1. Ziel der Hausarbeit
Diese Hausarbeit wurde im Rahmen der Veranstaltung „Volkswirtschaftslehre im Hauptstudium“ (Professor Dr. Thomas Huth) an der Universität Lüneburg, Fachbereich Wirtschaft, im Sommersemester 2005 verfasst. Im Zentrum dieser Hausarbeit stehen die Themen Makroökonomie und Neue Makroökonomie. Beginnen werde ich mit der Klärung grundlegender Begriffe und Methoden. Dann folgt ein geschichtlicher Überblick, von den Vorläufern bis heute. Anschließend thematisiere ich die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und die Kreislaufanalyse. Im Hauptteil dieser Arbeit befasse ich mich mit Makroökonomie und neueren Ansätzen der Makroökonomie. Im Kapitel Makroökonomie beschäftige ich mich mit den Klassikern um Adam Smith, den Keynesianern und vergleiche beide Theorien miteinander. Dann erarbeite ich die makroökonomische Entwicklung seit Mitte der fünfziger Jahre ein. Schließlich rundet ein Fazit diese Arbeit ab.
2. Grundlegende Begriffe und Methoden
Zu Beginn der Hausarbeit kläre ich wichtige Begriffe und Methoden, auf die ich im Verlauf der Arbeit zurückgreifen werde.
2.1 Der Begriff Volkswirtschaft(slehre)
Unter „Wirtschaften“ versteht man den gezielten Umgang mit knappen Ressourcen und Gütern. 1 Die Bedürfnisse der Menschen sind unbegrenzt, die Güter sind aber nicht unbegrenzt vorhanden (als Ausnahmen gelten Güter wie beispielsweise Luft), sondern von Natur aus knapp. Es entsteht ein Spannungsverhältnis. 2 Das bedeutet, dass bei mehreren Alternativen immer diejenige zu wählen ist, bei der das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag am günstigsten ist. 3 Dieses Verhalten wird als Rationalprinzip oder ökonomisches Prinzip bezeichnet und tritt in zwei Erscheinungsformen auf. 4
1 Vgl. Hildmann, Gabriele: Makroökonomie, 1997, S. 2
2 Vgl. Wöhe, Günther: Allg. BWL, 1993, S. 3
3 Vgl. Krüger, Günther: Betriebswirtschaft, 1991, S. 76
4 Vgl. Hildmann, Gabriele: Makroökonomie, 1997, S. 2
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 1
• Minimalprinzip
Der Entscheider versucht, einen vorgegebenen Ertrag oder ein vorgegebenes Nutzenniveau mit geringstem (minimalen) Aufwand oder Mitteln zu erreichen.
• Maximalprinzip
Das Bestreben ist es, mit vorgegebenen Mitteln oder Aufwand den höchsten (maximalen) Ertrag oder Nutzen zu erzielen.
Unsinn ist dagegen das so genannte generelle Extremum. Hier soll mit geringstem Aufwand der höchste Ertrag erzielt werden. 5
Die Volkswirtschaftslehre (VWL) als Wissenschaft befasst sich zum einen mit den Tätigkeiten des Einzelnen, der Gesellschaft und dem Staat und zum anderen mit der Gewinnung und dem Verbrauch von knappen Gütern. Eine Volkswirtschaft bezeichnet man als Ökonomie, die Volkswirtschaftslehre als Ökonomik. Beide Worte stammen aus dem Griechischen und bedeuten Haushalt beziehungsweise Hauswirtschaftslehre. Ziele der Volkwirtschaftslehre sind die Prognose (Welches Ergebnis tritt unter welchen Bedingungen ein) und die Erklärung (Welche Bedingung ist als ursächlich anzusehen). Die VWL lässt sich in die Teilgebiete Mikroökonomie und Makroökonomie einteilen. 6
2.2 Methoden und Modelle
Unter einer Methode verstehen Felderer/Homburg eine Vorgehensweise zur Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse. 7 Angesichts der hohen Komplexität der Zusammenhänge werden oft Modelle entwickelt. So sollen gesamtwirtschaftliche Phänomene erklärt werden. Diese Modelle sind vereinfachte Abbildungen der Realität, die sich auf das Wesentliche konzentrieren. Die Marktteilnehmer Haushalte, Unternehmen, Ausland und Staat treffen auf den Märkten aufeinander. Alle Märkte werden zu drei Märkten zusammengefasst. Dem Gütermarkt, dem Wertpapiermarkt und dem Arbeitsmarkt. 8
5 Vgl. Krüger, Günther: Betriebswirtschaft, 1991, S. 77
6 Vgl. Felderer, Bernhard / Homburg, Stefan: Makroökonomik, 2003, S. 7-8
7 Vgl. Felderer, Bernhard / Homburg, Stefan: Makroökonomik, 2003, S. 11
8 Vgl. Erke, Burkhard: Grundlagen moderner Makroökonomie, 2002, S. 15
