Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
Die alte Frauenbewegung 5
Die Entdeckung der Frauenfrage und die Entstehung der 1 Frauenbewegung 5
Errungenschaften der alten Frauenbewegung 6
Rückschlag für die 1 Frauenbewegung 7
Die neue Frauenbewegung 8
Die Entstehung der neuen Frauenbewegung und die erste Phase 8
Die zweite Phase der Frauenbewegung: Selbsterfahrungs und Theoriegruppen
11
Die dritte Phase der Frauenbewegung: Feministische Projekte 13
Die vierte Phase der Frauenbewegung: Zunehmende Institutionalisierung und
die Gegenwart 15
Fazit 18
Literaturverzeichnis: 20
3
Die Frauenbewegung
Einleitung
Vor über 100 Jahren war die Rolle der Frau klar definiert. Beispielsweise in der bürgerlichen Familie war sie für die „Innenwelt“ zuständig, also für Familie, Kin- dererziehung und häusliche Gemütlichkeit. Dem Mann dagegen wurde die Rolle des Ernährers zugeschrieben. 1 Dieses Bild der dienenden Frau spiegelte sich auch in den Bildungszielen für Mädchen in der damaligen Zeit wieder. Die Haupt- versammlung von Dirigenten und Lehrenden der höheren Mädchenschulen defi- nierten folgendes Ziel:
„Es gilt dem Weibe eine der Geistesbildung des Mannes in der Allgemeinheit der Art und der Interessen ebenbürtige Bildung zu ermöglichen, damit der deutsche Mann nicht durch die geistige Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit seiner Frau an dem häuslichen Herde gelangweilt und in seiner Hingabe an höhere Interessen gelähmt werde“. 2
Ende des 20. Jahrhunderts wurde in einer Umfrage versucht zu ermitteln, ob sich die traditionelle Frauenrolle verändert hat, das heißt bleibt sie primär zu Hause und kümmert sich um die Kindererziehung, den Haushalt oder aber stellt sie ihre eigenen Karrierebedürfnisse in den Vordergrund ? Bei dieser Befragung wurden Personen ab 18 Jahren folgender Satz zur Beurteilung gegeben: „Für eine Frau ist es wichtiger, ihrem Mann bei seiner Karriere zu helfen, als selbst Karriere zu ma- chen.“ 3 1982 stimmten in Westdeutschland 52 % der Befragten dieser Aussage zu. Im Jahr 2000 verändert sich das Bild, nur noch 32 % bejahten dies. In beiden Jahren sind keine markanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern erkenn- bar. 4
1 vgl. Geißler: Die Sozialstruktur Deutschlands; S. 45
2 Bäumer und Lange: Handbuch der Frauenbewegung; S. 64f
3 Datenreport 2002, S. 538
4 vgl. Datenreport 2002, S. 538
4
Somit stellt sich die Frage, was die Frauenbewegung bewirkt hat und ob es diese Bewegung im 21. Jahrhundert noch gibt.
Die alte Frauenbewegung
Die Anfänge dieser Bewegung sind Mitte des 19. Jahrhunderts zu sehen, obwohl der Gedanke des Feminismus älter ist 5 . In der Französischen Revolution wurde die Forderung nach Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit laut, und dies ist als Ursprung und Hoffnung der entstehenden Frauenbewegungen in ganz Europa zu sehen. 6
Die Entdeckung der Frauenfrage und die Entstehung der
1. Frauenbewegung
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Frauenfrage in gebildeten Kreisen diskutiert, aufgrund von Schriften von sozialen Utopisten wie St. Simon und Fou- rier. Eine Frau, die sich in der Phase des Vormärzes spezifischen Frauenproble- men zuwandte war Louise Otto (später Otto-Peters, 1819-1895). Sie war eine der Gründerinnen der deutschen Frauenbewegung, aber auch eine große Kritikerin der einzelnen Strömungen. 7 In ihrer 1849 gegründeten Zeitschrift „Frauen-Zeitung“ teilt Frau Otto die „Genos- sinnen“ 8 in vier Kategorien ein:
„ 1) Die Forcierten oder Gemachten, die, in Äußerlichkeiten sich gefallend, vor allen Dingen Aufsehen erregen wollen.
2) Die Isolierten oder Zurückgezogenen, das offenbare Gegenstück von jenen,
wirken sie doch nur da, wo sie sicher sind, nicht bemerkt zu werden.
