Inhaltsangabe
Seite 1
Einleitung
Seite 2
Zu Fugenelementen allgemein
1. Begriffsklärung - Was sind Fugen? Seite 2
Seite 2
1.1. verschiedene Benennungen
Seite 2
1.2. Definition
Seite 3
1.3. Funktionen von Fugenelementen
Seite 6
1.4. Sonderfall: Derivationsfuge
2. Entwicklung von Fugenelementen Seite 7
2.1. diachrone Sprachbetrachtung Seite 7
Seite 8
2.2. synchrone Sprachbetrachtung
2.2.1. paradigmische Fugenelemente Seite 8
2.2.2. unparadigmische Fugenelemente Seite 9
Seite 10
2.3. Besonderheit „Nullfuge“
Seite 11
Zu fremden Fugenelementen konkret
3. Überblick zu nicht-indigenen (fremden) Fugenelementen Seite 11
Seite 11
3.1. Einordnung in den bisher geschilderten Kontext
Seite 12
3.2. Restriktionen beim Vorkommen fremder Fugenelemente
Seite 14
3.3. Besonderheiten beim Auslaut fremdsprachlicher
Erstglieder
4. Beschreibung fremder Fugenelemente Seite 15
Seite 15
4.1. o-Fuge
4.1.1. Vorkommen und Herkunft Seite 15
4.1.2. Problemfall I Seite 17
4.1.3. Problemfall II Seite 18
Seite 18
4.2. i-Fuge
4.2.1. fremde i-Fuge Seite 18
4.2.2. heimische i-Fuge Seite 19
Seite 20
4.3. Streitfälle
4.3.1. Fremdelement al Seite 20
4.3.2. Fremdelement an Seite 22
4.3.3. Fremdelement at Seite 22
Seite 24
Fazit
Anhang
5. Literaturliste
6. Auflistung des Korpus
1
A. Einleitung
Wir wollen mit dieser Arbeit einen Überblick zum Fugenelement in der Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache geben, insbesondere zu den nicht-indigenen Fugenelementen in der Fremdwortbildung. Dabei beanspruchen wir jedoch keine Vollständigkeit. Können wir auch gar nicht, da in der momentanen Forschung viele Sachverhalte noch nicht eindeutig geklärt sind und häufig verschiedene Meinungen existieren. Unsere Darstellung soll lediglich den Einstieg in die Beschäftigung mit der Problematik „Fugenelemente“ erleichtern, vor allem eben der „fremden Fugenelemente“, da es zu diesem Bereich noch recht wenig wissenschaftliche Untersuchungen gibt.
Wir untergliedern unsere Betrachtungen deshalb in zwei große Kapitel. Einen allgemeinen Teil, der die grundlegenden Informationen zur Problematik „Fugenelement“ liefert, und einen spezialisierenden Teil, der sich konkret den fremden Fugenelementen widmet.
Zunächst geben wir also eine allgemeine Einführung in die Thematik des „Fugenelementes“ im Deutschen. Was ist eine Fuge? Wie ist sie beschaffen? Welche Besonderheiten weist sie auf? Welche Funktionen haben Fugen? Alles Fragen, die in der ersten Passage geklärt werden sollen.
Daraufhin folgen, im zweiten großen Abschnitt, Ausführungen zu grundsätzlichen Kennzeichen von fremden Fugen und zu deren Abgrenzungsmöglichkeiten gegenüber den heimischen Fugenelementen. Diesen noch recht allgemeinen Aussagen schließt sich eine Beschreibung der im Deutschen vorkommenden fremden Fugenelemente an. Dabei gehen wir unter anderem auf Herkunft, Möglichkeiten des Vorkommens im Deutschen und Häufigkeit des Auftretens ein. Die einzelnen Fugenelemente werden anhand zahlreicher Beispiele veranschaulicht.
