Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Äußere Analyse des Neumarktkuriers 4
2. Innere Analyse des Neumarktkuriers 5
2.1. Die Selbstdarstellung 5
2.2. Die Fremddarstellungen 11
2.3. Sprachliche Besonderheiten 13
Schluss 19
Abk ürzungsverzeichnis 21
Literaturverzeichnis 22
2
Einleitung
Der Untersuchungsgegenstand dieser Hausarbeit ist die Dresdner Zeitschrift Neumarktkurier, die hier als Bürgerliche Lokalzeitschrift kategorisiert werden soll. Was versteht diese Hausarbeit unter einer Bürgerlichen Lokalzeitschrift? Um diese Frage zu beantworten, zerlegen wir den Begriff in seine Bestandteile und klären die einzelnen Bedeutungen:
Das Adjektiv bürgerlich, das auf die gesellschaftliche Schicht des Bürgertums zurückgreift, steht in diesem Zusammenhang für Merkmale, die sich in einer konservativen Prägung und einem Berufen auf die Tradition, die gleichzeitig wiederbelebt und bewahrt werden soll, ausdrücken.
Eine Zeitschrift ist eine periodisch erscheinende Publikation, die neue Nachrichten zu bestimmten Themen präsentiert. Das beigefügte Adjektiv Lokal, das lateinischen Ursprunges (locus=Ort) ist und aus dem Französischen (local) entlehnt wurde, bedeutet „örtlich beschränkt, für einen bestimmten Ort od[er] Bereich geltend“ 1 . Fügen wir die einzelnen Elemente wieder zusammen, so ergibt sich folgende Definition: Die Bürgerliche Lokalzeitschrift sucht sich inhaltlich einen überschaubaren feststehenden Rahmen, einen Raum, in dem vorrangig Traditionelles seinen Platz hat, um sich von der heutigen, schnelllebigen Zeit zu distanzieren.
Die Zielgruppe, die so eine Zeitschrift ansprechen möchte, sind traditionsbewusste - oft auch gut betuchtere und intellektuellere - Bürger, die sich mit dem gesetzten Rahmen auf irgendeine Weise, sei es aus lokalen, ästhetischen Gründen oder bestimmten Wertvorstellungen, identifizieren.
Dass der Neumarktkurier als Bürgerliche Lokalzeitschrift klassifiziert werden kann und wie sich dies konkret innerhalb des Heftes ausdrückt, soll die Analyse nachweisen. Die Analyse besteht aus mehreren Schritten: Zuerst sind die äußeren Merkmale der Zeitschrift zu untersuchen. Dazu gehören der Herausgeber, die Erscheinungsweise, das Alter des Blattes, die Art der Finanzierung sowie das Druckmaterial und das Layout. Die innere Analyse beschäftigt sich mit der Selbstdarstellung, also der Zielsetzung der Zeitschrift oder der Funktion, die sie sich zuschreibt, der Fremddarstellung, also der Bewertung der Drucksache durch außen stehende Personen (Leser), sowie den Inhalten, dem Aufbau der Artikel und deren sprachliche Umsetzung.
1 Duden, Deutsches Universalwörterbuch A-Z, Mannheim 1989, S. 964.
3
An diesen Erkenntnissen gilt es abzuleiten, in welcher Weise die Kategorie Bürgerliche Lokalzeitschrift durch das Heft selbst bedient wird.
Darüber hinaus soll die Frage beantwortet werden, ob der Neumarktkurier Ausdruck einer lokalen Identität sei. Dabei wird besonderes Augenmerk auf lokale Bezeichnungen und Typisierungen gelegt.
Da es zu diesem Thema kaum Literatur gibt, ist diese Hausarbeit hauptsächlich auf eigene Analysetätigkeit angewiesen. Allein die Begrifflichkeit (Kategorisierungen, Selbst- und Fremddarstellung, Bezeichnungen oder Typisierung) ist dem Aufsatz Bezeichnungen, Typisierung und soziale Kategorien von Kallmeyer/ Keim 2 entlehnt, welcher auf Basis mündlicher Aufzeichnungen über die Ehe in der Filsbachwelt Zusammenhänge zwischen sozialen Kategorien und der Kommunikation darzustellen sucht.
