1
Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 4
1 Die Entwicklung des Senders ARTE. RB. 7
1.1 Der Sender in den Jahren seiner Gründung. 7
1.2 Europäische Expansion nach dem Sendestart. 11
1.3 ARTE heute. 13
1.3.1 Die Organisation des Senders. 13
1.3.2 Das Programmdesign des Senders. 15
2 Die Verbreitung von ARTE. MMB. 19
2.1 Überblick. 19
2.2 Die Verbreitung in Deutschland. 20
2.3 Die Verbreitung in Frankreich. 22
2.4 Die Verbreitung in den ARTE-Partnerländern. 25
2.4.1 Belgien. 25
2.4.2 Österreich. 25
2.4.3 Schweiz. 25
2.4.4 Niederlande. 26
2.4.5 Finnland. 26
2.4.6 Polen. 26
2.4.7 Spanien. 26
2.5 Die Verbreitung in anderen Ländern. 26
2.6 Fazit. 27
3 Akzeptanz von ARTE in Deutschland und Frankreich. MMB. 29
3.1 Überblick. 29
3.2 Gründe für die unterschiedliche Rezeption in Deutschland und Frankreich. 32
3.3 Ausblick. 33
4 Die Zielvorstellungen des Senders ARTE. RB. 35
4.1 Kultur - ein ganz besonderes Gut. 35
4.2 Mettre la télévision au service de l’homme européen 37
4.3 So hab’ ich das noch nie gesehen 39
2
5 Die Sendung Karambolage’ RB. 41
5.1 Claire Doutriaux - die Erfinderin. 41
5.2 Das Konzept. 43
5.3 Die Produktion. 45
5.4 Welche Inhalte werden in Karambolage’ vermittelt? 46
6 Wie werden die Inhalte in Karambolage filmisch gestaltet? RB. 50
6.1 Techniken der Filmanalyse - ein Exkurs. 50
6.2 Analyse der Beispielsendung vom 10.10.2004. 51
6.2.1 Das Sendeprofil. 52
6.2.2 Der Gegenstand. 53
6.2.3 Das Wort. 57
6.2.4 Das Inventar. 58
6.2.5 Das Symbol. 59
6.2.6 Das Rätsel. 61
6.3 Fazit. 63
7 Kulturstandards und Stereotype in Karambolage’ MMB. 66
7.1 Bedeutung der Kultursensibilisierung. 66
7.2 Kulturstandard-Konzept. 68
7.2.1 Definition von Kulturstandards. 68
7.2.2 Konstruktionsprozess von Kulturstandards. 72
7.2.2.1 Überblick. 72
7.2.2.2 Fehlinterpretationen
bei der Generierung von Kulturstandards. 73
7.2.3 Grenzen des Kulturstandard-Konzepts. 78
7.3 Kulturstandard versus Vorurteil und Stereotyp. 80
7.4 Vermittlungsformen in Karambolage’ 83
7.4.1 Wie wird der Zuschauer für die jeweils andere Kultur sensibilisiert? 83
7.4.2 Fördert die Sendung nicht eher die Etablierung von Stereotypen
und Vorurteilen, als damit aufzuräumen? 87
7.4.2.1 Überblick. 87
7.4.2.2 Stereotypisierende Beiträge. 88
7.4.2.3 Vermeidung der Stereotypisierung. 92
7.4.2.4 Fazit 94
3
7.4.3 Inwiefern finden sich Aspekte des Kulturstandard-Konzepts
in der Sendung wieder? 95
7.4.3.1 Überblick. 95
7.4.3.2 Direkter Vermittlungsweg. 95
7.4.3.3 Indirekter Vermittlungsweg. 96
7.4.3.4 Humorvoller Vermittlungsweg. 97
7.4.3.5 Vermittlung mittels Bild und Text. 98
7.4.3.6 Fazit. 101
8 Kritik und Aussichten. MMB. 103
8.1 Einschätzungen der Sendung Karambolage’ in der Öffentlichkeit. 103
8.1.1 Die Präsentation von Karambolage’ bei ARTE. 103
8.1.2 Pressestimmen in Frankreich. 103
8.1.3 Weitere öffentliche Positionierungen in Frankreich. 105
8.1.4 Pressestimmen in Deutschland. 106
8.1.5 Andere öffentliche Stellungnahmen in Deutschland. 109
8.2 Die Marktanteile der Sendung Karambolage’ 111
8.3 Alltagskulturelle versus wissenschaftliche Betrachtungsweise. 112
8.4 Die Zukunft der Sendung bei ARTE. 118
Fazit. 120
Anhang. 123
Anhang I Protokoll der Beispielsendung vom 10. Oktober 2004. 123
Anhang II Protokoll des Telefoninterviews mit Maija-Lene Rettig von
Martin Marcel Bauch. 127
Literaturverzeichnis. 138
MMB - Martin Marcel Bauch
RB - Romy Bretfeld
4
Einleitung
Das Streben nach einem gemeinsamen Europa stellt einen Schwerpunkt in der heutigen Gesellschaft dar. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begannen in Europa die Pläne zur Überwindung historisch gewachsener nationaler Grenzen. Mit der Schaffung eines gemeinsamen Marktes und transnationaler Verbindungen in Handels-, Agrar- und Verkehrspolitik wurden auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene bereits große Fortschritte hinsichtlich einer Integration Europas erzielt. Auf kulturellem Gebiet stellte die Gründung des europäischen Fernsehkulturkanals ARTE einen wichtigen Meilenstein zur Belebung des interkulturellen Dialogs in Europa dar. Die Verwirklichung dieses einzigartigen Beispiels deutsch-französischer sowie europäischer Zusammenarbeit war mit ausgeprägten Problemen verbunden. Der Sendestart musste mehrmals verschoben werden, so dass fast zwei Jahre später als geplant, am 30. Mai 1992, der Startschuss für ARTE gegeben werden konnte. Die Gründe lagen in den unterschiedlichen politischen und rechtlichen Systemen der Gründungsstaaten sowie in ungleichen kulturellen Auffassungen. Bei der Entwicklung des europäischen Kulturkanals waren Kritiker und Gegner dieser deutsch-französischen Zusammenarbeit von Beginn an zur Stelle. Das politische Prestigeprojekt ARTE, welches laut Gründungsvertrag „das Verständnis und die Annäherung der Völker in Europa fördern“ soll, wurde eher misstrauisch und spöttisch von der Presse in Deutschland und Frankreich empfangen. Die Bezeichnungen reichten von „Blindenfernsehen“, „Bastard der Politik“, „Letztes Kind des Kalten Krieges“ bis zu „La langue de Goebbels“. 1 Mittlerweile jedoch, nach über 12 Jahren auf Sendung, ist ARTE aus der täglichen Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken und hat sich einen festen Platz im Bereich des Kulturfernsehens gesichert. ARTE zeichnet sich dabei durch seine Zielsetzung, alte Sehgewohnheiten zu durchbrechen und neue mediale Ausdrucksweisen zu kreieren, aus.
