Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.Katoegorisierungskriterien/ Kriterien der Kategorisierung
2. Kritik an der Schulgrammatik
2.1 Problemfälle der Schulgrammatik
2.2 Kritik von Hans Glinz
3. Ein Neuansatz - fünf Wortarten
3.1 Die Fünf-Wortartenlehre
3.2 Kritik
3.3 Attraktivität des Fünf- Wortartensystems
4.Gleiche Anzahl, andere Klassifikation - Die Glinz sche Satzgliedlehre
4.1 Verbale Teile
4.2 Größen
4.3 Angaben
4.4 Gliedteile
4.5 Fügeteile
4.6 Inhaltsbezogene Tendenzen
5. Praktische Anwendbarkeit im Unterricht
6. Zusammenfassung
Literatur
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Einleitung
Die Bestimmung von Satzgliedern und Wortarten bereitet sowohl Schülern als auch Studenten immer wieder Probleme. Im Wesentlichen erlernen sie die Analyse und Zuordnung von Wortarten und Satzgliedern durch die Schulgrammatik (bzw. nach Becker). Diese ist aber in einigen Fällen häufig unübersichtlich und schwer nachvollziehbar. Der Hauptkritikpunkt bei den Wortarten ist die Uneinheitlichkeit und die Inkonsequenz der Einteilungskriterien. Jene führen oft zu Problemen bei der Erfassung der Wortarten. Die richtige Bestimmung der Satzglieder dagegen bereitet weniger Schwierigkeiten durch die Inkonsequenz einzelner Kennzeichnungen, sondern vielmehr durch die Vielzahl von Satzgliedarten und Sonderformen. Darüber hinaus werden häufig Satzgliedbestimmung und
Wortartenabgrenzung verwechselt.
Es ist natürlich bekannt, dass es kein Wortartensystem gibt, das sich nur auf eines der drei Kriterien (semantisch, syntaktisch oder morphologisch) beschränkt. Die Frage, ob die Schwierigkeit bei der richtigen Bestimmung in den Unterscheidungsmerkmalen liegt, möchte ich in meinen Ausführungen nur bedingt betrachten.
Die Schulgrammatik mit ihrem lateinischen Begriffsapparat und ihrer Uneinheitlichkeit der Kriterien zur genaueren Abgrenzung veranlasste viele Kritiker, neue Modelle zu entwickeln, welche von einer größeren Einheitlichkeit und Vereinfachungen geprägt waren. In meiner Seminararbeit „Wortarten und Satzglieder nach Hans Glinz - neue Impulse für den Deutschunterricht“ konzentriere ich mich auf einen Hauptkritiker der Schulgrammatik - Hans Glinz. Nach einer Vorstellung seines modifizierten Wortartensystems und seiner Überarbeitung der Satzgliedlehre werde ich seine Erarbeitungen kritisch diskutieren und in Hinblick auf die praktische Umsetzbarkeit im Deutschunterricht untersuchen.
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Zunächst betrachte ich aber die grundlegenden Kategorien zur Wortarteneinteilung, die allgemeine Beurteilung an der Schulgrammatik mit ausgewählten Problemfällen und schließlich erläutere ich kurz die Kritik von Hans Glinz an der Schulgrammatik. In meiner Darstellung lege ich den Schwerpunkt auf das „Fünf- Wortartensystem“ nach Glinz. Was könnte dieses System für Schüler interessant machen? Worin liegen seine Vorzüge aber auch Nachteile? Warum setzte sich diese neue Satzgliedlehre nicht durch? Ich behaupte, dass die Glinz`sche Wort- und Satzgliedklassifizierung im Schulalltag nur bedingt Anwendung finden kann. Diese These greife ich im Laufe meiner Betrachtungen auf und versuche, sie vor allem im Zusammenhang auf die praktische Umsetzbarkeit zu bestätigen.
In meiner Darstellung stütze ich mich vor allem auf die Erarbeitungen von Hans Glinz „Die innere Form des Deutschen. Eine neue Grammatik“ 1 sowie auf Diskussionen in einzelnen Grammatiken, welche die Neuansätze Glinz` kritisch reflektieren. Die Forschungslage zum Gegenstand ist als recht gut einzuschätzen. Der Gr ammatiker Glinz entwickelte seine Theorien bis in die 1980er Jahre permanent weiter. Diese werden seit jeher von verschiedenen Grammatiktheoretikern diskutiert und einige Ergebnisse in anderen Systemen verarbeitet. 2
Zudem findet sich sein Wortartensystem i n einigen Schulbüchern als Alternative zur traditionellen Schulgrammatik.
