Verzeichnisse II
Verzeichnisse
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis............................................................................................... IV
Anhangsverzeichnis ................................................................................................... IV IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Der deutsche Mittelstand 4
2.1 Begriffsbestimmung und Abgrenzung mittelständischer Unternehmen 4
2.1.1 Quantitative Differenzierungsmerkmale 5
2.1.2 Qualitative Differenzierungsmerkmale 6
2.2 Die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstandes 6
2.2.1 Unternehmensfinanzierung 7
2.2.2 Aktuelle wirtschaftliche Lage Fakten und Hintergründe 8
2.3 Zusammenfassung 10
3. Basel II ein Überblick 11
3.1 Konzeptionelle Grundlagen und Zielsetzung von Basel II 11
3.2 Drei-Säulen-Konzept von Basel II 14
3.2.1 Säule 1: Mindestkapitalanforderungen 14
3.2.2 Säule 2: Aufsichtliches Überprüfungsverfahren 17
3.2.3 Säule 3: Marktdisziplin 18
3.3 Konsequenzen für den Mittelstand 19
3.4 Zusammenfassung 20
4. Finanzierung mit Mezzanine-Kapital 21
4.1 Begriffsbestimmung und Abgrenzung 21
4.2 Charakteristische Merkmale 23
4.3 Formen von Mezzanine-Kapital 24
4.3.1 Fremdkapitalähnliche Finanzierungsmittel (Debt Mezzanine) 25
4.3.2 Hybride Finanzierungsmittel 26
4.3.3 Eigenkapitalähnliche Finanzierungsmittel (Equity Mezzanine) 27
4.4 Renditekomponenten von Mezzanine-Kapital 28
4.5 Voraussetzungen und Einsatzgebiete der mezzaninen Finanzierung 29
4.6 Wesentliche Vor- und Nachteile von Mezzanine-Kapital 32
4.7 Praxisrelevante mezzanine Finanzierungsinstrumente 33
4.7.1 Nachrangdarlehen 34
4.7.1.1 Rechtliche Ausgestaltungsmöglichkeiten 34
4.7.1.2 Bilanzielle Behandlung 35
4.7.1.3 Steuerliche Behandlung 36
4.7.2 Stille Beteiligungen 37
4.7.2.1 Rechtliche Ausgestaltungsmöglichkeiten 37
4.7.2.2 Typisch stille Beteiligung 38
4.7.2.2.1 Bilanzielle Behandlung 38
4.7.2.2.2 Steuerliche Behandlung 39
4.7.2.3. Atypisch stille Beteiligung 39
4.7.2.3.1 Bilanzielle Behandlung 40
4.7.2.3.2 Steuerliche Behandlung 41
Verzeichnisse III
4.7.3 Genussrechte 42
4.7.3.1 Rechtliche Ausgestaltungsmöglichkeiten 42
4.7.3.2 Bilanzielle Behandlung 44
4.7.3.3 Steuerliche Behandlung 45
4.8 Zusammenfassung 45
5. Umsetzung in der Praxis 47
5.1 Nachrangdarlehen der KfW Mittelstandsbank 47
5.1.1 Unternehmerkapital 47
5.1.2 Auswertung 49
5.2 Atypisch stille Beteiligungen der Thamm Partner GmbH 51
5.2.1 Unternehmensprofil 51
5.2.2 Atypisch stille Beteiligungen 52
5.2.3 Auswertung 55
5.3 Genussrechte der ECO Schulte GmbH Co KG 56
5.3.1 Unternehmensprofil 56
5.3.2 Genussrechte 57
5.3.3 Auswertung 60
5.4 Zusammenfassung 62
6. Fazit und Ausblick 64
Anhang ....................................................................................................................... 68 68
Literaturverzeichnis 85
Verzeichnisse IV
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Quantitative Abgrenzungskriterien für kleine und mittlere Unternehmen 5
Abb 2: Finanzierungsarten 8
Abb 3: Entwicklungsprozess von Basel II 12
Abb 4: Das Grundkonzept von Basel II 14
Abb 5: Bemessung der Eigenkapital-Ausstattung einer Bank 15
Abb 6: Externe Ratings und Risikogewichte im Standardansatz 16
Abb 7: Mezzanine versus Fremd- und Eigenkapital 22
Abb 8: Sichtweisen des Mezzanine-Begriffes 23
Abb 9: Gegenüberstellung der Praxisbeispiele 63
Anhangsverzeichnis
Anhang A: Unternehmen in Deutschland nach Umsatzgrößenklassen 68
Unternehmen in Deutschland nach der Rechtsform 69
Anhang B: Schema zur Unternehmensfinanzierung 70
Anhang C: Insolvenzverfahren in Deutschland 71
Anhang :D Insolvenzen nach Umsatzgrößenklassen 2005 ) in Deutschland 71
Anhang E: Zwei Methoden zur Berechnung der Eigenkapitalanforderungen für
das Kreditrisiko 72
Anhang F: IRB-Ansatz Grundstruktur 73
Anhang G: Abgrenzung von Eigen- Mezzanine- und Fremdkapital 74
Anhang H: Formen von Mezzanine-Kapital 75
Anhang I: Bilanz der Thamm Partner GmbH 76
Anhang J: Gewinn- und Verlustrechnung der Thamm Partner GmbH 77
Anhang K: Prognoserechnung der Thamm Partner GmbH 78
Anhang L: ECO-Unternehmens-Verbund 80
