Inhaltsverzeichnis:
I Einleitung 3
I a Thema und Zielsetzung 3
I b Zur Entstehung 3
II Inhaltsangabe 4
III Charakterisierung Cardillacs 6
III a Cardillac als Künstler 6
III b Cardillac als Verbrecher 10
IV Cardillac und Scuderi 13
IV a Scuderi als Künstlerin 13
IV b Die Goldschmiedsbraut Beziehung von Cardillac zur Scuderi 14
V Schluss 19
VI Literaturverzeichnis 20
2
I. Einleitung
I. a Thema und Zielsetzung
Die vorliegende Arbeit analysiert die widersprüchliche Gestalt des Goldschmieds René Cardillac aus Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns (1776 – 1822) Erzählung „Das Fräulein von Scuderi“. Das zentrale Thema dieser Novelle ist die Künstlerproblematik.
Ziel der Arbeit ist es zu erläutern, warum der geniale Künstler und angesehene Bürger Cardillac zum Verbrecher wird, welche Ursachen dahinter stecken und welche Motivation seine Mordtaten haben. Dazu wird die Erzählung unter verschiedenen Aspekten beleuchtet: Es wird geklärt, in welchem Verhältnis Cardillacs Kunst und seine Verbrechen zueinander stehen. Weiterhin werden die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Künstlergestalten der Novelle - Scuderi und Cardillac - aufgezeigt und die Bedeutung dieser Gemeinsamkeiten wird interpretiert. Geklärt werden soll auch das Verhältnis des Fräuleins von Scuderi zur Kunst, ihre Beziehung zum Goldschmied und wie diese Beziehung hinsichtlich Cardillacs Verhalten gedeutet werden kann.
I. b Zur Entstehung
E.T.A. Hoffmanns Das Fräulein von Scuderi entstand im Oktober 1818 und erschien, zunächst in einem Almanach, zwei Jahre später in dem berühmten Zyklus Die Serapions – Brüder. 1 Diese Sammlung bietet nicht nur spannende Unterhaltung, sondern war durch eine Vielfalt an interessanten Themen und Formen gekennzeichnet.
Diese Geschichte, die den Untertitel ,,Erzählung aus dem Zeitalter Ludwig XIV."" trägt, steht so im Zeichen der Romantik. Die Erzählung hatte beim Publikum großen Erfolg.
1 Vgl. Feldges, Birgit / Stadler, Ulrich: E. T. A. Hoffmann. Epoche – Werk – Wirkung. München 1986, S.
152 - 158
3
Auch ihre Rezensionen waren positiv, sogar enthusiastisch. Hoffmann wurde aufgrund des Erfolgs der Novelle zu einem beliebten Almanach – Autor.
Die Begebenheiten der Erzählung basieren auf historischen Ereignissen. Als Quellen standen dem Verfasser unter anderem zwei Bücher zur Verfügung, nämlich Briefe aus der Hauptstadt und dem Innern Frankreichs unter der Consular – Regierung (Tübingen 1802) von Friedrich Lorenz Meyers. Wahrscheinlich hat Hoffmann auch Paris wie es war und wie es ist (Leipzig 1802) von Eberhard August Wilhelm von Zimmermann als Quelle benutzt, um sich einen Vorstellungsbild von Frankreich während des 17. Jahrhunderts machen zu können. Es wurde festgestellt, dass sich Hoffmann bei der Beschreibung der Giftmordgeschichten auf die im Brief nicht erwähnten Causes sélébres et intéressantes des Gayot de Pitaval verlassen hat. Weiterhin hat Hoffamann die folgenden Weke als Quellen verwendet: Friedrich Schulzens Über Paris und die Pariser ( Berlin 1791 ) und insbesonders Johann Christoph Wagenseils Nürnberger Chronik von 1697. In der Tat beinhaltet diese Chronik einen der Scuderi zugeschriebenen Satz, nähmlich:
“Vn Amant qui craigne les Voleurs,
N´est point digne d´amour.”
II. Inhaltsangabe
Die Handlung spielt im Jahre 1680 in Paris. Die Stadt ist verunsichert durch eine Serie ungeklärter Mordfälle. Reiche Edelleute, die bei Cardillac, dem geschicktesten Goldschmied von Paris, Schmuck anfertigen lassen, werden des Nachts ermordet und beraubt.
Vor diesem Hintergrund beginnt die Erzählung damit, dass ein unbekannter junger Mann das Haus des Fräuleins von Scuderi, einer angesehenen Dame der Gesellschaft, aufsucht und dort, nachdem ihm ein Treffen mit dem Fräulein verwehrt wird, ein Kästchen mit Halsschmuck hinterlässt. Man stellt fest, dass der Schmuck von Cardillac angefertigt wurde. Er erklärt, dass die Juwelen auf seltsame Weise aus seiner Werkstatt
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verschwanden und bittet die Scuderi, sie als Geschenk anzunehmen und zu tragen. Das Fräulein behält zwar den Schmuck, ist aber entschlossen, ihn nicht zu tragen. Monate später, als Scuderi in einer Kutsche über die Pont Neuf fährt, erhält sie von einem Unbekannten eine Warnung. Sie soll den Schmuck umgehend Cardillac zurückgeben, weil sonst ihr Leben in Gefahr sei. Als Scuderi verspätet erst nach zwei Tagen zur Werkstatt des Goldschmieds kommt, ist dieser tot - ermordet in der Nacht zuvor. Olivier Brusson, der Gehilfe Cardillacs und Verlobter dessen Tochter Madelon, wird der Tat und der vorangegangenen Morde verdächtigt. Nach seiner Verhaftung hören die Mordtaten in der Stadt auf. Alles spricht also gegen ihn, zumal er sich nicht verteidigt.