Die genaue Position in Hinblick auf die theoretische Grundlage von Hans Glinz ist zunächst jedoch uneindeutig. Erst in den 80er Jahren bekannte er sich stärker zur inhaltsbezogenen Grammatik, was sich dann auch in Terminologien u. ä. niederschlug. Bei meinen Betrachtungen stelle ich die Schulgrammatik mit ihren zehn Wortarten und ihrer Satzgliedklassifikation nicht gesondert vor. Vielmehr soll in Hinblick auf die Schulgrammatik die Kategorisierung näher erläutert werden, da hier größten Berührungspunkte zu anderen Grammatiken liegen.
1 H. Glinz, Die innere Form des Deutschen. Eine neue Grammatik, 1973.
2 Vgl. dazu Linke/ Nussbaumer, S. 88- 89 (Modell).
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1. Kategorisierungskriterien
Wortartensysteme klassifizieren Wörter nach einem bestimmten Kategorienmuster und legen dabei den Schwerpunkt auf eine Kategorie. Dieses Kennzeichen wird in der Regel auch bis zur letzten Wortart durchgehalten. Eine Ausnahme bildet in diesem Falle die Schulgrammatik, da es hier zu einem Überschneiden von Kriterien kommt, was die Zuordnung gerade für Anfänger im Umgang mit der Grammatik häufig erschwert. Grundlegend lassen sich drei Hauptpunkte ausmachen, nach denen klassifiziert wird.
Als erstes ist das semantische Kriterium anzuführen: Bei diesem wird nach der grundlegenden lexikalischen Bedeutung eines Wortes gefragt bzw. danach eingeteilt. Daher wird oftmals auch eine Übersetzung des gängigen lateinischen Terminus vorgenommen, z. B. der Artikel wird in semantisch orientierten Darstellungen als Geschlechtswort bezeichnet. Vorwiegend ist die Schulgrammatik nach dem semantischen Prinzip strukturiert. Sommerfeldt/ Starke führen in diesem Zusammenhang schon erste Einschränkungen an, da die Aufteilung nach diesem Kriterium „eine übergreifende kategoriale Bedeutung“ 3 nicht zulässt. Ein weiteres Einteilungskriterium ist das morphologische Kriterium. Hierbei handelt es sich um eine stärkere grammatikalische Klassifikation. Die Einteilung der Wörter richtet sich danach, inwieweit ein Wort flektierbar ist. Nach diesem Prinzip lässt sich prüfen, wie bzw. durch welche Umstände sich ein Wort verändert: Es wird zwischen Deklinierbarkeit (Substantive, Artikel, Adjektive, Pronomen), Konjugierbarkeit (Verben) und Komparierbarkeit (Adjektive) unterschieden. Aus meiner Sicht ist die Orientierung an diese r Einteilung wesentlich genauer als die nach dem semantischen Kriterium. Die Grenzen zeigen sich jedoch erneut in der Vielfalt des deutschen Wortschatzes. Eine Reihe von Wörtern ist unflektierbar und lässt sich durch das morphologische Kriterium nur noch als Restgruppe (nicht flektierbar) erfassen. Diese Teilmenge kann durch dieses Prinzip nicht näher unterteilt oder differenziert werden. 4
3 Sommerfeldt/ Starke, S. 43.
4 Ebenda, S. 44.
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Das letzte größere Kriterium 5 zur Einteilung der Wörter ist das syntaktische Prinzip. Die Position und bestimmte syntaktische Kennzeichen eines Wortes werden bestimmt. Darüber hinaus wird untersucht, ob ein Wort eine Kasusforderung stellt oder nicht. Daneben fordern bestimmte Merkmale eine Übereinstimmung/ Kongruenz, damit ein ganzer Satz grammatikalisch richtig ist.
In der Schulgrammatik kommt es zu Überschneidungen von diesen drei Kategorien, da keine konsequent bei der Klassifikation durchgehalten wird. Die Folge davon ist, dass meistens ein Merkmal zur Unterscheidung kaum ausreicht und ein zweites hinzugezogen werden muss. Einige Beispiele für Problemfälle in der Schulgrammatik werde ich im nächsten Kapitel anführen.