Anhang M: Planbilanzen des ECO-Unternehmens-Verbundes 81
Anhang N: Plan-Gewinn- und Verlustrechnung des ECO-Unternehmens-
Verbundes 82
Anhang O: Liquiditätsentwicklung des ECO-Unternehmens-Verbundes 83
Anhang P: Berechnung des Dividendenausgleichs des ECO-Unternehmens-
Verbundes 84
Verzeichnisse V
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
Abs. Absatz
AG Aktiengesellschaft
a. M. am Main
Aufl. Auflage
AV Anlagevermögen
BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
ca. circa
CF Cash-Flow
d. h. das heißt
EK Eigenkapital
ERP European Recovery Programme
ESt Einkommensteuer
EStG Einkommensteuergesetz
EU Europäische Union
e. V. eingetragener Verein
f. folgende
ff. fortfolgende
FK Fremdkapital
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GbR Gesellschaft bürgerlichen Rechts
GewSt Gewerbesteuer
GewStG Gewerbesteuergesetz
GuV Gewinn- und Verlustrechnung
HGB Handelsgesetzbuch
Hrsg. / hrsg. Herausgeber / herausgegeben
IAS International Accounting Standards
i. e. S. im engeren Sinne
i. d. R. in der Regel
IfM Institut für Mittelstandsforschung
i. H. v. in Höhe von
IRB Internal Ratings Based
i. S. v. im Sinne von
i. w. S. im weiteren Sinne
KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau
KG Kommanditgesellschaft
KSt Körperschaftsteuer
Verzeichnisse VI
max. maximal
mind. mindestens
Mio. Million(en)
Nr. Nummer
o. D. ohne Datum
o. V. ohne Verfasser
p. a. per anno = pro Jahr
p. m. per month = pro Monat
S. Seite
T Tausend
u. a. unter anderem
US-GAAP United States Generally Accepted Accounting Principles
usw. und so weiter
UV Umlaufvermögen
v. a. vor allem
vgl. vergleiche
VR Volksrepublik
z. B. zum Beispiel
z. T. zum Teil
zzgl. zuzüglich
1. Einleitung 1
1. Einleitung
Der deutsche Mittelstand befindet sich derzeit in einem tief greifenden Wandlungs- prozess und steht einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber: So ist er nicht nur von der schwachen Konjunktur betroffen, sondern auch einem zunehmenden Wettbewerbs- und Preisdruck ausgesetzt. Aber auch die EU-Osterweiterung und die damit verbundene Abwanderung größerer Unternehmen, Nachfolgeregelungen mittelständischer Familienunternehmen sowie die sich verschärfende Finanzie- rungslandschaft machen dem Mittelstand schwer zu schaffen.
So bekommen die mittelständischen Unternehmen bereits heute die Konsequenzen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung „Basel II“, die voraussichtlich Ende 2006/Anfang 2007 in Kraft treten soll, zu spüren: Die Banken haben ihre Kredit- vergabepolitik zukünftig mehr als bisher an den tatsächlichen Kreditrisiken der Unternehmen auszurichten. Dabei ist ein wesentlicher Faktor, der die Kreditrisiken bestimmt, die Bonität eines Unternehmens. Diese ist wiederum entscheidend von einer ausreichenden Eigenkapitalausstattung abhängig.
„Der Mittelstand in Berlin hat zu wenig Eigenkapital“ 1 Diese Schlagzeile einer
Berliner Tageszeitung ist nicht nur auf Berlin, sondern auf Gesamtdeutschland an- zuwenden, und meint die im internationalen Vergleich geringe Eigenkapitalquote deutscher mittelständischer Unternehmen. So sind die in den letzten Jahren drama- tisch angestiegenen Insolvenzzahlen auch ein Beleg dafür, dass die Unternehmen über zu geringe Eigenkapitalpuffer verfügen, um längere Durststrecken zu über- stehen. Diese geringe Eigenkapitaldecke hindert Unternehmen daran, zusätzliche Fremdmittel aufzunehmen und führt als Konsequenz dazu, dass notwendige Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen, welche die Existenz der Unternehmen sichern, nicht getätigt werden können.
Über Jahrzehnte hinweg war die Kreditversorgung mittelständischer Unternehmen durch enge Hausbankbeziehungen gesichert. Heute jedoch ziehen sich Kreditinstitute mehr und mehr aus der Kreditfinanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen zurück. Als Hauptgrund dafür wird ein sich intensivierender, internationaler Wettbe- werb genannt, der die üblichen geringen Erträge bei Kreditgeschäften nicht mehr zulässt, da in jüngster Vergangenheit einige Banken zahlreiche Kreditausfälle zu
1 Berliner Morgenpost vom 30.12.2005, S. 7.
1. Einleitung 2
verzeichnen hatten.
