2
"Wenn wir Glück haben, werden uns die Roboter als Haustiere behalten."
Marvin M. Minsky
3
Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung. 4
II. Maschinen-Menschen. 6
1. Natürliches Leben 6
2. Die Erschaffung künstlichen Lebens. 7
3. Die künstliche Intelligenz 9
4. Der Turing-Test. 10
5. Prognosen für die Zukunft. 12
6. Ängste und Befürchtungen der Menschen in Bezug auf die K.I. 12
III. Umsetzung im Film: Blade Runner 14
1.1. Inhalt. 15
1.2. Film Informationen. 16
1.3. Analyse. 17
1.3.1. Umwelt und Lebenssituation 17
1.3.2. Replikanten 17
1.3.3. Der Voight-Kampff-Test 18
1.3.4. Rick Deckard. 19
1.3.5. Roy Batty 20
1.3.6. Rachel. 21
1.3.7. Symbolik 22
IV. Zusammenfassung und Ergebnis. 24
V. Literaturverzeichnis 26
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I. Einleitung
Die Erschaffung künstlichen Lebens und die damit verbundenen philosophischen und ethischen Probleme sind für die Forschung kein neues Themengebiet. Wie auch in anderen Bereichen, wie z.B. Literatur und Kunst, ist das künstlich hervorgebrachte Leben schon seit mindestens dem 19. Jahrhundert ein inhaltliches Motiv.
In Mary Shelleys Gothic-Novel ,,Frankenstein’’ (1818) ist der gleichnamige Protagonist Dr. Victor Frankenstein durch seine Forschungen mit dem menschlichen Leben ebenso Vertreter der Moderne, wie auch Erschaffer des Science Fiction Genres.
Doch schon vor Mary Shelleys Roman waren diverse künstlich erschaffene Wesen Inhalte der Literatur. In jüdischen Legenden taucht der Golem, eine beseelte Lehmfigur, auf. Er wurde der Legende nach durch kabbalistische Rituale vom berühmten Philosophen und Kabbalisten Rabbi Judah Löw in Prag zum Leben erweckt und erst nach einer Reihe von Vorfällen, in denen er außer Kontrolle geriet, wieder zu Lehm verwandelt.
Eine weitere Legende berichtet vom ,,Homunculus’’ (lat. Menschlein), einem künstlich erschaffenen Mensch ohne Seele. Dieser aus einer Transmutation geschaffene Mensch ist ein weit verbreitetes Thema in der Kulturgeschichte und findet beispielsweise in Goethes Faust II Verwendung. Erst mit den Anfängen der Technisierung war die Entwicklung von künstlichen Menschen ein Stück weiter realisierbar geworden. Durch das Voranschreiten der technischen Ausbildung, auch im Bereich der Medien bzw. des Films, war es möglich, den künstlichen Menschen im Film darzustellen.
In der Mitte der achtziger Jahre tauchte der Begriff ,,künstliches Leben’’ (K.L.) das erste Mal öffentlich auf. Die bis heute unter den Wissenschaftlern bekannte Konferenz von Los Alamos (1987) war ein Workshop für Wissenschaftler aus den verschiedensten naturwissenschaftlichen Bereichen, und beinhaltete u.a. Simulationen evolutionären Verhalten auf dem Computer, Computerviren (Selbstreproduzierende Programme) und Roboter. Im Mittelpunkt der Forschung stand die Frage nach den grundlegenden Mechanismen des Lebens.
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Wolfgang Neuhaus beschreibt den Inhalt der Forschung in seinem Artikel ,,Leben im Computer’’ anhand von zwei Fragen. Wie kann man die biologischen Prozesse der Selbstorganisation verstehen? Sind diese informationstechnisch reproduzierbar? 1 Der Begriff der künstlichen Intelligenz (K.I.) wurde erstmalig 1956 auf der Dartmouth-Konferenz im Zusammenhang mit dem Ziel, intelligente Maschinen mit Hilfe neuer Computerprogrammiermethoden zu realisieren, gebraucht.
Inwieweit die Entwicklung von K.I. und K.L. in Beziehung zu der Maschinisierung des Menschen steht und die damit verbundenen Probleme der Gesellschaft, davon handelt die folgende Arbeit.
Nach einer kurzen Einführung in die Erschaffung von künstlichem Leben und künstlicher Intelligenz, werden die gesellschaftlichen Ängste erläutert. Die Darstellung von künstlichem Leben im Film Blade Runner bildet den zweiten, praktischen Teil der vorliegenden Arbeit. Nach einer inhaltlichen Einführung folgt eine Analyse des Films, in der besonders die Darstellung der Replikanten und ihre Position im Film berücksichtigt wird. Eine Untersuchung der Symbole und der versteckten Hinweise im Film, die auf philosophische Inhalte hindeuten, ist ebenso Teil der Analyse. Den Abschluss bildet eine Überlegung über den eigentlichen Kern des ausgewählten Films: Die Suche nach Menschlichkeit in einer Welt, in der die heutigen moralischen Standards nicht mehr gültig sind im Zusammenhang mit K.I. und K.L. Forschung.
