Gliederung
1. Hinführung zum Thema
2. Definition und Kriterien von Gruppenarbeit
3. Formen der Gruppenarbeit
3.1 Qualitätszirkel
3.2 Projektgruppen
3.3 Teilautonome Arbeitsgruppen
4. Vorteile der Gruppenarbeit
4.1 Bedingungen für eine erfolgreiche Gruppenarbeit
4.1.1. Kommunikation
4.1.2. Akzeptanz
4.1.3. Eigenständigkeit
4.1.4. Strukturierung
4.1.5. Gleichwertigkeit
4.2 Kostenreduzierung, Produktivitätssteigerung
4.3 Motivationsgewinn
5. Probleme mit Gruppenarbeit
5.1 Negative Einflussfaktoren bei der Arbeit in Gruppen
5.2 Motivationsverlust
6. Schlussbetrachtung
7. Anhang
8. Literaturverzeichnis
9. Abbildungsverzeichnis
„Der Teamgeist ist heut' hoch gefragt, weil man im Team sich leichter plagt; doch die Gemeinschaft hält nicht lang', wenn man nicht zieht am selben Strang.“
© Oskar Stock (*1946), deutscher Schriftsteller und Aphoristiker
1. Hinführung zum Thema
Als zu Beginn der siebziger Jahre die skandinavische Automobilindustrie vor dem großen Problem der Arbeitskräftegewinnung und -haltung stand, entwickelte sie aus dieser Notlage, das heute noch als Paradebeispiel geltende Projekt der Gruppenarbeit. 1 So ist die Gruppenarbeit auch in den Blickpunkt betriebswissenschaftlicher und betriebspädagogischer Betrachtungsweisen gerückt. Der Reformpädagoge Hugo GAUDIG (*05.12.1860 -† 02.08.1923) erkannte bereits in den zwanziger Jahren, dass die Gruppenarbeit als didaktisches Prinzip, für das Lernen eine maßgebliche Rolle spielt. Daraus entwickelten sich bis in die heutige Zeit vielfältige Arten der Gruppenarbeit, welche in nahezu allen modernen Betrieben eine hohe Bedeutung zugesprochen bekommt und auch in Bildungsstätten eine wichtige Rolle einnimmt. Dies lässt sich auch aus der zentralen Position der Gruppenübungen in Assessmentcentern ableiten, die Teamfähigkeit als immer wichtiger werdendes Persönlichkeitsmerkmal von ihren Bewerbern fordern. «Teamfähigkeit ist deshalb sehr wichtig ge-worden», sagt Rainer Schmidt-Rudloff von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin.
Da die Betrachtungsweisen und Formen von Gruppenarbeit äußerst vielfältig und im Rahmen einer Hausarbeit nicht zu erfassen sind, werde ich mich in der folgenden Arbeit weder auf ein betriebspädagogisches noch auf ein didaktisches Konzept konzentrieren, sondern vielmehr versuchen generelle Vorteile und Probleme im Zusammenhang mit Gruppenarbeit herauszuarbeiten und diese kritisch zu betrachten.
1 vgl. ANTONI, C.H.: Gruppenarbeit in Unternehmen: Konzepte, Erfahrungen, Perspektiven, 1994, S. 20.
2. Definition und Kriterien von Gruppenarbeit
Um eine Definition der Gruppenarbeit zu formulieren, muss zunächst geklärt werden, was eine Gruppe ausmacht. So lassen sich bei der Klärung der Frage, was Gruppenarbeit ist, folgende Minimalanforderungen festhalten, wenn man die zahlreichen sozial- und organisationspsychologischen Definitionsversuche einer Gruppe beachtet 2 : Demnach definiert ANTONI eine Gruppe als zwei oder mehr Personen, die über eine gewisse Zeit so miteinander interagieren, dass jede Person die anderen Personen beeinflusst und von ihnen beeinflusst wird, die ein gemeinsames Ziel und eine zumindest ansatzweise entwickelte Gruppenstruktur haben. Da jedoch in der Fachliteratur mehrere Auslegungsmöglichkeiten für den Begriff Gruppe genannt werden, z.B.: kann es schon zu Gruppenphänomenen kommen, wenn eine einzelne Person sich als Mitglied einer sozialen Kategorie versteht, z.B.: der Kategorie „Autofahrer“. 3 Da es folglich eine Vielzahl von Situationen gibt, nach denen man unterschiedlichste Definitionen des Begriffs Gruppe bestimmen kann, kann es keine „wahre“ Definition geben. 4 Man kann lediglich zwischen zwei Arbeitsgruppentypen unterscheiden: 5
1. Temporäre Gruppen, zu denen natürliche Gruppen zählen, „die ohne jegliche Ak- 6 sowie tivitäten und Interessen eines Forschers bestehen, wie z.B.: eine Familie […]“ Projektgruppen, die für einen gewissen Zeitraum Aufgabenstellungen bearbeiten und sich danach auflösen.
