Einleitung 3
I. 4
I. Die Diskursanalyse. 4
2. Anorexia Nervosa (Magersucht) 7
II. 8
1. „Die Himmelfahrt der bösen Lust“ in Goethes „Wahlverwandtschaften“ Versuch über
Ottiliens Anorexie 8
2. Ottilie als Beispiel einer Magersüchtigen - ein psychologischer Interpretationsversuch ihrer
Anorexie. 12
Fazit. 16
Literaturverzeichnis : 18
Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit zwei Interpretationsmöglichkeiten zu Ottiliens Anorexie in Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“, der Diskursanalyse und einem psychologischen Interpretationsversuch.
Der ersten Teil dieser Arbeit ist als Theorieteil zu sehen. In ihm werde ich die Diskursanalyse nach Foucault und Lacanc erläutern und die Krankheit Anorexie, ihre Symptome und ihre Auslöser kurz beschreiben.
Den zweiten Teil dieser Arbeit nutze ich, um am Beispiel des Aufsatzes von Jochen Hörrisch „Die Himmelfahrt der bösen Lust“ einen diskursanalytischen Versuch über Ottiliens Krankheit zu zeigen und zu erläutern. Im Anschluss daran werde ich eine eigene psychologische Interpretation der Anorexie Ottiliens, auf der Basis neuerer psychologischer Forschung ,versuchen .
Ziel dieser Arbeit ist es zu zeigen, wie unterschiedlich Interpretationen sein können, betrachtet man das Problem aus verschiedenen Perspektiven.
I.
I. Die Diskursanalyse.
In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der
literaturwissenschaftlichen Diskursanalyse und ihre Übertragbarkeit auf die Literatur erklärt.
Ich beziehe mich dabei auf sekundärliterarische Texte von Norbert Bolz 1 , Clemens Kammler 2 , Hans Hiebel und Jürgen Fohrmann 3 . Die ursprüngliche Diskursanalyse ist
nicht in der Literaturwissenschaft entstanden. Die Begriffsbildung dieser Theorie geht auf den Franzosen Michel Foucault zurück. Foucaults methodisches Hauptwerk war die „Archäologie des
Wissens“ 4 in dem er Methoden der Analyse historischer Wissensinformationen erklärte, nicht aber über die Literaturtheorie sprach. Zur Erläuterung seiner Diskurstheorie ist sein Werk „ Die Ordnung des Diskurses“ 5 das Bedeutsamste. Doch auch in diesem Werk konzipiert er seine Theorie nicht als Verfahren zur Beschreibung oder Deutung literarischer Texte. 6 Sah man in frühen Literaturtheorien die Interpretation als einzige Möglichkeit an, den Sinn eines Textes zu finden 7 , so negiert Foucault dies völlig. 8 Er ist gegen einen kommentierenden Umgang mit Worten. Für Foucault hat die Interpretation ihren Ursprung in der biblischen Exegese. Sie setzt einen Überschuss des Signifikats (Gesagten) im Verhältnis zum Signifikanten (Zeichen) voraus. 9 Darauf basiert auch die Ansicht, das Werk als Gefüge aus Signifikanten, denen eindeutige Signifikate zugewiesen werden sollen, zu sehen. Der Sinn liegt nicht im So - Sein der Texte, sondern in deren Tiefenstruktur. 10 Der Kommentar stellt die Sprache als unlösbares Rätsel dar. „ Die Diskursanalyse verarmt
1 Norbert W. Bolz: Goethes Wahlverwandtschaften: kritische Modelle und Diskursanalysen zum Mythos Literatur. Hildesheim: Gerstenberg 1981.
2 Kammler, Clemens: Historische Diskursanalyse (Michel Foucault). In: Neue Literaturtheorien. Eine Einführung. 2., neubearbeitete Auflage. Hrsg. von Klaus - Michael Bogdal. Opladen: Westdeutscher Verlag 1997. 3 Fohrmann, Jürgen; Harro Müller: Einleitung: Diskurstheorien und Literaturwissenschaft. 4 Foucault, Michel: „Archäologie des Wissens“ Frankfurt a.M. 1975. 5 Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. München: Carl Hanser Verlag 1974. 6 Vgl. Kammler, Clemens: Historische Diskursanalyse (Michel Foucault). In: Neue Literaturtheorien. Eine Einführung. 2., neubearbeitete Auflage. Hrsg. von Klaus - Michael Bogdal. Opladen: Westdeutscher Verlag 1997,.S. 32 .
7 Vgl. Fohrmann, Jürgen; Harro Müller: Diskurstheorien und Literaturwissenschaft Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1988,S.11.