Das dreipolige und transnationale Unternehmen ARTE versucht dem europäischen Gedanken gerecht zu werden, indem eine enge Zusammenarbeit mit Rundfunkanstalten anderer europäischer Länder aufgebaut wird. Jedoch gibt es an der Basis, der Zentrale in Straßburg und den beiden Töchtern ARTE Deutschland TV GmbH und ARTE France, ebenfalls noch Bedarf einer Vertiefung der Zusammenarbeit. So werden viele
1 Vgl. Wenger (2003), S.61.
5
Sendungen von den einzelnen Mitgliedern gefertigt ohne eine wirkliche, vor allem inhaltliche, deutsch-französische Zusammenarbeit darzustellen. Mit der Entwicklung eines neuen Sendekonzepts, welches ARTE breiteren Zuschauergruppen zugänglich machen sollte, wurden einige neue Sendeformate in das Programm aufgenommen. Die Sendung ‚Karambolage’ von Claire Doutriaux stellt in dieser Entwicklung einen weiteren entscheidenden Schritt dar: Sie ist die erste deutschfranzösische Sendung, die auch inhaltlich deutsch-französisch ist. Nach über zehnjährigem Bestehen des europäischen Kulturkanals ARTE ist dies die erste Sendung, die deutsch-französische Unterschiede und Gemeinsamkeiten thematisiert. Die, jeden Sonntag von 20.00 Uhr bis 20.15 Uhr auf ARTE ausgestrahlte, Sendung setzt sich als Ziel, die französische und die deutsche Kultur einander näher zu bringen. Dabei wird von Details aus dem alltäglichen Leben ausgegangen, die im Laufe der Sendung innerhalb verschiedener Kategorien, wie etwa ‚Der Gegenstand’, ‚Das Ritual’ oder ‚Die Lautmalerei’, von Autoren beider Nationen präsentiert werden. Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die Entwicklung des Fernsehsenders ARTE liefern. Dabei wird, neben der Geschichte dieses Projektes, anhand der Empfangsmöglichkeiten und der Marktanteile aufgezeigt, inwieweit er als europäischer Kulturkanal etabliert und akzeptiert ist. Nach einer Vorstellung des Sendekonzepts und der damit verbundenen Ziele richtet sich das Hauptaugenmerk dieser Arbeit auf die Sendung ‚Karambolage’ als erste deutsch-französische Sendung auf inhaltlicher und produktiver Ebene bei ARTE. Ein enger Zusammenhang zwischen Präsentation des Senders und ‚Karambolage’ ist gegeben, da die Entwicklung einer so konstruierten Sendung einen Höhepunkt in der Geschichte und den Gründungszielen von ARTE darstellt.
Um diese These zu belegen, werden anfangs Hintergründe zur Produktion und Konzeption der Sendung dargestellt. Dies ist notwendig, um zu verstehen, aus welchen Gründen die Autorin die Sendung entworfen hat und welches Ziel sie bei ARTE verfolgt.
In weiteren Kapiteln wird geklärt, welche Inhalte in ‚Karambolage’ präsentiert und wie diese filmisch umgesetzt werden. Diese Erläuterung erfolgt anhand einer repräsentativen Untersuchung der Beispielsendung, vom 10. Oktober 2004. Es wird dabei die Frage aufgeworfen, ob bereits die Methoden der filmischen Umsetzung zur Entwicklung eines besseren Verständnisses für die andere Kultur beim Zuschauer beitragen können.
6
Weiterhin wird die Frage der kulturellen Annäherung noch einmal aufgenommen und anhand der Theorie der Kulturstandards und Stereotypen untersucht. Dazu wird das Konzept der Kulturstandards in Hinblick auf Stereotype und Vorurteile zunächst allgemein erklärt und ihre Bedeutung erläutert. Anschließend werden die sprachlichen Inhalte der Sendung ‚Karambolage’ im Hinblick auf die folgenden drei Fragestellungen untersucht:
Wie wird der Zuschauer für die jeweils andere Kultur sensibilisiert? Fördert die Sendung nicht eher die Etablierung von Stereotypen und Vorurteilen, als damit aufzuräumen?
Inwiefern finden sich Aspekte des Kulturstandard-Konzepts in der Sendung wieder? In Ergänzung dazu werden die ersten Reaktionen und Stellungnahmen der französischen und deutschen Öffentlichkeit zu ‚Karambolage’ präsentiert und unter Einbezug der Marktanteile bewertet.
Zusätzlich wird in einem Abschnitt der Unterschied zwischen alltagskultureller und wissenschaftlicher Betrachtungsweise in Bezug auf ‚Karambolage’ erläutert. Dabei werden Vorteile und Nachteile beider Sichtweisen in ihrer Umsetzung innerhalb der Sendung aufgezeigt und bewertet.
Den Abschluss der Arbeit bildet eine Vorausschau auf die Zukunft der Sendung bei ARTE und eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse.
Unser Dank gilt Thomas Gerlach von ARTE G.E.I.E. und Maija-Lene Rettig, stellvertretende Chefredakteurin von ‚Karambolage‘, für die freundliche Unterstützung bei der Materialrecherche. Außerdem danken wir auch Prof. Ulrike Brummert für die kritische Manuskriptdurchsicht.
7
1 Die Entwicklung des Senders ARTE 2
Im nun folgenden Kapitel wird die Entwicklung des Senders ARTE zusammengefasst, um ein anschauliches Bild von ihm zu vermitteln und ‚Karambolage’ innerhalb des Sendekonzepts, hinsichtlich seiner Bedeutung für ARTE, zu situieren.
1.1 Der Sender in den Jahren seiner Gründung
Die Geschichte von ARTE beginnt mit der Gründung der französischen Fernseh-Programmgesellschaft La SEPT 3 in Paris am 27. Februar 1986. Durch ihr Konzept „als nationales französisches Kulturprogramm auf Inhalte der Hochkultur“ 4 spezialisiert und „in Organisation und Programmation als Alternative zur steigenden Kommerzialisierung des Fernsehens und zur Stabilisierung der Produktion gedacht“ 5 , soll sie - zumindest auf französischen Wunsch hin - als Vorbild für den zu gründenden Europäischen Kulturkanal ARTE dienen.
Erste Vorstellungen, vor allem „zu Finanzierung und Inhalten des Programms“ 6 werden am 4. November 1988 in der „Gemeinsamen Erklärung zum deutsch-französischen Kulturkanal“ zwischen der französischen Regierung und den deutschen Bundesländern formuliert. Tragende Kräfte bei diesem Projekt waren nicht, wie oft behauptet, der französische Präsident François Mitterand und Bundeskanzler Helmut Kohl, sondern der französische Minister für Kultur Jack Lang und der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth. 7
Als eigentliche Voraussetzung zur Gründung von ARTE gilt jedoch der Zwischenstaatliche Vertrag vom 2. Oktober 1990, der von der französischen Regierung und den 11 alten Bundesländern unterzeichnet wird.
Die 6 Artikel des Vertrages schreiben die Eckdaten des gemeinsamen Projekts fest: Artikel 1
regelt das Problem der Aufsicht und legt die Selbstverwaltung der neuen Organisation in allen
Bereichen (Programmplanung und -realisierung, Haushalt, Personal) fest. [...] Artikel 2 bestimmt
die Übertragungswege des Programms, den Rundfunksatellit TDF sowie „zusätzliche
Übertragungswege“ [...]. Artikel 3 regelt die Mehrwertsteuerfrage und verpflichtet den
2 Vgl. ARTE-Chronik, (2004).
3 La SEPT - La Société d’Edition de Programmes de Télévision.
4 Gräßle (1995), S.224.
5 Gräßle (1995), S.224.
6 Merkel (1995), S.55.
7 Vgl. Gräßle (1995), S.112/113.
8
französischen Staat auch in diesem Punkt auf das deutsche Recht [...]. Artikel 4 legt die
Bedingungen des Beitritts weiterer europäischer Staaten fest. [...] Artikel 5 bestimmt den Modus
der Vertragsratifikation [...], Artikel 6 die Modalitäten der Vertragskündigung. 8
Mit seinen Bestimmungen bildet der Zwischenstaatliche Vertrag nach französischem Recht, nach deutschem Recht und auch nach EU-Recht eine absolute Ausnahme in der europäischen Medienlandschaft. Die deutschen Bundesländer pochen auf ihr Recht der Rundfunkfreiheit und schließen den Bund komplett von jeglicher Entscheidungsfindung aus. Sie bestehen auf Staatsferne des Senders, was von französischer Seite akzeptiert wird, obwohl das den zentralistischen Grundsätzen in Frankreich widerspricht. In beiden Ländern wird die nationale Gesetzgebung verändert und geweitet, um das Projekt für beide Seiten zufriedenstellend zum Abschluß zu bringen. Das europäische Medienrecht hat überhaupt keinen Einfluß auf das Zustandekommen des Vertrages, denn es schreibt genau das Gegenteil dessen vor, was schlußendlich so zustande gekommen ist. Es schafft eigentlich Freiräume, die durch nationale Gesetzgebung einzuschränken sind. 9
Ein weiterer Schritt zur Realisierung des Projekts Europäischer Kulturkanal ARTE ist die Gründung der ARTE Deutschland TV GmbH am 13. März 1991 mit Sitz in Baden-Baden. Sie ist die deutsche Koordinierungsstelle, an der die öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF zu je 50% beteiligt sind.
