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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Die Beobachtung 3
2.1 Quantitative und qualitative Sozialforschung 3
2.2 Bestandteile der Beobachtung 3
2.2.1 Das Beobachtungsfeld 3
2.2.2 Die Beobachtungseinheiten 4
2.2.3 Der Beobachter 4
2.2.4 Die Beobachteten 4
3 Beobachtungsformen 5
3.1 Naive und wissenschaftliche Beobachtung 5
3.2 Strukturierte und unstrukturierte Beobachtung 5
3.3 Offene und verdeckte Beobachtung 6
3.4 Teilnehmende und nicht teilnehmende Beobachtung 7
3.5 Aktiv und passiv teilnehmende Beobachtung 7
3.6 Direkte und indirekte Beobachtung 7
3.7 Feld und Laborbeobachtung 8
4 Marienthalstudie 9
4.1 Hintergrund der Studie 9
4.2 Vorgehensweise und Forschungsziele 9
4.3 Angewandte Methode und Ergebnis 10
5 Teilnehmende Beobachtung 12
5.1 Überblick über die teilnehmende Beobachtung 12
5.1.1 Beobachter als Teilnehmer ( observer-as participant ) 13
5.1.2 Teilnehmer als Beobachter ( participant-as observer ) 13
5.1.3 Völlige Identifikation mit dem Feld ( complete participant ) 13
5.1.4 Reiner Beobachter ohne Interaktion mit dem Feld ( complete observer ) 13
5.2 Beobachterschulung 14
5.3 Grenzen der Beobachtung 14
6 Schlussbemerkung 16
7 Literatur und Quellenverzeichnis 17
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1 Einleitung
Allgemein betrachtet, basiert jede Datenerhebungsmethode auf einem Beobach- tungsvorgang, der das Wahrnehmen unserer Umwelt durch Sinnesorgane beinhaltet. Somit stellt die Beobachtung sowohl in der empirischen Sozialforschung als auch in anderen Wissenschaftsdisziplinen, beispielsweise der Recherche von literarischen und journalistischen Sozialreportagen oder der Psychologie eines der ursprünglichs- ten Verfahren dar. Was verstehen wir unter Beobachtung?
Die wissenschaftliche Beobachtung ist „das systematische Erfassen, Festhalten und Deuten sinnlich wahrnehmbaren Verhaltens zum Zeitpunkt seines Geschehens“ (Atteslander 2003, S. 79). Den Unterschied zur alltäglichen Beobachtung erklärt Atteslander folgendermaßen: „Während alltägliches Beobachten der Orientierung der Akteure in der Welt dient, ist das Ziel der wis- senschaftlichen Beobachtung die Beschreibung bzw. Rekonstruktion sozialer Wirklichkeit vor dem Hin- tergrund einer leitenden Forschungsfrage.“ Weitere Unterschiede sind die Anwendung systematischer Verhaltensweisen und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den erlangten Ergebnissen bei der Beob- achtung als Datenerhebungsmethode. Durch die Beobachtung kann gegenwärtiges Geschehen festgehalten und somit ein real existierendes Verhalten registriert werden. Im Gegensatz zur Befragung, bei der der Befragte nur eine Antwort bezüglich eines möglichen Verhaltens gibt, die zudem subjektiv verarbeitet und interpretiert ist, be- fasst sich die Beobachtung mit effektiv sozialem Verhalten.
Jürgen Friedrichs weist allerdings auf die verhältnismäßig seltene Anwendung der Beobachtung in der Soziologie hin. Grund hierfür ist, „dass die Beobachtung Hypothesen über das Verhalten von Individuen verlangt, zu denen dann Analysen und Prognosen nötig sind. In den Hypothesen sind Variablen enthalten, deren Messung anhand der Kategorien des Forschers erfolgt; er interpretiert Bewegung, räumliche Distanz und Interaktionen“ (Friedrichs 1980, S. 269).
Folglich steht die Interpretation des Betroffenen der des Akteurs gegenüber.
Ziel meiner Ausarbeitung ist es zunächst, einen Überblick über die wissenschaftliche Beobachtung und deren Bestandteile zu geben, bevor ich die einzelnen Formen der Beobachtung näher erläutere. In einem weiteren Schritt werde ich die Datenerhe- bungsmethode „Beobachtung“ anhand der „Marienthal-Studie“, die als berühmteste teilnehmende Beobachtung gilt, vorstellen.
Abschließend werde ich die spezifischen Rollen im Rahmen der teilnehmenden Beo- bachtung erläutern und die Grenzen der Methode „Beobachtung“ darlegen.
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2 Die Beobachtung
2.1 Quantitative und qualitative Sozialforschung
Der Ablauf und die Anwendung einer wissenschaftlichen Beobachtung hängt ent- scheidend vom theoretischen und methodologischen Standpunkt der Forscher ab (Atteslander, 2003, S. 79). In der Sozialforschung wird deshalb zwischen einer quanti- tativen und einer qualitativen Konzeption beziehungsweise zwischen quantitativen und qualitativen Beobachtungsstudien unterschieden.
