Gliederung
Einleitung
1. Ausgewählte Elemente aus Psychoanalyse und Transaktionsanalyse
1.1. Psychoanalyse: Übertragung und Gegenübertragung
1.2. Psychoanalyse: Verleugnung
1.3. Transaktionsanalyse: Funktionsmodell der Ich-Zustände
1.4. Transaktionsanalyse: Transaktionen
1.5. Transaktionsanalyse: Dramadreieck
1.6. Transaktionsanalyse: Grundbotschaften und innere Antreiber
2. Der Berater
2.1. Der sozialpädagogische Habitus in der Trennungs- und Scheidungsberatung
2.2. Professionalität in der Fallarbeit
3. Der Prozess der Beratung
3.1 Der Blick auf das Kind
3.2. Die Arbeit mit den Eltern
3.3. Die Verwendung psychoanalytischer und transaktionsanalytischer
Erkenntnisse für die Rolle des sozialpädagogischen Beraters
4. Fazit
Literaturverzeichnis
2
„Die Eltern haben ihren Kindern gemeinsam das Leben geschenkt. Sie haben daher die moralische Verpflichtung, gegebenenfalls auch über die Kündigung des Ehevertrages hinaus das Bestmögliche für ihre Kinder zu tun. Nur grausame oder gedankenlose Eltern wetteifern um die Zeit, die Zuneigung oder die Loyalität ihrer Kinder.“ Vance Packard 1
Einleitung
Herr und Frau M. werden sich trennen. Keiner von beiden ist bereit, auf den anderen einzugehen. Sie machen sich gegenseitige Vorhaltungen und sie wollen nie wieder miteinander zu tun haben. Da sie aber zwei gemeinsame Kinder haben, sind sie gezwungen, Einigungen bezüglich des Aufenthaltsortes und der Besuchszeiten, sowie des Unterhaltes zu finden. Tochter Leonie, 13 Jahre alt, schwänzt immer häufiger die Schule. Mutter und Vater sind besorgt und alle vier Familienmitglieder leiden erheblich unter der Situation. Inwieweit könnten Erkenntnisse aus der Psychoanalyse 2 und der Transaktionsanalyse 3 in dieser oder einer ähnlichen Situation, aus der heraus eine sozialpädagogische Beratung erforderlich ist, eine Rolle spielen?
In der vorliegenden Ausarbeitung gehe ich den Möglichkeiten einer Umsetzung von psychoanalytischer Sozialarbeit im Feld sozialpädagogischer Beratung auf den Grund. „Obwohl der Begriff Psychoanalytische Sozialarbeit ein eng umschriebenes Spezialgebiet der Sozialarbeit zu definieren scheint, handelt es sich in Wirklichkeit doch um das weite Feld des Verhältnisses und des Zusammenwirkens von Psychoanalyse auf der einen und sozialer Arbeit auf der anderen Seite“, schreibt Urte Finger-Trescher. 4
Um der Frage nach der Gestaltung dieses Verhältnisses auf den Grund zu gehen, stelle ich im ersten Teil meiner Ausarbeitung Elemente der Lehre der Psychoanalyse und der Transaktionsanalyse dar, wobei ich die Transaktionsanalyse als eine der möglichen Weiterentwicklungen der Erkenntnisse aus der Psychoanalyse betrachte. Ich habe mich auf einige wenige Elemente beschränkt, die in der Praxis der Beratung aufgrund ihrer gut verständlichen Struktur leicht zu erlernen sind und unmittelbar angewendet werden können. Im zweiten Teil gehe ich kurz auf den sozialpädagogischen Habitus im Kontext der Scheidungs- und Trennungsberatung und auf die wesentlichen Aspekte, die Professionalität in sozialpädagogischer Fallarbeit ausmachen und darauf, welche Rolle die Psychoanalyse im Kontext sozialpädagogischer Kasuistik heute spielt, ein. Ich stelle stark zusammengefasst dar, in welchem Rahmen sozialpädagogische Scheidungs- und Trennungsberatung stattfindet und was die Qualität sozialpädagogischer Diagnostik und sozialpädagogischen Fallverstehens in jenem Feld ausmacht.
