Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Sein Leben 2
3 Erziehung 4
3.1.1 Vom Säugling bis zum Knaben 7
3.1.2 Vom Knaben bis zum Jüngling 9
3.1.3 Vom Jüngling bis zum Mann 10
3.1.4 Mannesalter. 11
4 Das Gesamtwerk. 12
5 Wirkung und Kritik 13
6 Summerhill 15
7 Resümee 17
8 Literatur 18
II
1 Einleitung
Jean-Jacques Rousseau der große französische Philosoph, Kulturkritiker und „intellektueller Wegbereiter der Französischen Revolution“ - so der Pädagoge Herwig Blankertz - als ein Paradigma der modernen europäischen Pädagogik ? Um dieser Frage nachzugehen sollen nachfolgend die Erziehungsgedanken Rousseaus dargestellt werden. Émile ou de l'éducation ist hierfür zweifelsohne sein wichtigstes Werk, doch muss dieses im Zusammenhang mit weiteren Werken betrachtet werden.
Aus diesem Grund werde zuerst ich auf seine Biographie eingehen, bevor ich seine Vorstellungen einer guten Erziehung schildere. Rousseau musste sich zeitlebens zahlreicher Kritik erwehren und auch nach seinem Tode verstummte diese nicht, so dass auch diese erwähnt werden soll. Seine Vorstellungen wurden oft diskutiert und zahlreiche ihm nachfolgende Pädagogen haben Ansätze davon übernommen. Eine Renaissance erlebten diese in der post 68er-Zeit. Antiautoritäre Erziehung und „Wachsen lassen“ kamen in Mode. Im britischen Summerhill wurde und wird eine komplette Schule nach diesen Prinzipien geführt. Diese soll als praktisches Beispiel zum Abschluss dieser Arbeit kurz vorgestellt werden.
Aus der Annahme, dass der Mensch von Natur aus gute Anlagen hat, die allerdings unter den Händen der Menschen entarten, folgert Rousseau, dass die Erziehung des Menschen so zu gestalten sei, dass sie im Einklang mit der Natur stehe. Um die Gedanken Rousseaus am besten darstellen zu können, habe ich bewusst viele Zitate, hauptsächlich aus dem Émile, gewählt.
Wenn im Folgenden von Émile gesprochen wird, steht der kursiv gedruckte Émile für das Buch Rousseaus, der in Standardschrift gedruckte für den Zögling des Erziehers Jean-Jacques.
1
2 Sein Leben
Ich werde in diesem Abschnitt keine Biographie im herkömmlichen Sinne aufzeigen indem ich Jahreszahl um Jahreszahl aneinanderreihe. Mir genügen einige wenige Ereignisse die für das Leben Rousseaus prägend waren. Zudem stelle ich seine beiden bekanntesten Werke den Gesellschaftsvertrag und den Èmile, kurz vor. Hierbei beziehe ich mich hauptsächlich auf die Kleine Weltgeschichte der Philosophie von Hans Joachim Störig.
Jean-Jacques Rousseau führte ein bewegtes Leben. 1712 im calvinistischen Genf geboren, entlief er mit 16 Jahren der Lehre und lebte für die nächsten Jahre auf dem Anwesen der Madamme de Warens, einer weit älteren Frau. Rousseau beschrieb sie wie folgt: „Sie war für mich mehr als eine Schwester, mehr als eine Mutter, mehr als eine Freundin, sogar mehr als eine Geliebte, und darum war sie keine Geliebte.“ 1 Er konvertierte, nicht zum letzten Mal in seinem Leben, zum katholischen Glauben. Nach seinen ersten literarischen Arbeiten zog es ihn in die französische Hauptstadt. Im Alter von 37 Jahren gewann er mit seinem Discours sur les sciences et les arts 2 den ersten Platz der Akademie von Dijon auf die Frage „ob die Wiederherstellung der Künste und Wissenschaften zur Verbesserung und Hebung der Sittlichkeit beigetragen habe ?“ und avancierte zum gefeierten Schriftsteller. Drei Jahre später im Jahr 1753 schrieb die Akademie eine zweite Preisfrage aus: „Wie entstand die Ungleichheit unter den Menschen und ist sie durch das natürliche Recht begründet ?“. Rousseau antwortete mit dem Discours sur l'origine et les fondements de l'inégalité parmi les hommes 3 . Seine darin enthaltenen Thesen seinen hier kurz dargestellt, da ich sie für das allgemeine Verständnis über Rousseau als notwendig erachte: die Entstehung des Eigentums führte zu Reichen und Armen, die Installation einer Obrigkeit - von den Reichen zu ihrem Schutz - unterteilte die Menschen in Herrschende und Beherrschte, durch die Ausartung der Macht in Willkür entstanden Herren und Sklaven.