Bei der quantitativen Beobachtung wird die soziale Realität als objektiv gegeben be- trachtet, die mit kontrollierten Methoden zu erfassen ist. Hierbei geht es in erster Linie um die Aufnahme von Daten, die zur Überprüfung von Theorien und Hypothesen die- nen. Die Reliabilität und Validität dieser Daten sind die einzigen Kriterien, denen man mit der Erhebung großer Fallzahlen und der personellen Trennung von Forscher und Beobachter Genüge zu tun versucht. Atteslander kritisiert die quantitative Methode, da sie von einem „Primat der Methode“ gekennzeichnet ist, was bedeutet, dass die Beschäftigung mit der Methode den eigentlichen Gegenstand überlagert. Außerdem weist er bei dieser Art der Beobachtung durch Standardisierung und Quantifizierung auf die Gefahr der Scheinobjektivität hin.
Demgegenüber steht die qualitativ orientierte Beobachtung. Diese ist gekennzeichnet durch „die Annahme, dass soziale Akteure Objekten Bedeutungen zuschreiben, sich nicht starr nach Normen und Regeln verhalten, sondern soziale Situationen interpretieren und so prozeßhaft soziale Wirklichkeit konstituieren“ (Atteslander, 2003, S. 84). Der Forscher beschäftigt sich hierbei also nicht mehr hauptsächlich mit der Methode, sondern vielmehr mit der Interpretation des Prozesses. Die Forschungsprinzipien sind zwar auf einer gemeinsamen Basis begründet, können jedoch Unterschiede aufweisen.
2.2 Bestandteile der Beobachtung
Atteslander unterscheidet vier verschiedene Bestandteile der Beobachtung, die in Beziehung zu einander stehen, sich aber analytisch trennen lassen (Atteslander 2003, S.88). Sie können als eine Art Checkliste verstanden werden, um zu einer Auswahl der Beobachtungsform, auf die ich im folgenden Kapitel zu sprechen kom- me, zu gelangen.
2.2.1 Das Beobachtungsfeld
Das Beobachtungsfeld gibt Aufschluss über die Rahmenbedingungen der Beobach- tung und enthält Angaben über den räumlichen und sozialen Charakter der Untersu- chung. Hier bestehen Unterschiede zwischen der qualitativen und quantitativen For- schungsmethode.
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So muss bei der quantitativen Beobachtung eine genaue Beschreibung des Beobach- tungsfeldes erfolgen, während sich bei der qualitativen Methode das Feld auch wäh- rend der Beobachtung ändern kann.
2.2.2 Die Beobachtungseinheiten
„Die Beobachtungseinheiten bezeichnen denjenigen Teilbereich sozialen Geschehens, der konkreter Gegenstand der Beobachtung sein soll“ (Atteslander 2003, S. 90).
Grundsätzlich werden die Beobachtungseinheiten im Vorfeld festgelegt, da nie alles beobachtet werden kann. Atteslander weist jedoch darauf hin, dass am Anfang einer Untersuchung oftmals noch unklar ist, welche Faktoren für das Untersuchungsziel entscheidend sind. Bei der quantitativen Beobachtung werden die Beobachtungsein- heiten zeitlich zerlegt, während bei der qualitativen Beobachtung komplexere Situati- onen und Interaktionen als Einheiten erfasst werden.
2.2.3 Der Beobachter
Grundsätzlich wird der Beobachter durch seinen Beobachterstatus im Feld begründet. Dieser ist einerseits von seinem Partizipationsgrad und andererseits von der Ausfül- lung der Beobachterrolle, die mit dem Partizipationsgrad korrespondiert, abhängig. Atteslander teilt dem Beobachter zwei verschiedene Rollen zu, die im Feld einge- nommen werden können: die Rolle als forschender Beobachter und seine Teilneh- merrolle im Feld. Die Rolle als forschender Beobachter wird häufig bei quantitativen Beobachtungsdesigns verwendet. Hierbei ist der Partizipationsgrad im Feld eher ge- ring, was zu einer personellen Abgrenzung zwischen Forschungs- und Erfahrungs- prozess führt. Somit ist die Objektivität und die intersubjektive Überprüfbarkeit der Beobachtung gewährleistet.
Die Teilnehmerrolle im Feld findet hingegen häufig Anwendung bei qualitativ orientier- ten Beobachtungsdesigns. Der entsprechend hohe Partizipationsgrad im Feld setzt die Identität von Forscher und Beobachter voraus. Atteslander betont, dass sowohl der Partizipationsgrad als auch die gewählte Rolle während der Beobachtung kritisch bedacht werden müssen, um einer eingeschränkten Wahrnehmung oder einem „going native“, einer Überidentifikation mit dem Feld und seinen Akteuren, vorbeugen zu können.
2.2.4 Die Beobachteten
Bei diesem Bestandteil der Beobachtung muss festgelegt werden, ob die Beobachte- ten darüber informiert werden, dass und zu welchem Zweck sie beobachtet werden. Wird die Beobachtung offen vollzogen, sind keine rechtlichen Konsequenzen zu er- warten, jedoch kann die Authentizität der Beobachteten darunter leiden. Authenti- sches Verhalten finden wir vielmehr bei der verdeckten Beobachtung, wobei der Be- obachter sich einer Tarnung im Rahmen der Feldbedingungen unterziehen muss.
Arbeit zitieren:
Heike Homburger, 2004, Beobachtung, München, GRIN Verlag GmbH
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