Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Intention und Grundlagen der Arbeit Seite 3
2. Konstruktion: Die Debatte um den Orientalismus und ihr Umfeld Seite 9
3. Fallbeispiel: Lawrence von Arabien Seite 19
3.1 Der Vermittler als Persönlichkeit in der Struktur der Geschichte Seite 19
3.2 T E Lawrence als Vermittler in Arabien Seite 23
4. Zusammenfassung Seite 34
Literatur- und Quellenverzeichnis Seite 36
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1. Einleitung: Intention und Grundlagen der Arbeit
Die Geschichtswissenschaft befindet sich in einem rückbesinnenden Umbruch: Das verstärkte Nachdenken über die „Kultur“ ist wieder aktuell geworden. 1 Mit einem 1989 erschienenen
Sammelband hat die amerikanische Historikerin Lynn Hunt die Richtung der zukünftigen Forschung vorgegeben: „New Cultural History“. 2 Zahlreiche Innovationen erlebte die
Geistes- und damit auch die Geschichtswissenschaft seit dem: Die Modelle und Entwürfe von Michel Foucault, Clifford Gertz’ Vorschlag zu einer „dichten Beschreibung“ von Kultur, die Überlegungen von Peter Berger und Thomas Luckmann zu einer „gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit“, sowie Georg G. Iggers und Hayden Whites Beiträge zum linguistic turn und zur Tropologie des historischen Diskurs. 3 Ebenso ging – wie im letzten
Satz bereits angedeutet – die Geschichtswissenschaft in den letzten Jahren durch mehrere „turns“, sogenannte „Wenden“ im Denken und damit einschneidende Veränderung im Bild der Geisteswissenschaften: genannt wurde bereits der linguistic turn, darüber hinaus gab es den iconic turn, sowie den performative turn. 4 Zuletzt machte nun der cultural turn auf sich
1 Vgl. auch im folgenden Hübinger, Gangolf, Die „Rückkehr“ der Kulturgeschichte, in: Cornelißen, Christoph (Hrsg.), Geschichtswissenschaften. Eine Einführung, Frankfurt am Main 2 2000, S. 162-177.
2 Hunt, Lynn Avery, The New Cultural History (Studies on the history of society and culture 6), Berkeley, Calif. 1989. Zur neueren Kulturgeschichte gab es in den letzten Jahren unzählige neue Publikationen, vgl. als Einführung und Übersicht Dinges, Martin, Neue Kulturgeschichte, in: Eibach, Joachim/Lottes, Günther (Hrsgg.), Kompass der Geschichtswissenschaft. Ein Handbruch, Göttingen 2002, S. 179-192 und Chartier, Roger, New Cultural History, in: ebd., S. 193-205. Hardtwig, Wolfgang/Wehler, Hans-Ulrich (Hrsg.), Kulturgeschichte heute (Geschichte und Gesellschaft Sonderheft 16), Göttingen 1996. Darin: Oexle, Otto Gerhard, Geschichte als Historische Kulturwissenschaft, S. 14-40. Es gibt natürlich auch kritische Stimmen zu einer solchen Neuen Kulturgeschichte, vgl. Maurer, Michael, Alte Kulturgeschichte – Neue Kulturgeschichte?, in: Historische Zeitschrift 280 (2005), S. 281-304. Dieser Beitrag versteht sich als ein Diskussionanstoß, in welchem das Wort „neu“ kritische hinterfragt werden soll und Anknüpfungsversuche der modernen Kulturgeschichte an alte Erkenntnisse untersucht werden.
