FH Emden
Kinderarmut in Deutschland -
Auswirkungen von Armut auf die kindliche Entwicklung
Diplomarbeit
zur Abschlussprüfung im Fachbereich Sozialwesen,
zum Diplom- Sozialarbeiter / Sozialpädagoge
Vorgelegt von: Peter Niemeier
2004
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Die Infanitilisierung des Phänomens Armut
1. Einleitung ... 7
2. Armut in einem „reichen“ Land? ... 9
3. Kurzer historischer Überblick über die „Armut“ ... 11
4. Umriss des Begriffs „Armut“ (Versuch einer Definition) ... 13
4.1. Definitionen von Armut ... 13
4.1.1. Der Ressourcenansatz ... 14
4.1.2. Der Lebenslagenansatz ... 15
4.2. Die Sozialhilfe als Armutsindikator? ... 16
5. Umfang von Kinderarmut in Deutschland (Zahlen und Fakten?) ... 17
6. Allgemeine Ursachen der Armut von Kindern und Jugendlichen ... 20
7. Der Globalisierungsprozess als Mitverursacher der Armut? ... 22
8. Von Armut gefährdete Kinder im Sozialstaat ... 24
Kapitel 2
Auswirkungen auf das Soziale Umfeld, die Sozialisation, die Psyche und die Gesundheit des Kindes im familiären Kontext
1. Allgemeine Auswirkungen von Armut auf die kindliche Entwicklung (Hintergrundinformationen über die Bereiche Soziales Umfeld, Sozialisation, Psyche und Gesundheit) ... 27
2. Familien in der Arbeitslosigkeit ... 32
3. Auswirkungen auf das soziale Umfeld des Kindes ... 33
3.1. Familie: Be- oder Entlastung in der Arbeitslosigkeit? ... 35
3.2. Veränderung der familiären Rollen- und Beziehungsstrukturen ... 36
3.3. Veränderungen der Eltern- Kind- Beziehungen ... 38
3.4. Kindesvernachlässigung und Misshandlung ... 39
3.5. Armut aus Sicht der Kinder ... 41
4. Auswirkungen auf die Sozialisation und die Psyche des Kindes ... 43
4.1. Der Sozialisationsprozess und die Bedeutung einer uneingeschränkten Entwicklungsmöglichkeit ... 43
4.2. Dimensionen von Mangellagen, die eine kindliche Entwicklung belasten bzw. gefährden können ... 45
4.3. Psychische Auffälligkeiten bei Kindern in benachteiligten Lebenssituationen ... 47
4.4. Die Geschlechtsrolle der Armutssituation und das Selbstbild der Eltern in Bezug auf die Auswirkungen der psycho-sozialen Situation bei Kindern und Jugendlichen ... 50
4.5. Leistungsorientierung und schulische Entwicklung von armen Kindern ... 52
4.6. Berufslaufbahn und Erwachsenenpersönlichkeit der Kinder Arbeitsloser ... 54
5. Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes ... 55
5.1. Kinderarmut und Schichtzugehörigkeit? ... 55
5.2. Gesundheitliche Auswirkungen der Armut im Kindes- und Jugendalter ... 57
5.3. Auswirkungen auf das Gesundheitsverhalten ... 60
5.4. Zukunftsaussichten ... 62
6. Personale Ressourcen zur Bewältigung bei Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit der familiären Situation ... 63
Kapitel 3
Handlungsansätze in der Sozialen Arbeit
1. Kinderarmut als aktuelle Herausforderung für die Soziale Arbeit ... 67
2. Kinderarmut als sozialstaatliche Herausforderung ... 68
3. Kinderarmut als sozialarbeiterische Problemstellung ... 70
4. Sozialarbeiterische Handlungsansätze zur Armutsbekämpfung ... 72
4.1. Sozialarbeiterische Interventionsebenen ... 74
4.2. Die Sozialplanung ... 75
4.2.1. Der Sozialplanungsprozess ... 77
4.2.2. Die Rolle der Sozialarbeit bei der Sozialplanung ... 78
4.3. Die Gemeinwesenarbeit ... 79
4.3.1. Der Umsetzungsprozess der Gemeinwesenarbeit ... 81
4.3.2. Die Rolle der Sozialarbeit bei der Gemeinwesenarbeit ... 81
4.4. Allgemeine Handlungsansätze gegen die Kinderarmut ... 82
4.5. Schlusswort ... 84
Literaturverzeichnis ... 85
Sonstige Literatur und Internetadressen ... 89
Anhang ... 91
Anlage1 ... 92
Anlage 2 ... 93
„Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das wenige genommen.