Um dennoch langfristig am Markt bestehen zu können, sollte das vorrangige Ziel mittelständischer Unternehmen die Verbesserung ihrer Eigenkapitalausstattung sein. Die klassische Kreditfinanzierung sollte also durch alternative Finanzierungs- instrumente ersetzt werden. Unternehmen tun sich jedoch oftmals schwer, sich Alternativen zu öffnen, da sie die Aufstockung des Eigenkapitals aus fremden Mitteln mit dem Verlust von unternehmerischer Entscheidungsgewalt gleichsetzen.
Eine Lösung dieses Problems kann Mezzanine-Kapital, eine Mischform zwischen Fremd- und Eigenkapital, darstellen: Es ermöglicht mittelständischen Unternehmen, wirtschaftliches Eigenkapital (EK) aufzunehmen, ohne dass die Unternehmer Teil- haberschaften abgeben müssen und dadurch ihre unternehmerische Freiheit verlieren. Zugleich kann dadurch die Aufnahme weiteren Fremdkapitals (FK) erleichtert werden.
Zielsetzung dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die verschiedensten Formen von Mezzanine-Kapital zu geben, die Vor- und Nachteile dieser Finanzierungs- instrumente aufzuzeigen, um letztendlich herauszufinden, inwieweit Mezzanine- Kapital für mittelständische Unternehmen eine tatsächliche Alternative zum klassischen Bankkredit darstellen kann. Daneben soll untersucht werden, inwieweit die theoretischen Fakten auf die Praxis übertragen werden können.
Nach diesem einführenden ersten Kapitel wird im zweiten Kapitel zunächst der Begriff des Mittelstandes erläutert und anhand quantitativer und qualitativer Differenzierungsmerkmale abgegrenzt. Mit der Beschreibung der Unternehmens- finanzierung im Allgemeinen und der aktuellen wirtschaftlichen Lage mittel- ständischer Unternehmen im Besonderen soll die Problematik der vorliegenden Arbeit verdeutlicht werden.
Dazu gehört auch die im dritten Kapitel beschriebene Neue Baseler Eigenkapital- vereinbarung Basel II. Neben den konzeptionellen Grundlagen und der Zielsetzung wird das so genannte Drei-Säulen-Konzept von Basel II erläutert und die sich daraus ergebenen tatsächlichen Konsequenzen für den Mittelstand erörtert.
1. Einleitung 3
Im vierten Kapitel wird das Mezzanine-Kapital ausführlich vorgestellt und erläutert. Dazu werden neben einer Begriffsbestimmung und Abgrenzung auch die charak- teristischen Merkmale herausgearbeitet. Die Einteilung in fremdkapitalähnliche, eigenkapitalähnliche und hybride Finanzierungsmittel mit jeweils kurz erläuterten Beispielen soll einen Überblick über mögliche Ausprägungsformen von Mezzanine- Kapital verschaffen. Des Weiteren werden Renditekomponenten sowie Voraus- setzungen und Einsatzgebiete der mezzaninen Finanzierung dargestellt und wesentliche Vor- und Nachteile zusammengefasst. Im Anschluss daran werden die drei in der Praxis am häufigsten anzutreffenden mezzaninen Finanzierungs- instrumente ausführlich beschrieben. Dazu gehören das Nachrangdarlehen, die stille Beteiligung in ihrer typischen und atypischen Ausprägung sowie das Genussrecht. Die Untersuchung erfolgt hinsichtlich der rechtlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten sowie der bilanziellen und steuerlichen Behandlung.
Zum besseren Verständnis der theoretischen Ausführungen des vierten Kapitels wird im fünften Kapitel jeweils ein Praxisbeispiel dargelegt, anhand dessen die ver- schiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten sowie die Vor- und Nachteile der Mezzanine-Finanzierungen verdeutlicht werden sollen. Daneben erfolgt eine Unter- suchung in Bezug auf mögliche Unterschiede zwischen den theoretischen Erläuterungen und der praktischen Handhabung.
Das sechste Kapitel fasst die wesentlichsten Erkenntnisse dieser Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick zur wachsenden Bedeutung des Mezzanine-Kapitals in der Mittelstandsfinanzierung.
2. Der deutsche Mittelstand 4
2. Der deutsche Mittelstand
Mittelständische Unternehmen sind die tragende Säule der deutschen Wirtschaft – als Quelle von Beschäftigung, Wachstum und Innovation. Geprägt sind mittelständische Unternehmen durch ihre Vielfalt und Heterogenität, die vom regionalen Einzel-
händler bis hin zum global agierenden mittelständischen Weltmarktführer reicht. 2
Gemäß der Umsatzsteuerstatistik 2003 des Statistischen Bundesamtes gibt es in Deutschland rund 2,9 Mio. Unternehmen mit mehr als 20 Mio. Beschäftigten. Von
diesen umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen sind 99,7 Prozent 3 dem Mittelstand zuzurechnen. 4 Die kleinen und mittleren Unternehmen sind demnach die Haupt-
leistungsträger der deutschen Wirtschaft. Als Arbeitgeber, Ausbilder, Steuerzahler
und Investor spielen sie eine entscheidende Rolle. 5 Begründet wird dies durch
folgende imposante Zahlen:
- 70 Prozent aller Arbeitnehmer,
- 83 Prozent aller Auszubildenden,
- 43 Prozent aller steuerpflichtigen Umsätze,
- 46 Prozent aller Bruttoinvestitionen sowie
- 49 Prozent der Bruttowertschöpfung
aller Unternehmen in Deutschland entfallen auf den Mittelstand. 6
Im vorliegenden Kapitel soll der Versuch einer Definition des Mittelstandes unter- nommen werden. Mit der Beschreibung der allgemeinen Unternehmensfinanzierung und der Kapitalstruktur der kleinen und mittleren Unternehmen soll die aktuelle wirtschaftliche Lage des Mittelstandes verdeutlicht werden.
