Inhalt
Quellenkritik S. 3
Inhaltsangabe S. 4
Quelleninterpretation S. 6
Zusammenfassung S. 10
Literaturangaben S. 12
2
Quellenkritik
Diese Quelleninterpretation bezieht sich auf das Thema: „Militärreformen des 18. Jahrhunderts, Eine aufgeklärte Elite: die Artillerie - Offiziere“. Sie beschränkt sich im wesentlichen auf die Untersuchung der Einflüsse, die die Aufklärung im Verlauf des 18. Jahrhunderts auf das Militärwesen - insbesondere das Militärwesen Frankreichs - genommen hat, wobei das Betätigungsfeld der „aufgeklärten Offiziere“ innerhalb der zivilen Gesellschaft des Ancien Régime nur kurz umrissen wird. Als Quelle dienen dabei die „Notes sur un project de règlement pour l’ecole d’artillerie et du génie“ vom 27. Juni 1801, deren Verfasser Napoleon Bonaparte ist. 1 Es wird vor allem die Fragestellung im Mittelpunkt stehen, ob man in diesen „Notizen“ Napoleons, aufklärerische Ideen oder Einflüsse erkennen kann und wenn ja, wie sich diese auf seine Anweisungen für die Artillerie- und Ingenieurschule auswirken?
Der Verfasser dieser Quelle, Napoleon Bonaparte, war der Sohn einer korsischen Adelsfamilie und wurde am 15.08.1769 in Ajaccio geboren. Er erhielt in Frankreich in den Militärschulen von Paris 2 und La Fere eine militärische Ausbildung zum Artillerieoffizier. 1799 machte er sich durch den Sturz des Direktoriums zum Ersten Konsul Frankreichs und wurde ab 1804 Kaiser der Franzosen. 3 Seine „Notizen“ verfasste er also während seiner Herrschaft als Erster Konsul in einem Alter von 32 Jahren. Sie fallen damit in die Zeit des zweiten Koalitionskrieges, indem sich Russland, die Türkei, Neapel, Portugal, England und Österreich auf Seiten der Koalition und Frankreich gegenüberstanden. Frankreich ging aus diesem Krieg mit den Friedensschlüssen von Luneville (1801) und Amiens (1802) als Sieger hervor. Nach den Befreiungskriegen gegen ihn im Jahre 1814 nach Elba verbannt, kehrte er 1815 nach Frankreich zurück und wurde nach seiner „Herrschaft der 100 Tage“ und seiner letzten Niederlage in der Schlacht von Waterloo erneut verbannt, diesmal jedoch auf die Insel St. Helena, wo er 1821 verstarb.
Der Adressat der Quelle wird nicht eindeutig genannt, da es sich nur um Notizen handelt. Dadurch ist es auch unklar, ob diese Notizen überhaupt zur Veröffentlichung bestimmt waren. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass
1 Napoleon Bonaparte, Notes sur un project de règlement pour l’ecole d’artillerie et du génie, in :
Correspondance de Napoleon Ier, 32 Bde., Paris 1858-1870, englische Übersetzung in : Jay Luvaas
(Hg.), Napoleon on the art of war, New York 1999, S. 59-60.
2 1778 - Aufnahme in „adlige Kadetten - Kompagnie zu Paris“; 1785 - Examen vor Laplace.
3 Vgl. August Fournier, Napoleon I. Eine Biographie, Wien 1913³ und Martin Göhring, Napoleon I.
Vom alten zum neuen Europa, Göttingen 1965.
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als Adressaten dieser Notizen die staatlichen Stellen (Minister, Beamte), welche für die Umsetzung zuständig waren, sowie die betroffenen Schulen selbst mit ihren Direktoren und Lehrern angesehen werden können. Zwar gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Notizen geheimgehalten werden sollten, jedoch liegt dies im Rahmen des Wahrscheinlichen, da es nicht im Interesse Napoleons gelegen haben kann, seinen militärischen Gegnern, die sicherlich in deren Besitz gelangt wären, die Grundlagen der Schulung seiner Soldaten zu offenbaren. Die Artillerie- und Ingenieurschulen, von denen diese Notizen handeln, waren neben den Schulen anderer Waffengattungen im 18. Jahrhundert die Ausbildungsstätten für die Offiziere des Ancien Régime, jedoch war ihr Ausbildungsplan, im Gegensatz zu denen der anderen Schulen, Objekt schwerer Auseinandersetzungen im vorrevolutionären Frankreich. Auf diesen Streit wird später noch ausführlicher eingegangen werden. 4
An dieser Stelle muss noch der Begriff des „Ingenieurs“ geklärt werden. Im 17. Jahrhundert definierte die Académie Francaise den Ingenieur als „jemanden, der erfindet, zeichnet und d ie Arbeiten und Instrumente zum Angriff und zur Verteidigung von Festungen leitet“ 5 . Hier besitzt der Ingenieur also eine klar definierte militärische Aufgabe. 1755 verweist Diderots Encyclopédie auf die militärischen Ingenieure, betont nun aber auch die v ielen mathematischen und technischen Probleme, die diese meistern müssen. Im Allgemeinen kann man den Aufgabenbereich der militärischen Ingenieure, des corps du génie, mit dem Aufgabenbereich der Pioniere in modernen Armeen vergleichen, mit dem Unterschied, dass die Ingenieure des Ancien Régime auch die Aufsicht über zivile Produktionsprozesse, vor allem die Produktion von Waffen hatten.
Inhaltsangabe
Der Text enthält, wie der Titel deutlich macht, Richtlinien für die Ausbildung der Artillerieoffiziere und Ingenieure in den dafür vorgesehenen Militärschulen Frankreichs. Er ist in drei Teile gegliedert, von denen der erste eine Übersicht über den Unterrichtsplan der Schulen gibt, der zweite die Überlegungen für die Einrichtung solcher Schulen noch einmal zusammenfasst und verallgemeinert und
4 Vgl.: Ken Alder, Engineering the Revolution. Arms and Enlightenment in France, 1763-1815,
Princeton 1997, S. 62-80.
5 Ebd.: S. 56.
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Arbeit zitieren:
Ronny Gerasch, 2002, Militärreformen des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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