5 vgl. Schenk: Die feministische Herausforderung; S. 22 und 23
6 vgl. Hervé: Geschichte der deutschen Frauenbewegung; S. 15
7 vgl. Holland-Cunz: Die alte neue Frauenfrage; S. 29
8 Gerhard: „Dem Reich der Freiheit werb` ich Bürgerinnen“. Die Frauen-Zeitung von Louise Otto
5
3) Die Frivolen oder Unsittlichen, welche teils die Demokratie zum Deckmantel
eines wüsten Lebens brauchen möchten, teils sogar meinen, zu solchem Le- ben als Demokratinnen berechtigt zu sein.
4) Die Enthusiasmierten oder Begeisterten, die dem Geiste, der sie treibt, folgen
[...]“ 9
Die einzigen Frauen, die dem Bild der Revolution von Frau Otto entsprachen, wa- ren die Begeisterten. 10 In der alten Frauenbewegung existierten unterschiedliche Strömungen. Es lassen sich zwei Hauptbewegungen unterscheiden und zwar die bürgerliche von der pro- letarischen Bewegung.
Der wesentliche Unterschied zwischen beiden ist in der Lösung der Gleichberech- tigung zu sehen. Die bürgerliche Frauenbewegung wollte sie innerhalb der kapita- listischen Ordnung verwirklichen, wohingegen die proletarischen Frauen eine Problemlösung erst im Sozialismus für möglich hielten. 11
Errungenschaften der alten Frauenbewegung
Im Bildungsbereich war die Frauenbewegung wohl am erfolgreichsten. Ab 1896 waren Frauen immerhin als Gasthörerinnen an Universitäten zugelassen. Aber die Bedingungen waren alles andere als leicht. Um als Gasthörerin über- haupt zugelassen zu werden, benötigten die Frauen die Genehmigung des Kul- tusministers, des Rektors der Universität und des jeweiligen Professors. 12 1908 wurde offiziell das Mädchenschulwesen neu geregelt, das heißt die 13jährige Schulzeit wurde festgeschrieben. Außerdem gab es einen Zweig der zum Abitur führte und somit zur Immatrikulation berechtigte.
Die Aufhebung des Vereinsgesetzes im Jahre 1908 ist als eine weitere Errungen- schaft zu sehen.
9 Gerhard: „Dem Reich der Freiheit werb` ich Bürgerinnen“. Die Frauen-Zeitung von Louise Otto
10 vgl. Holland-Cunz: Die alte neue Frauenfrage; S. 29
11 vgl. Hervé: Geschichte der deutschen Frauenbewegung; S. 34
12 vgl. . Schenk: Die feministische Herausforderung; S. 29
6
In dieser Vereinsgesetzgebung ist folgendes vermerkt: „Politischen Vereinen ist die Aufnahme von Frauenpersonen, Schülern und Lehr- lingen verboten. Auch dürfen solche Personen nicht an Versammlungen und Sit- zungen teilnehmen, bei denen politische Gegenstände verhandelt werden“. 13 Dies bedeutete, dass erst mit der Aufhebung dieses Gesetzes Frauen die Mög- lichkeit gegeben wurde sich offiziell aktiv in Vereinen und Parteien politisch zu en- gagieren.
Ein weiterer Meilenstein ist natürlich auch das Frauenwahlrecht. In die Weimarer Verfassung wurde dies 1918 aufgenommen.
Des weiteren kann die Frauenbewegung viele kleine Errungenschaften verzeich- nen. Denn durch sie war es erst möglich auch etwas prekäre Themen anzuspre- chen, wie beispielsweise die Doppelmoral der Männer in bezug auf die Prostituti- on.
Rückschlag für die 1. Frauenbewegung
Durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg gerieten die bisherigen Fortschritte des Gleichstellungskampfes wieder in den Hintergrund. Denn die „Na- tionalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei“ (NSDAP) verstand sich als reiner Männerbund.
Sämtliche Frauenorganisationen egal, ob sie sozialkaritativer, beruflicher oder po- litischer Natur waren, wurden nach der Machtergreifung aufgefordert sich aufzulö- sen oder sich der NS-Frauenschaft anzuschließen. 14 Unter der Lösung der Frau- enfrage wurde nun etwas anderes verstanden: „Wir wollen unser Frauenrecht, wir wollen Gattinnen und Mütter werden. Emanzipation von der Frauenemanzipation ist die erste Frauenaufgabe im Dritten Reich“. 15 Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Frauen vor allem zum Wiederaufbau be- nötigt. Für Emanzipationsdiskussionen war in dieser Zeit vorerst kein Platz.
13 Zahn-Harnack,: Die Frauenbewegung; S. 726f
14 vgl. . Schenk: Die feministische Herausforderung; S. 69
7
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Saskia Tremmel, 2004, Die Frauenbewegung - ihre Erfolge und die Frage nach ihrer Existenz im 21. Jahrhundert, Munich, GRIN Publishing GmbH
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