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9HUIDVVHULQ1DWDOLH/HZLV Hf Anglistik, Nf Soziologie (2. Semester)
$EJDEHWHUPLQ 31.3.2000
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Einleitung:Truman Capote als Gesellschaftskritiker 3
1. Kritische Darstellung der amerikanischen Gesellschaft 3
1.1 Die amerikanische Klassengesellschaft und die Besonderheiten der %LEOH%HOW-Region 3
1.2 Die Familie Clutter als Vertreter der wohlhabenden Mittelschicht 5
1.3 Dick Hickock und Perry Smith als Vertreter der deprivierten Unterschicht 9
2. Amerika als moralisch pervertierte Gesellschaft 12
3. Kritik am amerikanischen Rechtssystem 13
Schlusswort: Kritik an Truman Capotes eigener Kaltblütigkeit 15
Literaturverzeichnis 16
3
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Im Jahre 1966 veröffentlichte der Autor Truman Capote nach einer mehrjährigen Recherche seinen Roman ,Q&ROG%ORRG, der als QRQILFWLRQQRYHO den authentischen Fall einer grauenvollen Ermordung einer vierköpfigen Farmerfamilie in Kansas schildert. Durch eine breite panoramatische Darstellung wird nicht nur die Lebenswelt der Opfer und Täter, sondern auch ein Gesamtbild der Gesellschaft entworfen. Das Werk wirft zahlreiche Fragen zum Wesen der amerikanischen Gesellschaft und ihrem Rechtssystem, sowie dem Umgang mit Verbrechen und Verbrechern in den USA auf. Als unbeteiligter Informationsvermittler übt der Schriftsteller keine direkte Kritik. Er lässt die einzelnen Szenen im Roman für sich sprechen, ohne interpretative Ansätze hinzuzufügen, um die objektive Wirklichkeit zu präsentieren. Aus einer Stoffsammlung von über 6000 Seiten wählte Capote allerdings gezielt bestimmte Elemente aus, um die Doppeldeutigkeit des $PHULFDQZD\RIOLIH zu entlarven und folglich die Nachdenklichkeit und das Mitgefühl des Lesers zu wecken.
.ULWLVFKH'DUVWHOOXQJGHUDPHULNDQLVFKHQ*HVHOOVFKDIW 1.1 Die amerikanische Klassengesellschaft und die Besonderheiten der %LEOH%HOW-Region
Durch die kontrapunktische Gegenüberstellung von Opfer- und Täterwelt betont Capote die krassen Gegensätze zwischen arrivierter Mittelsowie Oberschicht und deprivierter Unterschicht. Familie Clutter, der KBI-Agent Alvin Dewey und weitere dargestellte Bürger von Holcomb und Garden City repräsentieren die ländliche Mittelstandsgesellschaft der USA. Eine soziale Klassentrennung leugnen nahezu alle Bewohner der Region: “¶1RVLU1RWKLQJOLNHWKDWKHUH$OOHTXDO UHJDUGOHVVRIZHDOWKFRORXURUFUHHG(YHU\WKLQJWKHZD\LWRXJKWWREHLQD GHPRFUDF\WKDW¶VXV¶” (Capote 32). Durch die anschließende Charakterisierung der Region, welche scherzhaft als %LEOH%HOW der USA bezeichnet wird, entlarvt Capote die Aussage als falsch. Gerade in diesem “JRVSHOKDXQWHGVWULSRI$PHULFDQWHUULWRU\LQZKLFKDPDQPXVWWDNHKLV
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UHOLJLRQZLWKWKHVWUDLJKWHVWRIIDFHV” (Capote 32) ist die
Konfessionszugehörigkeit ein klassentrennendes Merkmal, welches den sozialen Status einer Person definiert. Die Führungselite von Finney County setzt sich aus Geschäftsleuten, Akademikern, Bänkern und reichen Ranchbesitzern zusammen, welche hauptsächlich der episkopalen oder der presbyterianischen Kirche angehören. Die Mittelschicht setzt sich aus Methodisten, Katholiken und Baptisten zusammen. Die politische Parteienzugehörigkeit ist ebenfalls ausschlaggebend. Unter die rechtsgerichteten, konservativen Republikaner des Establishments mischt sich nur gelegentlich ein Demokrat.