3 Foucault, Michel, Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften, Frankfurt am Main 141997. Ders., Archäologie des Wissens, Frankfurt am Main 81997. Gertz, Clifford, Dichte Beschreibung: Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt am Main 1997 (Nachdruck). Berger, Peter L./Luckmann, Thomas, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt am Main 16 1999. Prägend für den linguistic turn wurde Rorty, Richard (Hrsg.), The Linguistic Turn: Resent Essays in Philosophical Method, Chicago 1992 (Nachdruck). Iggers, Georg G., Die „linguistische Wende“. Das Ende der Geschichte als Wissenschaft?, in: Ders., Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert: ein kritischer Überblick im internationalen Zusammenhang, Göttingen 21996, S.87-96. White, Hayden, Auch Klio dichtet oder Die Fiktion des Faktischen: Studien zur Tropologie des historischen Diskurses, Stuttgart 1991. Diese bibliographische Auflistung stellt eine Auswahl sowohl an Autoren, als auch an Publikationen dar, die jedoch von dem Autor als besonders herausragend und repräsentativ erachtet werden.
4 Vgl. unter anderem Schöttler, Peter, Wer hat Angst vor dem linguistic turn?, in: Geschichte und Gesellschaft 23 (1997), 1, S. 134-151. Mersmann, Birgit, Bildkulturwissenschaft als Kulturbildwissenschaft? Von der Notwendigkeit eines inter- und transkulturellen iconic turn, in: Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaften 49 (2004), 1, S. 91-111. Martschukat, Jürgen/Patzold, Steffen (Hrsg.), Geschichtswissenschaft und „performative turn“. Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Köln 2003. Ausgerichtet durch die Humboldt-Universität und die Freie Universität Berlin fand vom 28. August bis zum 4. September 2005 ein Sommerkurs unter dem Thema „Nach dem linguistic turn: Sprache, Begriffe und Perspektivität als methodische Probleme komparativer Geschichtswissenschaft“ statt, bei
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aufmerksam: Der erneute Zugriff auf die Kulturgeschichte. Sichtbares Zeichen dessen sind die letzten großen Veröffentlichungen von Jürgen Straub, Friedrich Jäger und Jörn Rüsen mit ihrem großem Projekt eines „Handbuch[s] der Kulturwissenschaften“, sowie das kompakte und sehr übersichtliche „Kompendium Kulturgeschichte“ von Ute Daniel. 5 Die Geschichtswissenschaft hat also den Ruf nach einer neuen Kulturgeschichte angenommen, allerdings nicht unter einem einseitigen Methodendiktat – im Gegenteil, der vielfältige Zugriff auf die Geschichte steht im Mittelpunkt der Überlegungen. Interdisziplinäre Impulse benachbarter Fachbereiche, wie der Philosophie, der Ethnologie und der Literaturwissenschaft werden integriert und führen so zu einer umfassenden Kulturwissenschaft. 6
Ein Teilbereich dieser kulturwissenschaftlichen Forschung ragte dabei in den letzten Jahren besonders heraus. Angeregt durch die Forschungen von Michel Espagne in Frankreich und vor allem Matthias Midell in Deutschland ist die Frage nach dem Transfer von bzw. zwischen Kulturen zu einem Schwerpunkt der Debatte geworden. 7
„Die zunehmende weltweite Vernetzung in allen Lebensbereichen löst nationalkulturelle Konzeptionen auf und führt zu stärkerer Beachtungen des Fluiden, Verbindenden, des wechselseitigen Austauschs. In diesem Kontext gewinnt die Analyse kultureller Transfers an Bedeutung, denn die Frage nach essentiellen kollektiven Gemeinsamkeiten einer Nation oder Ethnie hat in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung ihre Legitimation verloren – das Augenmerk wird jetzt auf jene Prozesse gelenkt, die zwischen verschiedenen sozialen Gruppierungen und kulturellen Strömungen ablaufen.“ 8
So urteilen Frederico Celestini und Helga Mittenbauer in der Einleitung ihres Sammelbandes. Die Debatte weist zwei Schlüsselbegriff auf: Einmal den des Kulturtransfers an sich und zum anderen den der transnationalen Geschichte. Die Untersuchung kultureller Transfers 9 bedingt
welchem zahlreiche methodische und theoretische Probleme, die auch für die folgende Arbeit relevant sind, erörtert worden, wie z.B. die Fragen nach der Transkulturalität und den postcolonial studies.