2.1 Begriffsbestimmung und Abgrenzung mittelständischer Unternehmen
Während man in anderen Ländern i. d. R. von so genannten Small and Medium-sized Companies (SMEs), also kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) spricht, hat
sich in Deutschland die Bezeichnung Mittelstand etabliert. 7 Dennoch ist weder in der
Literatur noch in der Praxis eine einheitliche Begriffsdefinition zu finden. Grundsätzlich erfolgt zur Begriffsbestimmung mittelständischer Unternehmen und
2 Vgl. Bundesverband deutscher Banken (2005), S. 4.
3 Siehe Anhang A: Unternehmen in Deutschland nach Umsatzgrößenklassen. 4 Vgl. Bundesministerium der Finanzen (2005), S. 4.
5 Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband (2004), S. 1.
6 Vgl. Kubla, R. (2004), S. 3.
7 Vgl. bspw. Wahl, S. J. (2004), S. 11 f.; Günterberg, B./Wolter, H.-J. (2002), S. 1.
2. Der deutsche Mittelstand 5
zur Abgrenzung von Großunternehmen eine Unterscheidung in quantitative und
qualitative Merkmale, die im Folgenden erläutert werden. 8
2.1.1 Quantitative Differenzierungsmerkmale
Der Begriff „wirtschaftlicher Mittelstand“ umfasst aus quantitativer Sicht die Ge-
samtheit von Unternehmen 9 und Freien Berufen, soweit sie eine bestimmte Größe nicht überschreiten. 10
Das deutsche Institut für Mittelstandsforschung (IfM) beschränkt sich bei der Größenbestimmung mittelständischer Unternehmen auf die beiden Merkmale „Zahl der Beschäftigten“ sowie „Jahresumsatz“. Dabei werden die Unternehmen in drei Größenklassen unterteilt, wie Abbildung 1 entnommen werden kann.
Abb. 1: Quantitative Abgrenzungskriterien für kleine und mittlere Unternehmen
Quelle: Günterberg, B./Wolter, H.-J. (2002), S. 21.
Zu den kleinen Unternehmen zählen demzufolge Unternehmen mit maximal neun Beschäftigten sowie einem Jahresumsatz von maximal 1 Mio. €. Mittlere Unter- nehmen weisen eine Beschäftigtenzahl zwischen 10 und 499 sowie einen Jahres- umsatz zwischen 1 Mio. € und 50 Mio. € auf. Um ein großes Unternehmen handelt es sich demnach, wenn mehr als 500 Personen beschäftigt werden und der
Jahresumsatz 50 Mio. € übersteigt. 11
Jedoch ist eine ausschließlich quantitative Abgrenzung von Unternehmen anhand der Kriterien Mitarbeiterzahl und Umsatz bei finanztheoretischer Betrachtungsweise unzureichend, da eine derartige Herangehensweise der Heterogenität der Unter- nehmen nicht gerecht wird. Außerdem wird hierbei der oft grundlegend andere Cha- rakter kleiner und mittlerer Unternehmen im Unterschied zu Großkonzernen nicht deutlich genug herausgestellt. Es sind also weitere Differenzierungsmerkmale heran-
8 Vgl. Scherer, H.-W. (2003), S. 144 f.
9 Unternehmen, Unternehmung und Betrieb werden sinngleich verwandt.
10 Vgl. Günterberg, B./Wolter, H.-J. (2002), S. 1.
11 Ebenda, S. 21.
2. Der deutsche Mittelstand 6
zuziehen, anhand derer Unternehmen innerhalb der Gruppe kleiner und mittlerer
Unternehmen unterschieden und Sub-Gruppen gebildet werden können. 12
2.1.2 Qualitative Differenzierungsmerkmale
Die qualitativen Differenzierungsmerkmale beschreiben Besonderheiten mittelstän-
discher Unternehmen, die sie von anderen Unternehmensgrößen abgrenzen sollen. 13
Ein wesentliches Merkmal liegt dabei in der Einheit von Eigentum und Führung des
Unternehmens. 14 So werden ca. 90 Prozent der mittelständischen Unternehmen vom Inhaber geführt. 15 Zudem befinden sich viele mittelständische Unternehmen in Fami-
lienbesitz, dessen Besonderheit in der gegenseitigen nachhaltigen Prägung von Familie und Unternehmen besteht. Einerseits kann diese Konstellation viele Vorteile bieten, andererseits kann es das Unternehmen aufgrund eines ständigen Spannungs-
feldes zwischen familiären und unternehmerischen Interessen auch belasten. 16
Aus den beiden bisher genannten Merkmalen ergibt sich eine rechtliche und wirt- schaftliche Unabhängigkeit des Unternehmens und der Eigentümer. Nach Berech- nungen des IfM Bonn sind weit über 90 Prozent aller mittelständischen Unternehmen
als vollständig unabhängig einzustufen. 17
Neben den genannten Merkmalen werden in der Literatur weitere Charakteristika thematisiert, die hier jedoch nicht näher beleuchtet werden. Zu nennen sind jedoch z. B. ein ausgeprägtes Kontaktnetzwerk zu Kunden und Lieferanten sowie eine informelle Organisation und Kommunikation im Unternehmen. Aber auch nur einge- schränkte Möglichkeiten der externen Kapitalbeschaffung gehören zu den qualita-
