Juliane Krüger Post-sozialistische Stadtentwicklung in Russland
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 1
2. Der Post-sozialistische Transformationsprozess 2
2.1 Politik. 2
2.1.1 Regionalplanung. 2
2.2 Wirtschaft 3
2.3 Soziales. 4
3. Bevölkerungsentwicklung und Stadtentwicklung 4
3.1 Migration 5
4. Typen der Stadtentwicklung in Russland 6
4.1. Städte mit dynamischer sozioökonomischer Entwicklung 6
4.2. Städte der Stagnation mit Entwicklungschancen 7
4.3. Städte des wirtschaftlichen Zerfalls 8
5. Zusammenführung - Regionale Disparitäten 9
6. Ausblick. 11
7. Literaturverzeichnis I
8. Anhang III
II
1. EINLEITUNG
Die wirtschaftlichen und sozialen Transformationsprozesse, die seit Ende der 80er Jahre Russland prägen, verändern grundlegend die funktionale Struktur und die wirtschaftliche Entwicklungsbasis der russischen Städte und führen zu einer Bedeutungsverschiebung im Städtesystem Russlands (BRADE/PERZIK/PITERSKI, S. 52). Der Rückzug des Staates in der Planung, die Privatisierung der Wirtschaft und die Entstehung des Immobilien- und Grundstückmarktes haben die Transformation des Planungssystems maßgeblich geprägt. Diese neuen Rahmenbedingungen werden begleitet von neuen Problemen wie Arbeitslosigkeit, strukturelle Depression, zunehmenden Einwohnerrückgang und Entvölkerung. Darüber hinaus verändern die starken Migrationsströme, die anwachsende soziale Polarisierung sowie die veränderte geopolitische Lage Russlands die Entwicklung der Städte.
Ein genereller Entwicklungsprozess der Städte ist jedoch nicht prognostizierbar, denn die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bedingungen sind der Größe des Landes geschuldet je nach Region höchst unterschiedlich (BRADE/, S.16; SCHULZE/PITERSKI, S.53).
Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Wandel der Städte Russlands nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Hierbei wird eine Makro-Perspektive gewählt, die regionale Disparitäten und die damit verbundenen Probleme (aufgrund des Forschungsstandes der vorliegenden Literatur) vorrangig in den 1990er Jahre darlegt. Der Begrenztheit einer Hausarbeit geschuldet, verzichten die folgenden Ausführungen auf die Untersuchung der innerstädtischen Veränderungen. Die Auseinandersetzung mit dem Städtesystem Russlands verlangt nach der Betrachtung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die ebendiese Raumstrukturen hervorbrachten und bringen. Folglich beschäftigt sich der erste Teil der Arbeit mit den postsozialistischen Transformationsprozessen, die zu der Herausbildung des charakteristischen Städtesystems führten. Im Anschluss werden die unterschiedlichen Typen der Stadtentwicklung vorgestellt und auf etwaige Probleme der verschiedenen Städtetypen aufmerksam gemacht. In einem letzten dritten Teil werden die vorherigen Betrachtungen zusammengeführt indem die regionalen Disparitäten des Landes und ihre Verankerung im sozialistischen System aufgezeigt werden.
1
2. DER POST-SOZIALISTISCHE TRANSFORMATIONSPROZESS
Den folgenden Betrachtungen liegt die Annahme zu Grunde, „dass historisch, spezifische gesellschaftliche Bedingungen eigene Raumstrukturen hervorbringen“ (BRADE (A), S.15). Der postsowjetische Wandel der russischen Städte geht einher „mit starken Veränderungen hinsichtlich der politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen der Raumentwicklung“ (BRADE (A), S.15). Im Folgenden werden die Veränderungen auf den Gebieten Politik, Ökonomie und Soziales näher betrachtet.
