Gliederung:
1. Einleitung
2. Die Familien
2.1. Allgemeine Merkmale und die Funktion der Familie
3. Die Familientypen in „Pünktchen und Anton“ 3.1. Familie Pogge 3.1.1. Herr Direktor Pogge 3.1.2. Frau Pogge 3.1.3. Luise Pogge 3.2. Familie Gast 3.2.1. Frau Gast 3.2.2. Anton Gast
4. Vergleich
5. Fazit
6. Literatur
2
1. Einleitung
Erich Kästners Kinderbücher, wie „Emil und die Detektive“, „Das doppelte Lottchen“ oder „Pünktchen und Anton“, sind Klassiker unter den deutschen Kinderbüchern, welche sogar internationalen Ruhm erlangten und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.
Auch heute noch wird Kästner gern in der Familie gelesen und für fast jedes Kind ist „Emil und die Detektive“ ein Begriff.
Kästner schrieb seine Bücher für 8 - 12 jährige Leser und für deren Eltern in der Weimarer Republik. Was jedoch bewegt die Eltern heute, Kästner für ihre familiären Leselisten auszuwählen?
Ist es die spannende Welt der Großstadt, in der Emil, Pünktchen und Anton ihre Abenteuer erleben? Sind es die utopischen Vorstellungen Kästners, welche auch heute noch zum Träumen anregen oder ist es die Welt der Familie, die Kästner auf unterschiedliche Weise darstellt?
Vielleicht ist es aber auch die Thematik des Wandels, dem die Familie unterliegt. Dies war zu Kästners Zeiten, ebenso wie heute, ein aktuelles Thema, welches zur Atraktivität von Kästners Kinderbüchern beitragen könnte. Für jeden Leser ist es ein anderer Grund und es könnten noch einige hinzugefügt werden, ich möchte mich jedoch auf die Familie konzentrieren, die Erich Kästner in seinen Kinderbüchern entwirft und dafür stellvertretend den Roman für Kinder „Pünktchen und Anton“ heranziehen.
In diesem Roman stehen sich zwei Familien gegenüber und es erscheint mir sehr interessant, die verschiedenen Mitglieder der beiden Familien zu untersuchen, z.B. Vater Pogge oder Mutter Gast, und sie am Ende zu vergleichen. Welche verschiedenen Rollenbilder werden in diesem Werk entworfen? Nimmt der Autor zu ihnen Stellung? Welche Familientypen finden wir in Kästners Werk vor? Gibt es einen Typ, den Kästner selbst zu bevorzugen scheint? Dieses und mehr möchte ich in der folgende Arbeit untersuchen und darlegen.
2. Die Familie
Um einen literarischen Text in Bezug auf die Familienstruktur zu untersuchen, sollte vorweg geklärt sein, was eine Familie überhaupt ist. Gibt es bestimmte Merkmale,
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die eine Familie ausmachen? Welche Familientypen gab es damals in der Weimarer Republik und gibt es noch heute? Unterliegt die Familie wirklich so einem starken Wandel oder gibt es immer noch Merkmale, die durch verschiedene Generationen hindurch bestehen bleiben. Die Familie ist eine universelle Institution, die es in jeder Gesellschaft, in jedem Land und wahrscheinlich auch zu jeder Zeit gegeben hat. Fragt man nach der Beschaffenheit der Familie, sollte die Funktion dieser nicht außen vor gelassen werden. Ich möchte im Folgenden kurz die Merkmale und die Funktion, ebenso wie die Familientypen schildern, um eine Grundlage für meine Untersuchung zu schaffen.