Da unser Themenschwerpunkt auf den nicht-indigenen Fugenelementen liegt, werden wir nur allgemein auf die heimischen Fugenelemente eingehen. Sie größtenteils nur benennen und mit Beispielen belegen. Für die Beschreibung von allgemeinen Kennzeichen der Fugenelemente eignen sie sich jedoch besser, weshalb wir sie nicht außen vor lassen können. Selbstverständlich werden wir bei unserer Beschreibung auch auf den aktuellen Forschungsstand eingehen und Streitfälle diskutieren, die uns während der Auseinandersetzung mit dem Stoff aufgefallen sind und interessante Forschungsansätze zur Weiter- beschäftigung mit dem Thema hergeben.
2
B. Zu Fugenelementen allgemein
1. Begriffsklärung - Was sind Fugen?
1.1.verschiedene Benennungen
In der Forschung existieren drei verschiedene Benennungen für die, in unserer Arbeit behandelte, sprachliche Erscheinung der deutschen Gegenwartssprache: Fuge, Fugenelement und Fugenzeichen. Diese Bezeichnungen werden häufig parallel gebraucht, was nicht selten irritiert, da zudem keine genaue Differenzierung vorgenommen wird. Deshalb wollen wir diese Begriffe zunächst voneinander abgrenzen, um das Verständnis der Thematik zu erleichtern.
„Fuge“ ist der allgemeinste Begriff. Er bezeichnet die „Nahtstelle“ zwischen den zwei Konstiuenten einer Wortbildungseinheit. Der Terminus „Fugenelement“ kennzeichnet das konkrete Element, welches die „Fuge“ ausfüllt. Zwischen den beiden Wörtern besteht gewissermaßen eine paradigmatische Beziehung 1 , wobei „Fuge“ das Hyperonym darstellt, dem das Hyponym „Fugenelement“ zugeordnet wird. In der Forschung liegt der Schwerpunkt auf der Beschreibung von Fugenelementen, da sich dabei wesentlich mehr Fragen ergeben als bei einer Analyse der Beschaffenheit von Fugen an sich. Auch wir haben deshalb diesen Schwerpunkt gewählt, um zu zeigen, wie vielseitig die Problematik selbst und die Lösungsversuche sind.
Die Benennung „Fugenzeichen“ hingegen ist eine sehr strittige Formulierung und findet sich hauptsächlich im Duden und bei Johannes Erben. Sie ist deshalb problematisch, weil sie im Widerspruch zur Definition von sprachlichen Zeichen steht und ihre Verwendung schon allein deswegen unzulässig ist. Die Definition nach Ferdinand de Saussure 2 schreibt sprachlichen Zeichen eine bilaterale Eigenschaft zu, d.h. sie bestehen stets aus einem Signifiant und einem Signifié. Diese Bedingung erfüllen Fugenelemente jedoch nicht, weshalb wir im weiteren Verlauf lediglich die ersten beiden Begriffe verwenden werden, entsprechend unserer eben vorgenommenen Abgrenzungen.
1.2. Definition „Fugenelement“
„Unter diesem Terminus verstehen wir die lautliche Verbindung zwischen den Gliedern eines Determinativkompositums...“ 3
1 Vgl. Schwarz/Chur, S. 57
2 Vgl. Dürscheid, S. 23
3 Definition nach Altmann/Kemmerling, S. 27
3
Diese Definition beschränkt sich auf eine phonologische Eingrenzung des Begriffes. Semantik und Morpholgie bleiben darin unberücksichtigt. Zudem wird das Fugenelement zu einem typischen Kennzeichen für die Bildung von Komposita stilisiert. Unserer Meinung nach ist eine solche Begriffsbestimmung unzureichend, da sie das wirklich entscheidende Merkmal von Fugenelementen nicht erfasst und keineswegs allgemeingültig ist. Denn auch bei der Derivation kann man Fugenelemente nachweisen, aber dazu mehr im Abschnitt 1.4.. Ausschlaggebendes Kriterium für die Kennzeichnung von Fugenelementen ist, dass sie lediglich eine Ausdrucksseite besitzen, jedoch keine Inhaltsseite. Sie sind „semantisch leere Segmente“ 4 , die im Wortbildungsprozess zwischen zwei Konstituenten treten können. Man kann ihnen in der synchronen Sprachbetrachtung weder eine lexikalische noch eine grammatische Bedeutung zusprechen. 5 Das belegen Beispiele wie Ordnungssinn 6 , Dokumentenmappe 7 , Kristallographie 8 . Hier lässt sich weder anhand der linearen Konstituentenstruktur (Ordnung-s-sinn, Dokument-en-mappe, Kristall-o-graphie) noch anhand der Bedeutungsparaphrase (Sinn für Ordnung, Mappe für Dokumente, Wissenschaft von den Kristallen) ein inhaltlicher Wert des jeweiligen Fugenelementes erkennen. Die Konsituentenstruktur zeigt eindeutig, dass es als ein Wortbildungselement zu klassifizieren ist, da es keine Binnenflexion im Wort gibt. Würde man dennoch das Fugenelement als Flexionsendung betrachten, käme es zu einem widersprüchlichen Ergebnis beim Vergleich von Paraphrase und Gesamtbedeutung. Durch die „richtige“ semantische Zerlegung wird jedoch deutlich, dass das Fugenelement keinerlei Einfluss auf die Gesamtbedeutung des Wortbildungsproduktes hat. Womit zweifach bewiesen wäre, dass das Fugenelement nicht Flexionselement sein kann.
