Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis III
1 Einführung und Aufgabenstellung 1
2 Einordnung des Autors und des Werks 1
2.1 Wipo und sein Werk 1
2.2 Einordnung der Königswahl zu Kamba in die Königswahlen der Zeit 3
2.2.1 Königserhebungen im Mittelalter 3
2.2.2 Die Königserhebung bei Wipo 4
2.3 Erörterung ausgewählter Aspekte des Berichts 6
3 Untersuchung des Werkes auf die Intention und das historiographische
Verständnis Wipos 7
3.1 Intention und Adressat der Gesta 7
3.2 Historiographisches Verständnis 11
3.2.1 Historiographisches Verständnis in einer (teil-)oralen Gesellschaft 11
3.2.2 Der Einfluss des historiographischen Verständnisses auf Wipos Bericht 12
4 Schlussbemerkung 14
Quellen - und Literaturverzeichnis
IV
II
Abkürzungsverzeichnis
a.a.O. am angegebenen Ort Anm. Anmerkung Bd. Band DA Deutsches Archiv für Erforschung (bis 1944: Geschichte) des Mittelalters Ders. Derselbe ebd. ebenda f. folgend ff. folgende FDG Forschungen zur Deutschen Geschichte FMSt Frühmittelalterliche Studien hg. herausgegeben Hrsg. Herausgeber HZ Historische Zeitschrift MGH Monumenta Germaniae Historica ND Neu-/Nachdruck NF Neue Folge Nr. Nummer S. Seite(n) Sp. Spalte(n) u. a. und andere, unter anderem Vgl. Vergleiche VuF Vorträge und Forschungen WdF Wege der Forschung Z. Zeile(n) z. B. zum Beispiel ZGO Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins
III
1 Einführung und Aufgabenstellung
Viel wurde bisher über die Realitätstreue und Faktengenauigkeit von Quellen diskutiert. Aber, obwohl sich die Königswahlforschung mit der Königserhebung 1024 beschäftigt hat, ist Wipos Bericht nicht annähernd so ausführlich behandelt worden wie z. B. Widukinds Bericht zur Thronerhebung Heinrichs I. So findet man folglich nur wenige Ansätze, die über die inhaltliche Auseinandersetzung mit Wipos Bericht und dessen Wahrheitsgehalt hinausgehen. Wipos Intention und sein historiographischer Hintergrund sind eher stiefmütterlich beleuchtet worden, was umso bedeutsamer erscheinen mag, da gerade dieser Blickwinkel die Bedeutung des Berichts für die heutige Forschung bestätigen könnte.
Im Gegensatz zur Königswahl Heinrichs I., bei der wir aus mehreren Quellen, insbesondere drei Hauptquellen, schöpfen können, steht uns als Basis zur Rekonstruktion der geschichtlichen Ereignisse während der Wahl Konrads II. nur Wipos Bericht, die Gesta Chuonradi, als Hauptquelle zur Verfügung. 1 Aus diesem Grund ist es umso unerlässlicher, Gehalt und Verlässlichkeit des Berichts zu prüfen. Mittel zur Analyse werden die Herausarbeitung von Intention und historiographischem Verständnis sein, denn die Historiographie gibt „uns nicht nur Informationen für die Ereignisgeschichte, sie ist auch selbst ein Stück Geschichte und will wie diese verstanden werden“ 2 . Ziel wird daher nicht sein, Wipos Bericht auf Realitätsgenauigkeit zu überprüfen, sondern herauszufinden, warum er ihn schrieb, wie er ihn schrieb, um die Aussagekraft des Berichts beurteilen zu können. Die Aufgabenstellung dieser Arbeit ist, im Anschluss an die vorbereitende Grundlagen-Erläuterung, der Versuch zur Integration der oben genannten Aspekte in die Diskussion über den Wert der Gesta Chuonradi.
2 Einordnung des Autors und des Werks
2.1 Wipo und sein Werk
Bevor wir uns eingehender mit dem Bericht über die Königswahl zu Kamba beschäftigen, müssen wir uns mit der Person und dem Werk Wipos auseinandersetzen. Wipo, den Kellner in seiner Biographie im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon als einen der „bedeutendsten Autoren im deutschen Sprachraum der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts“ 3 bezeichnet, war wahrscheinlich schon unter Heinrich II. Hofkaplan, eine Stellung, die er bis zu seinem Tod
1 Vgl. Fried, Johannes: Die Königserhebung Heinrichs I. Erinnerung, Mündlichkeit und Traditionsbildung im 10.
Jahrhundert, in: Mittelalterforschung nach der Wende 1989, hg. von Michael Borgolte (HZ Beihefte NF 20),
München 1995, S. 269.