tiven Merkmalen mittelständischer Unternehmen. 18
2.2 Die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstandes
Eine wichtige Voraussetzung für Unternehmensinvestitionen ist der Zugang der
12 Vgl. Wahl, S. J. (2004), S. 16.
13 Vgl. Brockhaus, M. (2002), S. 19.
14 Vgl. Günterberg, B./Wolter, H.-J. (2002), S. 3; Wahl, S. J. (2004), S. 21; Achleitner, A.-K./ Fingerle, Ch.H. (2004), S. 9.
15 Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband (2003), S. 10.
16 Vgl. Achleitner, A.-K./Fingerle, Ch.H. (2004), S. 9.
17 Vgl. Wolter, H.-J./Hauser, H.-E. (2001), S. 25 ff.
18 Vgl. bspw. Brockhaus, M. (2002), S. 20; Thommen, J.-P./Achleitner, A.-K. (2001), S. 64; Wahl, S. J. (2004), S. 23 f.
2. Der deutsche Mittelstand 7
Unternehmen zu Finanzierungsquellen. Hierbei bedienen sich Unternehmen der ver- schiedenen Formen der Innen- und Außenfinanzierung, wie sie im Folgenden erläutert werden. 19
2.2.1 Unternehmensfinanzierung
Bei der Finanzierung eines Unternehmens wird zwischen der Innen- und Außen- finanzierung sowie der Eigen- und Fremdfinanzierung unterschieden. 20
Die Innenfinanzierung entspricht der Eigenfinanzierung und beruht entweder auf Vermögensumschichtungen (Aktivtausch), wobei das insgesamt zur Verfügung stehende Kapital nicht erhöht wird, da es sich dabei nur um einen Rückfluss bereits früher beschaffter Kapitalbeträge handelt. 21 Oder sie führt zu einem Zuwachs an
Vermögen und Kapital, z. B. durch Gewinnthesaurierung (= offene Selbst- finanzierung), Kapitalschöpfung aus Abschreibungsvorteilen oder Bildung stiller Reserven, die durch Bewertungsmaßnahmen entstehen (= stille Selbstfinanzierung). 22
Bei der Außenfinanzierung erhält das Unternehmen das Kapital direkt von Einzel- personen respektive von den Banken oder über den Kapitalmarkt. Wird Kapital nur für eine bestimmte Dauer durch Gläubiger zugeführt, die kein Eigentum am Unter- nehmen erwerben, sondern nur eine schuldrechtliche Verbindung mit ihm eingehen, liegt eine Fremdfinanzierung vor (z. B. Lieferanten-, Bankkredite, Darlehen, Schuld- verschreibungen usw.). 23
Wird dem Unternehmen durch Eigentümer, Miteigentümer oder Anteilseigner Eigenkapital von außen zugeführt, handelt es sich um die Eigenfinanzierung in Form der Beteiligungsfinanzierung. Hierbei werden neuen Gesellschaftern Mitwirkungs- und Kontrollrechte ohne Stimmrechte eingeräumt (z. B. atypisch stille Gesellschaf- ter, Genussrechtsbeteiligte usw.). 24 Abbildung 2 veranschaulicht das Zusammenspiel
der Innen- und Außenfinanzierung.
19 Vgl. Bundesministerium der Finanzen (2003), S. 49 f.
20 Siehe Anhang B: Schema zur Unternehmensfinanzierung.
21 Vgl. Wöhe, G./Bilstein, J. (2002), S. 14.
22 Vgl Werner, H. S. (2005), S. 21.
23 Vgl. Thommen, J.-P./Achleitner, A.-K. (2001), S. 470.
24 Vgl Werner, H. S. (2005), S. 21.
2. Der deutsche Mittelstand 8
Abb. 2: Finanzierungsarten
Quelle: Kubla, R. (2004), S. 8.