Den Ausweg aus diesem Zustand versucht er in seinem Werk Du contrat social ou principes du droit politique 4 zu geben. Er erachtet es darin als möglich, eine Verfassung zu kreieren, „in der die natürliche und unveräußerliche Freiheit in Einklang gebracht ist mit dem Maß an Gewalt, das von Wesen staatlicher Ordnung
1 zit. in: Knoop / Schwab, 1981, S. 44.
2 dt.: Abhandlung über die Wissenschaften und Künste.
3 dt.: Abhandlung über Ursprung und Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen.
2
nun einmal nicht wegzudenken ist - Macht alleine kann nie Recht bilden. Die Grundlage einer rechtmäßigen Herrschaft kann [...] nur auf Übereinkunft [...] gegründet werden. Diese Übereinkunft ist der Gesellschaftsvertrag [...] Das Volk ist einziger Träger der Souveränität.“ 5 Der Willen des Volkes wird durch Abstimmung ermittelt. Damit der Einzelne mündig wird und seine Rolle in der Gesellschaft wahrnehmen kann, muss er eine ihn darauf vorbereitende Erziehung erfahren.
Wie diese Erziehung aussehen kann oder sogar auszusehen hat, schildert er in seinem 1762 erschienenen pädagogischen Hauptwerk Émile ou de l'éducation 6 . „Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen. 7 Dies sind die ersten Worte im Émile und gleichzeitig ein Grundgedanke Rousseaus. Die Aufgabe der Erziehung ist es, alle Einflüsse der Gesellschaft vom heranwachsenden Menschen fernzuhalten, bis er reif genug für dieselben ist. „Alles kommt darauf an, die grundsätzlich in jedem Menschen liegenden gute Naturanlage auf natürliche Weise werden und reifen zu lassen.“ 8 So gab er den Menschen die Möglichkeit an die Hand, diese „Entartung“ zu korrigieren, da, wenn alles unter ihren Händen entartete, sie auch die Fähigkeiten entwickeln konnten, dies zu ändern. 9 Damit brach er mit der von der Kirche gepredigten Erbsünde.
Zur Religion nimmt der inzwischen wieder zum Calvinismus konvertierte im Émile ebenfalls Stellung. Er äußert sich dazu im vierten Buch des Émile im Glaubensbekenntnis eines savoyardischen Vikars.
Störig schreibt hierzu: „Seine Religion ruht ganz auf dem Gefühl. Das Gefühl sagt mir, daß ein Gott ist. Mehr ist nicht notwendig, und mehr zu erkennen ist auch nicht möglich. >Auf diese Weise betrachte ich Gott in seinen Werken. Je mehr ich mich anstrenge, sein unendliches Wesen zu durchschauen, desto weniger begreife ich es. Er ist, aber das ist mir genug. Je weniger ich begreife, um so mehr bete ich ihn an. Ich demütige mich vor ihm und sage: Du Wesen der Wesen! Ich bin, weil du bist. Ich hebe mich empor zu deinem Urquell, wenn ich ohne Unterlass dein gedenke. Der würdigste Gebrauch meiner Vernunft ist, sie vor dir zu vernichten.<“ 10
4 dt.: Vom Gesellschaftsvertrag.
5 zit. in: Störig, 1974, S. 259.
6 dt.: Émile oder Über die Erziehung.
7 Rousseau, 1993, S. 9.
8 Störig, 1974, S. 260.
9 Vgl. Blankertz, 1982, S. 72.
3
Er nahm damit zu drei bedeutenden - wahrscheinlich sogar zu den gewichtigsten -Themenkomplexen - Gesellschaft und Politik, Erziehung sowie Religion - kritische, d.h. zum herrschenden Verständnis konträre Positionen ein. Diese Tatsache machte ihn weithin bekannt und beim Volk beliebt. Doch hatte es auch zur Folge, dass er, um der Obrigkeit zu entfliehen, des öfteren seinen Wohnort wechseln musste und manche seiner Bücher, darunter auch der Émile, zeitweilig verbrannt worden sind.
Als Ludwig XVI im Gefängnis die Werke Voltaires und Rousseaus erblickte, sagte er: „Diese beiden Männer haben Frankreich zerstört“, Napoleon sagte später: „Die Bourbonen hätten sich halten können, wenn sie Tinte und Papier überwacht hätten“. 11 Beide Einschätzungen zeigen, welche Wirkung Rousseaus Schriften im Frankreich des 18. Jahrhundert entwickelt haben.