2 Beumann, Helmut: Die Historiographische Konzeption und politische Ziele Widukinds von Corvey, in: Ders.,
Wissenschaft vom Mittelalter. Ausgewählte Aufsätze, Köln/Wien 1972, S. 71.
3 Kellner, M.G.: Wipo, in: Biographisches Kirchenlexikon (Bd. 13), hg. von W. Bautz, Nordhausen 1998, Sp. 1416.
1
während der Herrschaftszeit Heinrichs III. inne hatte. 4 Als Quellen über sein Leben stehen uns nur seine Werke zur Verfügung, durch die wir auch wissen, dass er aufgrund seiner kränkelnden Konstitution dem Hof nicht ständig folgen konnte. 5 Es gilt allerdings als gesichert, dass er sowohl 1024 an der Wahl zu Kamba als auch 1046 an der Kaiserkrönung Heinrichs III. teilnahm. 6 Über ersteres Ereignis liegt uns somit ein Augenzeugenbericht vor. 7 Dieser Umstand ist nicht zu vernachlässigen, insbesondere, da Berichte aus dieser Zeit oft nicht aus erster Hand, sondern durch mündliche Tradition überliefert, verfasst wurden. 8
Wipos Hauptwerk, die Gesta Chuonradi II. imperatoris, stellt laut Kellner ein „Musterbeispiel der dynastisch geprägten Historiographie dar“ 9 . Sie umfasst Ereignisse bis Mitte 1046 und übermittelt ein umfassendes Bild von Konrad II. und seiner Regierungszeit. 10 Gewidmet ist die Gesta Chuonradi dem Thronfolger Konrads II., seinem Sohn Heinrich. 11 Auf die Bedeutung dieser Tatsache wird im Weiteren näher eingegangen werden.
In diesem Zusammenhang müssen auch seine anderen Werke zumindest am Rande erwähnt werden: u. a. ein von Wipo verfasstes Preislied anlässlich der Kaiserkrönung Konrads II., die Proverbia als eine Art Fürstenspiegel, die als Richtlinie für angehende Herrscher gedacht war, seine Totenklage auf den verstorbenen Kaiser 1040 sowie etliche sprichwortartige Merkverse und Lehrgedichte für den jungen Heinrich. Durch fast alle seine Werke zieht sich ein roter Faden von moralischen und politischen Ratschlägen, ein Aspekt, 12 der im dritten Teil dieser Arbeit von Bedeutung sein wird und analysiert werden muss.
Abschließend ist noch hervorzuheben, dass Wipo seinen Stoff nicht als Historiker sammelte. Seine Kenntnisse in Rechtsdingen, im Urkundenwesen und in der Verwaltung, die er in der Hofkapelle erwarb, komplettierten jedoch seine theoretische geistliche Ausbildung, so dass wir schon zu Beginn dieser Arbeit davon ausgehen können, dass wir es durchaus mit einem kompetenten und ernst zu nehmenden Autor zu tun haben. 13
4 Die Literatur ist sich überwiegend einig, dass Wipo wenn nicht Hofkaplan zumindest aber Mitglied der Hofkapelle
war. Vgl. Trillmich, Werner: Wipo, Gesta Chuonradi II. Imperatoris, in: Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe (Bd.
11), hg. von Rudolf Buchner, 3. Auflage, Darmstadt 1961 (ND 1973), S. 507.
5 Vgl. Struve, Tilmann: Wipo, in: Lexikon des Mittelalters (Bd. 9), hg. von R.-H. Bautier, München 1998, Sp. 243.
6 Vgl. Reuling, Ulrich: Die Kur in Deutschland und Frankreich. Untersuchungen zur Entwicklung des
rechstförmlichen Wahlaktes bei der Königserhebung im 11. und 12. Jahrhundert, Göttingen 1979, S. 232.
7 Vgl. ebd., S. 14.
8 Vgl. Schiefer, Rudolf: Wipo, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon (Bd. 10), hg. von
Burghart Wachinger u.a., 2. Auflage, Berlin/New York 1999, Sp. 1241.
9 Kellner, M.G.: Wipo, a.a.O., Sp. 1417.
10 Als chronologisches Gerüst diente ihm die Reichenauer Kaiserchronik (bis 1039/40). Vgl. Struve, Tilmann: Wipo,
a.a.O., Sp. 243.