1. Äußere Analyse des Neumarktkuriers
Eine Bürgerinitiative (oft auch als Interessensgemeinschaft oder Aktionsgemeinschaft bezeichnet) ist eine Gemeinschaft, die sich aus dem Volk heraus bildet, um gemeinsam ein bestimmtes politisches Ziel zu erreichen.
Der Herausgeber der Zeitschrift Neumarktkurier, die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e. V. ist eine solche Bürgerinitiative, die sich dafür einsetzt, dass der Dresdner Neumarkt historisch rekonstruiert wird, also ein stadtbaupolitisches Ziel verfolgt. Seit Mai 2001 betreibt sie einen Informationspavillon in der Galeriestraße. Die Zahl der Mitglieder betrug im November 2003 über 700 weltweit. Davon waren 50% direkt aus Dresden, 10% wohnten im Großraum Dresden, 35% kamen aus dem restlichen Bundesgebiet und 5% aus Europa und der Welt. 3
Der Neumarktkurier erscheint dreimal im Jahr, die erste Ausgabe datiert von Frühjahr 2002. Eine Ausgabe kostet 1,50€. Die Finanzierung erfolgt so über Einnahmen aus dem Verkauf, weiterhin aus Vereinsbeiträgen sowie teilweise über Werbung. Der Verein und der Neumarktkurier sind ein ehrenamtliches Projekt, keine hauptberufliche Aufgabe. Deren Mitglieder und Mitarbeiter verdienen damit nicht ihren Lebensunterhalt, so dass man von einer weitgehenden Unabhängigkeit der Zeitschrift sprechen kann.
2 Kallmeyer, Werner/ Keim, Inken: Bezeichnungen, Typisierung und soziale Kategorien. Untersucht am Beispiel
der Ehe in der Filsbachwelt. In: Kallmeyer, Werner (Hrsg.): Kommunikation in der Stadt. Teil 1: Exemplarische
Analysen des Sprachverhaltens in Mannheim (=Schriften des Instituts für deutsche Sprache 4.1), Berlin New
York 1994, S. 318-386.
3 Vgl. http://www.neumarkt-dresden.de/news.html#verein-aktuell
4
Rund 20 Seiten umfasst eine Ausgabe. Das Layout weist hochwertige Qualität (Glanzpapier, viele Fotos in schwarz/weiß oder farbig, Grafiken sowie echte Bauzeichnungen) auf. Schon die Aufmachung weist eine Professionalität auf, die Seriosität vermitteln will. Damit werden die Identifikation mit dem stadtbau-politischem Ziel und die Wichtigkeit dessen für den Verein deutlich gemacht.
2. Innere Analyse des Neumarktkuriers
2.1. Die Selbstdarstellung
Selbstdarstellung bei einer Zeitschrift beginnt schon in der Namensgebung oder dem Titel der Zeitschrift. Neumarktkurier heißt sie in diesem Fall, mit dem Untertitel Baugeschehen und Geschichte am Dresdner Neumarkt. Die rekurrente Verwendung des Begriffes Neumarkt, im Untertitel spezifisiert als Dresdner Neumarkt, beschränkt den Radius des Heftes räumlich. Auch inhaltlich wird eine Eingrenzung vorgenommen. So sollen allein das Baugeschehen, also die Architektur, und die Geschichte, also die historischen Fakten zu der Architektur, die Themen der Artikel bestimmen.
Der Ausdruck Kurier, im 16. Jahrhundert aus dem Französischen (courrier) entlehnt 4 , bezeichnet den Überbringer einer Botschaft oder eines Gegenstandes. Gleichzeitig ist er eine veraltete Bezeichnung für eine Zeitschrift. Dieser Archaismus wurde für den Neumarktkurier nicht ohne Grund gewählt. Zum einen verweist er auf die Rückbesinnung auf das Alte, das Traditionelle. Zum anderen impliziert er durch seine ursprüngliche Bedeutung (eilen, laufen) 5 und den Kursivdruck eine Eile, die die Nötigkeit zum schnellen Handeln ausdrückt. Der Neumarktkurier hat ein architektonisches Leitziel für den Dresdner Neumarkt formuliert, die sich in der Forderung: „[D]ie Gesellschaft fordert die Platzgestalt von 1945“ (NMK 2002, 1, S. 3) widerspiegelt. Es wird eine weitgehend historische Rekonstruktion des Neumarktes, die sich an der architektonischen Bebauung vor der Dresdner Zerstörung durch alliierte Luftangriffe vom 13./ 14. Februar 1945 orientiert, angestrebt.