1.3. Funktion von Fugenelementen
Da wir Fugenelemente einerseits als „semantisch leer“ bezeichnen, wodurch sie ohne Belang für die Wortbedeutung sind, und sie andererseits von den Flexionselementen unterscheiden, womit wir ihnen auch keine morphosyntaktische Funktion zubilligen, stellt
4 Definition nach Fleischer/Barz, S. 32
5 Eisenberg weicht von dieser Definition ab. Er klassifiziert Fugenelemente als Affixe, weil sie seiner Meinung
nach eine grammatische Bedeutung aufweisen, da sie gemeinsam mit dem Erstglied eine
„Kompositionsstammform“ ausbilden. Allerdings besitzen Affixe auch die Fähigkeit gemeinsam mit dem
Grundmorphem die Wortbildungsbedeutung auszuprägen. Fugenelemente können dies nicht. Deshalb muss man
Fugenelemente als eigene Gruppe von Wortbildungselementen auffassen, selbst wenn man eine grammatische
Bedeutung annehmen würde. Vgl. Eisenberg, S. 236f.
6 Beispiel siehe Ortner/Wellmann, S. 50
7 Beispiel siehe Ortner/Wellmann, S. 73
8 Beispiel siehe Ortner/Wellmann, S. 80
4
sich doch die Frage: Wieso verwenden wir Fugenelemente überhaupt? Sind sie dann nicht überflüssig?
Wenn man berücksichtigt, dass die Mehrheit der Wortbildungsprodukte ohne Fugenelement gebildet wird, scheint es kaum möglich Fugenelementen eine Funktion zuzuschreiben. Aber das täuscht, Fugenelemente werden keineswegs willkürlich gesetzt. Es gibt zwar nicht die eine charakteristische Funktion, dennoch erfüllen Fugenelemente spezifische Aufgaben bei der Wortbildung, welche wir im Folgenden erläutern werden.
Funktion der Ausspracheerleichterung 9
Fugenelemente sind nach ihrer phonologischen Form unbetonte Laute und Lautverbindungen, deshalb werden sie häufig gesetzt, wenn mehrere betonte Morpheme aufeinandertreffen, 10 um dadurch eine bessere Aussprache zu ermöglichen, vor allem bei drei- und mehrgliedrigen Wortbildungsprodukten. Oder sie werden als „Gleitlaut“ 11 eingefügt, wenn zwei Konsonanten mit der gleichen oder ähnlichen Artikulationsstelle aneinandergrenzen. Beispiele dafür sind: Rind-er-hackfleisch 12 , Identität-s-bescheinigung 13 , ander-t-halb oder namen-t-lich 14 .