2.1 POLITIK
Mit dem Zerfall der Sowjetunion entstanden fünfzehn eigenständige Nationalstaaten, viele von den Großstädten lagen nun außerhalb Russlands. Mit den neuen Staatsgrenzen brachen streng arbeitsteilig organisierte, spezialisierte Produktions- und Distributionsabläufe zusammen. Viele Städte waren schlagartig abgeschnitten von den bisherigen Netzwerken. Desorientierung herrschte vor. Früher zentral gelegene Städte stellten plötzlich Grenzstädte dar und waren geopolitisch peripher gelegen. So geschehen bei den großen Schwarzmeerhäfen, die nun nur noch als Auslandshäfen anzufahren sind (BRADE (A), S.13).
2.1.1 REGIONALPLANUNG
Mit dem Ende der sozialistischen Zentralverwaltung mussten sämtliche rechtlichen Rahmenbedingungen samt Institutionen zur Entwicklung des russischen Städtesystems neu geschaffen werden. Im Zuge der Regionalisierung und Dezentralisierung gewinnen lokale und regionale Steuerungsinstanzen an Einfluss. Städte die vormals kaum planerische oder finanzielle Spielräume besaßen, können erstmals eigenverantwortlich handeln. Damit einher geht eine Bedeutungszunahme nichtstaatlicher Akteure (BRADE, (B),S.129). Insgesamt haben einzelne Persönlichkeiten in politischen und ökonomischen Entscheidungsprozessen relativ hohen Einfluss. Die Politik wird „in zunehmenden Maße durch starke Akteure geprägt“ (SCHWANITZ zitiert nach BRADE/ PITERSKI/SCHULZE, S. 42). Regionalentwicklungspläne, die unter Sowjetherrschaft einzig von der staatlichen Planungskommission angeordnet und von großen staatlichen Planungsinstituten ausgeführt wurden, werden seit Anfang der 1990er Jahre teilweise von kommunalen und regionalen Planungsbüros angefertigt. Die gesetzlichen Möglichkeiten auf kommunaler und regionaler Ebene werden bisher jedoch kaum umfassend genutzt, da das zentralistische Denken noch immer vorherrscht und sich wichtige Forschungseinrichtungen, Expertengremien, Consutlingfirmen und staatliche Institutionen überwiegend in Moskau befinden. Regionalpläne können im Prinzip nur von den großen
2
Einrichtungen in St. Petersburg und Moskau angefertigt werden (BRADE/PERZIK/PITERSKI, S.57). Darüber hinaus haben die wirtschaftlichen Strukturen Einfluss auf die Regionalplanung.
2.2 WIRTSCHAFT
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion betreffen globale Prozesse nun auch das ehemals abgeschottete Russland. Somit muss notwendigerweise eine wirtschaftliche Umstrukturierung hin zu marktwirtschaftlichen Strukturen erfolgen. Die Mehrzahl der russischen Städte ist bisher nur ungenügend in die Weltwirtschaftsstruktur integriert. Die 1990er Jahre sind so durch den Zusammenbruch bisheriger Wirtschaftsstrukturen, ubiquitäre Deindustrialisierungsprozesse, Privatisierung, Entstehung eines informellen privaten Kleinunternehmertums und den Ausbau des tertiären Sektors charakterisiert und haben das Städtesystem maßgeblich verändert (BRADE (B), S.129). Zudem wurde durch Deindustrialisierung die Konkurrenz unter den großen Städten noch verstärkt. Im interkommunalen Wettbewerb werden die Mobilisierung endogener Potenziale und die politische und wirtschaftliche Verflechtung zum Wettbewerbsvorteil. Folge dieses nationalen Wettbewerbs um in- und ausländische Investitionen ist die funktionale Spezialisierung der Zentren (beispielsweise St. Petersburg als Verkehrs- und Kommunikatiosknotenpunkt der Ostseeregion, Jekaterinenburg als Dienstleistungs- und Finanzzentrum) (BRADE (B), S.130). Innerhalb der Regionen herrscht Konkurrenz zwischen den administrativen Zentren und den starken ökonomischen Zentren, die sich zu alternativen wirtschaftlichen Regionalzentren entwickeln (BRADE (B), S.131). Mit dem Sozialen Wandel haben sich auch die klassischen Standortfaktoren (Einwohneranzahl, Wirtschaftskraft, Administrationsfunktion) verändert. Neue Faktoren, wie Privatisierungsgrad, marktwirtschaftlicher Entwicklungsstand der Institutionen und Branchenstruktur bestimmen überwiegend die Standortwahl. Insbesondere die Bedeutung von Verkehrsanbindung und ökonomischer Lage hat durch die „Ökonomisierung der Distanzüberwindung“ (BRADE (B), S.130) enorm zugenommen. Insgesamt spielen die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen (wie eine demokratische, ausgewogene unternehmensorientierte Gesetzgebung, Reformfähigkeit, Verflechtung zwischen kommunalen und regionalen Strukturen der Politik und Wirtschaft) eine immer größere Rolle für die Städte als Wirtschaftsstandorte (BRADE (B), S.139). 1
1 Fußend in der russischen Geschichte, bestehen in Russland allgemein viel stärkere
Verflechtungen zwischen Staat und Wirtschaft, die die Stadtentwicklung entscheidend
prägen.