Abgelehnt dagegen werden Vorschläge zum Wiederaufbau, die ältere Linien aufgreifen. Dies wird am Streitfall Gewandhaus deutlich. Der Neumarktkurier spricht sich entschieden gegen eine Rekonstruktion desselben aus:
Mit dem […] Gedanken eines möglichen „Wiederaufbaus“ des Gewandhauses würde nicht nur städtebaulich, sondern auch funktionell eine bereits seit dem Jahre 1770 […] aufgerissene Linie
4 Vgl. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Aufl. Berlin New York 2002, S. 548.
5 Vgl. Kluge, S. 548.
5
wiederaufgegriffen werden. […Es] erscheint [..] aber in jeder Hinsicht sinnvoller, die bis zum 13. Februar 1945 lebendigen Traditionen […] wiederaufzugreifen. (NMK 2002,2,S. 6) Neben der traditionellen gibt der Neumarktkurier für Rekonstruktionen eine weitere Prämisse vor. Rekonstruiert soll nur werden, „was wissenschaftlich vertretbar und technisch auch problemlos zu verwirklichen“ (NMK 2002,2,S. 16) ist. Diese angestrebte Wissenschaftlichkeit wird im Heft auch deutlich gemacht, indem alle Zitate und Abbildungen über Quellennachweise belegt sowie architektonische Bauzeichnungen abgedruckt sind. Welche Gründe für die Rekonstruktion führt der Neumarktkurier eigentlich an? Das folgende Zitat ist zur der Beantwortung dieser Frage aufschlussreich:
Wir wollen, daß die wiederaufgebaute Frauenkirche und der Neumarkt wieder ein architektonisches Ensemble von europäischer Bedeutung wird. Wir glauben, dass die Stadt Dresden es den vielen weltweiten Spendern schuldig ist, für die Frauenkirche ein adäquates Umfeld zu schaffen und das ist nur mit einer Architektur möglich, die den historischen Duktus der Bebauung vor der Zerstörung aufgreift. (NMK 2002,2,S. 2)
Die rekonstruierte Frauenkirche und der Neumarkt sollen also ein harmonisches Bild ergeben, dass laut Neumarktkurier nur über sein formuliertes architektonisches Leitziel zu erreichen ist.
Dass Frauenkirche und Neumarkt zusammengehören und nur gemeinsam harmonieren, drückt die Gesellschaft über ihr programmatisches Logo aus:
Graphisch dargestellt ist der Blick vom Kurländer Palais in die geschwungene Rampische Straße, im Hintergrund erhebt sich die Frauenkirche. Nicht die Frauenkirche allein wurde als Motiv gewählt, sondern die verschmilzt bildhaft mit einem Teil des Neumarktes. Damit soll der Gesamtheitscharakter von Frauenkirche und Platzbebauung ausgedrückt werden, der sich auch in folgendem Zitat widerspiegelt:
Zur historisch rekonstruierten Frauenkirche gehört der historisch rekonstruierte Neumarkt! (NMK 2004, 3, S. 2)
Neben dem Harmoniebestreben wird der Wunsch nach einem belebten offenen Stadtzentrum geäußert. Dies begründet der Neumarktkurier mit Hilfe eines Negativbeispiels, der Altmarkt-Galerie Dresden. Die stelle nämlich nur einen Verkaufsraum, aber keinen urbanen Raum dar,
6
Arbeit zitieren:
Carl Röthig, 2005, Der Dresdner Neumarktkurier als "Bürgerliche Lokalzeitschrift" - Ausdruck einer lokalen Identität?, München, GRIN Verlag GmbH
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