1 Neuhaus, Wolfgang: Leben im Computer. Online unter: http://www.telepolis.de/r4/artikel/15/15676/1.html
Stand: April.2005
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II. Maschinen-Menschen
Als 1637 René Descartes in seinem Werk Discours de la méthode die Tiere als seelenlose Automaten bezeichnet, die entsprechend den Regeln der Mechanik und Logik funktionieren, wurde dies als wissenschaftliche These hingenommen. Seine Erkenntnisse stützt Descartes auf die bis dahin gemachten Erkenntnisse der Medizin und der Naturwissenschaften. Zeitgleich mit den Fortschritten dieser beiden Wissenschaften wurden auch die Forschungen mit mechanischen Maschinen intensiver.
1747 erscheint eine Abhandlung mit dem Titel L’homme machine, verfasst von dem französischen Arzt Julien Offray de La Mettrie. Inhaltlich befasst sich der Aufsatz mit der Auffassung der Mensch sei eine Maschine, da das geistige Leben vom körperlichen abhängig sei. Von den zeitgenössischen Klerus und Wissenschaftlers abgelehnt und als ,,kompromisslose Übersteigerung von Descartes’ Tier-Automaten-Theorie’’ 2 verschrien, entpuppt sich in der modernen Forschung sein Werk zu einer ,,empirischen Anthropologie’’ (a. a. O.) und einer Philosophie in welcher der menschliche Körper im Mittelpunkt steht.
Die Theorien über die Maschinisierbarkeit des menschlichen Lebens wurden in die Praxis übertragen, doch es kommen immer wieder dieselben Fragen auf: Ist die Technik weit genug fortgeschritten um künstliches Leben zu erzeugen? Ist das menschliche Denken weit genug, um Wesen wie Data, einem Androiden von der TV-Serie Star Trek zu akzeptieren ohne sich in ihrer Gegenwart bedroht zu fühlen?
1. Natürliches Leben
Um zu erklären, was künstliches Leben (K.L.) ist, muss man zunächst den Terminus Leben definieren, denn nur dann ist es möglich, künstliches Leben als solches zu erkennen. Das natürliche Leben (N.L.) dient also als Messlatte für alle weiteren Entwicklungen, die sich daran messen wollen. Was ist Leben?
2 Schmidgen, Henning: Das Unbewusste der Maschinen. Konzeption des Psychischen bei Guattari, Deleuze und
Lacan. München 1997. S.9
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Zusammenfassend kann man sagen, dass es selbsterhaltend ist, auf die Umwelt reagiert, einer ständigen Energieaufnahme bedarf, in der Lage ist, sich fortzupflanzen und zu wachsen. 3
Allerdings definiert nicht jede einzelne Eigenschaft Leben an sich. Nur wenn alle genannten Charakterzüge zutreffen, ist natürliches Leben geben. Wichtig für das N.L. ist, dass es eine gesunde Umwelt hat, um in ihr zu existieren, denn das Individuum des N.L. ist darauf angewiesen.
Trotz aller Forschungen ist bis heute nicht zufrieden stellend geklärt, wie das N.L. entstanden ist. Die biblische Theorie Gott sei der Erschaffer allen Lebens, war bis ins achtzehnte Jahrhundert hinein anerkannt. Dann tauchten verschiedene Erklärungsansätze auf, die biologische Hintergründe aufwiesen. 1859 entstand Charles Darwins Werk The Origin of Species (Von der Entstehung der Arten). Durch die natürliche Auslese würden diejenigen Lebewesen überleben, die durch spezielle Merkmale ihrer Natur am besten angepasst seien. So ergibt sich über Jahrtausende hinweg eine Evolution zu immer höher entwickelten Lebewesen, bis hin zum heutigen Menschen. 4 Darwins Theorie kann allerdings nicht die Existenz aller Lebewesen erklären und auch eine genaue Information bezüglich der Entstehung der ersten Zelle fehlt.
Genau dies ist der Punkt, an dem unsere Forschung bis heute scheitert. Experimente mit der Uratmosphäre gaben genauso wenig zufrieden stellende Erklärungen wie Versuche mit einer künstlichen Simulation der Ursuppe. Wenn es keine Definition von N.L. hat, an was soll man dann das K.L. messen?
2. Die Erschaffung künstlichen Lebens
Was ist künstliches Leben (artificial life)? Christopher G. Langton, Initiator der A.I.-Konferenz in Los Alamos (siehe Punkt I. Einleitung) definiert K.L. als ,,von Menschen geschaffene Systeme, welche einige Charakteristika natürlichen Lebens aufweisen.’’ 5 Diese Definition ist aufgrund des Terms ,,einige Charakteristika’’ zu ungenau.
3 Kinnebrock, Werner: Künstliches Leben. Anspruch und Wirklichkeit. München 1996. S.15
4 Kinnebrock, Walter: Künstliches Leben. Anspruch und Wirklichkeit. München 1996. S.25
5 Kinnebrock, Walter: Künstliches Leben. Anspruch und Wirklichkeit. München 1996. S.31f
Arbeit zitieren:
Stefanie Hanten, 2004, Künstliches Leben und Künstliche Intelligenz und ihre Umsetzung im Film Blade Runner, München, GRIN Verlag GmbH
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