5 Die Liste an Literatur ließe sich fortsetzen, die beiden genannten Titel erscheinen dem Autor allerdings als herausragende und sehr gut nutzbare Handbücher zu einer umfassenden Orientierung: Jaeger, Friedrich/Straub, Jürgen/Liebsch, Burckhard/Rüsen, Jörn (Hrsgg.), Handbuch der Kulturwissenschaften in 3 Bänden, Stuttgart u.a. 2004-2005. Daniel, Ute, Kompendium Kulturgeschichte: Theorien, Praxis, Schlüsselwörter, Frankfurt am Main 3 2002.
6 Vgl. Sieder, Reinhard, Sozialgeschichte auf dem Weg zu einer historischen Kulturwissenschaft?, in: Geschichte und Gesellschaft 20 (1994), S. 445-468. Ebenso: Pauleit, Winfried, Zur Aktualität der Kulturwissenschaft, in: Ästhetik und Kommunikation 35 (2004), 126, S. 49-53.
7 Vgl. z.B. Espagne, Michel/Werner, Michael, Deutsch-französischer Kulturtransfer als Forschungsgegenstand. Eine Problemskizze, in: Dies. (Hrsgg.), Transferts. Les relations interculturelles dans l’espace franco-allemand (VVIIe et XIXe siècle), Paris 1988. Espagne, Michel/Greiling, Werner, Einleitung, in: Dies. (Hrsgg.), Frankreichfreunde. Mittler des französischen-deutschen Kulturtransfers (1750-1859), Leipzig 1996. Midell, Katharina/Midell, Matthias, Forschungen zum Kulturtransfer. Frankreich und Deutschland, in: Grenzgänge (1994), 1; 2, S. 107-122.
8 Celestini, Federico/Mitterbauer, Helga, Einleitung, in: Dies. (Hrsgg.), Ver-rückte Kulturen. Zur Dynamik kultureller Transfers (Stauffenburg Discussion. Studien zur Inter- und Multikultur 22), Tübingen 2003, S. 11. 9 Im deutschen Sprachgebrauch sollte man zwischen der Phrase „Kulturtransfer“ und der des „kulturellen Transfers“ trennen, denn beide implizieren unterschiedliches in ihrer Bedeutung. Wird im Sinne des ersten die Kultur an sich transferiert, so liegt beim zweiten der Fokus doch mehr auf dem Prozess des Transfers, der in der Sphäre des Kulturellen stattfindet. Vgl. dazu Suppanz, Werner, Transfer, Zirkulation, Blockierung.
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dabei die transnationale Geschichte zwangsläufig. Diese wird dabei als ein neues Projekt, nicht als ein neues Paradigma, welches das der Nationen ablöst, in die Diskussion eingeführt. 10 Transnationale Geschichte ist eine Forschungsperspektive, „die den
unterschiedlichen Graden der Interaktion, Verbindung, Zirkulation, Überschneidung und Verflechtung nachgeht, die über den Nationalstaat hinausreichen.“ 11 Einige Zeilen später wird
Kiran Klaus Patel in seinem Essay noch deutlicher in der Definition:
„Transnationale Geschichte umfasst demnach all das, was jenseits (und manchmal auch diesseits) des Nationalen liegt, sich aber auch durch dieses definiert – sei es, dass es sich daraus speist oder davon abgrenzt, dass es das Nationale erst konstituiert oder dass es sich um wechselseitige und dynamische Konstruktionsprozesse zwischen dem Nationalen und dem Transnationalen handelt.“ 12