3 Erziehung
Im Folgenden werde ich auf die Erziehungsvorstellungen, wie er sie im Émile schildert, eingehen. Dabei werde ich mich hauptsächlich - neben dem Émile - auf Blankertz und Dietrich stützen. Ich werde nach einer allgemeinen Einordnung seiner Erziehungsvorstellungen die einzelnen Phasen in der Erziehung eines Kindes von klein auf vorstellen. Im Èmile ist jeder der Phasen ein separates Buch gewidmet, diese Einteilung werde ich im Wesentlichen beibehalten.
Rousseau folgt in seiner Vorstellung von Erziehung der griechischen Erziehungs-Tradition, der „paideia“. Wie die Hellenen hat auch Rousseau das Erziehungsideal einer autonomen sittlichen Vervollkommnung bzw. einer Vervollkommnung der Menschheit als Ganzes. Er unterscheidet sich jedoch hinsichtlich des Erziehungsmittels: während die griechische Tradition auf Ermutigung und Lob baut, sieht er das „Wachsen lassen“ als am geeignetsten an.
Aufgrund seiner Lebensdaten kann der gebürtige Genfer der Epoche der Aufklärung zugeordnet werden. In dieser Phase beginnt sich ein Bildungswesen für alle zu entwickeln und wird somit zum Allgemeingut. Rousseau ist jedoch von seiner Veranlagung und Programmatik mehr ein Gefühlsphilosoph, so Dietrich. Seine Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, nach dem
10 zit. in: Störig, 1974, S. 260.
11 Störig, 1974, S. 261.
4
Arbeit zitieren:
Sven Wettach, 2004, Rousseau: das Paradigma moderner europäischer Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Jean Jaques Rousseau als Wegbereiter einer neuen Pädagogik
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Geschichte der Erziehung: Zurück zur Natur und die natürliche Erziehun...
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Seminararbeit, 19 Seiten
Pippi Langstrumpf - eine didaktische Analyse
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 18 Seiten
Jean-Jaques Rousseaus Einfluss auf Johann Heinrich Pestalozzis Denken ...
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Referat (Ausarbeitung), 28 Seiten
Thomas Hobbes, Leviathan - Vom Naturzustand zum starken Staat
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Erving Goffman - „Der dramaturgische Ansatz“ und die Analyse totaler I...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 19 Seiten
Welche Bedeutung hat die interpersonale Kommunikation für die Vermittl...
Medien / Kommunikation - Interpersonale Kommunikation
Seminararbeit, 26 Seiten
Wozu Erziehung? Über die Theorie der Erziehung bei Kant und Rousseau
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Zwischenprüfungsarbeit, 16 Seiten
Elemente der höfischen Erziehung und ihre Darstellung in Gottfrieds ...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Eine Schulbuchanalyse unter dem Gesichtspunkt der Multiperspektivität
Hausarbeit, 11 Seiten
Mittelalterliche Erziehung mit Schwerpunkt ritterliche Erziehung
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Hausarbeit, 24 Seiten
Unterrichtseinheit: Einführung Sturm und Drang - Prometheus (großer St...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Predigtentwurf mit Vorarbeiten zu 2. Korinther 12, 1-10 für den Gottes...
Theologie - Praktische Theologie
Examensarbeit, 33 Seiten
Unterrichtsentwurf: Schreiben wie die alten Ägypter
Unterrichtsentwurf, 34 Seiten
Ora serrata retinae - Magrellis poetologische Prinzipien und die Bedeu...
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Thomas Hobbes - Wie kommt der Mensch aus dem Naturzustand in eine geor...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 15 Seiten
Sven Wettach hat den Text Rousseau: das Paradigma moderner europäischer Pädagogik veröffentlicht
Sven Wettach hat einen neuen Text hochgeladen
Das Paradigma der Landschaft in Moderne und Postmoderne
(Post-)Modernist Terrains: Lan...
Manfred Schmeling, Monika Schmitz-Emans
Rousseau's Daughters: Domesticity, Education, and Autonomy in Modern F...
Jennifer J. Popiel
Grotesque Figures: Baudelaire, Rousseau, and the Aesthetics of Moderni...
Virginia E. Swain, Stephen G. Nichols, Gerald Prince
Stundenblätter Deutsch. Lyrik von der Klassik bis zur Moderne
Sekundarstufe II
Adelheid Petruschke
0 Kommentare