Inhaltsverzeichnis
1.Vorgeschichte zur Poetik Seite 1
2.Die Theorie des Aristoteles Seite 3
3.Die Tragödientheorie Seite 6
3.1.Die Wirkungen der Tragödie Seite 6
3.2.Handlungsaufbau der Tragödien Seite 9
3.3.Realität/Wirklichkeitsbezug der Handlung Seite 9
3.4.Handlungstypen der Tragödie Seite 11
3.5.Der tragische Held Seite 12
4.Die griechische Tragödie Seite 15
4.1.Der Handlungsaufbau des Dramas Seite 18
4.2.Das Tragische an Antigone Seite 20
Literaturverzeichnis Seite 24
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Die Poetik befaßt sich im allgemeinen mit dichtungstheoretischen Reflexionen eines Dichtwerks, seinem möglichen Sinn, seinem Zweck, mit der Begründung seiner Form und Gattung und mit der poetischen Verfahrensweise, der Technik. Als Lehre von der Dichtung bzw. von der Dichtkunst wird der Begriff Poetik verstanden.
Die Grundlage des Poetikverständnisses wird durch die berühmte Schrift des Aristoteles (384-322 v.Chr.) "Über die Poetik" gebildet. Im 4.Jh. v.Chr. als wissenschaftliche Lehrschrift verfaßt, liegt uns heute nur noch ein lückenhafter und durch die Überlieferung unvollständiger Text über die Postulierung der Dichtkunst vor. Noch bis in das 19.Jh. hinein waren Autoren und Literaturtheoretiker bestrebt, ihre Werke und Poetiken mit der Autorität des Aristoteles zu legitimieren, indem sie nachwiesen, daß ihre Werke sich nach den überlieferten Schriften aus der vorhellenistischen Zeit analysieren lassen und mit den geforderten Kriterien übereinstimmen.
Aristoteles war Schüler Platons und beschäftigte sich damit, die zu seiner Zeit überholten Auffassungen und noch nicht niedergeschriebenen Details der Dichtkunst in ein geschlossenes System, mit genauen Gliederungen und Definitionen zu überführen. Platon (427-347 v.Chr.) selbst hatte keine systematische Lehre zur Poetik geschaffen, sondern nur vereinzelte Aufführungen in einigen Dialogen verfaßt und dennoch bilden seine Erläuterungen eine wichtige Basis für Aristoteles Poetik. Die widersprüchlichen Gedanken Platons poetologischer Äußerungen begünstigen ebenfalls den Schaffensprozeß des Werkes über die Dichtkunst und obwohl Aristoteles seinen Lehrer nicht einmal namentlich erwähnt, ist die Lehrschrift mit platonischen Motiven durchtränkt.
Die aristotelische Dichtkunst bildete sich aber nicht nur aus dem Umgang mit Platon heraus, sondern ging auch auf Fragen und Problemstellungen außerhalb der Akademie ein. Besonders drei bekannte Themen waren Grundlage der älteren Tradition. An erster Stelle pflegte man über das Wesen und die Quellen der dichterischen Erfindung nachzudenken, um Bezug zur homerischen Inspiration und Technik zu bekommen. Zweitens wurde der Wirklichkeitsbezug in der Dichtung problematisiert und genauen Analysen unterzogen. Der Vordenker Sokrates und die Sophisten diskutierten das
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Verhalten der Dichtung zur Natur und zur Wahrheit, um somit eine Allgemeingültigkeit für die Dichtung daraus abzuleiten. Als Drittes standen die Wirkungen und die Wirkungszwecke im Interesse der Untersuchung, wobei man sich von der Antithese "Vergnügen-Belehrung" leiten ließ.
Unter allen Positionen, die vor der Niederschrift die Grundlage der Dichtung bildeten, war Platons Auffassung vom Nachahmen des Wirklichen der wichtigste Gedanke und Ansatzpunkt für Aristoteles und seine Poetikanalyse. Allerdings läßt sich die aristotelische Poetik von der Lehre Platons eindeutig unterscheiden, indem Aristoteles die Verurteilung der Kunst nicht hinnahm. Weiter bestimmten die drei bekannten Themen der Dichtkunst nicht das Hauptfundament der Poetik, sondern leiteten weitere Beziehungen aus dem Verständnis dieser Grundlagen ab. Wichtig für die Dichter der damaligen Zeit war der Götterglaube, der sich in der Poetik wiederspiegelte. Aristoteles spricht vom göttlichen Ursprung der Dichtung, der seine lehrbare Dichtkunst bei der Veröffentlichung hinderlich gewesen war, denn die eigentlichen Grundlagen bildeten sich aus dem Enthusiasmus, der dichterischen Inspiration und den erlernbaren, allgemeingültigen Regeln (Techne) heraus. Das Schaffen des Dichters begründete sich aus der Verzückung, dem Wahnsinn, dem Rausch und aus dem Heraustreten aus sich selbst, der Extase.