2. 2. Permanente Gruppen, zu denen, je nach dem Grad der Autonomie, selbststeuernde und untergeordnete Arbeitsgruppen gehören, welche auf Dauer angelegt sind, was die Arbeitsaufgaben und die Mitglieder betrifft. Dabei wird die Gruppe durch eine neue Aufgabe oder den Wechsel eines Mitglieds nicht berührt. Wobei nach McGRATH und KOLLEGEN die permanenten Gruppen als „teams“ oder „crews“ bezeichnet werden. 7
2 vgl. ebd., S. 24.
3 vgl. WEGGE, J.: Führung von Arbeitsgruppen, 2004, S. 13.
4 vgl. ebd., S. 14.
5 vgl. KRIZ, W.C.: Teamkompetenz - Konzepte, Trainingsmethoden, Praxis, 2003, S. 17.
6 WEGGE, J.: Führung von Arbeitsgruppen, 2004, S. 15.
7 vgl. ebd., S. 27.
Demzufolge ist der Begriff Gruppe, je nach Autor, von dem des Teams abzugrenzen, so herrscht z.B.: nach NEUMANN in einem Team eine klare Hierarchie in Form eines Rangverhältnisses, die in Gruppen fehlt. 8 Als Resultat dessen ist, dass diese Begriffe keinesfalls synonym zu verwenden werden dürfen und auch Gruppenarbeit unterscheidet sich demnach von der Teamarbeit. 9 Die wichtigsten Unterschiede beschreiben SCHNEIDER und KNEBEL wie folgt:
a) In der Arbeitsgruppe ist Einzelverantwortung gefordert, während neben dem in der Teamarbeit auch gemeinsame Verantwortung für das Arbeitsgesamtergebnis gefordert ist. b)
c) Das Team besteht aus hochqualifizierten Spezialisten, deren enge Interaktion und Fähigkeiten einander optimal ergänzen, während die Mitglieder einer Arbeitsgruppe eher multifunktional ausgerichtet sind. d)
e) Die Arbeitsgruppen beschäftigen sich in der Regel direkt mit der Arbeit an materiellen Produkten, während das Team eine „Denkgruppe“ bildet, die ein gemeinsames geistiges Produkt als Arbeitsergebnis abliefert, wie z.B.: eine Strategie. 10
Um also im weitesten Sinne von Gruppenarbeit sprechen zu können, müssen folgende Kriterien erfüllt sein: 11
8 NEUMANN, K. H.: Taschenbuch der Teamarbeit, 1974, S. 20.
9 vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenarbeit, [Stand 08.Juli 2005].
10 vgl. SCHNEIDER, H., KNEBEL, H.: Team und Teambeurteilung - Neue Trends in der Arbeitsorganisation,
1995, S. 18.
11 vgl. ANTONI, C.H.: Gruppenarbeit in Unternehmen: Konzepte, Erfahrungen, Perspektiven, 1994, S. 25.
Abb. 1: Merkmale von Gruppenarbeit
Auf Basis dieser Betrachtung der Begriffe Team und Arbeitsgruppe, werde ich mich in der folgenden Arbeit unter Berücksichtigung der durchaus bestehenden Deckungsgleichheit in gewissen Elementen der Begriffsinhalte von Team und Arbeitsgruppe, auf die potenziellen Vorteile und Probleme die im Zusammenhang mit Gruppenarbeit entstehen können, konzentrieren.
3. Ausgewählte Formen der Gruppenarbeit
Wie bereits im vorangegangenen Kapitel beschrieben gibt es mehrere Definitionsmöglichkeiten des Begriffs Gruppe und auf dieser Grundlage werden im Folgenden einige Formen von Gruppenarbeit, in einem kurz gehaltenen Überblick dargestellt. Dabei wird der Charakter der Gruppenarbeit „wesentlich durch Art und Inhalte der 12