Nachdem nun also beide Länder ihre nationalen Pole geschaffen haben, kann es am 30. April 1991 zur Gründung des Europäischen Kulturkanals ARTE kommen. ARTE G.E.I.E. (Groupement Européen d’Intérêt Economique) ist eine Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung mit Sitz in Straßburg. ARTE France 10 und ARTE Deutschland TV GmbH sind gleichberechtigte Mitglieder. Der Vertrag regelt
die Gestaltung der deutsch-französischen Zusammenarbeit und des Programms [...] die Rechte
und Pflichten der beteiligten Partner [...] am gemeinsamen Unternehmen [...], seine innere
Organisation, die Verwaltungs- und Aufsichtsgremien, die Rechtsaufsicht, die Grundsätze der
Programmerstellung, Ausstrahlungsquoten, die Erweiterung des Unternehmens, die Finanzierung
und die Auflösung. 11
8 Gräßle (1995), S.190/191.
9 Vgl. Gräßle (1995), S.190 ff.
10 früher: La SEPT, umbenannt im August 2000.
11 Gräßle (1995), S.196/197.
9
Der eigentliche Sendestart von ARTE findet allerdings erst am 30. Mai 1992 statt, also über ein Jahr nach Vertragsabschluß. Der erste Präsident des ARTE-Vorstandes ist Jérôme Clément, sein Vizepräsident Dietrich Schwarzkopf. Willibald Hilf ist Präsident der ARTE-Mitgliederversammlung.
Am 1. Januar 1999 wird Jobst Plog erster deutscher Präsident des Senders. 12
Nun stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen ARTE als Sender gestartet ist. Oben genannte Verzögerungen beispielsweise ziehen sich durch die gesamte Entstehungsgeschichte von ARTE G.E.I.E. Dies begründet sich aus den verschiedenen Interessen der Partnerländer bzw. der Unterschiedlichkeit ihrer medienpolitischen Systeme.
Während Frankreichs zentralistisches Mediensystem in der Tradition direkter
regierungspolitischer Einflußnahme steht, war die Festlegung der deutschen Position aufgrund
der föderalistischen Organisationsstruktur des bundesdeutschen Rundfunksystems ein
Koordinierungsseiltanz zwischen den Kultusministerien der einzelnen Bundesländer. 13
Aus diesem Unterschied ergeben sich Probleme, wie sie schon bei der Bewertung des zwischenstaatlichen Vertrages geschildert wurden.
Zur Bewertung der drei Pole sei kurz gesagt, daß ARTE France seinen rechtlichen Status nie geändert hat und auch weitgehend unter staatlichem Einfluß der französischen Regierung bleibt, durch die Programmverbreitung in Frankreich allerdings aufgewertet wurde.
Einerseits ist ARTE Deutschland im wesentlichen eine Kontrollinstanz hinsichtlich der Zuliefer- und Finanzquoten und hat keinen Einfluß auf die Programmgestaltung. Andererseits glückte hier allerdings zum ersten Mal ein Versuch von Zusammenarbeit der ARD und des ZDF, woraus eine qualitativ hochwertigere Kooperation der deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten erwachsen ist. Die Zentrale in Straßburg erfüllt nur kooperative, nicht wie vorgesehen integrative Zwecke und ist vor allem in wichtigen Fragen wie Programmerstellung und Finanzierung gänzlich von den nationalen Polen abhängig. Dies begründet sich aus dem Unwillen der Partner wichtige Kompetenzen aus der Hand geben zu wollen. 14
12 Nähere Erläuterungen zur Struktur des Unternehmens ARTE finden sich im Kapitel 1.3.
13 Merkel (1995), S.55.
14 Vgl. Gräßle (1995), S.197ff.
10
Auch in wichtigen Punkten, wie Gestaltung und Verbreitung des Programms, gibt es anfangs Schwierigkeiten. „Während in Deutschland die Verbreitung durch ein gut ausgebautes Kabelnetz gesichert war, konnte Frankreich in dieser Hinsicht nur begrenzte Reichweiten garantieren und mußte sich deshalb zur Bereitstellung einer terrestrischen Frequenz verpflichten“. 15
Desgleichen existieren hinsichtlich des Kulturbegriffs sehr konträre Meinungen. Die Franzosen bevorzugen Kultur im engen, elitären Sinne mit einer begrenzten Themenpalette, „während die deutsche Seite [...] einen weiten Kulturbegriff verankern wollte, der auch das Alltagsleben, Wirtschaft, Politik, Nachrichten und Unterhaltung umfassen sollte.“ 16
Für ARTE selbst spielen solche theoretischen Unterscheidungen nur eine marginale Rolle. Für Claire Doutriaux 17 beispielsweise ist dies nicht die Basis der Diskussion, es sei vielmehr zu betonen, dass es gar nicht möglich ist einen gemeinsamen Kulturbegriff für ARTE zu finden, da die personellen Voraussetzungen in Deutschland und Frankreich vollkommen unterschiedlich sind und somit auch gänzlich verschiedene Interessen aufeinander treffen. Genauer gesagt heißt das:
ARTE, c’est une chaîne déséquilibrée. En France, c’était La SEPT comme petite entité de
fabrication de programmes de télévision, souvent faites par des gens qui étaient des dissidents
d’autres télévisions et qui donc y voyaient un enjeu très fort. Du côté allemand, ARTE n’a
absolument pas les mêmes nécessités puisque c’est une chaîne de rediffusion, parfois de
première diffusion. Enfin, c’est une chaîne filiale, satellite de l’ARD et de la ZDF. 18
Dietrich Schwarzkopf faßt zusammen:
In der Alltagspraxis hat man in Straßburg glücklicherweise rasch aufgegeben, eine gemeinsame
Kulturdefinition für die Arbeit des Kulturkanals finden zu wollen [...] - nichts wäre schlimmer
als die Heckenschere einer einheitlichen Kulturdefinition, mit der das Programm zurechtgestutzt
würde. 19
Die Festlegung keiner gemeinsamen Kulturdefinition könnte einerseits darauf hinweisen, dass schlicht keine Einigung gefunden wurde oder aber andererseits als Indiz für die Offenheit des Senders gegenüber den Kulturkonzepten anderer, vor allem
15 Merkel (1995), S.56; Auf die Themen Verbreitung und Rezeption soll an dieser Stelle nicht näher
eingegangen werden. Es wird in der Arbeit separat behandelt (Kapitel 2 und 3).
16 Köppe (2001), S.22.
17 Damals noch Redakteurin in der Programmredaktion Dokumentationen, Dokumentarfilme bei La
SEPT.
18 Hahn (1997), S.298.
19 Hahn (1997), S.297.
11
europäischer, Länder betrachtet werden. Die Ausbreitung des Kulturkanals in Europa wird im folgenden Kapitel dargestellt.
1.2 Europäische Expansion nach dem Sendestart
Die Geschichte von ARTE nach dem Sendestart ist vor allem von der Aufnahme von europäischen Partnern bestimmt, entweder durch Assoziations-, Kooperations- und Koproduktionsverträge.
Die assoziierten Mitglieder sind mit beratender Stimme in den ARTE-Gremien vertreten. Sie verpflichten sich mit ARTE zum Programmaustausch und zur Umsetzung einer bestimmten Anzahl von Koproduktionen.