Funktion als Strukturierungsmittel
Hierbei gibt es zwei miteinander korrelierende Ansätze. Zum einen markiert die Fuge bzw. das Fugenelement die Binnengrenze eines komplexen Wortes 15 und erleichtert dadurch das Erschließen der Wortbedeutung. Gleichzeitig wird die Hierarchie der Unmittelbaren Konstituenten bei der morphologischen Segmentierung festgelegt. 16 Vor allem bei polymorphemischen Erstgliedern lässt sich eine bevorzugte Verwendung von Fugenelementen feststellen. Vergleicht man also das Wortpaar Werkzeug - Handwerkszeug, so macht das Fugenelement deutlich, dass Handwerk-szeug zuerst in Handwerk und Zeug zerlegt werden soll „und nicht in Hand + Werkzeug“ 17 . Oder um es über die Wortbedeutung zu erklären: Handwerk-s-zeug meint nicht das Werkzeug für die Hand, sondern die Dinge, die man für ein
9 Vgl. Altmann/Kemmerling, S. 27 Lediglich Benennung der Funktion ohne weitere Erläuterung. Vgl. auch
Donalis, S. 45.
10 Vgl. Fuhrhop, S. 527
11 Vgl. Simmler, S. 87
12 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 527
13 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 534
14 Beispiel siehe Simmler, S. 87
15 Vgl. Ortner, S. 51
16 Vgl. Fuhrhop, S. 530
17 Beispiel und Zitat siehe Fuhrhop, S.530
5
bestimmtes Handwerk benötigt. Stünde bei Handwerkszeug nun kein Fugenelement, wäre die Bedeutung nicht eindeutig erschließbar. Genauso verhält es sich mit dem Minimalpaar Turmuhr - Kirchturm-s-uhr. 18
Allerdings muss man sich vor einer verallgemeinernden Schlussfolgerung, wie „je komplexer das Wort, desto eher wird ein Fugenelement gesetzt“ 19 , hüten. Es gibt auch Beispiele, die nicht in dieses Schema passen. Obwohl beispielsweise das Kompositum Fahrgastschiffanlegestelle komplexer ist als Schiff-s-anlegestelle 20 steht dort kein Fugenelement.
Funktion als Ersetzungselement 21
Gemeint ist hier, dass das Fugenelement ein Morph ersetzten kann. Dies betrifft vor allem die s-Fuge, welche das unbetonte e im Auslaut des Erstgliedes substituiert. 22 Typische Beispiele sind Komposita mit Hilfe als Erstglied wie Hilf-s-angebot 23 oder Hilf-s-stellung 24 . Meistens wird das unbetonte e jedoch getilgt anstatt ersetzt wie in Rebstock 25 oder Wolldecke und Sprachunterricht 26 . Aber auch die o-Fuge anstatt isch oder die al-Fuge anstelle von um kommen vor, z.B. in Elektr-o-kocher und Gymnasial-lehrer 27 .
Funktion der Bedeutungsdifferenzierung
Es gibt Komposita, bei denen verschiedene Schreibungen koexistieren: die Formen mit und die ohne Fugenelement. Unter anderem wird dieser Umstand darauf zurückgeführt, dass die beiden Varianten unterschiedliche Bedeutungen repräsentieren, z.B. Landmann vs. Land-s-mann. 28
Allerdings kann man das nicht auf alle Fälle dieser Art anwenden, wie z.B. Heimatkunde vs. Heimat-s-kunde. 29 Nach Baltz haben sich die unterschiedlichen
18 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 530
19 Zitat siehe Fuhrhop, S. 530
20 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 530
21 Eisenberg verwendet hierfür den Begriff „Ersetzungsmorph“ welcher jedoch leicht missverstanden werden
kann, denn er beinhaltet neben der oben genannten Bedeutung auch, dass Fugenelemente Morphe sind. Aber
Morphe sind bedeutungstragende Einheiten und Fugenelemente nicht. Deshalb halten wir es für besser den
Begriff Ersetzungselement zu verwenden. Vgl. Eisenberg, S. 236f.
22 Vgl. Fuhrhop, S. 527
23 Beispiel siehe Eisenberg, S. 236
24 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 527
25 Beispiel siehe Fuhrhop, S.527
26 beide Beispiele siehe Eisenberg, S. 236
27 Beispiele siehe Fuhrhop, S. 528
28 Vgl. Fuhrhop, S. 532
29 Vgl. Fuhrhop, S. 532
Arbeit zitieren:
Nicole Nette, 2005, Fugenelemente - insbesondere in der Fremdwortbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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