Festzuhalten ist also, dass die transnationale Geschichte über das Nationale und damit die Nationalgeschichte hinausgeht; es wird aber die Nationalgeschichte keineswegs ersetzt, denn die Vernetzung verschiedener Räume macht nur Sinn, wenn das Nationale als Kategorie erhalten bleibt. Die transnationale Geschichte kann und will somit kein neues Paradigma sein, denn sie ergänzt lediglich ein bereits bestehendes. 13
In der modernen Forschungslandschaft ordnet sich die transnationale Geschichte zwischen die weltumspannende Tendenz der Globalisierung und die Historische Komparatistik ein, deren Inhalte und Methoden sie rezipiert. 14 Sie muss jedoch von der Globalisierung, denn diese
bezeichnet einen historischen Prozess, während die transnationale Geschichte eine Perspektive der Forschung ist, wie bereits durch Kiran Klaus Patel klar herausgestellt. Sie lässt sich auch „methodisch nicht eindeutig verorten, sondern vereint komparative, verflechtungs- und transfergeschichtliche Perspektiven. Sie ist potentiell zwar auch ‚global’,
Überlegungen zum kulturellen Transfer als Überschreiten signifikatorischer Grenzen, in: Celestini, Federico/Mitterbauer, Helga (Hrsgg.), Ver-rückte Kulturen. Zur Dynamik kultureller Transfers (Stauffenburg Discussion. Studien zur Inter- und Multikultur 22), Tübingen 2003, S. 21-35, bes. S. 21.
10 Vgl. dazu die zahlreiche Beiträge im Internetforum Geschichte.transnational (http://geschichte- transnational.clio-online.net/), vor allem den Beitrag von Patel, Kiran Klaus, Transnationale Geschichte – ein neues Paradigma? Eine Übersicht über die zahlreichen Essays ist auf den Internetseiten des Hsozkult-Servers zu finden, unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?id=584&pn=texte. Bemerkenswert ist also, dass man sich weitestgehend darüber einig ist, nicht von einer transnationalen Wende, einem transnational turn zu sprechen. Vgl. auch Midell, Matthias, Kulturtransfer und Historische Komparatistik – Thesen zu ihrem Verhältnis, in: Comparativ 10 (2000), 1, S. 7-41.
11 Vgl. Patel, Kiran Klaus, Transnationale Geschichte – ein neues Paradigma?
12 Ebd.
13 Vgl. auch Gerber, Adrian, Transnationale Geschichte „machen“ – Anmerkungen zu einem möglichen Vorgehen und Midell, Matthias, Transnationale Geschichte als transnationales Projekt? Zur Einführung in die Diskussion – alle zu finden im Internetforum Geschichte.transnational.
14 Vgl. Nützenadel, Alexander, Globalisierung und transnationale Geschichte. Kaeble, Hartmut, Die Debatte über Vergleich und Transfer und was jetzt?, beide im Internetforum Geschichte.transnational. Des weiteren Midell 2000. Paulmann, Johannes, Internationaler Vergleich und interkultureller Transfer. Zwei Forschungsansätze zur europäischen Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts, in: HZ 267 (1998), S. 649-685.
