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Gliederung
1. Einleitung S 3
2.1 Die Einordnung des Hebräischen innerhalb der semitischen
Sprachgruppe S 4
2.1.1 Die Bezeichnung semitisch S 4
2.1.2 Spezifische Kennzeichen der semitischen Sprachen S 6
2.1.3 Das Verbreitungsgebiet der semitischen Sprachgruppe S 7
2.1.4 Die Unterscheidung der semitischen Sprachen S 8
2.2 Nordostsemitisch S 9
2.3 Westsemitisch S 11
2.3.1 Südwestsemitisch S 13
2.3.1.1 Südarabisch S 13
2.3.1.2 Nordarabisch S 14
2.3.2 Nordwestsemitisch S 16
2.3.2.1 Aramäisch S 16
2.3.2.2 Kanaanäisch S 18
2.3.2.2.1 Mittelkanaanäisch: Phönizisch S 19
2.3.2.2.2 Südkanaanäisch S 20
2.4 Hebräisch S 21
2.4.1 Biblisches Hebräisch S 21
2.4.2 Mischna-Hebräisch Rabbinisches Hebräisch S 25
2.4.3 Mittelalterliches Hebräisch (Neuhebräisch) S 27
2.4.4 Modernhebräisch S 30
2.4.4.1 Die Haskalah S 30
2.4.4.2 Der Zionismus und Eliezer Ben Yehuda S 32
2.4.4.3 Israelisches Hebräisch S 33
2.4.4.3.1 Probleme des Israelischen Hebräisch S 36
3. Ausblick S 38
Bibliographie S 39
3
1. Einleitung
Nach biblischer Überlieferung und dem Glauben orthodoxer Juden war He- bräisch die Ursprache der Menschheit; da nach Genesis 3,20 Eva (hebr. chawa) die "Mutter aller, die da leben" (chai) war und unverkennbar einen hebräischen Namen trug, läßt sich daraus schlüssig ableiten, daß die ge- meinsame Sprache der damals existierenden Menschheit (Adam und Eva) Hebräisch war. Dies hat sich bis zum Turmbau zu Babel offenbar nicht ge-
1
ändert.
Doch natürlich ist Hebräisch für den aufgeklärten Menschen als "Ursprache" der Menschheit nicht mehr von Bedeutung; vielmehr gründet sich die heutige wissenschaftliche Beschäftigung mit der hebräischen Sprache darauf, daß Hebräisch (1) immer noch Kultsprache der mosaischen Religion und in ge- wisser Weise auch des Christentums ist, (2) eine der ältesten Kulturspra- chen der Welt und (3) die einzige Sprache überhaupt ist, die nach 2000 Jah- ren erfolgreich als Gebrauchssprache wiederbelebt worden konnte.
Der erste Teil der hier vorliegenden Arbeit soll einen Überblick über die dem Hebräischen verwandten Sprachen geben, um es innerhalb der semitischen Sprachgruppe einzuordnen und ihre möglichen Einflüsse zu erklären. Der zweite Teil wird sich ausführlicher mit der Geschichte des Hebräischen be- schäftigen.
1 Genesis 11, 1: "Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache", bis "der HErr da- selbst verwirrt hat aller Länder Sprache" (11, 9).
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2.1 Die Einordnung des Hebräischen innerhalb der semiti-
schen Sprachgruppe
2.1.1 Die Bezeichnung "semitisch"
Obschon die Verwandtschaft der wichtigsten semitischen Sprachen "bereits den jüdischen und islamischen Grammatikern des Mittelalters bekannt" war, erwachte das Interesse an der Semitistik im christlichen Europa erst im 16. Jahrhundert; die Bezeichnung "semitisch" selbst wurde 1781 durch L. v. 2 Sie geht zurück auf Genesis 10, 21-31 3
Schlözer zum Ausdruck gebracht.
(die Semiten als die Nachkommen des Noahsohnes Sem) und wird als Be- nennung für eine "Sprachgemeinschaft", "nicht aber [..] ein Volkstum, eine 4 "that share common features of pho- Rasse oder eine Kultur", verwendet,
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nology, morphology, syntax and vocabulary" .