Wenn du aber gar nichts hast,
Ach so lasse dich begraben-
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur, die etwas haben.“
Heinrich Heine
Kapitel 1
Die Infanitilisierung des Phänomens Armut
1. Einleitung
„Armut oder gar Kinderarmut gibt es in Deutschland nicht.“ Dieser Mythos war bis Ende der neunziger Jahre in dem gesellschaftlichen Gedankengut fest verankert. Selbst für die Politik und Wissenschaft war die „Armut in Deutschland“ ein stark vernachlässigter Themenbereich, obwohl bereits im Jahre 1976 Heiner Geißler mit der Veröffentlichung seines Buches „Die neue soziale Frage“ auf eine wachsende Armutstendenz hinwies. In seinen Ausführungen stellte Geißler neue Formen von Unterprivilegierungen in der Bundesrepublik Deutschland heraus und behandelte das Thema Armut im Kontext des herrschenden Sozialstaates: >Armut im Wohlfahrtsstaat<. Es folgten eine Reihe von Armuts- und Sozialberichten der Wohlfahrtsverbände (z.B. Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband 1989), Kirchen usw., die intensiv auf dieses gesellschaftliche Phänomen hinwiesen. Während der neunziger Jahre wuchs dann das Interesse an der Armutsproblematik und setzte eine Welle von Armutsforschungen in Gang. Eine interessante Erkenntnis ergab sich mit der Veröffentlichung des zehnten Kinder- und Jugendberichtes im Jahre 1998. Hier wurde zum ersten Mal im Auftrag der Bundesregierung die Armut im Blickfeld des politischen Interesses analysiert. Die Forschungsergebnisse enthüllten vor allem auch eine starke Betroffenheit bei Kindern und Jugendlichen in der BRD. Mittlerweile wird regelrecht von einer „Infantilisierung“ der Armut gesprochen, da die Kinderarmut immer erschreckendere Ausmaße annimmt. Die Kinderarmut und die soziale Ungerechtigkeit hat, bezogen auf den Ursachen und deren Auswirkungen, sehr viele unterschiedliche Facetten. Die Umstrukturierung des Sozialstaates im Sinne der Globalisierung, Arbeitslosigkeit, die Zunahme von Elternteilfamilien infolge hoher Scheidungsraten, Kinderreichtum und Migration werden vorrangig als Risikofaktoren für diesen Prozess genannt. Kinderarmut hat nicht nur Auswirkungen auf die materiellen Ressourcen der Kinder, sondern bezieht sich auch auf die persönliche Entwicklung, Gesundheit und auf die Bildungschancen.
Mit dem Erscheinen des ersten Armut- und Reichtumsberichts in der Geschichte der Bundesrepublik im Jahre 2000 wurde die Diskussion über Armut und Reichtum publik gemacht und enttabuisiert und somit offiziell in das politische und gesellschaftliche Interesse gerückt.
Für mich gibt es tiefgehende Gründe, weshalb ich das Thema „Kinderarmut in Deutschland – Auswirkungen von Armut auf die kindliche Entwicklung (Soziales Umfeld, Sozialisation und Psyche, Gesundheit)“ zum Gegenstand meiner Diplomarbeit gemacht habe.
Zum einen habe ich bereits durch mein Projekt in der Frühförderstelle XXXX direkte Erfahrungen mit Kindern in Armutsverhältnissen machen können. So habe ich in der Frühförderung eine kleine Kindergruppe mitgeleitet und betreut. Eine wichtige Aufgabe in der Frühförderung ist unter anderem die Kinder „übergreifend“ zu betreuen und zu fördern. Dass heißt, dass die Kinder so gefördert werden müssen, dass sie die erzielten Fortschritte auch für zu Hause übertragen können. Dies setzt natürlich auch voraus, dass die familiären Verhältnisse auch näher beleuchtet werden müssen. Hausbesuche und Gespräche mit den Eltern sind hierfür wichtig. Leider litt ein Kind in unserer Gruppe auch stark unter Armut. Durch die intensive Beschäftigung und Auseinandersetzung mit diesem Kind habe ich eine Vielzahl von Eindrücken über die Armutsprobleme in der Familie erfahren. Nicht selten geht Armut einher mit Belastungssituationen, wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, familiären Schwierigkeiten, persönlicher Unzufriedenheit oder auffälligem Verhalten und Schulproblemen. Zum anderen finden zur Zeit in Deutschland immer mehr Kürzungen in den Sozialleistungen statt. Im Rahmen der Agenda 2010 möchte die Bundesregierung Anfang 2005 die Sozialhilfe und die Arbeitslosenhilfe zum so genannten Arbeitslosengeld II zusammenlegen. Für die Empfänger dieser staatlichen Unterstützung wird es zur Folge haben, dass sie weniger Sozialleistungen erhalten. Dadurch kommt es zu einen weiteren Anstieg bei der Kinderarmut. Somit ist die „Armut“ bzw. „Kinderarmut“ ein zentrales Arbeitsfeld für die Soziale Arbeit.
Diese Arbeit lässt sich in drei Bereiche gliedern. Zu Beginn werde ich den Begriff „Armut“ (Kinderarmut) mit seinen Hintergründen, bezogen auf Umfang und Ursachen, näher erläutern. Anschließend folgt die Ausführung der unterschiedlichen Auswirkungen auf das Soziale Umfeld, der Sozialisation, der Psyche und der Gesundheit des Kindes. Zum Schluss werde ich dann noch auf die Handlungsansätze in der Sozialarbeit und der Sozialpolitik eingehen.
Auf die weltweite oder europäische Armutssituation wird in dieser Arbeit nicht eingegangen.
2. Armut in einem „reichen“ Land?
Die Armut in Deutschland wurde lange Zeit offiziell totgeschwiegen, jedoch gibt es trotzdem einige unterschiedlichen Definitionen von einigen Professionen über die Erscheinungsformen und die Auswirkungen der Armut. Am prägnantesten sind wohl die Bilder und Berichte aus der „Dritten Welt“, die uns im Zuge der Massenmedien bekannt gemacht worden sind. Diese Vorgaben erschweren es demzufolge soziale Notlagen in mitten eines Wohlfahrtsstaates, wie Deutschland zu erkennen.
[...]
Arbeit zitieren:
Peter Niemeier, 2004, Kinderarmut in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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