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nimmt aber häufig kleinere Einheiten in den Blick.“ 15 Das führt zu der Frage, was konkret eigentlich Gegenstand der transnationalen Geschichte ist und sein kann. Kiran Klaus Patel führt dazu aus: „Themen transnationaler Studien können die über den Nationalstaat hinausreichenden Interaktionen, Verbindungen, Zirkulationen, Überschneidungen und Verflechtungen von Menschen, materiellen Gegenständen und Institutionen jeder Art bilden, sei es in Form von sozialen Praktiken, Symbolsystemen oder Artefakten.“ 16 Es besteht also ein unlösbarer Konnex zu dem Themenfeld des „Kulturtransfers“. Der Begriff „Kulturtransfer“ kann sowohl inter- als auch intrakulturelle Wechselbeziehungen umfassen. Er umschließt dabei die Reziprozität und den Prozesscharakter des Untersuchungsgegenstandes. Kulturtransfer ist ein dynamischer Prozess, indem drei Elemente miteinander verbunden werden: die Ausgangskultur, die Vermittlungsinstanz und die Zielkultur. Untersucht werden dabei Subjekte, Objekte, Praktiken, Texte und Diskurse, die von der Ausgangskultur über den Prozess der Vermittlung in die Zielkultur übernommen werden. 17 „Mit dem Terminus Kulturtransfer wird [also] der Versuch ausgedrückt, von mehreren nationalen Räumen gleichzeitig zu sprechen, von ihren gemeinsamen Elementen, ohne die Betrachtung über die auf eine Konfrontation, einen Vergleich oder eine simple Addition zu beschränken.“ 18 Untersucht werden in diesem Konzept aber auch bevorzugt die Vermittlungsinstanzen, als auch die Formen der Aneignung und produktiven Rezeption des Vermittelten in der Zielkultur. 19 „Die Kulturtransfers sind nicht auf eine gesellschaftliche Sphäre beschränkt, sondern betreffen die Bewegung von Sachen, Personen und Ideen, sie erfassen die materielle Kultur ebenso wie die symbolischen Welten […].“ 20 In diesen Kontext stellt sich die folgende Arbeit, die aus zwei Abschnitten besteht. In einem ersten – Konstruktion genannt – soll das des Konstrukt Orients erklärt werden, sowie die sich
15 Nützenadel, Alexander, Globalisierung und transnationale Geschichte
16 Patel, Kiran Klaus, Transnationale Geschichte – ein neues Paradigma?
17 Vgl. Schmale, Wolfgang, Einleitung: Das Konzept „Kulturtransfer“ und das 16. Jahrhundert. Einige theoretische Grundlagen, in: Ders. (Hrsg.), Kulturtransfer. Kulturelle Praxis im 16. Jahrhundert (Wiener Schriften zur Geschichte der Neuzeit 2), Innsbruck 2003, S. ??-??, hier: S. 43.
18 Midell 2000, S. 17.
19 Vgl. Schmale 2003, S. 43.
20 Midell 2000, S. 18. Hervorhebung Erik Fischer. So ist z.B. das Problem der sprachlichen Vielfalt und des „Übersetzens“ zwischen Kulturen ein Mittelpunkt der Debatte. Vgl. Pernau, Margit, Global History – Wegbereiter für einen neuen Kolonialismus?, im Internetforum Geschichte.transnational. Ebenso Bachmann- Medick, Doris, Übersetzung als Medium interkultureller Kommunikation und Auseinandersetzung, in: Jaeger, Friedrich/Straub, Jürgen (Hrsgg.), Handbuch der Kulturwissenschaften Band 2: Paradigmen und Disziplinen, Stuttgart 2004, S. 449-465. Ebenso: Aoki Tamotsu, Zur Übersetzbarkeit von Kulturen, in: Matthes, Joachim (Hrsg.), Zwischen den Kulturen. Die Sozialwissenschaft vor dem Problem des Kulturvergleich (Soziale Welt. Sonderband 8), Göttingen 1992, S. 49-67. Ein anderes Problemfeld ist das der Differenz und Hybridität von Kulturen. Vgl. Ackermann, Jan, Das Eigene und das Fremde: Hybridität, Vielfalt und Kulturtransfer, in: Jaeger, Friedrich/Rüsen, Jörn (Hrsgg.), Handbuch der Kulturwissenschaften Band 3: Themen und Tendenzen, Stuttgart 2004, S: 139-154. Friedman, Susan Friedman, Das Sprechen über Grenzen, Hybridität und Performativität. Kulturtheorie und Identität in den Zwischenräumen der Differenz, in Mittelweg 36 12 (2003), 5, S. 34-52.