Für die semitische Sprachgruppe wird, wie für das Indogermanische, ein Ur- 6 der zwar nicht mehr zu rekonstruie-
typus ("Proto-Semitic") vorausgesetzt,
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Wohl eher ren ist, aber doch charakteristische Merkmale erkennen läßt. spekulativ ist die Vermutung Körners, es habe eine "semitisch-hamitisch-in- doeuropäische[] Sprachgemeinschaft um 6000 v. Chr." bestanden, die al-
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lerdings "nicht mehr lokalisierbar" sei.
2 Bauer/Leander 1; Bußmann 680f. ("Semitisch"); Körner 13. 3 Kutscher 3.
4 Körner 13.
5 Kutscher 3; vgl. Körner 13.
6 Körner 13; Kutscher 3.
7 Kutscher 3.
8 Körner 14.
5
Körner nimmt wegen des großflächigen Verbreitungsgebiets eine wahr- ;9 heutzutage
scheinliche frühe Aufspaltung dieser Ursprache in Dialekte an treten etwa siebzig verschiedene semitische Sprachen oder Dialekte auf . Dabei ist jedoch zu beachten, daß die Grenzen des semitischen Verbrei- tungsgebietes und der Zugehörigkeit zum Semitischen nicht klar festgelegt werden können, da auch Sprachen wie beispielsweise das Libysche – als
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– Züge aufweisen, die
hamitische Sprache mit dem Semitischen verwandt eine Klassifizierung als semitisch nicht ganz abwegig erscheinen lassen
Sáenz-Badillos merkt ferner an, daß bei der Zuordnung einzelner Sprachen zum Semitischen von einigen Forschungsrichtungen nicht nur sprachliche, sondern auch geographische, historische und kulturelle Gegebenheiten be- rücksichtigt würden, obschon die unsichere Überlieferung diesen Sachver-
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halten höchstens den Stellenwert von Hypothesen zuweisen kann.
Die semitische Sprachgruppe gilt als verwandt mit der hamitischen, mit 14 sowie Tschadisch und Ägyptisch, (Libysch-)Berberisch und Kuschitisch eventuell Omotisch, mit der sie zusammen den sogenannten afro-asiati-
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schen oder hamito-semitischen Sprachstamm bildet.
2.1.2 Spezifische Kennzeichen der semitischen Sprachen
10 Sáenz-Badillos 3.
11 Kutscher 4.
12 Sáenz-Badillos 4.
13 Sáenz-Badillos 6f.
14 Kutscher 4.
6
Kennzeichnend für die semitischen Sprachen sind einmal zahlreiche empha- tische Konsonanten, das heißt pharyngalisierte (Rachenlaute) und glottali- sierte (Knacklaute). Für das Semitische ist ferner die Wurzelflexion cha- rakteristisch, also die Beugung von – meist drei – "Radikalen" (deswegen auch "Triliteralität" genannt).
In der Morphologie des Verbs gibt es "zwei Aspektformen mit unterschiedli- chen Konjugationsmustern"; einerseits das Perfekt, das das Präteritum aus- drückt, andererseits das Imperfekt zur Darstellung von Präsens respektive
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Futur.
17 der semitischen Sprachen enthält "Konju- Das "reiche Diathesen-System" gationsformen" zur "Modifikation[] des Verbalbegriffes"; im Hebräischen sind 18 Die Grundform, dies sieben, Binjanim genannte Stammesmodifikationen. Pa'al oder Kal, besteht aus dem Grundstamm des Verbs; das Pi'el drückt die Intensität der Handlung oder den Kausativ aus. Ebenfalls kausative, dazu aber noch deklarative Bedeutung hat das Hif'il, während das Hitpa'el refle- xive oder reziproke Handlungen bezeichnet. Nif'al, Pu'al und Hof'al sind die Passivformen von Pa'al, Pi'el und Hif'il.