Das Ziel der Partner der Kooperationsabkommen ist es in allen Programmgenres Koproduktionen zu realisieren. Die Kooperationspartner sind mit beratender Stimme in der Programmkonferenz vertreten.
BBC und SVT sollen jeweils mit ihrer Arbeit für ARTE den Anteil europäischer Koproduktionen erhöhen. 20
20 Vgl. ARTE Pressemappe (2004), S.38.
Abb. 1: Europäische Partner von ARTE
Außerdem strahlt ARTE sein Programm seit Februar 2004 in 20 französischsprachigen Ländern Afrikas aus. Im November desselben Jahres startete „Cuny TV“ New York mit der Ausstrahlung eines wöchentlichen Sendeplatzes. Das bedeutet, dass seitdem etwa zwei Millionen amerikanische Haushalte die Möglichkeit haben, einmal pro Woche ARTE-Programme in französischer Sprache zu sehen.
Seit Oktober 2003 hat ARTE einen neuen Gesellschaftssitz in unmittelbarer Nähe des Europäischen Parlaments in Straßburg. Dieser Schritt kann als Zeichen dafür gesehen werden, dass sich ARTE einen festen Platz in der europäischen Medienlandschaft erobert hat und diesen auch sichern möchte.
Im folgenden Kapitel wird dargestellt wie der Sender zum heutigen Zeitpunkt gegliedert ist. Zu diesem Zweck wird sein Aufbau und sein Konzept zur Programmgestaltung beschrieben.
13
1.3 ARTE heute
1.3.1 Die Organisation des Senders 21
Abb.2: Organigramm des Senders ARTE
ARTE ist ein dreipoliges Unternehmen. Es setzt sich aus der Zentralen Koordinationsstelle ARTE G.E.I.E. in Straßburg, ARTE France in Paris und ARTE Deutschland TV GmbH in Baden-Baden zusammen. Als vierter Pol können die europäischen Partner betrachtet werden 22 . ARTE beschäftigt 365 feste sowie viele freie Mitarbeiter und Journalisten und verschiedene Dienstleister. 71% des Personals sind französische und 26% deutsche Staatsbürger.
Die Zentrale in Straßburg entscheidet über Programmstrategie, Programmkonzeption und Programmplanung. Sie ist für die Ausstrahlung der Sendungen zuständig, für die Programmpräsentation und die Sprachbearbeitung der Programme. Außerdem ist sie für die Produktion der Informationssendungen, einiger Magazine und Themenabende (20%
21 Vgl. ARTE Pressemappe (2004), S.33-52; Meckel (1994), S.323; ARTE-Der Sender, 05.01.2005.
22 Nähere Erläuterungen zu den europäischen Partnern finden sich in Kapitel 1.2.
14
der gesamten Programmproduktion von ARTE) verantwortlich. Straßburg ist letztlich auch für die Koordination und Konzeption des Zusammenwirkens der Mitglieder zuständig.
ARTE France hat 215 feste und zahlreiche freie Mitarbeiter. Er liefert 40% der gesamten Programmproduktion von ARTE und setzt sich aus den Redaktionen und den Abteilungen Programmprojekte, Internationale Beziehungen und Kommunikation zusammen, denen der Vorstand übergeordnet ist, der wiederum vom Aussichtsrat kontrolliert wird. Der Präsident des Vorstandes ist Jérôme Clément. Weiterhin hat ARTE France drei Tochtergesellschaften: ARTE France Cinéma und ARTE/COFINOVA, zwei Spielfilmproduktionsgesellschaften und ARTE France Développement, die audiovisuelle Verlags- und Produktionsgesellschaft. Unter dem Namen ARTE Éditions vermarktet ARTE France Bücher und Multimedia-Produkte, die im Zusammenhang mit seinen Programmen stehen.
Der Sender ist außerdem an den französischen Spartenkanälen Histoire und Festival, dem kanadischen Kulturfernsehen ARTV sowie TV5 und Canal France International beteiligt.
ARTE Deutschland TV ist eine GmbH, deren Gesellschafter zu je 50% die ARD und das ZDF sind. Sie produzieren oder erwerben die Programme die zu 40% als deutscher Anteil in das Programm von ARTE einfließen. Für die Programmvorschläge und ihre Realisierung sind im ZDF der ARTE-Koordinator und bei der ARD die jeweiligen ARTE-Beauftragten der Landesrundfunkanstalten verantwortlich. Weitere Gremien der ARTE TV GmbH Deutschland sind die Gesellschafterversammlung und die Geschäftsführung (Vorsitz: Klaus Wenger), mit den Abteilungen
Programmkoordination und Grundsatzfragen, Programmverwaltung und Recht, Programm-Marketing und Presse sowie die Verwaltung.
Es läßt sich daraus erkennen, dass die Pole in Baden-Baden und Paris vollkommen verschieden organisiert sind. ARTE France ist durchaus ein eigenständiger Sender, wohingegen ARTE Deutschland eher eine Koordinationsstelle ist. Der Vorstand von ARTE leitet den Sender und setzt sich aus vier Personen zusammen. Zur Zeit sind das der Präsident Jérôme Clément, der Vizepräsident Gottfried Langenstein, der Programmdirektor Victor Rocaries und der Verwaltungsdirektor Wolfgang Bernhard. Der Vorstand ist für Programm, Verwaltung und strategische Entwicklung und Koordinierung zuständig.
15
Die Mitgliederversammlung kommt vierteljährlich zu Versammlungen zusammen, in denen sie über Grundsatzfragen des Senders entscheidet, den Wirtschaftsplan verabschiedet und die Vorstandsmitglieder sowie die leitenden Angestellten der Zentrale ernennt. Sie setzt sich aus 12 Mitgliedern zusammen. Der Präsident ist Jobst Plog, sein Vizepräsident ist Rémy Pfimlin.
Ein weiteres Gremium von ARTE ist der Programmbeirat, der ebenfalls viermal im Jahr zusammentritt und, wie der Name schon impliziert, den Vorstand und die Mitgliederversammlung in Programmfragen berät.
Die Programmkonferenz schließlich kreiert die redaktionelle Linie von ARTE und erstellt Vorschläge zum Programmschema in ihren monatlichen Sitzungen in der Zentrale. Sie besteht aus vier Vertretern von ARTE G.E.I.E., zwei von ARTE France, zwei von ARTE Deutschland und jeweils einem Repräsentanten der europäischen Partner (mit beratender Stimme).
Das Herzstück des Programmablaufs ist die Sendeleitung. Sie arbeitet an der Vorbereitung und Durchführung der Programmausstrahlung. Ihre vier Abteilungen Senderdesign/ Programmankündigungen, Sendevorbereitung, Sendeablauf und Ausstrahlung arbeiten eng zusammen.
Die Sendeleitung hat auch in Zusammenarbeit mit der Münchener Agentur velvet mediendesign GmbH das neue Sendedesign geschaffen, in dem sich ARTE mit einem neuen Programmaufbau präsentiert, der im folgenden Kapitel erläutert wird.
1.3.2 Das Programmdesign des Senders
Seit 1. Januar 2004 präsentiert sich ARTE nun unter dem Slogan „So hab’ ich das noch nie gesehen“, der Ausdruck für die neue Programmgestalt ist. Die Verteilung der Themenanteile jedoch ist trotz des neuen Programmdesigns gleichgeblieben. Es bleibt bei jeweils 30% für französische, deutsche und europäische und 10% für internationale Themen. 23
Das neu designte Programm von ARTE ist von dem Slogan „So hab‘ ich das noch nie gesehen“ geprägt. Das heißt, dass sich das Programm an neugierige Zuschauer wendet, die, genau wie die Mitarbeiter des Senders, „Dinge aus einem neuen, ungewohnten und überraschenden Blickwinkel [...] betrachten“ 24 wollen.
