Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 01
2. Die Beziehung zwischen Sprache und Wirklichkeit 02
2.1 Unterscheidung zwischen emotionaler und
propositionaler Sprache 04
2.2 Die drei Phasen des Spracherwerbs 06
3. Die Rolle der Sprache für die soziale Welt 08
4. Die Sprache und der Aufbau des Selbstbewusstseins 08
5. Abschließende Bemerkungen 10
6. Literatur
II
1. Einleitung:
Die 1944 im amerikanischen Exil erschienene Schrift „An Essay on Man“ (zu dt. „Versuch über den Menschen“) 1 von Ernst Cassirer gilt heute als das Schlüsselwerk zum Verständnis seiner Philosophie der symbolischen Formen. In seinem gleichnamigen Hauptwerk beschäftigt sich Cassirer mit der Frage, ob und in welchem Maße der Mensch zu wahren Erkenntnissen über die wirkliche Welt befähigt ist.
Die symbolischen Formen werden von Cassirer als Formen des Weltzuganges verstanden. Jede einzelne, ob Mythos, Religion, Kunst, Sprache, Wissenschaft, etc., ordnet die Welt unter ihre bestimmte Perspektive. Es ist die wichtigste Aufgabe symbolischer Formen eine Synthese, eine ,,Vermittlung" von Selbst und Welt zu leisten. Erst durch die symbolischen Formen erlangt der Mensch einen neuen Zugang zur Welt.
Gemeinsam ist den symbolischen Formen und Zeichen, trotz ihrer augenscheinlichen Verschiedenheit, dass sie zwischen dem Menschen und der Welt vermitteln und dieser Sinn und Bedeutung verleihen. Dabei wird in der Vermittlung und Sinngebung die Welt für den Menschen in einer indirekten Weise erst verständlich.
In der Einleitung zum 1923 erschienenen ersten Band der „Philosophie der symbolischen Formen“ formuliert Cassirer sein Anliegen wie folgt: „Neben der reinen Erkenntnisfunktion gilt es, die Funktion des sprachlichen Denkens, die Funktion des mythisch-religiösen Denkens und die Funktion der künstlerischen Anschauung derart zu begreifen, dass daraus ersichtlich wird, wie sie in ihnen allen eine ganz bestimmte Gestaltung nicht sowohl der Welt, als vielmehr eine Gestaltung zur Welt, zu einem objektiven Sinnzusammenhang und einem objektiven Anschauungsganzen sich vollzieht.“ 2
Die folgende Untersuchung beschäftigt sich mit dem Aspekt der Sprache, weil sie meiner Meinung nach diejenige symbolische Form darstellt, in der sich symbolisches Verhalten und symbolisches Denken am ehesten manifestiert. Dabei soll nicht nur das Kapitel über die Sprache aus der Schrift „Versuch über den Menschen“, sondern ebenfalls die „Philosophie der symbolischen Formen“
1 Cassirer, Ernst: Versuch über den Menschen. Eine Einführung in eine Philosophie der Kultur. Felix Meiner
Verlag, Hamburg 1996 (im Folgenden mit VM bezeichnet)
2 Cassirer, Ernst: Philosophie der symbolischen Formen 2. Auflage. Darmstadt 1954
(im Folgenden mit PSF bezeichnet)
1
als auch der Aufsatz „Die Sprache und der Aufbau der Gegenstandswelt“ 3 aus dem Sammelband „Symbol, Technik, Sprache“ weitestgehend berücksichtigt werden.
2. Die Beziehung zwischen Sprache und Wirklichkeit
Cassirer unternimmt den Versuch, seine sprachphilosophischen Thesen anhand der Ergebnisse der damaligen sprachwissenschaftlichen und
sprachphilosophischen Forschung empirisch zu belegen. Auf diese Weise präsentiert er dem Leser die Quintessenz aus den sprachwissenschaftlichen und -philosophischen Theorien seines Zeitalters.
Von besonderer Bedeutung sind für Cassirer jedoch weniger zeitgenössische Erkenntnisse, als vielmehr die Thesen von Wilhelm von Humboldt, auf denen seine eigene Sprachphilosophie zum größten Teil basieren. Humboldt hatte als einer der ersten die Weltsprachen klassifiziert und in bestimmte Grundtypen eingeteilt. Dabei konzentrierte er sich anstatt auf bloße Spekulationen über den Ursprung der Sprache, wie dies die übliche Vorgehensweise unter Sprachwissenschaftlern seiner Zeit gewesen war, um Sprachen zu untersuchen oder einzuteilen, auf eine systematische Analyse der internen Sprachstrukturen.
In diesem Zusammenhang hatte Humboldt ein neues Verständnis sowie eine Analyse von Einzelsprachen gefordert, die sich damit beschäftigt, wie jede einzelne von ihnen an der Bildung der gegenständlichen Vorstellung beteiligt ist. Seiner Ansicht nach betrifft „[…] der eigentliche Unterschied zwischen den Sprachen […] nicht die Laute oder die Zeichen, sondern die ‚Weltansicht’.“ 4 Humboldt stellt folglich einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Sprache und dem Bewusstsein des Menschen her. Erst durch den Prozess des Spracherwerbs erlangt das Individuum eine eigene Weltanschauung, eine Vorstellung der objektiven Welt und diese Vorstellung fließt wiederum in die Sprache mit ein. Aus diesem Grund kann eine genaue Definition von Sprache erst dann erfolgen, wenn der Prozess des Sprechens als solcher Beachtung findet.
3 Cassirer, Ernst: Die Sprache und der Aufbau der Gegenstandswelt. In: Symbol, Technik, Sprache (Aufsätze
1927-1933), hg. von Orth/ Krois, Hamburg 1985. S. 121-151 (im folgenden mit STS bezeichnet)
4 VM, S. 188
2
Arbeit zitieren:
Jana Marquardt, 2004, Ernst Cassirers Sprachphilosophie, München, GRIN Verlag GmbH
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