Das Nomen weist ein zweistufiges Genus-System mit Maskulinum und Fe- mininum auf; häufig sind drei Kasus anzufinden – Nominativ, Genitiv und Ak- kusativ. Dativ und Lokativ sind rekonstruierbar; in modernen Sprachen, so auch beim Modernhebräischen, gibt es häufig überhaupt keine Kasus mehr.
15 Bußmann 54f. ("Afro-Asiatisch").
16 Bußmann 681 ("Semitisch").
17 Bußmann 681 ("Semitisch").
18 Simon 51.
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Dualformen und teilweise Unterscheidung von Kollektiv und Singulativ sind 19 eine Besonderheit des Semitischen ist Bestandteile des Numerussystems;
der Status constructus, der den Genitiv bildet und bei dem das regierende
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Nomen (Regens) statt des im Genitiv stehenden Rectum flektiert wird.
2.1.3 Das Verbreitungsgebiet der semitischen Sprachgruppe
Als Ursprungsgebiet des Semitischen wird im allgemeinen die arabische 21 dies ist jedoch nicht unumstritten: auch andere Teile Halbinsel angesehen;
des semitischen Siedlungsgebietes, das in der Antike ganz Vorderasien 22 Außer den ori- umfaßte, werden vereinzelt als Herkunftsgebiet genannt. entalischen Ländern, also Mesopotamien (Nordostsemitisch), Arabien (Süd- westsemitisch), Syrien und Palästina (Nordwestsemitisch), ist ferner Äthio-
23
pien aufzuführen, das, von Südarabien aus kolonisiert
24
zum südwestsemitischen Siedlungsgebiet zählte. Nach den islamischen Eroberungen breitete sich zudem Arabisch in Nord- afrika, Spanien und anderen Teilen Südeuropas aus; als Kreolsprache ist es
25
bis heute Landessprache in Malta (Maltesisch).
2.1.4 Die Unterscheidung der semitischen Sprachen
19 Bußmann 681 ("Semitisch").
20 Bußmann 681 ("Semitisch"); Simon 31.
21 Körner 13.
22 Sáenz-Badillos 7.
23 Sáenz-Badillos 15.
24 Körner 13; Kutscher 3; Sáenz-Badillos 3.
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Die Gliederung des Semitischen teilt es gewöhnlich in zwei große Sprach- gruppen, das Nordost- oder Ostsemitische (Akkadisch) und das Westsemiti- sche, das sich wiederum in Nordwestsemitisch (Kanaanäisch, Aramäisch und andere Sprachen) und Südwestsemitisch (Nordarabisch, Südarabisch
26
und Abessinisch) aufspaltet.
Schon vor 3000 v. Chr. trennte sich das Nordostsemitische ab; das Akkadi- sche verdrängte im Nordosten in der Folgezeit das (nichtsemitische) Sume- rische, nicht ohne dessen Substrateinfluß ausgeliefert zu werden. Auch im Nordwesten, etwa in Ebla, wurde während dieser Zeit eine semitische Spra- che verwendet, deren Einordnung allerlei Schwierigkeiten aufwirft (s. u. S.
27
11f.).
Im 2. Jahrtausend v. Chr. erfolgte die Spaltung des Akkadischen in zwei Dialekte (Babylonisch und Assyrisch), gleichzeitig der Aufstieg des Amoriti- schen, später des Ugaritischen und anderer Sprachen. Schon vor der Wende zum 2. Jahrtausend hatte sich wahrscheinlich das Westsemitische in Nord- und Südwestsemitisch geteilt; am Ende des 2. Jahrtausends traten Kanaanäisch und Aramäisch im Nordwestsemitischen auf. Im Südwestsemitischen entwickelten sich Nordarabisch, Südarabisch und Äthiopisch, deren älteste Schriftzeugnisse aus dem 8. Jahrhundert v.
28
Chr. stammen.
25 Kutscher 3.
26 Körner 13f.; Kutscher 3f.; Sáenz-Badillos 4, 10.
27 Sáenz-Badillos 3, 10.
28 Sáenz-Badillos 3f., 10.
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Christina Manthe, 1999, Die Geschichte des Hebräischen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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