23 Vgl. Kammann (2004 a ), S.6.
24 ARTE-Das Programmschema, (2005).
16
Dazu wurde das Programm umgestaltet, Neues hinzugefügt und alte Sendungen gekürzt. In den folgenden Abbildungen ist der schematische Aufbau des Nachmittags-und des Abendprogramms dargestellt. 25
Abb. 3: Nachmittagsprogramm
25 ARTE Pressemappe, S.26, 27.
17
Abb.4: Abendprogramm
Dieses Programm setzt sich aus den drei großen Themenbereichen Entdecken, Erleben und Verstehen zusammen.
Mit dem ersten Bereich soll der Zuschauer neue Horizonte entdecken und Einblicke in das Leben der Europäer gewinnen. Dazu hat er nachmittags Gelegenheit, wenn er sich beispielsweise ‚360° Die Geo-Reportage‘, ‚Lola‘, ein Frauenmagazin oder die ‚Doku-Soap‘ ansieht bzw. am Abend ‚ARTE Entdeckung‘ oder ‚Karambolage‘ einschaltet. Der Zuschauer kann mit Spiel- und Fernsehfilmen am Nachmittag und am Abend Emotionen auf dem Bildschirm erleben oder aber die magische Welt der Künste, vertreten durch Magazine wie ‚Kreativ‘ und ‚Performing Arts‘ im Nachmittagsprogramm oder abends durch das Musikmagazin ‚Tracks‘ oder das Kulturmagazin ‚Metropolis‘.
18
Der dritte Bereich ist der der Information. Es gilt die Welt zu verstehen wie sie ist und war. Dies wird natürlich durch ‚ARTE Info‘, die Nachrichtensendung, aber auch durch die ‚Themenabende am Dienstag‘, die im neuen Konzept von drei auf zwei Stunden verkürzt wurden, repräsentiert. Im Abendprogramm spielen die Nachrichten eine ebenso große Rolle, mit einer Ausgabe um 19.45 Uhr und der Nacht-Edition. Zusätzlich werden ‚Das Forum der Europäer’ und ‚Mit offenen Karten‘, ein Magazin, in dem man Hintergründe zu wichtigen Ereignissen erfährt, angeboten.
Der Zuschauer hat also zahlreiche Möglichkeiten, sich über verschiedenste Themen zu informieren, mit besonderem Augenmerk auf Musik, Theater und Tanz. Außerdem werden vielfältige Themenabende, Dokumentationen und Magazine angeboten und natürlich Spiel- und Fernsehfilme gehobenen Anspruchs. 26
Ob dieses Programm von den Zuschauern angenommen wird und worin eventuelle Ursachen für oder wider die Verbreitung und Einschaltquoten zu sehen sind, erörtert das folgende Kapitel.
Romy Bretfeld
26 Die Erklärungen zu den drei Themenbereichen beruhen auf Angaben aus ARTE-Das
Programmschema, (2005).
19
2 Die Verbreitung von ARTE
2.1 Überblick
Neben dem Anliegen, die kulturelle und politische Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland zu fördern, hatte die Gründung des Europäischen Kulturkanals ARTE ein weiteres Ziel: die technologische Kooperation beider Staaten zu verstärken.
Auf diese Weise entstand der Plan, ein deutsch-französisches Satellitenprojekt mit dem Bau der Satelliten TDF auf französischer und TV-SAT auf deutscher Seite ins Leben zu rufen.
Zum einen sollte mit der Verbreitung von ARTE über die beiden Satelliten TDF 1 27 und TV-SAT die deutsch-französische Satellitentechnologie und die Satellitenposition auf 19° West unterstützt 28 und zum anderen die europäischen Pläne der Einführung einer HDTV-Technik 29 mit der D2-MAC-Norm 30 umgesetzt werden. 31 Nach dem Abschluss einer Kooperationsvereinbarung am 29. April 1980 zum Start dieses Projekts begannen beide Staaten mit der Konstruktion der nahezu baugleichen Satelliten. Die Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich beschränkte sich jedoch lediglich auf den Bau der Satelliten. Die Nutzung der ihnen zugeteilten jeweils fünf Frequenzen auf der gleichen Satellitenposition (19° West) sollte dem jeweiligen Staat überlassen bleiben, zumindest bis der für 1994 geplante Europesat die beiden Satelliten abgelöst hätte. 32
So kam es in Bezug auf ARTE zu den ersten Problemen, als es um die Frage der Verbreitung ging, wobei anfangs noch angestrebt wurde, ARTE nur durch TDF 1 und TV SAT in der D2-MAC-Norm zu übertragen. Frankreich kam es hier auf die Förderung dieses Prestigeprojektes der europäischen Technologie an. So konnten in der
27 TDF steht für Télédiffusion de France.
28 Vgl. Schmid (1997), S.46.
29 HDTV steht für High Definition Television
30 MAC steht für Multiplexed Analogue Components. Die analogen Komponenten eines Fernsehsignals
werden zeitlich hintereinander übertragen. Die D2-MAC-Norm, mit duobinärem Übertragungscode,
wurde von Philips (Niederlande) und Thomson (Frankreich) seit Beginn der achtziger Jahre entwickelt
(Vgl. Ahrens (1993), S.154 und Liesenkötter (1994), S.93-99).
31 Vgl. Meckel (1994), S. 327.
32 Vgl. Schmid (1997), S. 47.
20
Startphase von ARTE lediglich wenige zehntausend Haushalte diesen Sender empfangen, was ARTE den Ruf eines „Blindenfernsehens“ einbrachte. 33 Inzwischen ist die Bedeutung der Ausstrahlungen in der D2-MAC-Norm stark gesunken und durch die schnelle Entwicklung von Empfangs- und Sendetechnik gelten die Hochleistungs-Rundfunksatelliten TV-SAT und TDF als überholt. 34 Das endgültige Scheitern dieses deutsch-französischen Satellitenprojektes lag einerseits in technischen Pannen 35 und andererseits im Erfolg des ASTRA-Systems begründet. Der ASTRA-Satellit ist ein Medium-Power-Satellit, der wesentlich mehr Kanäle in PAL-Norm, in einem größeren Gebiet, bei geringerer Transponderleistung, als die direktstrahlenden Satelliten TDF und TV-SAT abstrahlen kann. 36 Durch diese Entwicklung wurden die Kosten enorm gesenkt, da bei diesem Satelliten je 16 Transponderkanäle zur Verfügung stehen und damit eine große Anzahl von Programmen, verbunden mit geringeren Kosten, gesendet werden kann. 37 Weiterhin schwächten Frankreich und Deutschland selbst ihr deutsch-französisches Satellitenprojekt, indem sie durch ein nationales Satellitensystem ASTRA Konkurrenz machen wollten. So wurde durch den Start des deutschen, ebenfalls in PAL sendenden, Kopernikus-Satelliten und des französischen Systems Télécom und durch den Rückzug von ARD und ZDF von der binationalen Satellitenkooperation, dem deutschfranzösischen System ein schwerer Schlag versetzt. 38
2.2 Die Verbreitung in Deutschland
Aufgrund der oben geschilderten Probleme mit TDF und TV-SAT, durch die der Sendestart von ARTE auf den 30. Mai 1992 verschoben werden mußte, entschloss sich Deutschland, wegen der teuren Empfangsgeräte für diese Satelliten, ARTE nicht über TV-SAT 2 abzustrahlen, sondern für eine parallele Ausstrahlung durch den deutschen
33 Meckel (1994), S. 327.
34 Vgl. Liesenkötter (1994).
35 Auf den beiden TDF Satelliten können zusammen nur noch drei Kanäle belegt werden, die von
insgesamt nicht mehr als 35 000 Haushalten in Frankreich empfangen werden können. Der deutsche TV
SAT 1 war niemals funktionstüchtig (Media Perspektiven, Frankfurt am Main, 1992, S. 472).