2.2.2 Aktuelle wirtschaftliche Lage – Fakten und Hintergründe
Für deutsche mittelständische Unternehmen ruht die Unternehmensfinanzierung traditionell auf zwei Säulen: der Gewinnthesaurierung und der Kreditaufnahme bei der Hausbank. Auch wenn Unternehmen über gekündigte Kreditlinien und steigende Kosten der Fremdkapitalfinanzierung klagen, ist und bleibt der Bankkredit die Basis
für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen. 25
Dies ist auf verschiedene, insbesondere rechtliche und steuerliche Gründe zurück- zuführen. So ist das Kreditsicherheitenrecht in Deutschland derart ausgestaltet, dass eine einfache und unbürokratische Sicherheitenstellung möglich ist. Zudem gewährt die Insolvenzordnung in Deutschland einen hohen Gläubigerschutz, was die Kreditfinanzierung über die Banken begünstigt. Aber auch die Banken selbst haben zu diesem Finanzierungsverhalten durch die Bereitstellung günstiger Kredite bei-
getragen. 26 So verhindert das deutsche Universalbankensystem 27 den Beschaffungs-
wettbewerb zwischen Fremd- und Eigenkapital, so dass die deutschen Banken eher an Darlehen (und damit an ständigen Zinseinkünften), als an Eigenkapitalemissionen
(die nur einmalige Emissionsprovisionen bringen) interessiert sind. 28
Dies hat zur Folge, dass Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit eher mit günstigen Darlehen als mit teurem Eigenkapital finanzieren, so dass die durchschnittliche Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen seit Mitte der sechziger Jahre von
25 Vgl. Bundesverband deutscher Banken (2004), S. 6.
26 Vgl. Bundesverband deutscher Banken (2005), S. 11.
27 In den USA gibt es das so genannte Trennbankensystem, in dem die Geschäftsbanken
(Kreditinstitute) mit den Investmentbanken (Emissionsinstitute) im Wettbewerb miteinander stehen.
28 Vgl. Werner, H. S. (2005), S. 6.
2. Der deutsche Mittelstand 9
ca. 30 Prozent auf zuletzt etwa 17 Prozent gesunken ist. 29 Dies betrifft jedoch nur
Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 12,5 bis 50 Mio. €. Je kleiner ein Unter- nehmen dagegen ist, desto weniger Eigenkapital hat es durchschnittlich zur Verfü-
gung. So weisen Unternehmen bis 500.000 € Jahresumsatz 30 eine Eigenkapital- ausstattung von gerade einmal 6,1 Prozent aus. 31
Doch auch steuerliche Anreize sorgen für die Bevorzugung der Finanzierung mit Fremd- statt mit Eigenkapital: Einerseits sind ausschließlich Fremdkapitalzinsen steuerlich abzugsfähig, andererseits wurden über viele Jahre einbehaltene Gewinne
höher besteuert als ausgeschüttete. 32
Jedoch haben kleine und mittlere Unternehmen nicht nur mit einer schlechten Eigen- kapitalausstattung sondern auch mit der allgemeinen Gewinnsituation und der Umsatzrentabilität zu kämpfen. So erzielten im Jahr 2002 fast 30 Prozent der mittel- ständischen Unternehmen keinen Gewinn oder verbuchten sogar Verluste. Auch eine
Umsatzrentabilität 33 von durchschnittlich 3,3 Prozent kann die geringe Eigenkapital- basis nicht wirklich stärken. 34
In dieses Bild passt auch die aktuelle Insolvenzentwicklung. Demnach haben Unter- nehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 € und 5 Mio. € mit 33,6 Prozent den höchsten Anteil am gesamten Insolvenzaufkommen. Zwar kann erneut ein Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vor-
jahr 35 verzeichnet werden. Dennoch ist der Anteil der kleinen insolventen Unterneh- men, mit einem Jahresumsatz bis 100.000 €, um knapp zwei Prozent 36 angestiegen. 37
Daraus wird deutlich, wie wichtig eine gute Eigenkapitaldecke ist, denn neben der Finanzierungsfunktion besitzt Eigenkapital eine Reservefunktion für den Verlustfall und haftet im Insolvenzfall für die Verbindlichkeiten der Gläubiger. Aus diesen Funktionen heraus bildet ein angemessenes Eigenkapital die notwendige Basis für
29 Vgl. Creditreform (2005b), S. 18.
30 Gemäß der Umsatzsteuerstatistik des Statistischen Bundesamtes zählen 82 % aller Unternehmen zu
dieser Umsatzgrößenklasse (siehe Anhang A).
31 Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband (2003), S. 12.
32 Vgl. Bundesverband deutscher Banken (2004), S. 7.
33 Umsatzrentabilität = das Verhältnis von Gewinn zu Umsatz.
34 Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband (2004), S. 1 f.