Ein streng traditionelles Geschlechtsrollenverständnis bestimmt die Stellung von Mann und Frau in dieser Region. Männer sind in dieser patriarchalischen Gesellschaft die Entscheidungsträger. Dies wird z.B. in der Zusammensetzung der Gerichtsjury deutlich, die kein einziges weibliches Mitglied hat. Frauen nehmen ihre soziale Position als Mutter und Hausfrau ein. Erwerbstätige Frauen besetzen keine leitenden Positionen, sondern arbeiten vorrangig als Angestellte, Sekretärinnen usw. Alvin Dewey und Herbert Clutter beteiligen sich an der Haushaltsarbeit. Die Tätigkeit wird von ihnen allerdings aus einer zwingenden Notwendigkeit heraus übernommen, da Bonnie Clutter aufgrund ihrer psychischen Verfassung nicht fähig ist ihre Hausfrauentätigkeit auszuführen und Marie Dewey berufstätig ist. An spöttischen Bemerkungen der Bekannten des ehemaligen Sheriffs wird jedoch deutlich, dass männliche Hausarbeitsbeteiligung nicht üblich ist und sogar geächtet wird: “+HUHFRPHV6KHULII'HZH\7RXJKJX\%XWRQFHKHJHWV
KRPHRIIFRPHVWKHJXQDQGRQJRHVWKHDSURQ“
(Capote 101) Der zu Beginn des Romans beschriebene Wandel des Ortes Holcomb von einer florierenden Grenzerstadt zu einem einsamen, leicht heruntergekommenen Bezirk weist auf den Zerfall der Ideale des
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hin. Die Bürger der Stadt tragen zwar immer noch “QDUURZIURQWLHU
WURXVHUV6WHWVRQVDQG KLJKKHHOHGERRWVZLWKSRLQWHGWRHV“
(Capote 1), aber der Pioniergeist ist längst verflogen, und einige öffentliche Einrichtungen, wie z.B. ein Tanzlokal, erfüllen seit Jahren nicht mehr ihre soziale Funktion. Die Bewohner sind dennoch stolz darauf, dass in ihrer ländlichen Gemeinde nicht die gleiche Anonymität herrscht, wie in New York: “ZKRZDQWV1HZ
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*RRGQHLJKERXUVSHRSOHZKRFDUHDERXWHDFKRWKHUWKDW¶VZKDWFRXQWV“ (Capote 31) Nachdenklich, stimmt aber die Tatsache, dass in einer so gemeinschaftlichen Kommune, die unmittelbaren Nachbarn der Familie Clutter in der Mordnacht nichts Auffälliges hören, obwohl sie wach sind um ihr krankes Kind zu hüten.
Die Unterschicht repräsentieren in diesem Werk in erster Linie die Täter und ihre Angehörigen. Auf der absolut niedrigsten Ebene der Gesellschaft, unterhalb der Armutsgrenze, leben der Junge Bill und dessen Großvater Johnny. Dick Hickock und Perry Smith lernen das Vagabundenpaar, welches von den Abfallprodukten der wohlhabenden Wegwerfgesellschaft existiert, auf ihrer Fahrt durch die texanische Wüste kennen. Um an Geld für Nahrung zu gelangen, sammelt der Junge weggeworfene Cola- und Limonadeflaschen, die er anschließend in Geschäften gegen Pfand eintauscht.
1.2 Die Familie Clutter als Vertreter der wohlhabenden Mittelschicht
Auf den ersten Blick scheinen Herbert Clutter, seine Frau Bonnie, sowie die beiden Kinder Nancy und Kenyon das idealtypische Bild der amerikanischen Familie abzugeben. Auf der River Valley Farm, die unmittelbar in der geographischen Mitte der USA liegt, führt die Familie ein einfaches, geordnetes Leben. Ihre Ermordung trifft die Gemeinde von Holcomb völlig überraschend; keiner kann sich die Tat erklären: “¶2IDOOWKH SHRSOHLQDOOWKHZRUOGWKH&OXWWHUVZHUHWKHOHDVWOLNHO\WREHPXUGHUHG¶” (Capote 81) Das Eingangskapitel 7KH/DVWWRVHH7KHP$OLYH liefert eine Rekonstruktion der letzten Stunden des Alltags der Clutters, die der Kritiker Tony Tanner als ”DVRUWRIVKRUWKDQGVXPPDU\RIWKHUHVSHFWDEOHVXUIDFHRI $PHULFDQOLIHLQLWVPRVWH[WUHPHIRUP“ (Malin 99) bezeichnet; sie könnte nahezu aus einem Hollywood-Film stammen.
Herbert W. Clutter, die beherrschende Gestalt unter den Mordopfern, hat sich als Absolvent der Kansas State University seinen Wohlstand und seine soziale Position als Farmer der oberen Mittelschicht durch Anstrengung, Strebsamkeit und Fleiß hart erarbeitet. Innerhalb seiner Gemeinde ist er ein angesehener Bürger, der das Werte- und Normensystem des %LEOH%HOW vertritt und sich mit sozialem Engagement im Solidaritätsverein +&OXE für die Ziele
Arbeit zitieren:
Natalie Lewis, 2000, Gesellschaftskritik in Truman Capotes In Cold Blood, München, GRIN Verlag GmbH
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