36 Die Transponderleistung der Medium-Power-Satelliten, wie ASTRA, liegt mit etwa 60 W etwas höher
als die der einfachen Fernmeldesatelliten mit etwa 20 W, aber deutlich niedriger als die der
Rundfunksatelliten (wie TDF) mit etwa 200 - 300 W. (Nach Liesenkötter (1994)).
37 Vgl. Schmid (1997), S.47-49.
38 Vgl. Gräßle (1995), S.54 ff.
21
Kopernikus-Satelliten 39 in PAL-Norm auf 23,5° Ost, über den ARTE bis Anfang 1997 verbreitet wurde 40 und ferner über die deutschen Kabelnetze. Mit der Etablierung des ASTRA-Systems, auf das rund 90% aller Empfangsanlagen in Europa ausgerichtet sind, begann eine neue Ära auf dem Gebiet der Fernsehübertragung und auch für die Übertragung von ARTE. Im Gegensatz dazu waren im Jahr 1997 Kopernikus mit ca. 8% und TV-SAT 2 mit etwa 2% auf diese Satelliten ausgerichteten Empfangsanlagen deutlich abgeschlagen auf den Plätzen zwei und drei. 41 Bis heute sind die Zahlen weiter gesunken, so dass diesen beiden Satelliten eine immer geringere Bedeutung für die Rundfunkübertragung in Deutschland zugeschrieben wird und hier eindeutig ASTRA den ersten Platz halten wird.
Die luxemburgische private Gesellschaft ‚Sociéte Européenne des Satellites’ (SES) betreibt mittlerweile vier analoge Medium-Power-Fernmeldesatelliten ASTRA 1A-D auf der Orbitalposition 19,2° Ost und bietet damit insgesamt 64 Transponderkanäle für Fernsehübertragungen und eine noch größere Zahl an Radiokanälen an. Aufgrund der wachsenden Bedeutung des digitalen Fernseh- und Rundfunkempfangs kamen in den letzten Jahren weitere Satelliten - wie ASTRA 1F und G - zur Digitalausstrahlung hinzu.
Angesichts der Vorteile des ASTRA-Systems und der Tatsache, dass immer mehr Haushalte ihre herkömmlichen Fernsehantennen durch eine Empfangsanlage für ASTRA ersetzten, bemühte sich ARTE ebenfalls um einen Sendeplatz auf einem ASTRA-Satelliten, auch um seine Konkurrenzsituation mit 3sat und den dritten Programmen, die bereits seit Ende 1993 über ASTRA sendeten, zu entschärfen. Nach einigen Diskussionen mit ARD und ZDF, die, aus Angst um die Akzeptanz ihrer dritten Programme, sich mit diesem Vorschlag nicht anfreunden wollten, wurde ARTE schließlich im Dezember 1994, begünstigt durch das Drängen Frankreichs 42 , ein gemeinsamer Transponderkanal auf ASTRA 1D mit dem Kinderkanal zugewiesen. 43
39 Die offizielle Bezeichnung lautet DFS 1 für Deutscher Fernmeldesatellit 1, welcher, wie die ASTRA-
Satelliten, ebenfalls zur Gruppe der Medium-Power-Satelliten zählt. (Liesenkötter (1994)).
40 Anfang 1997 wurde die Übertragung von ARTE über Kopernikus eingestellt, vermutlich da es sich
hierbei um einen Low-Power-Satelliten mit weniger Transponderkanälen handelte und zum anderen, da
auf Grund der unterschiedlichen Orbitalpositionen von ASTRA und Kopernikus zwei
Satellitenempfangsanlagen notwendig gewesen wären um beide Satelliten empfangen zu können.
41 Vgl. Schmid (1997), S.75
42 Deutschland erreichte mit seinen bisherigen Verbreitungsformen lediglich etwa 30% der deutschen
Haushalte; im Gegensatz zu 72% in Frankreich, seit der Verbreitung über den 5. terrestrischen
Sendeplatz. (Meckel (1994), S.328; ARTE Pressemappe März 2004, S.46.)
43 Wobei ARTE erst ab 19 Uhr sendete.
22
ARTE beteiligte sich ab dem 30. August 1997 am digitalen Programmangebot des ZDF auf ASTRA 1G und seit dem 15. Oktober 1998 wurde das Programm über die deutschen ZDF Digitalpakete bereits ab 14 Uhr ausgestrahlt. Ein weiterer Schritt zum Rund-um-die-Uhr-Sender wurde am 16. März 2000 von deutscher Seite unternommen, als ARTE im digitalen Programmbouquet der ARD 24 Stunden ausgestrahlt wurde, wobei das Nachmittagsprogramm erst im Januar 2001 gestartet wurde. Mit Beginn der Ausweitung der analogen Satellitenverbreitung über ASTRA 1C mit eigenem Transponderkanal 44 ab 1. Oktober 2002 und einem weiteren Ausbau der Ausstrahlung über das analoge Kabelnetz in immer mehr Bundesländern ist ARTE technisch in der Lage, 24h zu senden. Jedoch ist dies aus Finanzierungsgründen noch nicht möglich 45 . Der ARTE Vorstand hofft bis 2010 finanziell in der Lage zu sein, diesen Plan dennoch zu verwirklichen. 46
Heute wird ARTE in den größten Teil der deutschen Kabelnetze eingespeist und 90% der 20 Millionen in Deutschland verkabelten und 100% der 12,5 Millionen Haushalte, die über eine Satellitendirektempfangsanlage verfügen, können ARTE analog oder digital über die ARD Programmplattform, meist rund um die Uhr, aber mit einem Sendeprogramm von 14-3 Uhr empfangen. Somit haben theoretisch mehr als 90% der deutschen Haushalte die technische Möglichkeit ARTE zu sehen. 47
2.3 Die Verbreitung in Frankreich
In Frankreich wurde ARTE, trotz der Probleme über die Satelliten TDF 1 und 2, verbreitet und parallel in das französische Kabelnetz eingespeist. Aufgrund der schlechten Abdeckung der französischen Haushalte durch das Kabelsystem 48 und der oben geschilderten Schwierigkeiten mit den TDF-Satelliten (unter anderem teure Empfangsanlagen), konnten anfangs nur wenige hunderttausend Haushalte das Programm über Kabel und Satellit empfangen, wodurch Frankreich vor dem gleichen Problem stand, wie der Vorgängersender La Sept 49 . Die Abdeckung der Haushalte konnte nicht ausreichend gewährleistet werden.
44 Vgl. ARTE-Chronik (2004).
45 Vgl. Kammann (2004 b ), S.20.
46 Vgl. Plog (2002), S.79.
47 Vgl. ARTE Pressemappe März 2004, S.44-47.
48 Etwa 750.000 Empfänger, Vgl. Wenz (1992), S.31.
49 Für Société d’Edition de Programmes de Télévision, gegründet am 27.2.1986, seit dem 27.9.1993 La
Sept ARTE und seit 1.8.2000 ARTE France.
23
Da Deutschland mit seinen anfänglichen Verbreitungsformen über Kabel rund 10 Millionen Haushalte und Kopernikus-Satellit rund 30% aller deutschen Haushalte mit ARTE erreichte, wurde ein Drängen hinsichtlich der Angleichung der Empfangszahlen auf deutscher Seite laut. In Frankreich wurde daraufhin die Möglichkeit diskutiert, ARTE auf der siebten terrestrischen Frequenzkette, dem sogenannten réseau multiville, welches etwa 10 Millionen Haushalte in 23 französischen Großstädten erreicht, auszustrahlen. 50
Nach dem Konkurs des französischen Unterhaltungskanals La Cinq, erschien es der französischen Regierung jedoch einfacher und schneller, ARTE die bisher von diesem Sender beanspruchte fünfte Sendekette zuzuteilen.