8 Vgl. Kammler, Clemens: Historische Diskursanalyse (Michel Foucault), S. 32. 9 Vgl. Kammler, Clemens: Historische Diskursanalyse (Michel Foucault), S. S. 33. 10 Vgl. Fohrmann, Jürgen; Harro Müller: Einleitung: Diskurstheorien und Literaturwissenschaft, S. 11.
den Sinn und verarmt es zum Ereignis des Sprechens.“ 11 Um Foucaults Theorie zu verstehen, betrachtet man besten den Anfang seines Werkes „ Die Ordnung des Diskurses“. 12 Zu Beginn dessen äußert er den Wunsch, den Diskurs nicht selber beginnen zu müssen, sondern von der Stimme des Diskurses eingenommen zu werden, die den Diskurs beginnt. Er möchte demnach nicht mehr selber als Subjekt auftreten, sondern im Diskurs verschwinden. 13 Subjektives Sprechen, so sein Wunsch und seine Theorie, tritt hinter dem Diskurs zurück. Daran ist zu erkennen, dass er eine scharfe Unterscheidung zwischen Autor und Texte trifft. Für Ihn existiert der Text unabhängig vom Autor. Er alleine ist der Ausgangspunkt für Interpretationen. 14 Foucault ist der Meinung, dass sich die sprachlichen Zeichen (Signifikanten)verselbstständigen und dies den Diskurs ausmacht. Die Souveränität der Zeichen ist demnach der wesentliche Inhalt seiner Theorie. Die Eigendynamik der Signifikanten ist das Wesentliche des Textes. Der Autor ist Nebensache. Er ist nicht „geniales Schöpfer-Subjekt“ und alleiniger Urheber, 15 sondern lediglich „ ein Bündel von Funktionen zur Gruppierung von Texten“ 16 . Als Subjekt ist er der Sprache unterworfen 17 Ausgehend vom lateinischen Begriff Diskursus, der vom Wort discurrere (hierhin und dorthin laufen)abgeleitet wird, definiert Foucault den eigentlichen Diskurs als eine strukturierte Menge von Äußerungen, die durch eine Diskursordnung geregelt ist. Der Diskurs hat den Willen zur Wahrheit, zur Moralität und zum Wissen, dies definiert die Menge der diskursfähigen Themen. 18 Er ist eine „ Rede, die sich nicht mehr vom Trugbild eines ursprünglichen wahren Wortes beirren lässt, die nur noch ist, was sie sagt“. 19 Der Diskurs ist eine Redeform, die zwischen Wissenschaft und Alltag anzusiedeln ist. An dieser Stelle zeigt sich schon die Schwierigkeit. diese Theorie auf die Literatur anzuwenden. Betrachtet man, dass Foucault vier Formen des Diskurses unterscheidet, zeigt sich diese Problematik um so deutlicher. Er charakterisiert den juristischen, den wissenschaftlichen, den politischen und den religiösen, nicht aber den literarischen Diskurs. Foucault selbst definierte, dass die Literatur eine Gegenposition zu den wissenschaftlichen und philosophischen Diskursen einnimmt. Erst Link sagte 1988, die Literatur sei ein Interdiskurs. Ein
11 Norbert W. Bolz: Goethes Wahlverwandtschaften: kritische Modelle und Diskursanalysen zum Mythos Literatur. Hildesheim: Gerstenberg 1981, S.15.
12 Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. München: Carl Hanser Verlag 1974. 13 Vgl. Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses, S. 5 ff.
14 Vgl. Fohrmann, Jürgen; Harro Müller: Einleitung: Diskurstheorien und Literaturwissenschaft, S. 16. 15 Kammler, Clemens: Historische Diskursanalyse (Michel Foucault), S. 45. 16 Kammler, Clemens: Historische Diskursanalyse (Michel Foucault), S. 45.
17 Vgl. Norbert W. Bolz: Goethes Wahlverwandtschaften: kritische Modelle und Diskursanalysen zum Mythos Literatur, S. 18.
18 Vgl. Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. Carl Hanser Verlag, München 1974, S.11 f. 19 Norbert W. Bolz: Goethes Wahlverwandtschaften: kritische Modelle und Diskursanalysen zum Mythos Literatur, S.12.
Arbeit zitieren:
Simone Meyer, 2002, Die Himmelfahrt der Lust oder die Höllenfahrt der kranken Seele. Zwei Versuche über Ottiliens Anorexie in Goethes "Wahlverwandschaften", München, GRIN Verlag GmbH
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