Abstract
The text first gives a short explanation of the function of love in modern society and addresses the communicational problems that it brings with it. It then tries to elucidate how, despite of these problems, one can express love sincerely by referring to one’s own feelings and the use of nonverbal communication. In this connection, the importance of patterns for the communication of love is pointed out and the text tries to explain why such patterns are necessary. Their main source is literature, though today other sources have also gained a significant im-portance.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Anforderungen der funktional differenzierten Gesellschaft. 3
2.1 Romantische Liebe als Reaktion auf die funktionale Differenzierung 4
2.2 Die Kommunikation von Einzigartigkeit - Das Problem der Aufrichtigkeit. 5
3. Die Herstellung von Aufrichtigkeit. 6
3.1 Das Gefühl. 7
3.2 Nonverbale Kommunikation 8
4. Formvorlagen für den Code der Liebe 9
4.1 Romane vs. Ratgeberliteratur. 9
4.2 Die Strategie der Opakisierung 10
4.3 Weitere Quellen für Formvorlagen 12
5. Resümee 13
Literatur. 15
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1. Einleitung
Das Konzept der Liebe besagt, dass zwei Personen füreinander da sind, wobei dieses „für-einander“ nicht nur den jeweils anderen Liebespartner einschließt, sondern auch alle anderen Menschen ausschließt. Diese exklusive Zuwendung zum jeweiligen Liebespartner ist - so einfach sie auf den ersten Blick erscheinen mag - tatsächlich hochkomplex. Zwischen zwei Liebenden spielen sich ständig Kommunikationsprozesse ab, die für Liebessituationen typisch sind und so nur im Kontext der Liebe stattfinden. Letztendlich dienen sie dem Zweck, sich einander der Liebe, die man füreinander empfindet, zu versichern. Doch was genau wird dabei in der Liebeskommunikation kommuniziert - oder, aus einer etwas anderen Richtung betrachtet: Wie vermittelt man dem Partner dessen Bedeutung für einen selbst? Es geht also darum, wie sich Liebe kommunizieren lässt. Das Problem, auf das man beim Versuch, dem anderen aufrichtig seine Liebe zu ihm bzw. ihr vermitteln zu wollen, unweigerlich stößt, ist das der Inkommunikabilität (vgl. Luhmann 1994, 153ff). Um dabei die „Unmöglichkeit der Aufrichtigkeit“ (ebd., 154) zu umgehen, haben sich in der Liebeskommunikation ganz bestimmte Formen entwickelt, nach denen diese immer wieder abläuft.
Im Folgenden soll - nach einer kurzen, an Peter Fuchs orientierten Darstellung der Funktion, die die Liebe in der modernen Gesellschaft erfüllt - auf die Probleme verwiesen werden, die in der Liebeskommunikation auftreten und dargelegt werden, welche Strategien sich zu ihrer Lösung herausgebildet haben. Dabei wird die Literatur als Quelle von Formvorlagen für im Alltag stattfindende Liebeskommunikationen aufgezeigt und dargestellt, warum gerade die in Romanen beschriebenen Kommunikations- und Verhaltensweisen als Vorbild für reale Liebeskommunikation dienen. Zudem soll kurz die Frage danach behandelt werden, welche weiteren Quellen für Formvorlagen heute neben der Literatur existieren.
2. Anforderungen der funktional differenzierten Gesellschaft
Der Übergang von der stratifikatorischen zur funktionalen Differenzierung der Gesellschaft hatte für den einzelnen sozialen Akteur beachtliche Konsequenzen. In der heutigen, in unzählige Teilsysteme zerfallenen Gesellschaft, die von keinem übergeordneten Supersystem regiert wird (vgl. Fuchs 1999, 22; Schwanitz 1993, 102), findet sich keine Person mehr an einem festen, ihr eigenen Platz wieder. War zu Zeiten der stratifikatorischen Differenzierung noch jedem Einzelnen ein fester Platz im Gesellschaftsgefüge zugewiesen, welches in Schichten unterteilt war, die dem Individuum keinen großen Spielraum für soziale Mobilität ließen,
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so muss der Mensch heute als „sozial ortlos vorausgesetzt werden“ (Luhmann 1994, 16). Die Polykontexturalität der modernen Gesellschaft hat zur Folge, dass jeder in zahlreichen unterschiedlichen Kontexten relevant wird, im Gegensatz etwa zu den Verhältnissen im Mittelalter, wo jeder einen eindeutigen Platz hatte: Wer Bauer war, konnte nicht gleichzeitig der Adelsschicht angehören und abends am Hof des Königs speisen. Heute jedoch ist die Zugehörigkeit zu verschiedenen gesellschaftlichen Subsystemen selbstverständlich 1 ; eine Person gehört z.B. gleichzeitig unterschiedlichen Organisationen an, ist Mitglied in Vereinen und Clubs, ist sowohl Vater als auch Abteilungsleiter und vereint so mehrere Rollen auf sich.
2.1 Romantische Liebe als Reaktion auf die funktionale Differenzierung
Der Gedanke der Polykontexturalität der funktional differenzierten Gesellschaft liegt auch den Überlegungen von Peter Fuchs zugrunde. Aus der These, dass die „moderne Gesellschaft (…) keine Einheit in sich hat außer der bloßen Operation der Kommunikation“ (Fuchs 1999, 23), kann ihm zufolge geschlossen werden, „dass das Bewusstsein, das mit solchen Verhältnissen zu tun bekommt, ebenfalls uneinheitlich sein müsste“ (ebd., Hervorhebung im Original). Fuchs beschreibt nicht nur die hier bereits angesprochene Unmöglichkeit, das Individuum an einem bestimmten Ort der Gesellschaft festzumachen; ihm geht es in erster Line um die Konsequenzen dieser Tatsache für den einzelnen Menschen an sich. Aus dessen Perspektive gestaltet sich die Welt als uneinheitlich. Das eigene Subjekt ist in zahlreichen unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten bzw. Systemen relevant. Weil es also die Gesellschaft nicht als einheitlich wahrnehmen kann, vermag es auch sich selbst nicht als Einheit zu fassen. Egal, welchem der unterschiedlichen Teilaspekte, in denen das Individuum jeweils in die Gesellschaft (teil)inkludiert ist, es sich zuwendet - es erfährt sich niemals als ganzes, nimmt sich selbst nicht in seiner Ganzheit wahr. Die funktionale Differenzierung bringt also den „Verlust der EINS“ (sic!; ebd.) mit sich, zu der sich früher sowohl die Gesellschaft als auch das einzelne Individuum verrechnen ließen. Niklas Luhmann spricht in diesem Zusammenhang die „Differenz von unpersönlichen und persönlichen Beziehungen“ (Luhmann 1994, 193) an, die in der funktional differenzierten Gesellschaft herrscht - von den zahlreichen Beziehungen, die ein Individuum heute unterhält, sind die meisten unpersönlicher Art und dienen einem bestimmten Zweck; in ihnen kann es kaum über sich selbst kommunizieren (vgl. ebd.).
Für das Individuum ist die unmittelbare Folge aus all dem zunächst einmal ein Verlust seiner Identität in dem Sinne, dass diese nun nicht mehr gesellschaftlich vorgegeben ist.
1 Dies soll nicht bedeuten, dass heute keinerlei Grenzen im Gesellschaftsgefüge - etwa zwischen Schichtenbestehen.
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Arbeit zitieren:
Maximilian Schröter, 2006, Liebe als Kommunikationsproblem, München, GRIN Verlag GmbH
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