Gliederung:
Einleitung
1. Biografie der Autoren
2. Einführung in die Systemtheorie
2.1. Funktionale Differenzierung (Ausdifferenzierung Interne Differenzierung)
2.2. Operative Schließung
2.3. Autopoiesis
2.4. Codierung und Programmierung
2.5. Beobachtung
2.6. Strukturelle Kopplung
3. Triviale Nicht-Triviale Maschinen
Hauptteil
4. Technologiebegriff
4.1. Subsumtionstechnologie
4.1.2. Ego und Alter
5. Ablehnung der Technologie
6. Technologiedefizit innerhalb des Erziehungssystems
6.1. Selbstreferenz
6.2. Kausalität
6.2.1. Variable Konstante Faktoren
6.3. Rationalität
7. Inputs Outputs Strategien
Schluss
8. Fazit
2
Einleitung
1. Biografie
Niklas Luhmann wurde am 08. Dezember 1927 in Lüneburg geboren und betrieb von 1946–1949 das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Verwaltungsbeamter und Landtagsreferent in Niedersachsen, ließ er sich für ein Jahr beurlauben, um von 1960–1961 Soziologie an der Harvard-Universität bei Talcott Parsons zu studieren. 1968 erhielt er die Professur für Soziologie an der Universität in Bielefeld. Niklas Luhmann verstarb am 06. November 1998 nach schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren.
Karl Eberhard Schorr wurde 1919 geboren, studierte Philosophie und Naturwissenschaften und war bis zu seiner Professur für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg, in der Wirtschaft tätig. Er untersuchte die Bedeutung des systemtheoretischen Denkens für die pädagogische Praxis und die Erziehungswissenschaft, wodurch die nahe Zusammenarbeit mit Niklas Luhmann, dem Begründer des systemtheoretischen Denkens, entstand. 1996 starb Karl Eberhard Schorr im Alter von 77 Jahren.
2. Einführung in die Systemtheorie
Zunächst werde ich in meinen Ausführungen auf das 1984 erschienene Hauptwerk Niklas Luhmanns „Soziale Systeme“, in welchem Luhmann seine Systemtheorie zusammenfassend darstellt, eingehen. Dieses Buch ist nach seinen eigenen Worten der Entwurf einer universalistischen Supertheorie. Er erhebt den Anspruch die Welt insgesamt zu beschreiben und knüpft in seiner Theoriekonstruktion an die Arbeiten Talcott Parsons an. Luhmann`s Bestreben ist es, mit seiner Theorie sozialer Systeme, eine für die Soziologie einheitliche Gesellschaftstheorie darzulegen. Diese Theorie soll auf möglichst viele
3
Sachverhalte anwendbar sein, woraus sich die hohe Abstraktheit und Vielschichtigkeit erklärt. Seine Systemtheorie geht von einer unendlich komplexen Welt aus, die sich aus einer Vielzahl von Handlungen, Ereignissen und Zuständen zusammensetzt. Ziel ist eine Reduzierung dieser Komplexität und eine Ordnung der Welt. Aus diesem Grunde strukturiert Niklas Luhmann die Welt mit Hilfe von Systemen und die Gesellschaft, als eines dieser Systeme mit Hilfe von sozialen Systemen.
Gesellschaft beschreibt i. w. S. die zeitlich andauernde räumliche Gemeinschaft von Lebewesen; i. e. S. das strukturierte und organisierte System menschlichen Zusammenlebens und – wirkens. Der Mensch in der Gesellschaft ist Mitglied mehrerer bestimmter Gruppen, z.B. einer Familie, eines Standes, einer Partei oder eines Vereins. Diese gesellschaftlichen Gebilde schließen einander entweder ein oder überkreuzen sich. Die Gesellschaftsordnung im geschichtlich– konkreten Sinn ist die Gesamtheit der zwischenmenschlichen Ordnungen und Gebilde eines Zeitalters. 1
Bei der Betrachtung des Gesellschaftsbegriffes ist zwischen drei geschichtlichen Entwicklungsstufen der Gesellschaft zu unterscheiden:
• Segmentär differenzierte Gesellschaft (archaische Stammes- u. Sippengesell- schaft)
• Stratifikatorisch differenzierte Gesellschaft (Hierarchie nach Herkunft und Klassen)
• Funktional differenzierte Gesellschaft (moderne Gesellschaft)
Die Systemtheorie hat einen völlig neuen Blick auf die vormoderne und moderne Gesellschaft Europas geworfen. Für Niklas Luhmann haben die sozialen
Unterschiede (arm/reich ⇒ Klassengesellschaft) als bestimmte Strukturprinzipien der Gesellschaft keine Gültigkeit mehr. Stattdessen gelten für ihn die verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereiche (Wirtschaft, Recht, Politik, Wissenschaft, Erziehung usw.), in denen unabhängig von den jeweils anderen Systemen gehandelt wird. Er entfernt sich somit von den vorangegangenen
1 vgl. dtv-Lexikon 1995, S. 322
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Entwicklungsstufen der Gesellschaft, also der segmentär differenzierten Gesellschaft (archaische Stammes- und Sippengesellschaft) sowie von der stratifikatorisch differenzierten Gesellschaft (Hierarchie nach Herkunft und Klassen) und erklärt die moderne Gesellschaft als eine funktional differenzierte Gesellschaft (Unterscheidung nach Funktionen).
