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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 2
2. Die Reise nach Baden-Baden im Jahre 1861. 3
3. Die Reisen nach London und Paris (1862) 6
4. Die Besichtigung der Walhalla im Jahre 1866. 9
5. Venedig 1868. 12
Literatur 13
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1. Einleitung
An ihrem 70. Geburtstag wurde Mathilde Weber vom Tübinger Gemeinderat aufgrund ihres sozialen Engagements und ihres Wirkens in der Frauenfrage als „Wolthäterin der Stadt“ geehrt. Aber sie setzte sich nicht nur für die Gleichberechtigung der Frauen und die Unterstützung der Armen ein, sondern reiste auch leidenschaftlich gerne: „Aber auch ihre Phantasie und der Drang nach Reisen und Kunstgenüssen wurde früh schon angeregt durch das grosse Erzählungstalent der Mutter“ (*Pataky 1971, S.413). Mathilde Weber hielt die für sie oftmals überwältigenden und faszinierenden Reiseeindrücke schriftlich fest. Aber sie kann nicht nur positives über ihre Fahrten berichten. Nicht selten werden ihre hohen Erwartungen im Vorfeld einer Reise durch unterschiedlichste Ursachen enttäuscht oder zumindest gedämpft.
Im Jahre 1877 veröffentlicht Mathilde Weber unter dem Titel Reisebriefe einer schwäbischen Kleinstädterin eine Sammlung ihrer Reiseberichte aus den Jahren 1861 bis 1874. Sie schreibt darin über ihre Reisen nach Baden-Baden, London, Paris, Venedig, Rom, Neapel und zur Walhalla. Zwei Jahre später, 1879 erscheinen die Plaudereien über Paris und die Weltausstellung im Jahre 1878. In diesem Büchlein beschreibt sie meisterhaft und äußerst unterhaltsam die Wirkung, die die Weltausstellung und die neuartigen technischen Errungenschaften auf sie haben und den damit verbundenen Reiz, den die industrielle Revolution auf sie und ihre Zeitgenossen ausübt.
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2. Die Reise nach Baden-Baden im Jahre 1861
In Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre singt Mignon ihr Italienlied: …
Kennst du das Haus? auf Säulen ruht sein Dach Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach, Und Marmorbilder stehn und sehn mich an: Was hat man dir, du armes Kind, getan? Kennst du es wohl? Dahin! Dahin
Möchte ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn! (*Goethe, 1962, S 145) …
Diese zweite Strophe des Liedes wählt Mathilde Weber als Motto für ihre Reise in das „viel gerühmte Baden-Baden“ (°Weber, 1877, S.3). So sehnsüchtig wie Mignon sich wünscht nach Italien zu reisen, so drängt es Mathilde Weber in die mondäne Kurstadt. Sie freut sich darauf, die „Pracht der Toiletten“ (ebd. S.3) und die „Grazie und weltberühmte Anmuth der Französinnen“ (ebd. S.3) zu sehen. Es macht fast den Eindruck, als habe Mathilde Weber das Reisefieber in ganz besonderem Ausmaße erfasst, so enthusiastisch schreibt sie über ihre Erwartungen an die Reise. Sie, die Sparsame, Bodenständige will sogar ihr „Glück im Spiel probieren“ (ebd. S.4), was nicht nur den Leser, sondern auch ihren Mann erstaunt: „’Was, Du willst spielen?’ rief er entsetzt…“(ebd. S. 4).
Doch bereits zu Hause in Tübingen macht Mathilde Weber ihre wie sie meint „ländliche Naivität“ (ebd. S.3) und ihre in ihren Augen unzureichende Garderobe für eine solch vornehme Reise zu schaffen. Ihre Bedenken verstärken sich noch, als sie und ihr Mann in der III. Klasse nach Baden-Baden fahren, während ihre Reisegenossen die Abteile der I. und II. Klasse benutzen. Sie fühlt sich unwohl in ihrer neuen Umgebung. Als das Ehepaar das Hotel betritt, stellt Mathilde Weber fest:
… wurde es mir Thörin doch immer mehr, besonders beim Eintreten in das Hôtel unter all’ dem Gewühl und vornehmen Geflüster und Geschnatter, als müsse ich selbst eine Rolle auf diesem Welttheater mitspielen; ich arme, kleine Landpomeranze, ich weniger als nichts in diesem großen Getreibe (ebd. S.5). Zu ihren Erwartungen schreibt sie:
Mit dem innigsten Verlangen und der sicheren Hoffnung recht viele interessante Menschen kennen zu lernen, stürzt man sich mit seinem naiven, kleinstädterischen, menschenfreundlichen Herzen in dieses Gewühl (ebd. S.6).