Diese Ende 1991 gefassten Pläne stießen bei der Bevölkerung Frankreichs auf heftige Kritik. Zum einen war eine Verbreitung von ARTE über das Sendernetz von La Cinq mit erheblichen Kosten verbunden. 51 Andererseits waren Kritiker davon überzeugt, dass die französischen Zuschauer enttäuscht wären, wenn anstatt eines Unterhaltungskanals ein Großteil deutscher Sendungen nun auf einem Kulturkanal zum Angebot stünden. 52 Ein weiterer Kritikpunkt lag in der Tatsache begründet, dass ARTE im réseau multivilles Alleinanbieter hätte bleiben können, sich aber auf der Frequenz von La Cinq den Sendeplatz mit einem weiteren Anbieter teilen sollte. Das Problem bei der Suche nach einem zweiten Sender bestand vor allem darin, dass die französische Regierung ARTE kaum mit einem kommerziellen Sender kombinieren konnte. 53 Im Jahr 1993 wurde jedoch mit der Etablierung des neuen Bildungs- und Informationskanals La cinquième auch dafür eine Lösung gefunden.
Am 28. September 1992 wurde ARTE zusätzlich auf dem fünften Sendernetz durch den Fernmeldesatelliten Télécom 2B eingespeist, ab 19 Uhr verbreitet und erreichte damit 72% der französischen Haushalte. 54
So konnte ARTE im September 1993 von rund 14 Millionen Haushalte in Frankreich empfangen werden.
Nach der zusätzlichen Ausstrahlung von ARTE in Deutschland über den ASTRA-Satelliten zog Frankreich im Juli 1995 nach, indem es mit der analogen Verbreitung
50 Vgl. Meckel (1994), S.327 und Schmid (1997), S.77-78.
51 Die zusätzliche Verbreitung neben der Satellitenübertragung, über das fünfte Sendernetz, kostete 1992
160 Mio. Francs, 1993 sogar 400 Mio. Francs zusätzlich (Vgl. Schmid (1997), S.78 und Funk-
Korrespondenz, Nr.18 (1992).
52 Vgl. Meckel (1994), S.328.
53 Vgl. epd medien, Nr.7 (1993), S.19.
54 Vgl. ARTE Pressemappe März 2004, S.46.
24
über den Medium-Power-Satelliten EUTELSAT II F1 auf 13° Ost in PAL-Norm 55 zu senden begann, wodurch die Empfangsdichte weiter verstärkt wurde. Damit war in Frankreich der erste Schritt getan worden, die Empfangsmöglichkeit mittels Satellitendirektempfangsanlagen, ohne teure Vorschaltgeräte wie bei TDF, für französische Haushalte zu ermöglichen. 56
Mit dem Beginn der digitalen Fernsehübertragung startete für ARTE in Frankreich am 17. Dezember 1996 der digitale Sendeweg - noch vor Deutschland - mit der Beteiligung am französischen digitalen Programmpaket TPS (verschlüsselt, über EUTELSAT). Am 24. Oktober beteiligte sich ARTE Frankreich auch am digitalen Programmpaket Canalsatellite, welches über ASTRA 1F ausgestrahlt wird, und ist somit per Satellit in ganz Frankreich analog und digital zu empfangen. 57
Bereits sieben Monate vor Deutschland, ab dem 14. März 1998, strahlte ARTE sein Programm schon ab 14 Uhr über TPS und Canalsatellite ab und heute ist es digital rund um die Uhr zu empfangen.
Während ARTE nun auf digitalem Weg in Frankreich theoretisch 24h empfangen werden kann 58 , wird es auf analogem Weg über Hotbird (EUTELSAT) und Atlantic Bird 3 59 lediglich von 19 bis 3 Uhr ausgestrahlt.
Neben der Möglichkeit des Satellitendirektempfangs genießt der terrestrische Empfang in Frankreich immer noch einen unangefochtenen ersten Rang. Nahezu 90% der französischen Haushalte, das entspricht 20,7 Millionen Haushalten, empfangen ARTE auf der fünften terrestrischen Sendekette. Mit der Einführung des NICAM-Systems, welches den Stereoempfang oder den Empfang einer anderen Sprachfassung ermöglicht, haben bereits 12,5 Millionen dieser Haushalte in circa 40 Städten die Möglichkeit, ARTE mit NICAM-Tonsystem zu empfangen.
Weit abgeschlagen empfangen etwa 4 Millionen Haushalte ARTE direkt über Satellit und lediglich 3,4 Millionen über das französische Kabelnetz. 60
55 Die EUropean TELecommunications SATellite ist eine zwischenstaatliche Organisation mit 26
Mitgliedstaaten und Sitz in Paris (Vgl. Liesenkötter (1994), S.13-15).
56 Vgl. ARTE Pressemappe März 2004, S.46-47 und Liesenkötter (1994), S.13-17).
57 Vgl. ARTE Pressemappe März 2004, S.46-47.
58 Laut Jerôme Clément ist es immer noch ein Ziel von ARTE, ein Ganztagssender zu werden. Das
Problem liegt zur Zeit beim fehlenden Geld für die Etablierung eines Vormittagsprogramms, so dass mit
Wiederholungen und Trailershows in der sendefreien Zeit gearbeitet werden muss (Vgl. Kammann
(2004 a ), S.5).
59 Atlantic Bird 3 überträgt im Gegensatz zu EUTELSAT (Hotbird) nicht in PAL oder PALplus, sondern
in der in Frankreich noch weit verbreiteten SECAM-Norm und befindet sich auf der Orbitalposition 5°
West ( Vgl. ARTE Pressemappe März 2004).
60 Vgl. ARTE Pressemappe März 2004.
25
Da ARTE in Frankreich hauptsächlich terrestrisch empfangen wird, bisher jedoch erst ab 19 Uhr Sendestart ist, plant ARTE in Frankreich das Programm ab 2005 auszuweiten und bereits mittags zu beginnen, wobei die genaue Umsetzung dieses Plans, der durch die Teilung des Sendeplatzes mit La cinquième nicht unproblematisch ist, zum Abschluss der Recherche noch nicht festgelegt war. 61
2.4 Die Verbreitung in den ARTE-Partnerländern 62
2.4.1 Belgien
Bereits seit März 1993 wurde ARTE in die Kabelnetze des französischsprachigen Teils Belgiens und in Brüssel, ab 19 Uhr auf dem Kanal TELE 21, eingespeist. Da die Kabeldichte in Belgien bereits zu dieser Zeit sehr hoch war und rund 93% 63 der belgischen Haushalte verkabelt waren, gewann ARTE auf diese Weise 3,8 Millionen Haushalte an potentiellen Zuschauern.
Am 1. September 1999 wurde das ARTE-Programm erstmals analog rund um die Uhr in den belgischen Kabelnetzen ausgestrahlt.
2.4.2 Österreich
ARTE wurde erstmals 1993 lediglich in Wien über das Kabelnetz ausgestrahlt. Der Sender erreichte somit einen Versorgungsgrad von 9,8% der österreichischen Haushalte. Die Einspeisung in das Wiener Kabelsystem wurde durch eine Bürgerinitiative erreicht. 64
Im Dezember 2002 erhielt ARTE einen eigenen Sendeplatz bei UPC Telekabel in Wien, Wiener Neustadt, Baden, Klagenfurt und Graz. Heute wird das ARTE-Programm von 80% der Kabelnetze in Österreich verbreitet und erreicht damit 950.000 Haushalte und 1,2 Millionen Haushalte über Satellit.
2.4.3 Schweiz
In der französischsprachigen Schweiz und in Basel erfolgte schon seit langem eine Einspeisung in die örtlichen Kabelsysteme, wobei circa 1 Million Haushalte erreicht wurden. Heute ist ARTE in der französischen und der deutschen Fassung in fast alle
61 Laut Jerôme Clément, in: Kammann (2004 a ), S.5.
62 Nach Schmid (1997), S.79-80; ARTE-Chronik (2004); ARTE Pressemappe März 2004, S.44-45;
Meckel (1994), S.327-332.