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auf dieses beziehende wissenschaftliche Haltung des Orientalismus. Grundlage hierfür ist natürlich einmal das bahnbrechende Werk von Edward W. Said selbst 21 , zum anderen
verschiedene in den letzten Jahren erschienene Publikationen. Als herausragend in ihrer Zusammenfassung muss dabei Isolde Kurz genannt werden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Orientalismus-Debatte in ihrer Gesamtheit darzustellen. Sie bezieht also den westlichen und den östlichen (arabischen) Standpunkt mit ein, und referiert die verschiedenen Forschungsstandpunkte. 22 Andere wichtige Arbeiten auf diesem Gebiet wurden von Sybille Bauriedl 23 , Jürgen Osterhammel 24 , Joachim Heidrich 25 , Jamal Malik 26 und Hartmut Fähndrich 27 verfasst. Da die Orientalismus-Debatte sehr stark theoretisch durchsetzt und
maßgeblich von den Polaritäten des Eigenen und Fremden, sowie des Wir und des Anderen bestimmt ist, sollen auch Anregungen aus benachbarten Wissenschaften verarbeitet werden, hauptsächlich von Kai-Uwe Hellmann, der über die Konstruktion der Fremdheit gearbeitet hat 28 , und diverse Publikationen zum Problem des Diskurses und der Diskursanalyse. 29 Das
Anliegen dieses Abschnittes soll es sein, die Beziehung zwischen dem Westen und dem Osten als die eines durch das Phänomenen des Orientalismus gestörten Kulturkontaktes darzustellen und gleichzeitig Möglichkeiten eines anderen Verständnisses dieses Verhältnisses aufzuzeigen.
Der zweite Abschnitt möchte sich dann einem konkreten Fallbeispiel annehmen: Thomas Edward Lawrence, „besser bekannt unter seinem ‚Nom de guerre’ Lawrence of Arabia.“ 30
Ziel dabei soll sein, Lawrence einmal als einen Vermittler im kulturellen Kontakt zwischen
21 Said, Edward W., Orientalismus, Frankfurt am Main 1981.
22 Kurz, Isolde, Vom Umgang mit dem anderen: die Orientalismus-Debatte zwischen Alteritätsdiskurs und interkultureller Kommunikation (Bibliotheca academica 5. Reihe Orientalistik 1), Würzburg 2000. 23 Bauriedl, Sybille, Konstruktionen des Orients in Deutschland, Berlin 1996.
24 Man vgl. aus dem umfangreichen Œuvre Osterhammel, Jürgen, Wissen als Macht. Deutungen kulturellen Nichtverstehens bei Tzvetan Todorov und Edward Said, in: Ders., Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats. Studien zu Beziehungsgeschichte und Zivilisation (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 147), Göttingen 2001, S. 240-265 und Ders., Edward W. Said und die „Orientalismus“-Debatte. Ein Rückblick, in: Asien Afrika Lateinamerika 25 (1997), S. 597-607.
25 Heidrich, Joachim, Orient und Okzident als Zivilisationsräume der Moderne, in: Ders. (Hrsg.), Changing identities (Studien/Forschungsschwerpunkt Moderner Orient, Forschungsgesellschaft Wissenschaftliche Neuvorhaben 1), Berlin 1994, S. 41-60 26 Malik, Jamal, Koloniale Dialoge und die Kritik am Orientalismus, in: Rothermund, Dietmar (Hrsg.), Aneignung und Selbstbehauptung: Antworten auf die europäische Expansion, München 1999, S. 161-182. 27 Fähndrich, Hartmut, Orientalismus und Orientalismus. Überlegungen zu Edward Said, Michel Foucault und westlichen „Islamstudien“, in: Die Welt des Islam 28 (1988), S. 178-186.
28 Hellmann, Kai-Uwe, Fremdheit als soziale Konstruktion. Eine Studie zur Systemtheorie des Fremden, in: Münkler, Herfried (Hrsg.), Die Herausforderung durch das Fremde (Interdisziplinäre Arbeitsgruppen Forschungsberichte 5), Berlin 1998, S. 401-459 29 Sarasin, Philipp, Geschichtswissenschaft und Diskursanalyse, in: Ders., Geschichtswissenschaft und Diskursanalyse, Frankfurt am Main 2003, S. 10-60. Ebenso: Goertz, Hans-Jürgen, Diskurs und Realität, in: Ders., Unsichere Geschichte, Stuttgart 2001, S. 53-82.