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 2
Es wird zwischen exogenen Variablen, sie werden nicht durch das Modell erklärt, und endogenen Veränderlichen, sie werden durch das Modell erklärt, unterschieden. 9 Man benutzt dabei die so genannte „Ceteris-Paribus-Annahme“, dass heißt die Annahme der Konstanz aller nicht untersuchten und analysierten Größen. So kann die isolierte Wirkung der einzelnen Größe beurteilt werden. 10 Voraussetzung für die Beschreibung der Realität durch Modelle sind das Sammeln und Erfassen von Daten und Fakten. Dies ist die Aufgabe der Ex-Post-Analyse. Ex-Post stammt aus dem Lateinischen und bedeutet aus dem Nachhinein oder nach geschehener Tat. Diese Gleichung ist vergangenheitsbezogen und findet insbesondere bei der Volkwirtschaftlichen Gesamtrechnung Anwendung. 11 Die Ex-Ante-Analyse (im Vorhinein) stellt dagegen auf Plangrößen ab. So soll die Entwicklung der makroökonomischen Größen bestimmt werden. 12
2.3 Gleichgewicht, Ungleichgewicht und Stabilität
Der Begriff „Gleichgewicht“ hat eine zentrale Stellung in der VWL, ist aber nicht einheitlich definiert. Noch heute gilt das Zitat „Unter Gleichgewicht wird in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur sehr verschiedenes verstanden“. 13 Es lassen sich drei Hauptbedeutungen dieses Begriffs unterscheiden:
• Das methodische Gleichgewicht
Dieser aus dem Naturwissenschaftlichen kommende Begriff bezeichnet das Gleichgewicht als einen Ruhezustand. Demnach befindet sich das Gleichgewicht in der Ruhe, wenn sich die endogenen Variablen im Zeitablauf nicht ändern. Das methodische Gleichgewicht ist sehr allgemein gehalten und ist in der Ökonomie universell einsetzbar.
• Das theoretische Gleichgewicht
Dieser Gleichgewichtsbegriff bezeichnet den Normalfall auf einem Markt. Ein Markt befindet sich im Gleichgewicht, wenn Angebot und Nachfrage übereinstimmen.
9 Vgl. Hildmann, Gabriele: Makroökonomie, 1997, S. 3-4
10 Vgl. Fuhrmann, Wilfried: Makroökonomik, 1991, S. 3
11 Vgl. Hildmann, Gabriele: Makroökonomie, 1997, S. 4
12 Vgl. Felderer, Bernhard / Homburg, Stefan: Makroökonomik, 2003, S. 16
13 Vgl. Blümle, Gerold / Patzig, Wolfgang: Grundzüge Makro, 2000, S. 156
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 3
Die Abbildung 1 zeigt das Marktgleichgewicht. Der Gleichgewichtspreis ergibt sich, wenn Angebots- und Nachfragemenge gleich sind. Dieser Schnittpunkt wird als Markträumung bezeichnet. 14
Abbildung 1: Marktgleichgewicht
Quelle: www.schepart.ch/mho/Economy/Wirtschaftstheorien/Marktgleichgewicht.gif
Die Beziehung zwischen der nachgefragten Menge und den Preisen ist die Nachfragefunktion, zwischen der Menge und dem Preis besteht eine Abhängigkeit. Die Angebotsfunktion gibt an, welche Mengen die Anbieter beim jeweiligen Preis anbieten. Je höher der Preis ist, desto mehr bieten sie an. 15 • Das normative Gleichgewicht
Im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz wurde dem gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht normative Bedeutung gegeben. In diesem Gesetz werden die vier wirtschaftspolitischen Ziele Stabilität des Preisniveaus, hoher Beschäftigungsgrad, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und angemessenes definiert. 16 und stetiges Wirtschaftswachstum Der normative
Gleichgewichtszustand beschreibt einen wünschenswerten Zustand. Wirtschaftspolitische Maßnahmen sind so zu treffen, dass die im Stabilitätsgesetz von 1967 genannten Ziele erreicht werden. 17
14 Vgl. Felderer, Bernhard / Homburg, Stefan: Makroökonomik, 2003, S. 10
15 Vgl. Schengber & Friends: Keyfacts - Volkswirtschaftslehre, 2005, S. 1
16 Vgl. Felderer, Bernhard / Homburg, Stefan: Makroökonomik, 2003, S. 11
17 Vgl. Blümle, Gerold / Patzig, Wolfgang: Grundzüge Makro, 2000, S. 160
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 4
oll ein Gleichgewicht ökonomische Bedeutung haben, so muss es stabil sein. Bei S