63 Heute liegt die Kabeldichte in Belgien bei 98%. Vgl. ARTE Pressemappe März 2004, S.44.
26
Kabelnetze der gesamten Schweiz eingespeist und kann somit von 2,6 Millionen Haushalten empfangen werden.
2.4.4 Niederlande
In den Niederlanden wird, ebenso wie in Belgien, bereits seit dem 1. September 1999 das ARTE-Programm 24h über einige Kabelnetze ausgestrahlt, wodurch etwa 600.000 Haushalte ARTE im Kabel empfangen können.
2.4.5 Finnland
In Finnland können etwa 80.000 Haushalte ARTE per Satellit empfangen. Weiterhin ist geplant, ARTE bald in verschiedene Kabelnetze einzuspeisen, wodurch 15.000 finnische Haushalte zusätzlich erreicht werden könnten. 65
2.4.6 Polen
In Polen ist der ARTE-Empfang lediglich über Satellit möglich, wobei es dabei rund 440.000 Haushalte gibt, die mittels einer Satellitendirektempfangsanlage die Möglichkeit haben, ARTE zu sehen.
2.4.7 Spanien
In Spanien wird nicht das gesamte Programm von ARTE übertragen. Der spanische Fernsehsender La 2, welcher terrestrisch ausgestrahlt wird, sendet lediglich eine Auswahl aus dem ARTE-Angebot.
2.5 Die Verbreitung in anderen Ländern 66
In Luxemburg wird ARTE in den Großteil der dortigen Kabelnetze eingespeist, so dass 90% der verkabelten, das sind circa 100.000 Haushalte, ARTE empfangen können. Mit einer nicht ganz so großen Abdeckung wird ARTE in einzelne Kabelnetze in Rumänien, Bulgarien, Estland, Dänemark, Ungarn, Litauen, Slowenien, Slowakei sowie in Norwegen und Schweden ausgestrahlt.
64 Vgl. Schmid (1997), S.79.
65 Laut ARTE Pressemappe März 2004, S.44.
66 Nach Schmid (1997), S.80; ARTE-Chronik (2004); ARTE -Mitglieder (2004); ARTE Pressemappe
März 2004, S.45.
27
Die staatlichen Sender in Mittel- und Osteuropa, mit denen ARTE France eine Kooperationsvereinbarung getroffen hat, senden eine Auswahl von ARTE-Programmen, die ihnen von ARTE France zur Verfügung gestellt werden. Zu diesen Ländern zählen, neben Ungarn, Polen, der Tschechischen Republik, Rußland und der Slowakei, vor allem Rumänien, Bulgarien, die Republiken der ehemaligen UdSSR und die Länder des Baltikums. Durch diesen Übertragungsweg werden schätzungsweise 14 Millionen potentielle Zuschauer erreicht.
ARTE France ist außerdem am kanadischen Kulturfernsehen ARTV beteiligt und Gesellschafter bei TV5 und Canal France International. Diese Sender beliefert ARTE France vor allem mit Dokumentationen und trägt auf diese Weise zur Verbreitung seiner Programme auf internationaler Ebene bei.
Neben der Möglichkeit, ARTE über Kabel, terrestrische Ausstrahlung oder einzelne Programmanteile zu empfangen, haben in ganz Europa, besonders in den Mittelmeeranrainerstaaten, viele potentielle Zuschauer, die über eine
Satellitenempfangsanlage verfügen, die Möglichkeit, ARTE über die oben angegebenen Satelliten zu sehen.
Seit April 2002 wird das gesamte ARTE-Programm über das digitale Satellitenbouquet LE SAT in 20 französischsprachige Länder Afrikas ausgestrahlt. Der New Yorker Fernsehsender Cuny TV startete am 29. November 2002 mit der Ausstrahlung eines wöchentlichen ARTE-Sendeplatzes. Seit diesem Zeitpunkt ist es für 2 Millionen Haushalte in den USA möglich geworden, einmal pro Woche ARTE-Programme in französischer Sprache zu empfangen. Die Zusammenarbeit begann mit der Ausstrahlung von 40 Folgen der Kunstserie ‚Palettes’ und 17 Sendungen der Serie ‚World Music’.
2.6 Fazit
Aufgrund der Ausweitung der Empfangsmöglichkeiten von ARTE seit Sendebeginn, gelang es dem Sender, die Zahl der potentiellen Zuschauer in relativ kurzer Zeit in großem Maße zu steigern. Dies ist wahrscheinlich auch dem gegenseitigen Drängen von Deutschland und Frankreich, die Empfangszahlen möglichst hoch zu halten, zu verdanken. Weitere Gründe sind Kooperations- und Assoziierungsverträge von ARTE oder den Mitgliedergesellschaften ARTE France und ARTE Deutschland mit anderen Fernsehsendern sowie die Entwicklung des französischen Netzwerks der Frankophonie.
28
So konnten in Westeuropa Ende 1994 lediglich 36 Millionen Haushalte ARTE empfangen; zwei Jahre später wurde diese Zahl bereits auf 47 Millionen und 2003 auf mehr als 77 Millionen Haushalte gesteigert.
Allein in Deutschland und Frankreich sind dies etwa 32,5 bzw. 28,1 Millionen Haushalte. Hinzu kommt eine immer größer werdende Zahl an potentiellen Zuschauern in Mittel- und Osteuropa sowie der restlichen Welt.
Martin Marcel Bauch
Arbeit zitieren:
Martin Marcel Bauch, Romy Bretfeld, 2005, Karambolage im Sendekonzept von ARTE, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zehn Jahre Arte Die Etablierung des europäischen Kulturkanals in der d...
Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Lévi-Strauss versus Freud - Eine Gegenüberstellung des Kapitels VII &...
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Referat (Ausarbeitung), 10 Seiten
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Kulturbetrieben
Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
Hausarbeit, 27 Seiten
Öffentlichkeitsarbeit in Kulturbetrieben
Eine Gegenüberstellung der The...
Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Der europäische Fernseh-Kulturkanal ARTE - Konzept, Organisationsstruk...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hausarbeit, 30 Seiten
Der Kulturkanal ARTE - Fernsehen für Europäer?
Medien / Kommunikation - Medienethik
Hausarbeit, 22 Seiten
Die politischen Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR. Wahrnehmu...
Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur
Seminararbeit, 26 Seiten
Die Artesendung Karambolage als Beitrag zum interkulturellen Lernen
Unter besonderer Berücksichtig...
Romanistik - Französisch - Didaktik
Examensarbeit, 106 Seiten
Der europäische Fernseh-Kulturkanal ARTE
Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein
Hausarbeit, 14 Seiten
Le conflit linguistique au Canada à travers les textes publicitaires
Romanistik - Französisch - Linguistik
Seminararbeit, 20 Seiten
Martin Marcel Bauch's Text Karambolage im Sendekonzept von ARTE ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Martin Marcel Bauch hat den Text Karambolage im Sendekonzept von ARTE veröffentlicht
Martin Marcel Bauch hat einen neuen Text hochgeladen
Kleines Buch der deutsch-franz...
Claire Doutriaux, Majia Rettig, Jeanette Konrad, Nikola Obermann
KARAMBOLAGE oder die deutsch-französischen Eigenarten mit fremden Auge...
Eine interkulturelle Fernsehan...
Kathrin Uhde
COLECCIONISMO PRIVADO DE ARTE CONTEMPORÁNEO EN MADRID (1970-1990)
Comercio del Arte, arte del co...
ANA GALVÁN ROMARATE-ZABALA
Arte-Terapia: Guia de Autodescubrimiento A Traves del Arte y la Creati...
M. C. Richards, Pat B. Allen
El arte de la paz : equilibrio, en lugar de conflicto, en "El arte de ...
Philip Dunn, Blanca González Villegas
0 Kommentare