Durch die Vorarbeiten Sokrates wurde die Kunst des Definierens und des induktiven Beweises entdeckt, die sich nun Aristoteles zu nutzen machte, um seine Poetik fundamentiert postulieren zu können. Er verwendete nun neue Poetikbegriffe, die ich etwas später noch näher erläutern möchte, um eine qualitative und quantitative Einteilung in die Kunst der Dichtung vorzunehmen. Die Schwierigkeiten lagen jedoch darin, daß Modelle für die Kunst nicht exakt oder falsch sein könnten, sondern daß der Beruf des Dichters in den Lebensformen einen geringen Status aufweist und im Schatten der Philosophen wenig Akzeptanz findet. So schreibt Platon über den Dichterberuf:
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1 Fuhrmann,Manfred:Dichtungstheorie der Antike.Wissenschaftl Buchgesell.Darmstadt,1992.S.80
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und kritisiert damit die Bedeutungslosigkeit der Poetiker in Griechenland. Trotz dieser äußerlich widrigen Umstände war es nun Aristoteles Aufgabe ein kompaktes und den dichterischen Anforderungen genügendes Regelwerk zu verfassen.
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Die Dichtkunst und ihre Abhandlungen in "Aristoteles Poetik" wird durch ineinandergeschachtelte Einteilungen, Definitionen und Beschreibungen in der antiken Schrift manifestiert und empirisch begründet dargestellt. Das in 26 Kapiteln verfaßte Werk erfuhr eine Haupteinteilung in drei poetische Gattungen. Es sind die Tragödie, das Epos und die Komödie in ihren Charakteristika vom allgemeinen zum speziellen in der Bedeutung für die Dichtkunst beschrieben. Aus diesem Werk sind einige Teile der Komödiendarstellung in der Überlieferung des Literaturmaterials verloren gegangen und müssen mittels anderer Schriften rekonstruiert werden. Die Tragödientheorie, auf die ich meine Aufmerksamkeit richten möchte, wird als erstes dargelegt. Nachdem Aristoteles allgemeine Gedanken zur Dichtkunst (1.-6. Kapitel) geäußert hat beginnt, die Gattungsdetermination mit der Tragödie. Das Epos unterscheidet sich wie die Komödie nur durch kleine äußerliche bzw. der Poetika innewohnende Einzelheiten von der Tragödie. So gibt es für das Epos kein einheitliches Versmaß und keine umgrenzte dargestellte Zeit. In der Komödie werden lediglich "niedrige Menschen" nachgeahmt, und es erfolgt die Konzentration auf ein lächerliches, oft belustigendes Handlungsschema, welches bei den Rezipienten Heiterkeit verursachen soll.
Die Dramentheorie des Aristoteles bezieht sich unter Beachtung der geringfügigen Unterschiede zum größten Teil auf die Darstellung der Tragödie, und obwohl viele Unzulänglichkeiten und Ungereimtheiten das Erfassen des Textes erschweren, sind eindeutig die Strukturen in der Lehrschrift erkennbar.
Die Kapitel 1 bis 3 geben eine Art systematische Grundlegung mit den Kriterien der Gattung der Poesie . Aristoteles leitet dort die Existenz der Poesie aus der Natur des Menschen ab und weist der Poetik somit einen großen ästhetischen Wert zu. Weiterhin gibt er eine zeitliche Einteilung und Abfolge nach dem Erscheinen der einzelnen Gattungen an. In den Kapiteln 6 bis 22 erfährt der Leser Abhandlungen über die Tragödie, wobei es einige Unterteilungen in diesem Abschnitt gibt. So beschäftigt sich
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der Autor gesondert mit den Elementen der Tragödientheorie, wie z.B. mit dem Handlungsaufbau (Kap. 7.-14.), den Charakteren (Kap.15.), der Melodik, der Inszenierung und den sprachlichen Normen.
