1. Einleitung
Die folgende kleine Untersuchung widmet sich, ausgehend von einer diskursgeschichtlichen Herleitung der Bedingungen der wissenschaftlichen Konstitution des Textkorpus, einer Metaphernanalyse. Es werden verschiedene Metaphernkonzepte besprochen um endlich an ausgewählten Beispielen die Anwendungsmöglichkeiten soziokultureller Aspekte der Metaphernanalyse zu beleuchten. 2. Geschichte des Diskursbegriffes
Der Diskursbegriff führte bis in die 70er Jahre ein kaum beachtetes Schattendasein. Rein deskriptiv verstand man darunter einen „erörternden Vortrag“ oder ein „hin und her gehendes Gespräch.“(1). Habermas wertete diesen Begriff in seiner `Theorie des kommunikativen Handelns` im philosophischen Sinne auf, indem er dem Diskurs die zentrale Aufgabe zuwies, geltende Normen in einer von Herrschaft freien Auseinandersetzung zu legitimieren. Im Vertrauen auf die in der Tradition der Aufklärung verankerte Macht der Rationalität, die in der Struktur der Sprache selbst angelegt ist, sollte eine Gesellschaft in dieser idealtypischen Weise ihren Weg bestimmen können.
Der französische Historiker und Philosoph Foucault entkleidete den Diskursbegriff dieser ahistorischen und idealen Bestimmung. In seinem grundlegenden Vortrag `Die Ordnung des Diskurses` entwickelt er einen Diskursbegriff, den er zu einem grundlegenden Instrument zur Erkenntnis der Geschichte machte. In seinen Untersuchungen verfolgte er die Frage, wie sich das historische Selbstverständnis einer Gesellschaft in der sprachlich organisierten Struktur ihres Wissens ausdrückt. In Diskursen wird festgelegt, was innerhalb einer Gesellschaft und deren Teilsystemen gedacht und nicht gedacht werden kann. Der Diskurs funktioniert nur durch Ausgrenzung, Tabus, Verbote und Schweigen. Damit legt er im Horizont der jeweiligen Gesellschaft das Sagbare fest. Die gesellschaftlichen Subjekte sind strukturell durch diese Regeln gebunden, sie setzen sie nicht selbst, sind ihnen gegenüber nicht frei.
Der Diskurs, der sich in die verschiedensten gesellschaftlichen Bereiche ausdifferenziert, spiegelt das gesellschaftliche Kräfteverhältnis. Diskurse sind ideologisch angelegt, stehen im Dienste und affimieren und rechtfertigen herrschende Strukturen. (2) Foucault entwickelte kein konsequent strukturiertes Theoriegebäude, so dass auch der von ihm entwickelte Diskursbegriff unterschiedliche Formen annahm.
Wie wurde dieser Foucaultsche Diskursbegriff für die linguistische Forschung fruchtbar gemacht?
3. Die Konstituierung einer linguistischen Diskursanalyse In ihrem Aufsatz `Ist Diskurs ein sprachwissenschaftliches Objekt? `(3) entwickeln Busse/Teubert die Prinzipien, nach denen in wissenschaftlich geregelter Form ein linguistisches Forschungsprojekt diskursanalytisch konstituiert werden kann. Sie definieren Diskurs als „virtuelle Textkorpora, deren Zusammensetzung durch im weitesten Sinne inhaltliche (bzw. semantische) Kriterien bestimmt wird“. (4) Damit
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ein Textkorpus real wird, ist eine Auswahl aus einer beinahe unendlichen Anzahl von Texten oder anderen Medien zu treffen, die thematische Gemeinsamkeiten aufweisen, also einem bestimmten Diskurs zugehören. Eine Selektion vornehmen heisst aber immer, nach ausgewiesenen Wertgesichtspunkten, die kenntlich zu machen und zu legitimieren sind, Texte abzuweisen oder zuzulassen. Dies ist der erste Konstituierungsakt, in dem Vorentscheidungen über die möglichen Ergebnisse gefällt werden. Die zweite Erkenntnisebene wird festgelegt durch die Art der Fragestellungen. Ist man gewillt bei einer Analyse auf soziolinguistische Fragestellungen zu verzichten, so können auch hier die Ergebnisse nur in der Reichweite des gegebenen Fragehorizontes liegen.
Es ist also sowohl die Frage der Reduktion des virtuellen Korpus auf eine materielle, bearbeitbare Teilmenge als auch die Art der Fragestellungen, die eine linguistische Forschungsarbeit wissenschaftlich konstituieren. Der vorliegende Textkorpus besteht aus 96 Zeitungsberichten aus dem deutschsprachigen Raum, die sich im Zeitraum zwischen 1998 bis 2004 thematisch mit der Einführung des neuen Medienformats der Reality-Shows auseinandersetzen. Die Beschränkung der Auswahl auf Zeitungsartikel stellt eine Gleichwertigkeit der Textsorten her, die eine erhöhte Vergleichbarkeit garantieren. Die politische Bandbreite ist gestreut, doch überwiegen Zeitungsartikel aus dem konservativen Lager. Die anzuwendenden Metapherntheorien und die leitenden Fragestellungen werden im nächsten Teil erläutert. 4. Metaphernkonzepte
Die Metapherntheorie ist nur eine von vielen linguistischen Methoden Textkorpora zu untersuchen. Eine wirklich vollständige Analyse mit erschöpfendem Aussagewert wäre gegeben, wendete man kombinierte Analysemethoden an, in denen sich Lexem-Metaphern- Argumentations- und Kollokationsanalysen ergänzten. Diese Arbeit beschränkt sich aus Gründen des Umfanges auf eine Metaphernanalyse. In der Antike gelten Metaphern als rhetorische Stilmittel, einen Text ornamental auszuschmücken. In diesem allgemeinen Sinne kann man, ausgehend von der ursprünglichen griechischen Bedeutung metapherein `anderswohin tragen`, Metaphern bestimmen als „sprachliche Bilder, die auf einer Ähnlichkeitsbezeichnung zwischen zwei Gegenständen bzw. Begriffen beruhen, d.h. auf Grund gleicher oder ähnlicher Bedeutungsmerkmale findet eine Bezeichnungsübertragung statt.“ (5) Das Interessante an Metaphern ist ihre Eigenschaft nicht blosses Abbild der Realität zu sein.
Sie sind sprachliche Kreationen, die etwas ausdrücken, was über die rein faktische Realität hinausragt. Sie schaffen Verbindungen zwischen verschiedenen, meist weit auseinander liegenden Wirklichkeitsbereichen und etablieren damit eine neue Ebene des Verständnisses, die nur im vorstellungsorientierten Bereich des menschlichen Bewusstseins liegen kann. Der Zusammenschluss dieser beiden Wirklichkeitsbereiche birgt künstlerische Qualitäten, da hier ein anschaulicher Bildbereich aufgeschlossen und auf einen anderen Bereich projiziert wird.
Diese rein formale Struktur der Metapher ist für eine diskursgeschichtliche Untersuchung Voraussetzung, aber nicht Zielpunkt der Betrachtung. Hier muss ein
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Arbeit zitieren:
Peter Tausch, 2005, Zur Konstituierung eines diskursanalytischen Textkorpus und dessen metaphernanalytischen Untersuchung , München, GRIN Verlag GmbH
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