2.1. Funktionale Differenzierung (Ausdifferenzierung / Interne Differenzierung)
Luhmann unterteilt somit die Gesellschaft in unterschiedliche Systeme, sog. Funktionssysteme und deren systematische Zusammenhänge, die jeweils eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe (Funktion) übernehmen. So hat beispielsweise das Wirtschaftssystem die Aufgabe, knappe Güter zu verteilen, das Rechtssystem formuliert allgemein bindende Rechtsnormen und setzt sie durch usw. Alle diese Systeme sind ähnlich strukturiert und haben die Gemeinsamkeit, dass sie eine bestimmte Funktion erfüllen müssen.
Die funktionale Differenzierung in der Gesellschaft erfolgt also durch die Bildung von Funktionssystemen. Grundlegend wird hierbei zwischen System und Umwelt unterschieden. Ein Funktionssystem als sog. Teilsystem des Systems Gesellschaft hat zwei Umwelten; zum einen die Gesellschaft und deren Teilsysteme (innergesellschaftliche Umwelt), zum anderen die Umwelt des Gesellschaftssystems selber (außergesellschaftliche Umwelt). So wird beispielsweise das Teilsystem Politik von der innergesellschaftlichen Umwelt, d.h. von der Gesellschaft und ihren weiteren Teilsystemen wie Recht, Wirtschaft, Kunst usw. und der außergesellschaftlichen Umwelt, d.h. der Umwelt des Gesellschaftssystems selber umschlossen.
„Insofern hat jedes Funktionssystem es mit einer anders
zusammengesetzten gesellschaftsinternen Umwelt zu tun, und
dies genau deshalb, weil jedes Funktionssystem für eine je
besondere Funktion ausdifferenziert ist.“ 2
2 Luhmann, N. 1997, S. 746
5
Außergesellschaftliche Umwelt
Niklas Luhmann sieht jedoch in der Zuordnung der Funktion der Menschen zu bestimmten Funktionssystemen des Gesellschaftssystems einige Schwierigkeiten.
„Mann kann nicht Menschen den Funktionssystemen derart zuordnen, daß jeder von ihnen nur einem System angehört, also nur am Recht, aber nicht an der Wirtschaft, nur an der Politik, aber nicht am Erziehungssystem teilnimmt. Das führt letztlich zu der Konsequenz, daß man nicht mehr behaupten kann, die Gesellschaft bestehe aus Menschen; denn die Menschen lassen sich offensichtlich in keinem Teilsystem der Gesellschaft, also nirgendwo in der Gesellschaft mehr unterbringen.“ 3
Laut Luhmann bestehen soziale Systeme aus Kommunikationen, nicht aus Menschen und werden somit als Kommunikationssysteme bezeichnet. Folglich sieht N. Luhmann die Gesellschaft nicht mehr als ein aus dem Handeln von Einzelpersonen zusammengesetztes Gebilde an, sondern als eigenständigen Bereich, dessen Letztelement Kommunikation darstellt.
Der Begriff Kommunikation ist auf das lateinische Wort >communicatio< zurückzuführen und hat seit der Antike ein weites
3 Luhmann, N. 1997, S. 744
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Bedeutungsfeld im Sinne von Mitteilung, Verbindung, Austausch,
Verkehr, Umgang und Gemeinschaft. 4
Kommunikation meint sowohl Mitteilungshandeln, als auch Information und Verstehen. Demnach stellt die Gesellschaft das umfassendste System aller Kommunikationen dar. Da Kommunikation lediglich innerhalb der Gesellschaft (Innergesellschaftliche Umwelt) stattfindet, ist somit alles was nicht Kommunikation darstellt der Umwelt der Gesellschaft (Außergesellschaftliche Umwelt) zuzuordnen.
In systemtheoretischer Hinsicht erscheint die Gesellschaft als ein soziales System, das Kommunikationszusammenhänge gegen seine Umwelt ausdifferenziert und abgrenzt. Von Differenzierungsformen ist die Rede, wenn es darum geht, wie in einem Gesamtsystem das Verhältnis der Teilsysteme zueinander ist.
2.2. Operative Schließung
Wie bereits erwähnt, beschreibt Luhmann die Welt mit Hilfe der Unterscheidung von System und Umwelt. Der Unterschied zwischen System und Umwelt liegt darin, dass nur das System handeln kann. Die Systemtheorie geht von Differenzen (Funktionale Differenzierung) aus, welche mittels Operationen erzeugt werden.
„Funktionale Differenzierung beruht auf einer operativen Schließung
der Funktionssysteme unter Einschluß von Selbstreferenz.“ 5
Operationen sind Ereignisse, welche mit ihrem Erscheinen bereits wieder verschwinden und daher keinen Bestand haben. Durch die Operationen eines Systems im Gesellschaftssystem bilden sich Operationsfolgen, die bei hinreichender Dauer, die Differenz zwischen System und Umwelt erzeugen und das System ausdifferenzieren. Diese Operationen produzieren und reproduzieren den teilsystemspezifischen Sinn und sind immer Operationen des Teilsystems selber. Die Systeme operieren geschlossen und vermischen sich nicht mit anderen Systemen. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass die operative
4 vgl. Ritter, J. u.a. 1976, S. 893
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Quote paper:
Claudia Hoffs-Langhans, 2003, "Systemtheorie: Funktional differenzierte Gesellschaft" v. N. Luhmann und K. E. Schorr, Munich, GRIN Publishing GmbH
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