35 Siehe Anhang C: Insolvenzverfahren in Deutschland.
36 Siehe Anhang D: Insolvenzen nach Umsatzgrößenklassen.
37 Vgl. Creditreform (2005a), S. 1 u. 11.
2. Der deutsche Mittelstand 10
die Aufnahme von Fremdkapital. 38
Wird die Unternehmensfinanzierung als strategische Aufgabe betrachtet, wird es in Zukunft einen steigenden Kapitalbedarf sowie Strukturverschiebungen zwischen Eigen- und Fremdkapital geben. Auch werden sich veränderte, zumeist erhöhte (kalkulatorische) Zinsaufwendungen infolge höherer (risikoreicherer) Eigenkapital- positionen nicht vermeiden lassen. Die Finanzierungsmöglichkeiten werden in stärkere Abhängigkeit zur nachhaltigen Ertragskraft treten und es müssen alternative Finanzierungsformen verstärkt von Kreditinstituten angeboten, aber auch von Unter-
nehmen angenommen werden. 39
2.3 Zusammenfassung
Da über 99 Prozent aller Unternehmen dem deutschen Mittelstand angehören, wird diesen eine überaus hohe Bedeutung beigemessen. Dazu zählen kleine und mittlere Unternehmen, die mit maximal 499 Beschäftigten einen Jahresumsatz bis zu
50 Mio. € erwirtschaften. Dennoch steht der Mittelstand einer Vielzahl von
Problemen gegenüber. Das Hauptproblem dabei ist zweifellos die im internationalen Vergleich geringe Eigenkapitalquote. Dabei ist die Hauptfinanzierungsquelle der mittelständischen Unternehmen der Kredit von der Hausbank, da bisher das Fremd- kapital günstiger ist als das Eigenkapital. Das wird sich jedoch spätestens mit in Kraft treten der Neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung im Jahr 2007 ändern. Denn dann werden Kredite nur noch für Unternehmen mit einer gesunden Eigenkapital- quote finanzierbar. Das Hauptziel der mittelständischen Unternehmen sollte es also sein, den Eigenkapitalanteil zu erhöhen, um langfristig am Markt bestehen zu können. Dafür gibt es eine Vielzahl alternativer Finanzierungsformen, denen sich jedoch nicht nur die Banken, sondern auch die kleinen und mittleren Unternehmen öffnen müssen, um ihre strategische Unternehmensfortführung zu sichern. Bevor diese jedoch im 4. Kapitel erörtert werden, gibt das folgende Kapitel einen Über- blick, wie sich die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung auf die Kreditvergabe- praxis der Banken auswirkt und welche Konsequenzen für den Mittelstand entstehen.
38 Vgl. Häger, M./Elkemann-Reusch, M. (2004), S. 21 f.
39 Vgl. Kubla, R. (2004), S. 7.
3. Basel II – ein Überblick 11
3. Basel II – ein Überblick
Die Regulierung der Kreditwirtschaft steht derzeit vor einem radikalen Umbruch. Um das Insolvenzrisiko der Kreditinstitute zu verringern, beabsichtigte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht im weltweiten Bankensystem einheitliche Wettbe- werbsbedingungen durch internationale Vereinbarungen zu schaffen. Es sollte das Risiko eines „Bankencrashs“, der i. d. R. durch hohe Kreditausfälle verursacht wird und verheerende wirtschaftliche, soziale und politische Folgen auslösen kann, möglichst verhindert werden. Das Bankensystem sollte international, national und institutsbezogen harmonisiert und damit stabilisiert werden. 40
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht wurde 1974 von den Zentralbankpräsi- denten der so genannten G-10 Staaten gegründet 41 und hat seinen Sitz in Basel. Seine
Hauptaufgabe besteht darin, rechtlich unverbindliche Vorschläge zur Bankenaufsicht zu machen, deren Umsetzung in den Händen der nationalen Aufsichtsbehörden liegt. Die wohl wichtigste Vorgabe des Baseler Ausschusses betrifft die Vorschriften zu Eigenkapitalanforderungen von Banken, die in diesem Kapitel erläutert werden. 42
3.1 Konzeptionelle Grundlagen und Zielsetzung von Basel II
Im Jahr 1988 wurde vom Baseler Ausschuss beschlossen, ein System zur Kalkulation des vorzuhaltenden Eigenkapitals einer Bank für Verluste aus riskanten (Kredit-) Geschäften einzuführen. Dieses Messsystem wird als Baseler Kapitalakkord, kurz Basel I, bezeichnet und gibt Richtlinien vor, mit deren Hilfe eine Bank kalkulieren muss, wie viel Prozent ihres Eigenkapitals sie für einen einzelnen Kredit bzw. für ein Kreditportfolio vorzuhalten hat, um eventuelle Verluste aus diesen Kreditgeschäften abfedern zu können. 43 Demnach muss seit 1992 jedes international tätige Kredit-
institut für jeden Kredit, den es an ein Unternehmen vergibt, mindestens acht Prozent 44 der Kreditsumme an Eigenkapital zur Deckung von Verlusten aus diesem
Kreditgeschäft bereithalten. Das Maximum der Kreditvergabe liegt so momentan bei dem 12,5fachen des haftenden Eigenkapitals des jeweiligen Kreditinstitutes. 45
40 Vgl. Ehlers, H. (2005), S. 7.
41 Mittlerweile gehören dem Komitee 13 westliche Industrienationen an: Belgien, Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Schweden, Schweiz,
Spanien und USA.
42 Vgl. Behr, P./Fischer, J. (2005), S. 36 f.
43 Ebenda, S. 38.
44 Für Kredite an Banken und Staaten sieht Basel I andere Eigenkapitalunterlegungen vor, die im
Kontext dieser Arbeit aber nicht von Bedeutung sind.