einem stabilen Gleichgewicht bewirken innere Kräfte eine Rückkehr zum Gleichgewichtszustand, falls eine äußere Störung auftritt. 18 Indifferent ist ein Gleichgewicht, wenn es nach einer einmaligen Störung einen anderen gleichgewichtigen Zustand einnimmt. Andernfalls ist es labil, es erreicht kein neues Gleichgewicht mehr. 19 Mit Hilfe von Analysetechniken sollen die Existenz des Gleichgewichts (statische und komparativ-statische Analyse) und die Stabilität des Gleichgewichts geklärt werden (dynamische Analyse). 20 Bei statischen Analysen beziehen sich alle Variablen auf denselben Zeitpunkt, bei komparativ-statische (oder vergleichend-statischen) Analysen beziehen sich die veränderlichen Größen auf mehrere verschiedene Zeitpunkte. 21 Dessen Stabilität zeigt, ob ein Gleichgewicht existiert. Ob es stabil ist zeigt erst die dynamische Betrachtung. 22
.4 Partial- versus Totalanalyse 2
scheiden sich in ihrer Betrachtungsweise. 23 Die Partial- und die Totalanalyse unter
Beim Totalmodell werden alle relevanten und miteinander verbundene Märkte (Gütermarkt, Wertpapiermarkt und Arbeitsmarkt) 24 und ökonomischen Transaktionen analysiert. Der Markt bildet die Gesamtheit der Angebots- und Nachfragesituation ab. Im Gegensatz dazu wird im Partialmodell nur ein Ausschnitt der Volkswirtschaft betrachtet. Interdependenzen werden nicht in die Untersuchungen einbezogen. Auch hier wird wieder die Ceteris-Paribus-Klausel genutzt. 25
.5 Gegenstand der Makroökonomie 2
iden Gebiete Mikroökonomie und Die Volkswirtschaftslehre wird in die be
Markoökonomie unterteilt. Ausgangspunkt der Mikroökonomie ist das einzelne Wirtschaftsobjekt, welches Entscheidungen zu treffen hat. Von der Einzelentscheidung aus soll das Geschehen insgesamt erklärt werden. 26
18 Vgl. Felderer, Bernhard / Homburg, Stefan: Makroökonomik, 2003, S. 12-13
19 Vgl. Blümle, Gerold / Patzig, Wolfgang: Grundzüge Makro, 2000, S. 162-163
20 Vgl. Heubens, Jürgen: Grundlagen Makroökonomie, 1996, S. 13
21 Vgl. Felderer, Bernhard / Homburg, Stefan: Makroökonomik, 200 3, S.14
22 Vgl. Heubens, Jürgen: Grundlagen Makroökonomie, 1996, S. 20
23 Vgl. Felderer, Bernhard / Homburg, Stefan: Makroökonomik, 200 3, S.16
24 Vgl. Michler. Albrecht F.: Makroökonomik, 1999, S. 9
25 Vgl. Fuhrmann, Wilfried: Makroökonomik, 1991, S. 2-3
26 Vgl. Felderer, Bernhard / Homburg, Stefan: Makroökonom ik, 2003, S. 18
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 5
arktkräfte Die Mikroökonomie befasst sich mit der optimalen Faktorallokation. Die M ollen die Produktionsfaktoren so lenken, dass eine maximale Bedürfnisbefriedigung s
der Haushalte erreicht wird. Im Allgemeinen wird ein repräsentativer Markt betrachtet und es wird eine partial-analytische Untersuchung durchgeführt, bei den Interdependenzen zwischen dem betrachteten und anderen Märkten vernachlässigt werden (Cetris-Paribus-Klausel). 27
Die Makroökonomik ist die Lehre von den gesamtwirtschaftlichen Größen, wie zum , die Arbeitslosigkeit, das Preisniveau, das Beispiel das Produktionspotential
Volkseinkommen, das Wirtschaftswachstum und die Konjunktur. Im Mittelpunkt der Makroökonomie stehen Fragen der Entstehung, der Verteilung und Veränderung des gesamtwirtschaftlichen Einkommens. Für makroökonomische Untersuchungen besteht das prinzipielle Problem darin, dass gesamtwirtschaftliche Prozesse stets aus unzählbar vielen Aktionen und Reaktionen resultieren. Um sie dennoch einer Analyse zugänglich zu machen, werden diese Größen aggregiert, also zusammengefasst. 28 Eine Möglichkeit der Aggregation ist die Unterstellung, dass es vier verschiedene Gruppen von Wirtschaftssubjekten auf dem Markt gibt. Entsprechend lässt sich die Modellvolkswirtschaft in diese vier Sektoren aufteilen:
• Private Haushalte
• Unternehmungen
• Staat und
• Ausland 29
Mikro- und Makroökonomie unterscheiden sich hinsichtlich des Gegenstandes der nalyse. Es handelt sich aber nicht um verschiedene oder konkurrierende Theorien. A
Da sich die Makroökonomie mit aggregierten Größen beschäftigt, wird sie zur wichtigsten theoretischen Grundlage der Wirtschaftspolitik. 30
