Zurück zu den Archetypen:
Konkrete archetypische Symbole - den assoziativen Rattenschwanz, der dranhängt, mag jeder selbst ermessen - sind neben Raub- und anderen Tieren, Götter und Göttinnen, Helden und Heldinnen, Riesen und Kobolde, Dämonen und Drachen, Engel und Elfen, Hexen und Heilige, Amazonen und Walküren, Zauberer und Zwerge.
Ein ganz besonderer, weil hochgradig ambivalenter Archetypus, ist die Schlange. Als sich selbst in den Schwanz beißende Uroboros steht sie für den ewigen Kreislauf von Leben und Tod. Als zweiköpfige Ometechtli symbolisiert sie in der aztekischen Mythologie einen allwissenden Gott jenseits von Zeit und Raum, der sowohl männlich wie weiblich oder keines von beidem und somit die perfekte Verkörperung der gegensätzlichen Kräfte Chaos und Ordnung, Gut und Böse, Licht und Dunkelheit, Bewegung und Ruhe war. Darüber hinaus hat Schlange immer auch etwas Unberechenbar-gefährliches und zugleich Magischfaszinierendes. Vom Bisexuellen ganz abgesehen.
Archetypen tummeln sich in Märchen, Sagen und Legenden, die die Alten den Jungen erzählen und diese, wenn sie älter sind, ... und die so zum Weltkulturerbe werden.
Archetypen aller Art geistern in zeitgemäßem Outfit auch durch die nationale und internationale Werbekommunikation. Wurde der Gardinen-Gilb nicht als böser Kobold dargestellt, der nur mit dato exorziert werden konnte? War Palmolive-Tilli nicht eine aktuelle Reinkarnation der guten alten Kräuterhexe, die den Menschen m it allerlei wohltuenden Tinkturen und Elixieren zu Leibe rückte? Sind Meister Proper und Weißer Riese nicht postmoderne Dschinns, die durch okkulte Zauberkräfte WC, Wäsche und Weib zum Strahlen bringen? Verkörpert die nackte Fa-Schönheit nicht die schaumgeborene Liebesgöttin Aphrodite? Ist Robert T-Online nicht der digitale Urenkel von Jung-Siegfried, dem blauäugigblonden Helden aus der Nibelungensage?
Magie durchzieht unser Denken wie eine Droge die Venen, und weil das so ist, plotten erfolgshungrige Romanschriftsteller und Drehbuchautoren gerne mit archetypischen Wertungsdifferenzen wie schön/hässlich, männlich/weiblich, heroisch/ängstlich,
mächtig/machtlos, stark/schwach, riesig/winzig, göttlich/teuflisch, adelig/bürgerlich, fremdartig/vertraut, gut/böse. Denken Sie an Sir Arthur Conan Doyle’s „Sherlock Holmes“ und seinen maliziösen Widersacher Prof. Moriaty, oder an Ian Flemming’s „007“, der stets mit hochintelligenten, aber psychopathologischen Persönlichkeiten zu kämpfen hat, die kraft exorbitanter Fähigkeiten und elephantösem Techno-Gedöns die ganze Welt bedrohen und am Ende des Films in einem bombastischen Showdown ihren angemessenen Abgang haben, oder an Robert Louis Stevenson’s Schauerroman „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“, in dem der Gut-Böse-Plot durch eine schizophrene Person dramatisiert wird.
Während Jekyll den ethisch-moralisch vorbildlichen Kybernetes mimt, verkörpert Hyde das dämonische ES, das unheimliche Unbewusste, in dem bekanntlich allerlei absonderliche Elemente und finstere Gestalten ihr Unwesen treiben, die zwar hinter Schloss und Riegel gehalten und strengstens bewacht werden, zuweilen aber ausbrechen und die Führung übernehmen. Das passiert bei jedem von uns jede Nacht ohne irgendwelche Konsequenzen, im Traum nämlich, und mit oftmals gravierenden Folgen unter Alkoholeinfluss, wenn der kybernetische Steuermann nicht mehr steuern kann. Andererseits heißt es, der wahre Charakter eines Menschen zeige sich erst ab einem bestimmten Blut-Alkoholwert.
Lückenkonfiguriertes Bewusstsein
Unbewusste Elemente erklären eo ipso die vermeintlichen Diskontinuitäten und Sprünge in unserem bewussten Erleben. Wenn aktuelle Bewusstseinsinhalte in keinem ersichtlichen Zusammenhang stehen mit dem, was zuvor in uns vorging, liegt das daran, dass sie mit unbewussten Vorgängen und Fakten verknüpft sind. Unser Bewusstsein ist
Arbeit zitieren:
Dr. Volker Halstenberg, 2006, Über Kobolde in Gardinen und Lämmer, die schweigen - Was Sie schon immer über Archetypen und das unheimliche Unbewusste wissen wollten, München, GRIN Verlag GmbH
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