Aristoteles dringt somit von außen, vom Handlungsrahmen und seinen allgemeinsten Merkmalen, ins Zentrum der Sache, zum tragischen Helden vor. Obwohl die Poetik offensichtlich nicht einem größeren Publikum unterbreitet werden sollte, steht ihre Allgemeingültigkeit für die Analyse der Dramen fest. Mit Querverweisen zur Rhetorik wird eine enge Beziehung zur Poetik deutlich gemacht, um gleichzeitig die philosophischen Einflüsse dieser Zeit mit der Dramentheorie in Verbindung zu bringen. Aristoteles beschreibt das Drama als Hauptrichtung der Poetik, die eine Schöpfung Athens war, denn auch im 4. Jh. v.Chr., als die Tragödie sich über die griechische Welt verbreitete, lag Athen im Zentrum der dramatischen Kunst.
Im allgemeinen Teil der Poetik spricht Aristoteles über eine systematische (Kap. 1-3) und eine anthropologisch-entwicklungstheoretische Grundlegung des Phänomens der Dichtkunst. Er beginnt mit der Einordnung der Gattungen und bezeichnet als gemeinsames Kennzeichen dieser Genre die Nachahmung (Mimesis). Dabei werden verschiedene Mittel der Nachahmung erläutert. Ein Drama sollte demnach mit geformter Sprache, einem durch zeitlichem Regelmaß gegliederten Ablaufs und durch wechselnde Tonhöhen (Melodie) gekennzeichnet sein. Für das Versmaß gebraucht Aristoteles den Begriff Metron, der den Rhythmus und den Logos (Inhalt) zusammenfaßt. Die Grundkonzeption, die Nachahmung erfährt im zweiten Kapitel eine Determination, den Aristoteles definiert die Handlung des Nachahmens indem er sagt:
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2 Aristoteles: Poetik.Philipp Reclam jun. Stuttgart.1982, H.7828,S.7
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Daraus ergibt sich ein enger Bezug zu möglichen Handlungen und bereits geschehenen Handlungen, der den Rezipienten direkt oder durch die Handlungskopie indirekt anspricht und ihn damit in die entsprechenden Situationen versetzt, wobei auch geistige Identifikation gemeint ist.
Im zweiten Kapitel wird die bildende Kunst herangezogen, um mit der Poesie, die durch die verwendete Sprache, den Rhythmus und der Melodie definiert ist, ein geistiges und handlungsorientiertes Vergleichsobjekt zu haben. Sicherlich benutzt Aristoteles dieses Motiv, um die gleichen Schemata aufzudecken, um aber auch Anerkennung und Akzeptanz zu erlangen, denn die Künste waren verbreitet mit großem Interesse und Wohlwollen verfolgt und praktiziert worden.
Aristoteles befaßt sich ab dem dritten Kapitel nur noch mit der Dichtung und rückt nun das Handeln in den Mittelpunkt seiner Arbeit.
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Damit präzisiert Aristoteles das Handeln als Gegenstand poetischer Nachahmung, denn wer nachahme, der ahme handelnde Personen nach. Gemeint ist in diesem Zusammenhang allerdings keine wirkliche Reproduktion des Geschehenen, sondern eine mögliche Identifikation mit dem Handlungsschema und der im Drama handelnden Person. Manfred Fuhrmann, der sich speziell mit der Theorie des Aristoteles beschäftigte, beschreibt die Nachahmung als menschlichen Trieb, den es auszuleben gilt:
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1DFKDKPXQJHQDQJHERUHQVHL Darin verdeutlicht sich, daß durch diesen Effekt des Kopierens von Handlungen das Interesse bei dem Publikum geweckt wird. Weiter erfährt man in der Poetik, daß der 3 Fuhrmann,Manfred:Dichtungstheorie der Antike.Wissenschaftl Buchgesell.Darmstadt,1992.S.18 4 Ebd. S.19
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Jan Kirchenberg, 2000, Beschreibung der Poetik Aristoteles und möglicher Spannungsverhältnisse zur heutigen Auffassung - Vergleich mit Gelfert. Erläuterung des Tragischen allgemein und am Beispiel des Dramas Antigone, Munich, GRIN Publishing GmbH
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