Dieses Verlangen und diese Hoffnung sind bitter enttäuscht worden. Sie bekommt die Anonymität zu spüren, die unter den Besuchern Baden-Badens herrscht. Aufgrund dieser Namenlosigkeit ist es schwierig für sie, die so sehnlich erhofften Bekanntschaften zu
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schließen: „Aber o weh! - Eine Kluft, weit größer als der Atlantische Ozean liegt zwischen uns und ihm, der täglich hier an Dir vorübergeht…“ (ebd. S.7).
Aber Mathilde Weber kritisiert nicht nur die Anonymität in Baden-Baden, sondern betrachtet die gesellschaftliche Konvention des einander-vorstellens ganz allgemein. Sie beklagt sich über die Tatsache, dass Menschen, die nicht miteinander bekannt sind (sie nennt diese ‚Unvorgestellte’), zur damaligen Zeit nicht miteinander verkehren durften. Ebenso unsinnig scheint hier die ländliche Idee sich unter die Menschen zu mischen, oder mit ihnen gar verkehren zu wollen. Was sich in der großen Welt nicht v o r g e s t e l l t ist, existiert gar nicht, ist ein leerer, gehaltloser Schatten…(ebd. S. 9) Humorvoll und doch zugleich kritisch karikiert Mathilde Weber die Vornehmheit der Gesellschaft im Kurbad. Sie beschreibt, wie sie sich bemüht, sich selbst das „Aussehen von Vornehmheit zu geben, oder wenigstens die Berechtigung, zur Gesellschaft gezählt zu werden…“ (ebd. S.9). Sie beobachtet die feinen Herrschaften und stellt fest, dass man „hochmüthig, vornehm und gelangweilt“ (ebd. S.9) aussehen müsse, um salonfähig zu wirken. Außerdem seien ‚Gleichgültigkeit’ und „Geringschätzung gegen alle Mitmenschen, namentlich die Untergeordneten“ wichtig für den „modeüblichen Hochmuth“ (ebd. S.10). Ihre „Versuche zur Vornehmheit“ (ebd. S.10) misslingen allerdings und so verzichtet sie mit „großer Resignation auf alle weiteren Versuche zum Vornehm- und Hochmüthigsein, zum Menschenverachten und Ignorieren…“ (ebd. S.10).
Als „einen Hauptreiz und zwar einen infernalischen“ (ebd. S.12) bezeichnet Mathilde Weber die Spielbank, welche sie auch besucht. Sie spielt zwar nicht selbst, wie es vor der Abreise ihr Wunsch war, beobachtet jedoch andere beim Spiel - und bekundet öffentlich ihr Mitgefühl und Entsetzten als diese verlieren. Diese Äußerungen der Menschlichkeit bringen ihr Unmut und Gelächter seitens der Zuschauer ein. Selbst ihr Mann „glaubte uns entschieden genug blamiert für heute…“´(ebd. S. 14).
Nicht nur im Casino, sondern auch auf der Straße setzt sich Mathilde Weber in die Nesseln. Als sie und ihr Mann eines Mittags in der Lindenthaler Allee sitzen, rauschten ein paar Damen voll Seide, Sammt und Spitzen daher, die Haare in Netzen gleich langen Fischschwänzen über den Rücken hängend, wunderbar geschnürt mit goldenen Schmetterlingen und Muscheln. (ebd. S.16).
Mathilde Weber hält diese Frauen für Fürstinnen, da sie „so recht vornehm“ (ebd.S. 16) aussehen. Als sie ihre Vermutung ihrem Mann mitteilt lacht dieser „sonderbar höhnisch auf“ (ebd. S.16) und erklärt seiner Frau, dass es sich um Prostituierte handle. Die stets human und zugleich bürgerlich denkende Mathilde Weber schreibt daraufhin: Ich wurde unwillkürlich roth, und es gab mir einen Stich ins Herz. Das war also ein Stück von der so oft zwischen den Zeilen beschriebenen pariser Schande, von der wir
Arbeit zitieren:
Marco Kerlein, 2004, Die 'Wohlthäterin der Stadt' auf Reisen, München, GRIN Verlag GmbH
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