27 Vgl. Heubens, Jürgen: Grundlagen Makroökonomie, 1996, S. 5
28 Vgl. Rettig, Rolf: Makro-Theorie, 1999, S. 2
29 Vgl. Fuhrmann, Wilfried: Makroökonomik, 1991, S. 9
30 Vgl. Görgens, Egon: Grundzüge Makroökonomie, 1994, S. 2
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 6
.6 Das Stabilitätsgesetz 2
olitik ist die Maximierung der gesellschaftlichen Das Oberziel der Wirtschaftsp Wohlfahrt. Die wirtschaftspolitischen Ziele sind:
• Stabilität des Preisniveaus
• Hoher Beschäftigungsgrad
• Außenwirtschaftliches Gleichg ewicht und
• Stetiges und angemessenes Wirtschaftswa chstum
Auf ie örderung der Stabilität und d se vier Ziele verpflichtet der §1 des Gesetzes zur F des Wachstums der Wirtschaft von 1967 (kurz Stabilitätsgesetz) den Bund und die Länder. Sie sollen mit ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen dazu beitragen, die Ziele im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung zu erreichen. Da es aber keine objektiv messbaren Ziele, wie zum Beispiel Preisniveaustabilität, gibt droht das Gesetz der Politik auch keine Strafen an. 31
.6.1 Stabilität des Preisniveaus 2
das durchschnittliche Preisniveau der deutschen Die Abbildung 2 zeigt das Maß für
Volkswirtschaft, den Preisindex der Lebenshaltung. 32 Dieser Index wird vom Statistischen Bundesamt heute nicht mehr berechnet. Er wurde durch den Verbraucherpreisindex, der sich vollkommen analog zum Preisindex für die Lebenshaltung interpretieren lässt abgelöst. Die Entwicklung des
Verbraucherpreisindex ist für Deutschland seit 1991 ausgewiesen. Die prozentuale Veränderung des Verbraucherpreisindex von Jahr zu Jahr nennt man Inflationsrate, deren Verlauf in Abbildung 3 dargestellt ist. 33
31 Vgl. Erke, Burkhard: Grundlagen moderner Makroökonomie, 2002, S. 10
32 Vgl. Erke, Burkhard: Grundlagen moderner Makroökonomie, 2002, S. 13
33 Vgl. o.V.: Makro-Online, 2005
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 7
Abbildung 2: Preisindex für die Lebenshaltung
.de/maframe1024.htm Quelle: Statistisches Bundesamt, www.makroo
Abbildung 3: Inflationsrate
www.makroo.de/maframe1024.htm Quelle: Statistisches Bundesamt,
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 8
2.6.2 Hoher Beschäftigungsgrad
Die Beschäftigungssituation wird üblicherweise mit Hilfe der Arbeitslosenquote gemessen. 34 Das Ziel eines hohen Beschäftigungsgrades kann man daher indirekt mit der Arbeitslosenquote messen. Abbildung 4 des Statistischen Bundesamtes zeigt ihre langfristige Entwicklung. Auf die verschiedenen Ansätze (Klassische Schule um Adam Smith und Keynesianische Schule) zur Verringerung der Arbeitslosigkeit gehe ich im Rahmen dieser Hausarbeit noch ein. 35
Abbildung 4: Arbeitslosenquote
Quelle: Statistisches Bundesamt, www.makroo.de/maframe1024.htm
34 Heubens, Jürgen: Grundlagen Makroökonomie, 1996, S. 169
35 Vgl. Erke, Burkhard: Grundlagen moderner Makroökonomie, 2002, S. 13-14
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 9
2.6.3 Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
Außenwirtschaftliches Gleichgewicht liegt vor, wenn über mehrere Jahre hinweg der Zufluss an Gold und Devisen aus dem Ausland dem Abfluss an das Ausland entspricht. Der gesamte Zahlungsverkehr wird in der Zahlungsbilanz rechnerisch erfasst. Ungleichgewichte in den Außenbeziehungen könnten sich negativ auf das Beschäftigungs-, das Wachstums- und das Preisniveauziel auswirken und können zur Inflation führen. 36
Die Abbildung 5 zeigt die Leistungsbilanz, eine Teilbilanz der Zahlungsbilanz. 37
Abbildung 5: Leistungsbilanz
Quelle: Statistisches Bundesamt, www.makroo.de/maframe1024.htm
2.6.4 Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum
Das Ziel ist eine stetige Entwicklung der Wirtschaft ohne die Entstehung von Ungleichgewichten. 38 Das Wirtschaftswachstum wird mit Hilfe der Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) gemessen. Die Abbildung 6 zeigt die langfristige Entwicklung des realen BIP in Deutschland in blau. In grün ist die jährliche Veränderungsrate in Prozent dargestellt.
