Die Arbeit beschäftigt sich mit zwei Interpretationsmöglichkeiten zu Ottiliens Anorexie in Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“. Es werden die Diskursanalyse und neuere psychologische Ansätze herangezogen, um die Anorexie Ottiliens zu interpretieren.
Der erste Teil dieser Arbeit ist als Theorieteil zu sehen. In ihm wird die Diskursanalyse nach Foucault und Lacanc erläutert und die Krankheit Anorexie, ihre Symptome und ihre Auslöser kurz beschreiben.
Im zweiten Teil dieser Arbeit wird am Beispiel des Aufsatzes von Jochen Hörrisch „Die Himmelfahrt der bösen Lust“ eine diskursanalytischer Interpretation erläutert. Im Anschluss daran wird Ottiliens Anorexie auf Basis neuerer psychologischer Forschung interpretiert.
Ziel dieser Arbeit ist es zu zeigen, wie unterschiedlich Interpretationen sein können, betrachtet man das Problem aus verschiedenen Perspektiven.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I.
I. Die Diskursanalyse.
2. Anorexia Nervosa (Magersucht)
II.
1. „Die Himmelfahrt der bösen Lust“ in Goethes „Wahlverwandtschaften“. Versuch über Ottiliens Anorexie
2. Ottilie als Beispiel einer Magersüchtigen – ein psychologischer Interpretationsversuch ihrer Anorexie.
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Ottiliens Anorexie in Johann Wolfgang Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“ durch einen Vergleich von zwei unterschiedlichen methodischen Zugängen: einer diskursanalytischen Perspektive und einem psychologischen Interpretationsversuch.
- Grundlagen der literaturwissenschaftlichen Diskursanalyse nach Foucault und Lacan
- Klinische Aspekte, Symptomatik und Ursachen der Anorexia Nervosa
- Kritische Analyse des diskursanalytischen Interpretationsansatzes von Jochen Hörrisch
- Psychologische Deutung von Ottiliens Krankheitsverlauf unter Einbezug ihres sozialen Umfelds
- Reflektion über die Abhängigkeit der Interpretationsergebnisse von der gewählten methodischen Perspektive
Auszug aus dem Buch
2. Anorexia Nervosa (Magersucht)
Essen ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Ohne zu Essen könnten wir nicht existieren. Manche Menschen haben Essensrituale. Sie planen ihre Mahlzeiten und führen sie nach einem geregelten Schema durch. Werden solchen Rituale zum Zwang, drehen sich sämtliche Gedanken nur noch ums Essen, hat sich wahrscheinlich eine Essstörung entwickelt. Die Psychologie unterscheidet zwischen Adipositas, dem Zwang ununterbrochen zu essen , Bulimie (Ess-, Brechsucht) und Anorexie, die auch Magersucht genannt wird.
Die Anorexia Nervosa wurde erstmals 1873 beschrieben. Wörtlich übersetzt heißt Anorexie „Appetitverlust oder – verminderung“, allerdings ist dies irreführend, denn nicht der Appetit sondern das Essverhalten ist gestört. Nervosa weist auf die psychischen Ursachen der Krankheit hin. Die Betroffenen dieser Krankheit sind größtenteils weiblich. Sie hungern sich wie unter Zwang fast zu Tode. Die Ursachen für die Störung sind vielfältig. Es handelt sich meist um psychische und emotionale Störungen oder Ereignisse in der Umwelt der Betroffenen, die zu einer emotionalen Disharmonie führen. Bei Anorektikerinnen ist die Körperwahrnehmung gestört, sie empfinden sich trotz Untergewicht als zu dick.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit stellt die beiden methodischen Ansätze vor, um die Anorexie der Figur Ottilie in Goethes Roman multiperspektivisch zu beleuchten.
I.: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen der Diskursanalyse nach Michel Foucault und Jacques Lacan ein und erläutert deren Übertragbarkeit auf literarische Texte.
2. Anorexia Nervosa (Magersucht): Hier werden die medizinischen und psychologischen Hintergründe der Essstörung, ihre Symptome sowie die Rolle des sozialen Umfelds und der Körperwahrnehmung definiert.
II.: Der Abschnitt widmet sich der konkreten Anwendung der Theorien auf Goethes Roman.
1. „Die Himmelfahrt der bösen Lust“ in Goethes „Wahlverwandtschaften“. Versuch über Ottiliens Anorexie: Eine Zusammenfassung und Erläuterung des diskursanalytischen Aufsatzes von Jochen Hörrisch, der Ottiliens Anorexie als Verschränkung von Signifikant und Signifikat deutet.
2. Ottilie als Beispiel einer Magersüchtigen – ein psychologischer Interpretationsversuch ihrer Anorexie.: Eine eigene Analyse der Autorin, die Ottiliens Krankheit primär als Resultat des psycho-sozialen Drucks und der familiären Konstellationen im Roman begreift.
Fazit: Das Fazit reflektiert darüber, wie unterschiedliche methodische Grundlagen zu verschiedenen Interpretationsergebnissen hinsichtlich der Krankheitsursache führen.
Schlüsselwörter
Ottilie, Die Wahlverwandtschaften, Johann Wolfgang Goethe, Anorexia Nervosa, Magersucht, Diskursanalyse, Michel Foucault, Jacques Lacan, Jochen Hörrisch, Psychologie, Essstörung, Literaturwissenschaft, Interpretation, Körperwahrnehmung, Signifikant.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Anorexie der Romanfigur Ottilie aus Goethes „Die Wahlverwandtschaften“ durch einen Vergleich zwischen einer diskursanalytischen und einer psychologischen Interpretationsmethode.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die literarische Diskursanalyse, die klinische Psychologie der Anorexia Nervosa sowie die textimmanente Analyse der Romanhandlung unter Berücksichtigung von Fremdbestimmung und sozialem Druck.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie drastisch sich Interpretationen eines literarischen Phänomens unterscheiden können, wenn der wissenschaftliche Blickwinkel – in diesem Fall zwischen Diskurstheorie und Psychologie – wechselt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Verwendet wird zum einen die literaturwissenschaftliche Diskursanalyse nach Foucault und Lacan (in Anlehnung an Jochen Hörrisch) und zum anderen eine psychologisch orientierte Interpretation, die Studien zum Thema Essstörungen heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Diskursanalyse und Anorexie, eine kritische Aufarbeitung von Hörrischs diskursanalytischem Essay sowie eine eigene psychologische Deutung der Figur Ottilie durch die Autorin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ottilie, Anorexia Nervosa, Diskursanalyse, Goethes „Wahlverwandtschaften“ und die Wechselwirkung von Psyche und sozialem Umfeld.
Warum scheitert laut Jochen Hörrisch die hermeneutische Interpretation bei den „Wahlverwandtschaften“?
Hörrisch argumentiert, dass die Hermeneutik den „puren Sinn“ eines Textes freilegen will, Goethes Roman jedoch die Buchstaben als Indizien stehen lässt und sich einer klassischen Sinngebung entzieht.
Welche Rolle spielt die „Dienstbarkeit“ in der Analyse von Ottilies Krankheit?
In der psychologischen Analyse wird die übermäßige Dienstbarkeit Ottiliens als Indiz für ihren Wunsch nach Wertschätzung und ihren Verlust von Individualität gewertet, was letztlich zur Flucht in die Krankheit als Form der Kontrolle beiträgt.
- Quote paper
- Simone Meyer (Author), 2002, Die Himmelfahrt der Lust oder die Höllenfahrt der kranken Seele. Zwei Versuche über Ottiliens Anorexie in Goethes "Wahlverwandschaften", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54424