3
Arbeit zitieren:
Juliane Krueger, 2006, Die post-sozialistische Stadtentwicklung Russlands, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Probleme und Perspektiven des Kakaoanbaus in Westafrika
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Seminararbeit, 20 Seiten
Die Ostsee - Entstehung, anthropogene und klimabedingte Einflüsse
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Die II. Lautverschiebung und ihre Auswirkungen auf die deutsche Sprach...
Mit Beispielen aus Erec und ...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 17 Seiten
Die Konstruktion eines Fragebogens / Befragung
Medien / Kommunikation - Methoden und Forschungslogik
Hausarbeit, 24 Seiten
Die Leipziger Messe - Geschichte und Entwicklungen
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Seminararbeit, 9 Seiten
Vom Fordismus zum Postfordismus - Eine Betrachtung aus regulationstheo...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Zum Film 'Die Klavierspielerin' von Michael Haneke
Basierend auf dem Roman 'D...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hausarbeit, 18 Seiten
Nachhaltige Stadtentwicklung und der Agenda 21-Prozess in Essen
Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie
Vordiplomarbeit, 44 Seiten
Möglichkeiten der Wirkung von Literatur und Film - Ein Vergleich der M...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Das Konzept der nachhaltigen Stadt
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Hausarbeit, 18 Seiten
Der Zusammenhang von Sprache und Politik - Formen politischer Rhetorik...
Seminararbeit, 25 Seiten
Gefährdungen durch Massenbewegungen in den Kordilleren Nord- und Südam...
Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung
Referat (Ausarbeitung), 103 Seiten
Die Sprache der Politik der Gegenwart - Definition, Funktionen und Bes...
Bachelorarbeit, 24 Seiten
Transformationsprozess in Rußland
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Seminararbeit, 26 Seiten
Moskau - eine „sozialistische Stadt“?
Stand 2007
Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Juliane Krüger hat den Text Die post-sozialistische Stadtentwicklung Russlands veröffentlicht
Juliane Krüger hat einen neuen Text hochgeladen
Zeitgenössische Künstler aus Russland
Positionen V
Leonid Bazhanow, Wolf Iro, Gabriele Leupold, Dorothea Trottenberg, Sabine Grebing, Petra Huber, Christiane Körner, Julia Kuniß
Political Anti-Semitism in Post-Soviet Russia
Actors and Ideas in 1991-2003
Vyacheslav Likhachev, Eugene Veklerov
Russland: Medien zwischen Staatslenkung und Kommerzialisierung
Annika Sehl, Galina Timchenko, Elena Vartanova, Daniela Maiorovici, Fritz Pleitgen, Gemma Pörzgen, Boris Reitschuster, Andrei Richter
WOLK 1: Der LASAREWSKI-REPORT zum Wolf in Rußland. Über die Vernichtu...
Die Wolfsansiedlung und ihr Pr...
Alexander Brückner, Walter Rathgeber, Wasilij Matwejewitsch Lasarewski, Narcisse Seppey, Domenico Laffi, Alexander Theodor von Middendorf, Jürg Steiner, F. I. Walewskij, Knut Bengelmann, Giordano Cayetano Brunelli, Valentino Bonvicini, Claus Taaks, Claus Gampe, Irina Mironova
0 Kommentare