1 Bäuerle, S./Moll-Strobel, H.: Eltern sägen ihr Kind entzwei, Auer Verlag Donauwörth 2001, S. 5 (Zitat aus Packard, V. „Verlust der Geborgenheit“, Berlin 1988, S.200)
2 Psychoanalyse: „Verfahren zur Untersuchung und Behandlung seelischer Fehlleistungen, Störungen oder Verdrängungen mit Hilfe der Traumdeutung und der Erforschung der dem Unbewussten entstammenden Triebkonflikte“ (Duden 1982)
3 Transaktionsanalyse: „… von E.Berne (1910-1970) entwickelte tiefenpsychologische Therapieform…“ (Stimmer, F.: Lexikon der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit; Oldenbourg Verlag München Wien 2000)
4 Finger-Trescher, U: Psychoanalytische Sozialarbeit, in Otto, H.-U/Thiersch, H.: Handbuch Sozialarbeit Sozialpädagogik, Luchterhand, Neuwied 2001, S.1454 (Dr. Ute Finger-Trescher, Jugendamt Offenbach)
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Schließlich stelle ich im dritten Teil konkrete Anwendungsmöglichkeiten der beschriebenen Elemente im Kontext der Praxis vor. Hierbei differenziere ich zwischen dem Nutzen der Psychoanalyse und Transaktionsanalyse als Analyseinstrument für das Kind und der Relevanz für das Feld helfender Beratung, bzw. Mediation im Konflikt zwischen den Elternteilen, sowie den Möglichkeiten, die die Psychoanalyse und Transaktionsanalyse als Reflexionsinstrument für den Berater selbst bietet.
Abschließend betrachte ich die von mir vorgeschlagenen Anwendungsmöglichkeiten unter den im zweiten Teil beschriebenen Aspekten von Professionalität in der Fallarbeit und prüfe, inwieweit die von mir vorgestellten Elemente der Professionalität dienlich sein können. Die Möglichkeiten, die eine Anwendung transaktionsanalytischer Erkenntnisse im Kontext psychoanalytischer Sozialarbeit, insbesondere in der Beratung, beinhalten, werden deutlich.
4
1. Ausgewählte Elemente aus Psychoanalyse und Transaktionsanalyse
1.1.Psychoanalyse: Übertragung und Gegenübertragung
Übertragung und Gegenübertragung beschäftigen sich mit der unbewussten Dimension der Beziehung. Übertragungen und Gegenübertragungen, so Sigmund Freud 5 , kämen in jeder zwischenmenschlichen Beziehung vor. Mit Übertragung bezeichnet die Psychoanalyse „den Vorgang, in dem ein Individuum unbewusst seine Gefühle, Erwartungen und Wünsche, die es gegenüber früheren Bezugspersonen hatte, auf andere Personen, zu denen eine aktuelle Beziehung besteht, überträgt“ 6 . Gegenübertragung findet dann statt, wenn diejenige Person eine Übertragung annimmt und sich dementsprechend verhält.
1.2. Psychoanalyse: Verleugnung
Mit Verleugnung wird in der Psychoanalyse die Abwehr eines Stückes unangenehmer äußerer oder innerer Wirklichkeit mit Hilfe einer wunscherfüllten Fantasie bezeichnet. Die Fakten der Realität würden abgelehnt und durch eine Fantasie, die Wünsche befriedigt, ersetzt werden.
1.3. Transaktionsanalyse: Funktionsmodell der Ich-Zustände
Mit dem Begriff „Ich-Zustand“ verbindet die Transaktionsanalyse die Auffassung, dass es drei Kategorien oder innere Haltungen gäbe, die sich in den Erlebens- und Verhaltensweisen eines Menschen ausdrücken. Dabei handele es sich um 1. den Eltern-Ich-Zustand,
bei dem das Fühlen, Denken und Verhalten der Eltern zum Ausdruck komme. Agiert Jemand aus seinem Eltern-Ich-Zustand, kämen seine verinnerlichten Werte und Normen zum Ausdruck. 2. den Erwachsenen-Ich-Zustand
in dem das Fühlen, Denken und Verhalten eine direkte Reaktion auf das Hier und Jetzt sei. Es sei oft Vermittler zwischen den elementaren Bedürfnissen aus dem Kind-Ich und den widersprechenden Geboten aus dem Eltern-Ich. Hier fände eher das Denken statt. 3. den Kind-Ich-Zustand ,
in dem das Spontane, das Verhalten, Denken und Fühlen, das in der Kindheit entwickelt wurde zum Ausdruck komme. Zeige eine Person deutliche Gefühle, so agiere sie oftmals aus dem Kind-Ich-Zustand.
Im Funktionsmodell werden die jeweiligen Ich-Zustände differenziert in ein „nährendes“ und ein „kritisches Eltern-Ich“, sowie ein „reagierendes“ und ein „freies Kind“. Die jeweiligen Differenzierungen könnten, so die Transaktionsanalyse, wiederum eine positive oder negative Ausprägung haben. Das „freie Kind“ könne z.B. spontan, natürlich, unbefangen und selbstzufrieden (positiv) oder aber rücksichtslos und egoistisch sein (negativ). Das Funktionsmodell dient der Beschreibung von Verhalten.
5 Dr. Sigmund Freud (1956-1939), Begründer der Psychoanalyse
6 Stimmer, F.: Lexikon der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit, Oldenbourg Verlag München Wien, 2000
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Arbeit zitieren:
Cordula de Leeuw, 2005, Integration psychoanalytischer und transaktionsanalytischer Elemente in sozialpädagogische Trennungs- und Scheidungsberatung , München, GRIN Verlag GmbH
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