11 Vgl. Schiefer, Rudolf: Wipo, a.a.O., Sp. 1241.
12 Vgl. Trillmich, Werner: Wipo, Gesta Chuonradi II., a.a.O., S. 508-513.
13 Vgl. ebd., S. 507.
2
2.2 Einordnung der Königswahl zu Kamba in die Königswahlen der Zeit
2.2.1 Königserhebungen im Mittelalter
Um die Bedeutung von Wipos Bericht im Zusammenhang zu verstehen, ist es notwendig, sich in einem kurzen Überblick mit der Thronfolgeregelung der Zeit auseinander zu setzen. Die unterschiedlichen Ausgangssituationen im Mittelalter brachten ein nicht kontinuierliches Neben-und Miteinander von Thronfolgen nach dem dynastischen Prinzip (Geblütsrecht), der Designation und dem Wahlprinzip, mit sich.
Die Möglichkeit der Thronfolge nach dem Geblütsrecht bedeutete im Mittelalter, dass aus den Angehörigen der Königssippe derjenige mit den größten Ansprüchen zum König erhoben wurde. 14 Designation war laut Schuler nur „dort möglich, wo die Thronfolge nicht durch Erblichkeit gesichert ist und mehrere Personen für die Nachfolge in Frage kommen“ 15 . Da in dieser Arbeit jedoch nicht der Frage nach einer möglichen Designation eines Nachfolgers nachgegangen werden soll, wird hier auf eine ausführlichere Vorstellung dieser möglichen Thronfolgeregelung verzichtet. 16
Trat wie 1024 der Fall ein, dass der herrschende König ohne Söhne bzw. Designation eines Nachfolgers verstarb, wurde es erforderlich, auf anderem Wege Ordnung und Königsfolge wiederherzustellen, z. B. in Form einer Wahl. Der Kanon der Geschichtsschreibung geht heute davon aus, dass die Ausbildung des Wahlrechts der Fürsten sich spätestens seit den Gegenkönigswahlen während des Investiturstreits etablierte. Obwohl einige Historiker schon von einem früheren Wahlcharakter bei freien Wahlen sprechen, gehen sie nicht so weit, die Erhebung von 1024 einzuschließen. Von einem wirklichen Einschnitt in der Entwicklung zur freien Wahl kann man laut Thomas erst im Jahr 1077 sprechen, als man in Forchheim der freien Wahl gegenüber dem Erbrecht den Vorrang gab. 17 Daher kann man in dieser Zeit kaum von einem reinen Wahlcharakter nach heutigem Verständnis ausgehen.
14 Reuling zitiert Mitteis Definition des Geblütsrechts „in der von Mitteis umschriebenen Bedeutung einer „objektiven
Auslesenorm“, die den Kreis der Thronfähigen auf die Angehörigen der Königssippe beschränkte.“ Reuling, Ulrich:
Zur Entwicklung der Wahlformen bei den hochmittelalterlichen Königserhebungen im Reich, in: Wahlen und Wählen
im Mittelalter (VuF Bd. 37), hg. von Reinhard Schneider/Harald Zimmermann, 2. Auflage, Sigmaringen 1990, S.
229.
15 Schuler, P.-J.: Designation (Designatio). Im Rahmen der deutschen Königswahl, in: Lexikon des Mittelalters (Bd.
3), hg. von R.-H. Bautier, München 1986, Sp. 728.
16 Lintzel diskutiert ausführlich in seiner Abhandlung „Zur Wahl Konrads II.“ die Möglichkeit der Designation eines
der zwei Konrade durch Heinrich II. Vgl. Lintzel, Martin: Zur Wahl Konrads II., in: Festschrift Edmund E. Stengel
zum 70. Geburtstag am 24. Dezember 1949, hg. von Freunden, Fachgenossen und Schülern, Münster/Köln 1952, S.
290-295.
17 Vgl. Thomas, H.: Wahl. Allgemein und Deutsches Reich. Königswahl, in: Lexikon des Mittelalters (Bd. 8), hg. von
R.-H. Bautier, München 1997, Sp. 1909.
3
Arbeit zitieren:
Diplom-Kauffrau Katja Kremendahl, 2006, Der Bericht Wipos über die Königswahl Konrads II. von 1024 - Intention und historiographisches Verständnis, München, GRIN Verlag GmbH
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