An dieser Stelle stellt sich natürlich die Frage, warum überhaupt die Worte klassifiziert werden müssen. In der Schule ist dies zumeist nur eine rein analytische Aufgabe, welche auf den ersten Blick nicht gerade sinnvoll scheint. Dass dies nicht so ist, unterstreicht auch Zifonun in ihrer Darstellung. Durch eine Klassifizierung ist ein Vergleich von Sp rachen möglich und zudem können Universalien festgestellt werden. 6 Weiterhin ist ein geübter Umgang sowohl mit der Klassifizierung als auch mit dem Begriffsrepertoire für das Erlernen einer Fremdsprache unerlässlich. Gerade wenn es darum geht, Wortstellungen zu beherrschen, erweisen sich Kenntnisse bei der Wortklassifikation als äußerst nützlich.
2. Kritik an der Schulgrammatik
Die deutsche Schulgrammatik geht bei der Einteilung der Wortarten vorwiegend nach dem semantischen Kriterium vor. Für viele weit ere Theorien gibt sie den Begriffsapparat vor und liefert bis heute die Grundlagen für den Muttersprachunterricht.
5 Weitere und weniger gebrauchte Kriterien wären das phonologische Prinzip (Bestimmung nach Akzent)
und der kommunikativ- pragmatische Aspekt (Bestimmung der Wörter nach Beziehung zur
Redesituation).
6 Zifonun, Grammatik der deutschen Sprache, Bd.1, S. 21-22.
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Zehn Wortarten liegen dem traditionellen Wortartensystem zu Grunde: Substantiv, Verb, Adjektiv, Artikel, Pronomen, Adverb, Präposition, Konjunktion, Numerale und Interjektion. Die Schulgrammatik orientiert sich bei der Einteilung bzw. der Klassifizierung der Wortarten vorwiegend an semantischen Kriterien. Daher können Wörter zumeist losgelöst betrachtet werden. In der Sprache wird die Wirklichkeit widergespiegelt, daher werden semantische Merkmale in der Schulgrammatik bevorzugt und diese helfen besonders Kindern, die Wortarten schnell zu erfassen.
Neben dem semantischen Kennzeichen werden aber auch morphologische und syntaktische Kriterien benutzt, um die Wortarten zu bestimmen. Hier ist auch das Hauptproblem der Schulgrammatik. Die Anwendung der drei Kriterien ist zumeist inkonsequent und uneinheitlich. 7
Peter Eisenberg hält die Frage nach der Anzahl, wie viele Wortarten es gäbe, für sinnlos. Er führt einige Beispiele an, die zeigen, dass es im System der Schulgrammatik häufig zu Unregelmäßigkeiten kommt. So werde beispielsweise zwischen Pronomina und dem Artikel unterschieden, nicht aber zwischen Verb und Hilfsverb. Darüber hinaus macht Eisenb erg deutlich, dass es bei den Wortarten zahlreiche Untergruppen gäbe, die nicht eine eigene Wortart darstellen, obwohl sie von den eigentlichen Bestimmungsnormen abweichen. 8 Bei den Diskussionen zur Schulgrammatik fällt mir indes auf, dass sich die Kritik hauptsächlich auf den Begriffsapparat und die Klassifikation der Wortarten bezieht. Der Bereich der Satzglieder wird hierbei oftmals ausgeklammert und von Theoretikern nicht so stark diskutiert. So auch bei Leo Weisgerber, welcher für den Bereich der inhaltsbezogenen Grammatik steht: Er kritisiert die Schulgrammatik besonders in Hinblick auf die Systemstarrheit und bemängelt, dass diese Grammatik als geschlossenes System betrachtet wird und Neuerungen kaum zulässt. 9
7 Sommerfeldt/ Starke 1998, S. 45.
8 Eisenberg bezieht sich hier besonders auf die Konjunktionen. Sie stellen nur eine Wortart dar, werden
aber noch subklassifiziert. Eisenberg 1994, S. 42- 43.
9 L. Weisgerber, Grammatik im Kreuzfeuer, in: Das Ringen um eine neue deutsche Grammatik (S. 4 -20),
hrsg. von Hugo Moser, 1967, S. 5 und 11.
Ebenda, S. 15 - 16.
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Arbeit zitieren:
Thomas Mrotzek, 2005, Das Glinz'sche Wortarten- und Satzgliedsystem im Kontext der Anwendbarkeit im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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