30 Kramer, Thomas, Lawrence von Arabien vs. Kara Ben Nemsi?, in: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft (2003), S. 245-273, hier: S. 245.
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Großbritannien und Arabien darzustellen, streng nach der Definition von Kiran Klaus Patel: „Themen transnationaler Studien können die über den Nationalstaat hinausreichenden Interaktionen, Verbindungen, Zirkulationen, Überschneidungen und Verflechtungen von Menschen […] bilden.“ 31 Zum anderen soll im Anschluss an den ersten Abschnitt gezeigt werden, dass T.E. Lawrence als ein solcher Vermittler nicht an dem Konzept des Orientalismus partizipiert, sondern eine ganz eigene Stellung zum Orient einnimmt, die ihn auch vor Probleme stellt. Grundlage hierfür ist einmal das berühmt gewordene Werk von T.E. Lawrence selbst, die Sieben Säulen der Weisheit, die autobiographisch seine Erlebnisse und Eindrücke während des arabischen Aufstandes schildern und somit ein wichtiges Zeugnis für das Verhältnis von Lawrence zu Arabien und den Arabern ist. 32 Zum anderen muss herangezogen werden die beeindruckend umfangreiche und gut recherchierte Biographie von Jeremy Wilson zu Lawrence von Arabien, die Standards in der Forschung zu seiner Person gesetzt hat. 33 Aber auch an dieser Stelle soll der Gegenstand theoretisch reflektiert werden, vor allem das Problem der Persönlichkeit in der Geschichte und der Biographie als historiographische Gattung, denn ohne eine solche methodische Reflexion kann eine Quelle nicht beschrieben und analysiert werden. 34 Zur Frage der Verbindung von Lawrence und dem Orientalismus im Sinne von Edward Said hat Susan Williams im Journal of the T.E. Lawrence Society einen aufschlussreichen Artikel veröffentlicht. 35 Zudem hat Edward Said selbst in Orientalismus Stellung genommen zu Lawrence. 36 Diese Stellungnahme soll ebenfalls im zweiten Abschnitt ausgewertet werden.
31 Patel, Kiran Klaus, Transnationale Geschichte – ein neues Paradigma? Hervorhebung Erik Fischer. 32 Lawrence, Thomas Edward, Die sieben Säulen der Weisheit, München 12 2000.
33 Wilson, Jeremy, Lawrence von Arabien. Die Biographie, München 2001.
34 Vgl. dazu grundlegend Geiss, Imanuel, Die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte: zwischen Überbewerten und Verdrängen, in: Bosch, Michael (Hrsg.), Persönlichkeit und Struktur in der Geschichte. Historische Bestandsaufnahme und didaktische Implikation (Studien Materialen Geschichtsdidaktik 1), Düsseldorf 1977, S. 10-24. Vom 1. bis zum 3. Juli 2005 fand in Göttingen eine Tagung unter dem Thema „Biographieforschung im sozialwissenschaftlichen Diskurs“ statt, auf der die neuesten Entwicklung diskutiert worden. Vgl. zur Notwendigkeit einer theoretischen und methodischen Reflexion der Quelle durch den Geschichtswissenschaftler Sarasin 2003, bes. S. 58.
35 Williams, Susan, On Orientalism: Re-viewing Edward Said’s View of T.E. Lawrence, in: Journal of the T.E. Lawrence Society 11 (2002), 2, S. 66-79.
36 Vgl. Said 1981, bes. S. 270-274.
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Quote paper:
Erik Fischer, 2005, Der 'Orient' in Theorie und Praxis - Eine Darstellung von Thomas Edward Lawrence unter dem Aspekt des Kulturaustausches und des Orientalismus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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