Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Voraussetzungen für eine optimale motorische Entwicklung 2
2.1 Der Greifreflex
2.1.1 Das Nervensystem
2.2 Primäre und sekundäre Variabilität
3 Entwicklung des Greifens 4
3.1 Die Entstehung der Greifhandlung
3.2 Verschiedene Stadien in der Entwicklung der Greifbewegung
3.3 Arten des Greifens
3.4 Koordination von visueller Wahrnehmung und Handbewegung / Auge-Hand-
Koordination
3.5 Kognitive Entwicklung
3.6 Das Planen von Aktivitäten, Entwicklung des Spiels
3.7 Bedeutung der Greifentwicklung für die weitere Entwicklung des Säuglings
4 Zusammenfassung 10
5 Literaturverzeichnis 11
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1 Einleitung
Gegenstand dieser Arbeit ist die motorische Entwicklung des Säuglings beim Greifen. Dieses Thema ist keineswegs veraltet, sondern ist auch in der heutigen Zeit noch oder wieder aktuell. Z.B. findet sich in einer Ausgabe der Zeitschrift Geo - das neue Bild der Erde ein Artikel über die Entwicklung des Kindes. Daraus geht deutlich hervor, dass bereits Säuglinge von Anfang an eine selbstgestalterische Fähigkeit besitzen und sozial agieren, indem sie in Kontakt mit ihrer Umgebung treten. Es wird unter anderem untersucht, inwieweit man kognitive und motorische Entwicklungen beeinflussen und fördern kann (Geo - das neue Bild der Erde, Ausgabe 12/2004, S. 65-90). Um das Thema nun näher untersuchen zu können, müssen erst Begrifflichkeiten des Titels genauer definiert werden: Unter motorischer Entwicklung versteht man die Entwicklung der Gesamtheit der aktiven, vom Gehirn gesteuerten und koordinierten Bewegungen des menschlichen Körpers (Duden, das Fremdwörterbuch, 2001). Greifen ist die Fähigkeit, Gegenstände in die Hand zu nehmen und festzuhalten oder loszulassen. Dafür muss, wie später beschrieben wird, die Koordination der visuellen Wahrnehmung und der Handbewegung gegeben sein. Hält das Kleinkind erst einmal einen Gegenstand in seinen Händen, um ihn zu begutachten und zu befühlen, werden die Sinne aktiv, was für die kognitive Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung ist (Krombholz, 1999). Außerdem werden in der vorliegenden Arbeit Voraussetzungen für die motorische Entwicklung des Greifens genauer erläutert, wonach die Behandlung des Greifreflexes bei Säuglingen vom dritten bis etwa zum fünften Lebensmonat folgt. Der Reflex erlischt und die eigentliche Entwicklung des Greifens kann beginnen. Es werden neben motorischen auch andere Entwicklungen wie kortikale, kognitive, soziale und psychologische betrachtet. Unterschiede in der Entwicklung gibt es hierbei in den verschiedenen Kulturkreisen, die auch den Zeitpunkt der jeweiligen motorischen Entwicklung beeinflussen können.
2 Voraussetzungen für eine optimale motorische Entwicklung
Mit der Geburt muss das Neugeborene seine Körperfunktionen mit einem Mal selbstständig übernehmen. Es ist nicht mehr im Mutterleib, wo es über die Nabelschnur versorgt wurde. Es muss, wie Oerter und Montada (2002, S. 142) schreiben, von einem zum nächsten Moment „eigenständig atmen, Herz, Kreislauf und Blutdruck regulieren, seinen Wärmehaushalt stabilisieren, Nahrung aufnehmen und verdauen.“ Die Motorik muss es im neuen Lebensraum Luft vollkommen neu organisieren. Ob das Neugeborene dazu im Stande ist, wird etwa fünf bis zehn Minuten nach der Geburt gemessen. Hierfür gibt es eine medizinische Erstuntersuchung, der APGAR-Test (Oerter / Montada, 2002), der das physiologische Umstellungsverhalten des Säuglings untersucht. Bei diesem Test
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wird Hautfärbung, Gleichmaß und Art der Atmung, Muskeltonus,
Reflexauslösbarkeit und Herztätigkeit geprüft. Ein gesunder Säugling erreicht einen maximalen Wert von zehn Punkten. Um bei einem Säugling die Reife der motorischen Entwicklung zu überprüfen, wurde für die Schulmedizin das Sensomotorische Entwicklungsgitter konzipiert, das der Diplom-Sportlehrer Dr. E. Kiphard (1975) erarbeitet hat. Hier werden neben Körperkontrolle, Sprache, akustischer Wahrnehmung und Sozialkontakt auch optische Wahrnehmung und Handgeschick überprüft. Unter diesen Begriffen sind Fertigkeiten und Aktionen aufgeführt, die ein Kind im jeweiligen Entwicklungsstadium beherrschen sollte. Dies dient der Überprüfung und kann Entwicklungsauffälligkeiten wie z.B. Spätentwicklung analysieren (Kiphard, 2002). Ist ein Säugling kerngesund, wird er in den folgenden Monaten die motorische Entwicklung des Greifens durchleben und erleben. Sein erster Schritt ist dabei, den bereits mit der Geburt gegebenen Greifreflex zu gebrauchen und nach dessen Verschwinden das Greifen zu erlernen.
2.1 Der Greifreflex
Ein Neugeborenes kann bereits einige Empfindungen seines Körpers erkennen und darauf reagieren. Unter einem Reflex versteht man die Reaktion des Organismus auf eine Reizung seines Nervensystems. Äußere Reize verursachen unwillkürliche Muskelkontraktionen, was man bei Neugeborenen sehen kann. Bereits im Mutterleib bildet sich im dritten Schwangerschaftsmonat der Greifreflex aus, der sich dadurch äußert, dass sich die Fäuste des Fötus am Schwangerschaftsbauch abzeichnen. Erst nach der Geburt des Kindes kann man diese Bewegungen deutlich erkennen und zuordnen. Das Neugeborene besitzt auch eine ganze Reihe anderer Reflexe, wie, um nur zwei zu nennen, den Saugreflex und den Schluckreflex. Der Greifreflex lässt beim Berühren der Handinnenfläche des Kindes die Finger beugen (Holle, 1988). Nach Arbiger (1990) wird der Handgreifreflex durch Druck auf die Handfläche ausgelöst. Das führt zu einer tonischen Bewegung des zweiten bis fünften Fingers und ein Gegenstand kann somit ergriffen werden (Arbinger, 1990). Hierbei sollte noch der Darwin-Reflex erwähnt werden. Er ist bei manchen Säuglingen so stark ausgeprägt, dass es ihnen möglich ist, sich an den Fingern eines Erwachsenen festzuhalten und hochgezogen zu werden. Der Greifreflex im Allgemeinen erlischt im dritten bis fünften Monat, da das Großhirn und die Großhirnrinde zunehmend die Oberhand über die angeborenen Automatismen gewinnen und die Kontrolle der Bewegung übernehmen. Er wird dann vom eigentlichen Greifen abgelöst. Würde der oben genannte Reflex erhalten bleiben, könnte der Säugling den reflexartigen Bewegungen nicht entgegenwirken und die Bewegungen mit seinem Willen steuern. Er würde also auf jede Berührung mit einem Reflex reagieren. Damit wäre es ihm nicht möglich, das gezielte Greifen zu erlernen (Kromholz, 1999).
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Arbeit zitieren:
Nicole Nauß, 2005, Motorische Entwicklung des Greifens beim Säugling, München, GRIN Verlag GmbH
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