Gliederung
Seite :
1. Einleitung 3
2. Telling Names im „Schach von Wuthenow 4
2.1. Tante Marguerite 4
2.2. Herr von Alvensleben 4
2.3. Josephine von Carayon 5
2.4. Victoire von Carayon 5
2.5. Schach von Wuthenow 6
3. Symbolik im „Schach von Wuthenow“ 7
3.1. Hinweise auf die drohende Katastrophe 7
3.2. Der seelische Zustand des Schach 7
3.3. Der Niedergang Preußens 10
3.4. Schach’s Reisefantasie 11
3.5. Die Todessymbolik 12
3.5.1. Der Tempelritter 12
3.5.2. Das Kapitel „In Wuthenow am See“ 13
4. Zusammenfassung 15
5. Literaturangaben 16
2
1. Einleitung
Sie […] spielt in der Zeit von 1805 auf 6 und schildert den schönsten Offizier der damaligen
Berliner Garnison, der, in einem Anfall von Übermuth und Laune, die liebenswürdigste, aber
häßlichste junge Dame der damaligen Hofgesellschaft becourt. So, dass der Skandal offenbar
wird. Alles tritt auf die Seite der Dame, so dass sich v. Schach anscheinend freudig zur Hochzeit
entschließt, nachdem er vorher durch allerlei Kämpfe gegangen. Die Kameradschaft vom
Regiment Gensdarmes aber lacht und zeichnet Karikaturen, und weil er dies Lachen nicht
ertragen kann, erschießt er sich unmittelbar nach dem Hochzeitsmahl, an dem er in heiterer Ruhe
theilgenommen. Alles ein Produkt der Zeit, ihrer Anschauungen, Eitelkeiten und Vorurtheile. 1
Mit diesen Worten beschrieb Fontane selbst den Inhalt seines bekannten Werkes "Schach von Wuthenow", der die Geschichte um den narzisstischen Offizier mit dem Niedergang des preußischen Reiches verzwirnt und der Figur des Schach dadurch durchaus einen Symbol-Charakter zuweist. Versteckte Symbolik, Motive, Telling Names und ähnliches lassen sich zudem in fast allen seiner Werke finden und ich möchte dieses in dieser Hausarbeit am Beispiel des Schach von Wuthenow etwas näher beleuchten. Es ist nämlich unbedingt notwendig zwischen den Zeilen zu lesen, um die wahre Aussagekraft Fontanes Werke zu erfahren. Nichts bei ihm wird ohne Grund, ohne einen Hintergedanken gesagt, Alles muss genau gelesen, genau beachtet werden, sonst erkennt man die Genialität kaum, mit der der große Meister vorgegangen ist. Setzt man sich mit derartigen Aspekten in Fontanes Werken auseinander muss man sich sicherlich des öfteren den Vorwurf gefallen lassen, man betreibe Haarspalterei oder höre das Gras wachsen, ist sie doch oftmals so versteckt enthalten, dass man sie fast übersehen kann. Und doch ist nichts Zufall. Ich möchte in dieser Arbeit zwischen den Zeilen lesen, das Versteckte zum Vorschein bringen und analysieren. Meiner Meinung nach sind es nämlich genau diese Kleinigkeiten, die Fontanes Bücher und somit auch den "Schach von Wuthenow" so einmalig machen. In dieser Arbeit möchte ich vor allem auf zwei Aspekte eingehen: Zunächst die Telling names, im Anschluss daran dann behandele ich die Symbole und die anderen Hinweise, die sich in der Geschichte verstecken. An dieser Stelle erscheint es mir sinnvoll, die Symbole thematisch zu untergliedern, je nachdem auf was sie sich beziehen. Meinen Schwerpunkt möchte ich an dieser Stelle auf die Todessymbolik legen, da ich diese für am bemerkenswertesten und aufschlussreichsten halte. Am Ende der Arbeit habe ich ein Literaturverzeichnis beigefügt, das die von mir verwendete Primär- und Sekundärliteratur aufzeigt.
1 Osborne: Schach von Wuthenow, S. 96 f.
3
2. Telling Names im „Schach von Wuthenow“
Schon in einigen seiner anderen Werken spielte Theodor Fontane mit den sogenannten "Telling names" - den sprechenden Namen, also Namen der agierenden Figuren in der Geschichte, die eine versteckte Aussagekraft haben und dadurch dem Leser Hinweise über die Person selbst, ihr Schicksal oder aber auch den weiteren Verlauf der Handlung geben. Schon in L'Adultera begegneten wir einem Herren "van der Straaten", im Stechlin stießen wir auf Melusine und auch dem Namen derer Schwester Armgard ist ein verweisender Charakter nicht
abzusprechen. Auch im „Schach von Wuthenow“ scheinen einige der Namen nicht nur rein zufällig gewählt, sondern ganz bewusst ausgesucht und verwendet worden zu sein, da sie eine tiefere Bedeutung beinhalten.