Arbeitsaufträge bzw. der Arbeitsaufgaben bestimmt.“
12 ANTONI, C.H.: Gruppenarbeit in Unternehmen: Konzepte, Erfahrungen, Perspektiven, 1994, S. 26.
ANTONI bedient sich der sozio-technischen Systemtheorie von EMERY und THORSRUD (1982), um daraus ein dreidimensionales Modell zur Klassifizierung von Gruppenarbeit abzuleiten. In diesem dreidimensionalen Raum, mit den Dimensionen „Kooperation“, „Variabilität“ und Autonomie“ ordnet er die verschieden Gruppen ein (vgl. Abb.2). 13
Abb. 2: Handlungsspielraum und Arbeitsorganisation
Die Dimension „Autonomie“ beschreibt den Freiheitsgrad (die Entscheidungsmöglichkeiten) in Form von Art und Umfang, in dem Aufgaben zur Systemerhaltung, Systemregulation und Systemoptimierung bearbeitet werden müssen. Eine Steigerung dieser Dimension ist durch Job-Enrichment möglich. 14 Die Achse der „Kooperation“ gibt an, in welchem Maß eine Interaktion notwendig ist um die gestellte(n) Aufgabe(n) zu bewältigen. Die dritte Dimension der „Variabilität“ wird bestimmt durch die Vielfältigkeit der Aufgabe. Eine Erhöhung der Variabilität ist durch Job Enlargement möglich, d.h. „je umfangreicher die Teilhandlungen zur Herstellung des Gruppenziels sind, 15
desto höher sind die Variabilität der Handlungen der einzelnen Gruppenmitglieder.“
13 vgl. ebd. S. 27 und KRIZ, W.C.: Teamkompetenz - Konzepte, Trainingsmethoden, Praxis, 2003, S. 22.
14 vgl. GROßMANN, A.: Gruppenarbeit als betriebspädagogische Aufgabe: Problemanalyse und pädagogische
Maßnahmen, 1999, S. 21.
15 ebd., S. 22.
Da in Deutschland die meisten betrieblichen Gruppenmodelle dem Konzept der Qualitätszirkel (QZ), der Projektgruppe (PG) oder der teilautonomen Arbeitsgruppe (TAG) zugerechnet werden, werde ich mich in der genaueren Erklärung auf diese drei Arten beschränken.
3.1 Qualitätszirkel
„Qualitätszirkel sind kleine moderierte Gruppen von Mitarbeitern der unteren Hierarchieebene, die sich regelmäßig auf freiwilliger Grundlage treffen, um selbstgewählte Probleme
16 Ursprünglich entstammt das Konzept der aus ihrem Arbeitsbereich zu bearbeiten.“
Qualitätszirkel aus dem japanischen KAIZEN Prinzip in den fünfziger Jahren, wurde aber durch europäische Entwicklungen ergänzt und ausgeweitet. 17 Das KAIZEN Prinzip ist in der deutschen Übersetzung als „kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)“ bekannt geworden. Dabei ist dieser Begriff eng mit der Gruppenarbeit ver-bunden. Die Gruppen optimieren ihre Arbeitsabläufe ständig. Die erreichte Mehrleistung wird jeweils zum neuen Leistungsmaßstab, den es nun zu übertreffen gilt. 18
Die Wahl der Diskussionsthemen ist in den Zirkeln weitestgehend freigestellt, sollte aber übergeordnet die Qualität der Arbeitsergebnisse behandeln. Daraus ergibt sich auch die Einstufung des Qualitätszirkels in das Modell von ANTONI (Abb. 2). Da die erarbeiteten Ergebnisse jedoch nicht von dem Zirkel umgesetzt werden, sondern von der übergeordneten Führung, zumeist vom Management, ist hier schon ein Problem zu erkennen. Wenn sich das Management mit der Umsetzung zurückhält oder diese nicht beachtet, kann dies schnell zu Motivationsabbau führen. 19 Auf die Faktoren der Motivationsgewinnung und des Motivationsverlustes wird später noch genauer Bezug genommen.
16 ANTONI, C.H.: Gruppenarbeit in Unternehmen: Konzepte, Erfahrungen, Perspektiven, 1994, S. 29.
17 vgl. GROßMANN, A.: Gruppenarbeit als betriebspädagogische Aufgabe: Problemanalyse und pädagogische
Maßnahmen, 1999, S. 23.
18 vgl. ANTONI, C.H.: Gruppenarbeit in Unternehmen: Konzepte, Erfahrungen, Perspektiven, 1994, S. 32.
19 vgl. WEGGE, J.: Führung von Arbeitsgruppen, 2004, S. 27.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Päd. Alexander Geldmacher, 2005, Arbeit in Gruppen - Potentielle Vorteile und Probleme der Gruppenarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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