45 Vgl. Stark, J. (2002), S. 43.
3. Basel II – ein Überblick 12
Diese 8 %-Regel ist in den 90er Jahren zunehmend in die Kritik geraten. Einerseits wird sie den technologischen Entwicklungen und den neuen Finanzierungsinstru- menten des Marktes nicht mehr gerecht. Andererseits orientiert sie sich nicht an der Bonität einzelner Schuldner. Dadurch werden bonitätsschwache durch bonitätsstarke Schuldner subventioniert. Außerdem differenzieren die Eigenkapitalvorschriften
nicht nach der unterschiedlichen Risikoqualität der Kreditportfolios der Banken. 46
Daher bestehen bei den Banken wenig aufsichtsrechtliche Anreize, das Kreditrisiko bei der Kreditvergabe zu berücksichtigen, was bereits vielfach zu Fehlentschei-
dungen, bis hin zu krisenhaften Situationen und Bankenzusammenbrüchen führte. 47
So kam es im Laufe der Jahre zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Re- gelungen, bis schließlich der Baseler Ausschuss im Juni 1999 ein Konsultationspa- pier zur neuen Eigenkapitalvereinbarung, kurz Basel II, veröffentlichte. Diese Neu- regelungen sehen weit reichende Veränderungen in der Behandlung von bankspezifi-
schen Risiken vor. 48 Bevor diese jedoch im nächsten Teil dieses Kapitels erläutert
werden, soll Abbildung 3 den Entwicklungsprozess von Basel II verdeutlichen.
Abb. 3: Entwicklungsprozess von Basel II
Quelle: Behr, P./Fischer, J. (2005), S. 39.
Dem Konsultationspapier von 1999 folgte eine Phase, in der Änderungs- und Ver- besserungsvorschläge (z. B. von Banken) vorgebracht und z. T. im nächsten Konsultationspapier eingearbeitet wurden. Im April 2003 erschien schließlich das dritte und letzte Konsultationspapier, auf dessen Grundlage der Baseler Ausschuss am 26. Juni 2004 die endgültige Version von Basel II veröffentlichte. Diese soll Ende 2006 / Anfang 2007, jedoch vorerst nur teilweise, in Kraft treten. Seine komplette Gültigkeit und somit die Ablösung des veralteten Kapitalakkords Basel I
46 Vgl. Paul, S./Stein, S. (2002), S. 29.
47 Vgl. Everling, O. (2003), S. 172.
48 Vgl. Behr, P./Fischer, J. (2005), S. 38.
3. Basel II – ein Überblick 13
soll Basel II jedoch erst Anfang 2008 erlangen. Der verhältnismäßig langwierige Vorbereitungsprozess macht ein früheres Eintreten von Basel II nahezu unmöglich, da weit reichende Anforderungen an die Banken gestellt werden. 49
Bei der Entwicklung eines neuen, umfassenden Ansatzes als Empfehlung für die Eigenkapitalausstattung hat sich der Baseler Ausschuss das Ziel gesetzt, die Sicher- heit und Solidität des Finanzsystems zu fördern. Dabei soll die Eigenkapitalaus- stattung insgesamt mindestens auf dem derzeitigen Stand bleiben. 50 Das Hauptziel
der Basel II-Richtlinie ist es jedoch, die Höhe des Eigenkapitals, mit dem jede Bank einen Kredit unterlegen muss, von der Risikoklassifizierung des Kreditnehmers abhängig zu machen. 51 Bei der Messung des Kreditrisikos eines Schuldners kann das
Kreditinstitut zwischen zwei Methoden wählen: entweder verlässt es sich auf die Einschätzung einer anerkannten Rating-Agentur 52 (externes Rating) oder es baut ein internes Ratingsystem auf. 53
Im Hinblick auf ihre Bonitäts- bzw. Rating-Einstufung erhalten die Unternehmen ihre individuellen Kreditkonditionen. Zukünftig soll also jede Risikokategorie indi- viduell und differenziert gemessen und gewichtet werden können, damit das Eigen- kapital möglichst genau den tatsächlichen ökonomischen Risiken entspricht. Zwar gilt weiterhin bei Krediten eine Eigenkapitalanforderung von mindestens acht Pro- zent, jedoch müssen auf Grundlage des Ratings risikoreichere Positionen mit mehr Eigenkapital, risikoärmere oder sichere Positionen hingegen mit weniger Eigenkapi- tal unterlegt werden. 54
Aber auch die Banken sollen durch Basel II veranlasst werden, sich laufend mit dem aktuellen Risikoprofil und dem erforderlichen Eigenkapital als Risikopuffer zu be- fassen, um bestandsgefährdende Entwicklungen frühzeitig erkennen und Vorsorge- maßnahmen ergreifen zu können.. Ausgehend von diesen Zielsetzungen wurde Basel
II als Drei-Säulen-Modell konzipiert und wird im folgenden Abschnitt erläutert. 55
49 Vgl. Behr, P./Fischer, J. (2005), S. 38 f.
50 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2001), S. 7.
51 Vgl. Schmeisser, W./Grothe, J. (2003), S. 232.
52 Rating ist ein Verfahren zur systematischen Bewertung von Risikosituationen. Vgl. Busse, F.-J.
(2003), S. 268.
53 Vgl. Ehlers, H. (2005), S. 8.
54 Vgl. Schmeisser, W./Grothe, J. (2003), S. 232.
55 Vgl. Wolf, M. (2005), S. 10.
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Anja Conrad, 2006, Mezzanine-Kapital als alternative Finanzierungsform für den deutschen Mittelstand im Hinblick auf Basel II, Munich, GRIN Publishing GmbH
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