36 Vgl. Gönner, K. / Lind, S. / Weis, H.: Allgemeine Wirtschaftslehre, 1997, S. 423-424
37 Vgl. o.V.: Makro-Online, 2005
38 Vgl. Hildmann, Gabriele: Makroökonomie, 1997, S. 9
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 10
Seit Anfang der 90er-Jahre lagen die Wachstumsraten unter der Drei-Prozent-Marke, das Ziel der Bundesregierung sind vier Prozent. 39
Abbildung 6: BIP und Wachstumsrate
Quelle: www.makroo.de/maframe1024.htm
2.6.5 Zielkonflikte
Die Ziele des Stabilitätsgesetzes (magisches Viereck) stehen in
Wechselbeziehungen zueinander. Es gibt Fälle in denen Maßnahmen zur Zielerreichung des einen Ziels auch bei einer anderen Komponente zur Verbesserung führen. Zum Beispiel Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Durch die Interdependenzen kann es aber auch zu Zielkonflikten kommen. Es ist schwierig gleichzeitig die Ziele Preisniveaustabilität und einen hohen Beschäftigungsgrad zu erreichen. 40 Das Dilemma, mehr Beschäftigung nur durch Inkaufnahme höherer Inflationsraten erreichen zu können, ist unter dem Schlagwort Phillips-Kurve bekannt. 41
39 Vgl. Gönner, K. / Lind, S. / Weis, H.: Allgemeine Wirtschaftslehre, 1997, S. 424
40 Vgl. Hildmann, Gabriele: Makroökonomie, 1997, S. 10
41 Vgl. Gönner, K. / Lind, S. / Weis, H.: Allgemeine Wirtschaftslehre, 1997, S. 425
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 11
Die ursprüngliche Phillips-Kurve von 1958 (Abbildung 7) geht auf den englischen Ökonometriker Alban William Phillips (1914 - 1975) zurück. Er zeigte, dass die Lohnentwicklung und die Arbeitslosigkeit in einem Zusammenhang stehen. Dafür führte er zwischen 1861 und 1957 empirische Untersuchungen in Großbritannien durch. Die Löhne steigen tendenziell wenn die Arbeitslosigkeit niedrig ist und sie fallen bei hoher Arbeitslosigkeit. 42 Daraus entstand die mehrfach modifizierte (etwa von Paul Samuelson) heute übliche Form der Kurve. Diese Phillips-Kurve (Abbildung 8) zeigt den Zusammenhang zwischen der Inflationsrate und der Arbeitslosenquote. NAIRU steht für „non accelerating inflation rate of unemployment“. 43 Diese Rate gibt jene Arbeitslosenquote an, die mit dem Ziel der Preisniveaustabilität am besten vereinbar ist, da auf dem Arbeitsmarkt keine Knappheiten auftreten. 44
Abbildung 7: Ursprüngliche Phillips-Kurve
Quelle: www.wikipedia.org/wiki/Phillips-Kurve
Abbildung 8: Modifizierte Phillips-Kurve
Quelle: www.wikipedia.org/wiki/Phillips-Kurve
42 Vgl. Samuelson, Paul A./Nordhaus, William D.: Volkswirtschaftslehre, 1998, S. 677
43 Vgl. Hein, Eckhard / Heise, Arne / Truger, Achim: Neu-Keynesianismus, 2003, S. 56
44 Vgl. Schengber & Friends: Keyfacts - Wirtschaftspolitik, 2005, S. 1
Makroökonomie und Neue Makroökonomie - Hendrik Wilhelm 12
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