2.1. Tante Marguerite
Wir beginnen zunächst mit einer eigentlichen Nebenfigur, nämlich der der Tante Marguerite, deren Namen von "Morgana" herrührt 2 . Und findet sich nicht das Bild der Fata Morgana im Zusammenhang mit der geplanten Hochzeitsreise in der Geschichte wieder? Schach ergeht sich in der Schilderung der Sirenen und Victoire ist zunächst davon begeistert "aber im selben Augenblick überkam es sie bang und düster, und in ihrer Seele rief eine Stimme: Fata Morgana." Auf den Aspekt der Fata Morgana werde ich an anderer Stelle näher eingehen, hier sei nur betont, dass am Namen der Tante dieses Bild die ganze Geschichte hindurch allgegenwärtig ist, obwohl namentlich doch nur an einer Stelle des Buches erwähnt.
2.2. Herr von Alvensleben
Neben der Tante Marguerite stoßen wir auf den Namen „Alvensleben“, einer der wenigen Verteidiger des Schachs. Auch dieser Name wurde ganz bewusst ausgewählt, wird er doch, vor allem in Berlin, mit Konstantin Reimar von Alvensleben in Verbindung gebracht. Dieser Adelige, der von 1809 bis 1892 lebte, machte eine große Karriere beim Militär und brachte es schließlich bis zum General der Infanterie,
2 Vgl. Pfeiffer: Tod, Entstellung, Hässlichkeit, S.274.
4
bevor er aus dem Militärdienst ausschied. Er erhielt diverse Auszeichnungen und überdies wurden ein Platz und eine Strasse nach ihm benannt, die in unmittelbarer Nähe des Tempelhofes liegen, ein Schauplatz in Fontanes Roman. 3 Mit diesen Hintergrundinformationen wird klar, dass der Name Alvensleben sinnbildlich für Ritterlichkeit und Aufrichtigkeit steht, Eigenschaften, die wir dann auch bei der Figur des Alvensleben wiederfinden, aber schon aufgrund des Namens hätten erwarten können. Fontane charakterisiert hier durch die Namensgebung die Figur.
2.3. Josephine von Carayon
Bei so vielen verschiedenen sprechenden Namen liegt es nahe, dass auch der der Josephine von Carayon ein solcher ist. Ich stellte in dieser Hinsicht Nachforschungen an und stieß auf Josephine de Beauharnais, die „Rosenkaiserin“, die von 1763-1814 lebte und mit Napoleon verheiratet war. Allerdings war dieser schon ihr zweiter Ehemann, vom ersten wurde sie geschieden und auch die Ehe mit dem legendären Feldherren scheiterte schließlich, nicht zuletzt aufgrund ihrer zahlreichen Affären 4 . Hat Theodor Fontane hier eine Parallele zwischen diesen zwei Frauen ziehen wollen, um von Anfang an zu zeigen, dass die offensichtliche Zuneigung zwischen Josephine und Schach nie in einer glücklichen Beziehung enden wird, da es auch die Kaiserin nicht geschafft hat, das ewige, immerwährende Glück zu finden und einen Mann länger „zu halten“.
2.4. Victoire von Carayon
Kommen wir nun aber zu einer weitaus zentraleren Figur nämlich Victoire. Nicht umsonst trägt sie den Namen der Siegesgöttin, obwohl sie doch rein äußerlich betrachtet nichts von der Schönheit einer Göttin hat. Vielmehr ist sie eine "Figur der Abweichung, ja der Entstellung;" 5 Dadurch wird sie zu einer ganz anderen Siegerin, nämlich eine ehemals schöne, jetzt von Narben gekennzeichnete andere Schönheit. All dies ein Verweis auf die unglaubliche Dekadenz des preußischen Volkes, das selbst in den Zeiten des Niedergangs die Augen nicht öffnen wollte und nicht wahrnehmen wollte, wie es um das ehemals glorreiche preußische Reich bestellt
3 Vgl.: www.luise-berlin.de/Strassen/Bez11a/A307.htm-5k
4 Vgl.: www.revolution.historicum.net
5 Brandstetter/Neumann: Le laid c’est beau, S. 259.
5
Arbeit zitieren:
S. Lauterbach, 2004, Zwischen den Zeilen gelesen: Fontanes "Schach von Wuthenow", München, GRIN Verlag GmbH
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