2.1. Allgemeine Merkmale und die Funktion der Familie
Eine Familie kann als die primäre soziale Gruppe einer Gesellschaft angesehen werden, welche in jedem Fall mehr Personen als nur die Ehegatten umfasst. 1 Des Weiteren ist eine Familie, neben der biologischen und wirtschaftlichen, eine geistigseelische Lebensgemeinschaft der Eheleute und ihrer Kinder. In dieser Gruppe werden Positionen vergeben, Erwartungen gehegt und Rechte und Pflichten verteilt. 2 Die Funktionen einer Familie sind vielseitig, sie lassen sich jedoch auf drei Hauptfunktionen reduzieren, die da wären: Die Sozialisations-Funktion, die wirtschaftliche Funktion und die politische Funktion. Eine Familie bildet ein erstes soziales Netz, sie gibt Hilfestellung bei der Eingliederung in die vorhandene Gesellschaft und bildet somit das Kind primär aus. Die wirtschaftliche Funktion bezieht sich darauf, dass Schutz und Fürsorge für das Kind geboten werden, die Familie ernährt, bekleidet und behaust die Kinder. Die politische Funktion ist dadurch gegeben, dass die in der Familie geborenen Kinder einen legitimen Platz in der jeweiligen Gesellschaft erhalten. 3
Im Laufe der Zeit entwickelten sich viele Familienformen, aber die wichtigste ist wohl die Kernfamile (Vater, Mutter und Kinder), sie kommt heute und kam auch damals in der Weimarer Republik vor. In der bürgerlichen Kernfamilie der Weimarer Republik ist der Fokus des Hauses die Familie, um diese herum gruppieren sich die Dienstboten, zu welchen man sich distanziert verhält. Eine zweite Form ist die Ein-
1Vgl. Hettlage, Robert: Familienreport. Eine Lebensform im Umbruch. S. 20
2 Vgl. Hettlage, S.21
3 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Familie vom 17.03.06
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Eltern-Familie 4 , welche durch den Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik meist aus der Mutter und ihren halbverwaisten Kindern bestand. Eine dritte Form von Familie ist die postmoderne Familie. Diese wird heute oft in den Medien als „Patchworkfamilie“ bezeichnet, sie kann eine Wohngemeinschaft sein oder eine Verbindung zweier Eltern mit je eigenen Kindern ohne rechtliche Bindung aneinander. 5 In modernen Gesellschaften werden viele Funktionen, die die Familie wahrgenommen hat, auf andere gesellschaftliche Institutionen übertragen, 6 wie z.B. die Erziehung. Diese drei Familientypen habe ich aus dem Grund geschildert, da in der Erzählung „Pünktchen und Anton“ eben diese Typen vorkommen und mit der Erwähnung der bürgerlichen Kernfamilie in der Weimarer Republik nehme ich den Aspekt auf, dass die Erzählung in Berlin zur Zeit der Weimarer Republik spielt. Familie Pogge entspricht der bürgerlichen Kernfamilie, Familie Gast einer Kernfamilie der Arbeiterschicht und am Ende der Erzählung entsteht eine postmoderne Familie. Wie diese Familien aussehen, möchte ich nun schildern.
3. Die Familientypen in „Pünktchen und Anton“
In diesem Werk von Erich Kästner, welches 1931 erschien, geht es um die Kinderfreundschaft zwischen Luise Pogge, genannt Pünktchen, und Anton Gast. Beide lernen sich auf der Weidendammer Brücke kennen, wo Pünktchen und Anton aus ganz unterschiedlichen Gründen stehen. Anton muss Geld verdienen, damit er seine kranke Mutter und den Haushalt versorgen kann und Pünktchen, die es finanziell gar nicht nötig hat, steht auf dieser Brücke verkauft und bettelt, da ihre Kinderfrau, Fräulein Andacht, ihrem unseriösen Bräutigam zusätzlich Geld geben muss.
Es stehen sich auf den beiden Straßenseiten aber nicht nur zwei Kinder gegenüber, sondern auch zwei zu ihnen gehörende, ganz verschiedene Familien und mit diesen zwei unterschiedliche Welten, welche ich beschreiben möchte.
4 Vgl. Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend, S. 129f
5 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Familie vom 17.03.06
6 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Familie vom 17.03.06
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Marlies Eberding, 2006, Eine Untersuchung zur Struktur der Familie in Erich Kästners Kinderbuch 'Pünktchen und Anton', Munich, GRIN Publishing GmbH
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