Auf Drängen von Madelon schaltet sich das Fräulein von Scuderi ein. Sie bekommt die Erlaubnis, Olivier Brusson im Gefängnis zu besuchen und mit ihm zu sprechen. Sie erkennt in ihm den Überbringer des Schmucks und der Warnung. Nachdem er ihr bei einem weiteren Treffen in ihrem Haus unter vier Augen anvertraut, dass er Augenzeuge von Gewaltverbrechen wurde und daher weiß, dass Cardillac hinter den geheimnisvollen Morden steckte, dass er, Olivier, darüber aber aus Rücksicht auf Madelon schweigen wolle, versucht das Fräulein von Scuderi alles, um Olivier zu retten. Dank ihrer Menschlichkeit und ihres Mitgefühls und vor allem dank ihrer Beredsamkeit beweist sie, dass er unschuldig ist, unschuldig insofern, als dass er die Morde nicht begangen hat. Olivier ist andererseits mitschuldig, weil er den wahren Täter kannte. 2 Er war Zeuge zahlreicher verabscheuungswürdiger Verbrechen, die er eigentlich mehrmals zu verhindern versuchte. Aus Liebe zu Madelon verschweigt er die grausame Wahrheit. Cardillacs Verbrechen sollen für seine Tochter ein Geheimnis bleiben, weil sie die Realität nicht ertragen könnte.
„Der Schritt war geschehen, ich konnte nicht mehr zurück. Zuweilen war es mir, als sei ich selbst Cardillacs Mordgehilfe geworden, nur in Madelons Liebe vergaß ich die innere Pein, die mich quälte, nur bei ihr konnte es mir gelingen, jede äußere Spur namenlosen Grams wegzutilgen.“ 3
2 Vgl. Lindken, Hans Ulrich: Erläuterungen und Dokumente. E.T.A. Hoffmann. Das Fräulein von Scuderi.
Stuttgart: Reclam 2001, S. 110
3 Zitiert wird nach folgender Ausgabe: E. T. A. Hoffmann: Das Fräulein von Scudéri, Stuttgart, 2002, S. 53
5
Die Erzählung nimmt eine unerwartete Wende. Ein Graf von Miossens kommt zu dem Fräulein und gesteht ihr, dass er derjenige ist, der in jener Nacht den Meister Cardillac ermordet hat. Durch das Geständnis ergibt sich ein Ausweg aus der tragischen Situation. Scuderi erlangt Gnade für Olivier, indem sie dem König „die wünderbare Schönheit“ von Madelon vorführt. So appeliert sie an seine männlichen Gefühle. Nachdem Olivier wieder frei ist, zieht er mit seiner Frau Madelon nach Genf.
III. Charakterisierung Cardillacs
III. a Cardillac als Künstler
Die zentrale Figur der Erzählung ist Cardillac, der von der Gesellschaft als guter, ehrlicher und fleißiger Bürger geachtet wird und „der als erster Goldschmied von Paris alle Tugenden eines braven Handwerksmeisters zu vereinigen scheint[…]“ 4 . Er ist der geschickteste Goldarbeiter in ganz Paris. Cardillac erfreut sich der öffentlichen Beliebtheit. Seine Materialien kennt er genau so gut wie sich selbst. 5 Mit seinen Kunstwerken und mit der Technik ihrer Herstellung ist er „innig vertraut“. Dennoch weist bereits die Charakterisierung seines Äußeren darauf hin, dass er auch eine andere, eine dunkle Seite hat.
„René Cardillac war damals der geschickteste Goldarbeiter in Paris, einer der kunstreichsten und zugleich sonderbarsten Menschen seiner Zeit. Eher klein als groß, aber breitschultrig und von starkem, muskulösen Körperbau [...]. Von dieser Kraft, die ungewöhnlich zu nennen, zeugte auch das dicke, krause, rötliche Haupthaar und das gedrungene gleißende Antlitz. Wäre Cardillac nicht in ganz Paris als der rechtlichste Ehrenmann, uneigennützig, offen, ohne Hinterhalt, stets zu helfen bereit, bekannt
4 Vgl. Lindken a. a. O., S. 110
5 Vgl. Schneider, Peter: Verbrechen, Künstlertum und Wahnsinn. Untersuchungen zur Figur des Cardillac in E.T. A. Hoffmanns „Das Fräulein von Scuderi“. In: Mitteilungen der E. T. A. Hoffmann – Gesellschaft 26 (1980), S. 46-49
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Elmira Nedelcheva, 2005, E. T. A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi, Munich, GRIN Publishing GmbH
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