu finden: -e: Hundehütte -s: Anwaltskammer -es: Tageslicht -n: Deckenlampe -en: Menschenrecht -er: Kinderwagen -ens: Schmerzensschrei
Historisch entwickelten sich die Fugenelemente aus Flexionsendungen, nämlich aus denen präpositiver Genitive, die mit ihrem Bezugswort im Laufe der Sprachgeschichte zu einem Wort zusammengerückt sind (z.B. des Tages Licht -> Tageslicht). Heute haben sie keine Flexionsfunktion mehr, sie bleiben beim Deklinieren der Komposita unverändert und sind auch keine Kasusanzeiger. 10
Komposita lassen sich in zwei Kompositionstypen unterteilen, nämlich in die Kopulativ- und die Determinativkomposita.
Kopulativkompositionen sind relativ selten. Die Kompositionsglieder sind parataktisch verbunden, also gleichgeordnet und gehören der gleichen Wortklasse an. Es besteht zwischen ihnen eher ein antonymisches Verhältnis, da es gerade um die Verbindung unterschiedlicher Bestimmungen einer doppelten Wesensart, Erscheinungsform, Funktion u.ä. geht: z.B. Ofenkamin, Chlorwasserstoff, Radiouhr, Strumpfhose, oder auch Doppelnamen wie Karlheinz oder Annaberg-Buchholz. 11
Über das Determinativkompositum erfolgt die häufigste Wortzusammensetzung im Deutschen. Im einfachsten Fall ist es zweigliedrig, mit einem Substantiv als zweiten Bestandteil. Es ist eindeutig hypotaktisch organisiert - das substantivische Zweitwort legt die
10 Vgl. Duden, Bd. 4: Grammatik, 2005, S. 721-722 und Eisenberg, Grundriß der deutschen Grammatik, Bd. 1:
Das Wort, S. 227.
11 Vgl. Erben, Einführung in die deutsche Wortbildungslehre, S. 61.
5
grammatische Funktionsklasse (Wortart und damit verbundene Kategorien wie z. B. Genus) des Gesamtkomplexes fest. 12
Der erste Bestandteil kann sowohl substantivisch, adjektivisch, verbal oder präpositional sein:
12 Vgl. Erben, Einführung in die deutsche Wortbildungslehre, S. 62-63.
13 Vgl. Duden, Bd. 4: Die Grammatik, 1998, S. 483-500.
6
Arbeit zitieren:
Carl Röthig, 2005, Die substantivische Komposition in Georg Agricolas "Vom Bergkwerck 12 Bücher", München, GRIN Verlag GmbH
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