Gliederung:
1. Einleitung 3
2. Was ist ein Konflikt? 4
2.1. Die Wirkung von Konflikten? 6
3. Grundideen und -prinzipien der Mediation 7
3.1. Der Ablauf des Mediationsverfahrens 8
3.2. Das Konfliktlotsenmodell S.10
4. Die Ausbildung zum Schulmediator S.13
4.1. Der Bundesverband Mediation e.V. S.14
4.2. Pax an Ein Überblick S.14
4.3. Der Grundkurs Mediation S.18
4.4. Eine weitere Fortbildungsmöglichkeit S.22
5. Fazit S.24
6. Literaturverzeichnis S.25
Anzahl der Wörter: 4 907
1. Einleitung
Was macht einen guten Lehrer aus? Diese Frage stellt sich jeder Lehramtstudent immer wieder im Laufe seiner Ausbildung und immer wieder wird man bemerken, dass es nicht nur die fachwissenschaftliche Ausbildung ist.
Es sind vielfach soziale Kompetenzen die gelehrt werden müssen. Während meines Einführungspraktikums an einer Berliner Grundschule, und natürlich noch aus eigenen Erfahrungen als Schülerin, hatte ich Einblick in die breit gefächerte Konfliktkultur im Schulalltag.
Mir ist die unterschiedliche Streitkultur aufgefallen, die jedem Schüler inne wohnt, sie ist so individuell wie jeder Schüler selbst. Konflikte sind Teil unseres sozialen Lebens und somit auch ein wichtiger Aspekt im Schulalltag. Leider weden Konflikte häufig durch aggressives Verhalten, sei es verbal oder physisch, ausgetragen, was darauf schließen lässt, dass die Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend geschult sind um konstruktiv mit Konflikten umzugehen. 1
Konfliktfähigkeit der Lehrer und Schüler ist hier gefordert, denn die Schule wird immer mehr zum sozialen Mittel- und Orientierungspunkt für Kinder, die diesen in ihren Familien häufig aus verschiedensten Gründen nicht mehr finden. Damit wird es vermehrt zur Aufgabe der Schule sich um die soziale Ausbildung der Schüler zu kümmern. 2 Doch wie ist dies möglich?
Die Schule ist ein Ort der Gesellschaft und unterliegt auch deren Regeln, ein Ort an dem demokratisches Miteinander gelehrt und praktiziert wird. Sie ist der Ort an dem verschiedene Geschlechter, Kulturen, soziale Schichten, Wert-und Normvorsellungen aufeinandertreffen.
Es muss eine Konfliktkultur vermittelt werden, die ein Miteinander dieser vielen Aspekte ermöglicht ohne das wesentliche unterliegen. Durch Konflikte lernen wir unseren Gegenüber besser kennnen, wir lernen uns selbst zu vertreten und verschiedene Interessen zu akzeptieren.
1 vgl. Bündel, Amhoff u. Deister: Schlichter - Schulung in der Schule. S. 9
2 vgl. Dunkel, Enders u. Hanckel: Schule - Entwicklung - Psychologie. S. 131
Gewaltfreie Auseinandersetzungen mit Mitmenschen, ein Austauschen von Meinungen und Ansichten, Wertvorstellungen sind wichtig für die Entwicklung der Persönlichkeit. 3
Werden Konflikte nicht als Chance gesehen und auch nicht so behandelt, kann es für alle Mitglieder der Schulgemeinschaft Stress bedeuten. Dieser kann vielseitige Auswirkungen auf den Körper und Geist des Menschen haben, z.B. Schlaflosigkeit, Gefährdung des Herz-Kreislauf-Systems, Depressionen, Bournout-Syndrom 4 und vor allem haben Konflikte eine negative Auswirkung auf das Schul- und Lernklima. All diese Punkte führen zu dem Schluss, dass das Lehrpersonal nicht ohne Zusatzqualifikationen auskommt.
Ich möchte in meiner Arbeit ein Programm vorstellen, dass sich mit dem Thema Mediation im schulischen Raum beschäftigt; das
Fortbildungsprogramm „pax an!“.
Hinführend werde ich die Methode der Mediation beschreiben und kurz etwas über Konflikte sagen, dann werde ich in knapper Form das von Ortrud Hagedorn entwickelte „Konfliktlotsenmodell“ erläutern, welches die „Schülerkomponente“ zu „pax an!“ist.
2. Was ist ein Konflikt?
„Konflikte begleiten uns ständig und haben im Leben des Menschen einen wichtigen Platz, ja sie scheinen ein Hauptthema menschlicher Existenz zu sein.“ 5
Für eine effektive Konfliktbearbeitung, wie es die Mediation ist, ist es notwendig zu wissen, was ein Konflikt ist, also welche Arten von Konflikten auftreten. Es gibt allerdings viele Definitionen von Konflikten, je nach dem
3 vgl. Becker, Georg E.: Lehrer lösen Konflikte, S.20
4 vgl. Cassens, Manfred: Work-Life-Balance, S. 36-54
5 vgl. Fleischer,Thomas, 1990 S.110
Betrachtungshintergrund. Ich habe eine gewählt, die dem Thema Schule angepasst erscheint.
„Ein Konflikt ist eine Auseinandersetzung, Belastung und/oder Schwierigkeit, die bei der beteiligten Person - oder den beteiligten Personeneine emotionale Betroffenheit und Beeinträchtigung von unterschiedlicher Intensität hinterlässt.“ 6
Nach Fleischer 7 lassen sich in der Schule drei verschiedene Typen von Konflikten unterscheiden.
1. Innerpsychische Konflikte - hierbei handelt es sich um Konflikte, die sich innerhalb einer Person abspielen, zum Beispiel ein
„Entscheidungsproblem“, was sich laut Becker letztendlich auch auf andere Personen auswirkt. 8
2. Soziale Konflikte - sie erstrecken sich über mehrere Personen und ihre Gründe sind vielfältiger Natur, ein Grund kann z.B. ein Interessenkonflikt zweier Personen sein.
3. Strukturbedingt-institutionelle Konflikte - diese treten aufgrund von äußeren Umständen auf, der die Schule unterlegen ist. Es handelt sich hierbei z.B. um die Größe oder Ausstattung des Gebäudes oder die des Lehrerkollegiums und damit verbunden die Größe der Schhülerschaft. Zudem sollte man auch wissen, dass Jungen und Mädchen einen Konflikt unterschiedlich austragen, dies liegt daran, dass laut Walker 9 beide Geschlechter unterschiedlich sozialisiert werden.
Mädchen agieren oft in sogenannten „kalten Konflikten“, nämlich im Verborgenen, Jungen dagegen tragen ihre Konflikte offen in sogenannten „heißen Konflikten“ 10 aus.
6 vgl. Becker: S. 17
7 vgl. Fleischer, Thomas 1990 S. 115
8 vgl. Becker: S.17
9 vgl. Walker, Jamie: Gewaltfreier Umgang mit Konflikten in der Grundschule. S. 84
10 vgl. Becker, Georg S. 17
All diese Unterscheidungen sind wichtig um einen Konflikt richtig einschätzen zu können. Nur durch eine gute Analyse kann eine erfolgreiche Arbeit mit den Konfliktparteien stattfinden.
2.1. Die Wirkung von Konflikten
Nachdem ich aufgeführt habe, welche Unterscheidungsmerkmale es bei Konflikten geben kann, möchte ich nun darauf eingehen, welche Wirkung Konflikte auf uns haben, denn nicht wie allgemein angenommen, haben sie eine nur ausschließlich negative Wirkung, ihre positive Natur muss auch berücksichtigt werden. Sie können funktional wirken, für die Persönlichkeitsentwicklung und für das Erlernen von Sozialverhalten sind sie durchaus wichtig. 11
Konflikte haben aber häufig eine negative Wirkung auf die sie betreffenden Personen, sie wirken dysfunkional, d.h. sie machen betroffen, führen zu Beeinträchtigungen, erzeugen negative Gefühle und Stress, verzögern oder verhindern die Lehr - und Lernprozesse im kognitiven Bereich, Belasten das Lern- und Gruppenklima, verhindern die konstruktive Kooperation und wirken im Extremfall zerstörerisch. 12
Durch diese dysfunktionale Wirkung von Konflikten ist eine ungestörte konstruktive Kooperation zwische den Konfliktparteien nicht mehr möglich, dies lässt sich auch an einer Zunahme der Gewaltbereitschaft 13 erkennen, z.B. dass Konflikte in einer verbalen aggressiven Auseinandersetzung enden oder mit Handgreiflichkeiten gelöst werden.
Die Wege der Konfliktbewältigung, einmal der psychische sowie der physische, führen dazu, dass die Schwächeren unterliegen. Auch wenn ein Konflikt öffentlich wird, d.h. es wird ein Lehrer oder sogar die Schulleitung in den Konflikt mit einbezogen, kommt es häufig dazu, dass der
11 vgl. Becker, S. 20f
12 vgl. Becker, S 17
13 vgl. Dunkel; Enders u. Hanckel: Schule - Entwicklung -Psychologie. S.131
Täter bestraft wird und alle Betroffenen nun auf ein Ende des Problems hoffen.
Eine Beendigung des Streites ist aber häufig nicht der Fall, denn die Lösung des Konflikts wird von den Konfliktparteien als aufoktroyiert empfunden, denn von außen ist es nicht eindeutig möglich die Täter-Opferrollen zuzuweisen. Somit sehen beide Parteien ihre Fehler nicht ein und das Problem wird immer wieder auftreten und kann sogar andere Konflikte nach sich ziehen.
Ein Handeln ist an dieser Stelle notwendig. Es muss eine neue Konfliktkultur geschaffen werden, die diesem vorbeugt und entgegenwirkt. Ein Mittel mit dem die Gesellschaft dieses Problem angehen kann, ist das der Mediation, welches ich im folgenden Abschnitt erläutern möchte.
3. Grundideen- und Prinzipien der Mediation
Das Mediationsverfahren hat in den USA eine lange Tradition. Seit der Bürgerrechtsbewegung fand es neben herkömmlichen Justizverfahren seinen Einsatz.
Da das Mediationsverfahren sich allerdings viel breitflächiger einsetzen läßt, verbreitete es sich sehr schnell auch auf soziale, familiäre und politische Bereiche.
In den 90er Jahren erlangte das Mediationsverfahren unter dem Namen „Täter-Opfer-Ausgleich“ auch in Deutschland eine weitreichende Verbreitung, wie z. B. im Straf- oder Familienrecht. Das Hinzuziehen eines neutralen, unparteiischen Vermittlers, dem Mediator, birgt die Möglichkeit für eine vielzahl von Konfliktarten eine angemessene Lösung für die Konfliktparteien zu finden. Dieses Potential macht das Mediationsverfahren für die Schule sehr interessant und erklärt somit, dass seit dem Beginn der 90er Jahre auch ein breites Interesse an der Schulmediation zu erkennen ist und bis heute anhält. 14
14 vgl. Simsa, Christiane: Mediation in Schulen. S.1ff
Arbeit zitieren:
Marlies Eberding, 2004, Ansätze der Lehrerfortbildung im Bereich der Mediation, München, GRIN Verlag GmbH
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