Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis.................................................................................................. 2
1. Einleitung 3
2. Sport im Fernsehen. 6
2.1. Entwicklung des TV-Sports in Deutschland 6
2.2. Die Sparte Sport im dualen Fernsehsystem 8
3. Studien zur Konvergenz in der Sportberichterstattung 10
3.1. Längsschnittstudien 10
3.2. Querschnittsstudien 11
3.2.1. Scholz (1993) 11
3.2.2. Burk (2003) 14
3.2.3. Fassbender (2002) 16
4. Zusammenfassung 19
5. Literaturverzeichnis. 21
2
1. Einleitung
Mit der Einführung des privaten Fernsehens 1984 entstand in Deutschland das duale Fernsehsystem, mit dem die Hoffnung auf eine größere Programmvielfalt für die Rezipienten verbunden wurde. Neben den öffentlich-rechtlichen Programmen ARD und ZDF sowie den Dritten Programmen traten nun kommerzielle TV-Sender in den Fernsehmarkt ein. Dies führte zu einem deutlichen Anstieg des Programmangebots, während die Anzahl der TV-Nutzer relativ konstant blieb. Folglich mussten die einzelnen Programmanbieter stärker um ihre Anteile am Zuschauermarkt konkurrieren und versuchten, ihre Einschaltquoten zu steigern, indem sie sich den (vermeintlichen) Wünschen der TV-Nutzer orientierten. Die Einschaltquoten wiederum waren die Grundlage, auf der die Sender um Werbekunden konkurrierten.
Diese Konkurrenz um Marktanteile und Werbekunden liegt der Ende der 80er Jahre von Heribert Schatz, Nikolaus Immer und Frank Marcinkowski aufgestellten Konvergenzhypothese zu Grunde 1 . Anstatt der größeren Programmvielfalt führe das duale Fernsehsystem zu einer Angleichung der Programminhalte. Um den Zuschauerwünschen nachzukommen, versuchten die TV-Sender, den Massengeschmack zu treffen, und strahlten insgesamt vermehrt unterhaltungsorientierte Programmangebote auf Kosten edukativer und kultureller Sendungen aus. Die Unterhaltungsorientierung schlage sich auch in der Sparte „Information“ nieder (Boulevardisierung, Infotainment). Zudem werde die tägliche Programmleistung ausgedehnt (Einführung des Frühstücksfernsehens, 24-Stunden-Programm etc.). Für Schatz, Immer und Marcinkowski bedeutet Konvergenz gegenseitige Anpassung: private Anbieter versuchten, sich an die öffentlich-rechtliche Informationskompetenz anzupassen, derweil die Öffentlich-Rechtlichen darauf aus seien, ihre Publikumsattraktivität zu steigern.
Die Konvergenzhypothese wurde in den folgenden Jahren mehrfach weiterentwickelt, insbesondere durch Udo Michael Krüger 2 , Klaus Merten 3 und erneut Schatz 4 .
1 Schatz, H./Immer, N./Marcinkowski, F.: Der Vielfalt eine Chance? Empirische Befunde zu einem zentralen
Argument für die „Dualisierung“ des Rundfunks in der Bundesrepublik Deutschland. In: Rundfunk und
Fernsehen 38 1/1989. S. 5-21.
2 Krüger, Udo Michael: Tendenzen in den Programmen der großen Fernsehsender 1985 bis 1995. Elf Jahre
Programmanalyse im dualen Rundfunksystem. In: Media Perspetiven 8/1996. S. 418-440.
3 Merten, Klaus: Konvergenz der deutschen Fernsehprogramme. Eine Langzeitstudie 1980-1993. Münster,
Hamburg: 1994.
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Dies hat allerdings auch dazu geführt, dass die genaue Definition von Konvergenz in der kommunikationswissenschaftlichen Forschung umstritten ist. Für Krüger ist nur eine beiderseitige Annäherung echte Konvergenz. In seinen empirischen Analysen im Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen sah er Konvergenz nach seiner Definition nicht bestätigt. Bei den öffentlich-rechtlichen Anbietern seien laut seiner Längsschnittstudien stabile Programmstrukturen zu erkennen, bei den Privaten bemerkt er dagegen strukturelle Annäherung an das öffentlich-rechtliche Programmangebot. Auf jeden Fall seien zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern deutliche inhaltlich-qualitative Unterschiede zu bemerken. In seinen Programmanalysen Ende der 90er Jahre erkennt Krüger jedoch eine tendenzielle Übereinstimmung zwischen Privaten und Öffentlich-Rechtlichen in einzelnen Sparten wie Boulevardmagazinen an. 5
Klaus Merten unterscheidet grundsätzlich zwischen gerichteter und ungerichteter Konvergenz. Ungerichtete Konvergenz bedeutet eine Programmannäherung von öffentlichrechtlichen und privaten Programmangeboten in nicht weiter spezifizierter Weise. Mit gerichteter Konvergenz beschreibt Merten dagegen die einseitige Annäherung eines Programms an das andere. Merten sah dies in einer zwischen 1980 und 1993 im Auftrag des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation e.V. (VPRT) realisierten Längsschnittstudie bestätigt und stellte eine starke Konvergenz der Öffentlich-Rechtlichen in Richtung auf private Anbieter fest.
Schatz überarbeitet 1994 sein Ausgangsmodell der Konvergenzhypothese und geht dabei von zwei konkurrierenden Anbietern aus, die sich in der Hauptsendezeit von strategischem Kosten-Nutzen-Denken leiten lassen. Für Schatz ist Konvergenz „demnach ein Prozess der Programmangleichung zwischen konkurrierenden Anbietern in Richtung auf ein optimal an den Zuschauerpräferenzen ausgerichtetes Programmprofil, wobei der Konvergenzdruck auf einen Anbieter umso höher ist, je weiter sein Programmprofil vom Median der Zuschauerpräferenz entfernt ist.“ 6
4 Schatz, Heribert: Rundfunkentwicklung im „dualen System“: die Konvergenzhypothese. In: Jaren, Otfried
(Hg.): Politische Kommunikation in Hörfunk und Fernsehen: Elektronische Medien in der Bundesrepublik
Deutschland. Mit Beiträgen von Uwe Hasenbrink u.a. Opladen: 1994.
5 Krüger, Udo Michael: Unterschiedliches Informationsverständnis im öffentlich-rechtlichen und privaten
Rundfunk. Programmanalyse 1999: ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und PRO SIEBEN im Vergleich. In: Media
Perspektiven 7/2000. 278-296.
6 Schatz 1994, S. 70.
4
Hinter der Konvergenzhypothese steht die kommunikationspolitische Problematik der Rolle des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, das einen öffentlichen Auftrag (Grundversorgung, Kulturauftrag) zu erfüllen hat. Eine konvergente Programmentwicklung würde die Legitimität des gebührenfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen in Frage stellen. Als Wolfgang Clement, Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, bei den 14. Stendener Medientagen am 3./4. Juni 1989 für die 90er Jahre eine konvergente Entwicklung im dualen Fernsehsystem voraussagte, sorgte das für Aufregung bei den Vertretern der Öffentlich-Rechtlichen, die um die vom Bundesverfassungsgericht 1986 im „Niedersachsen-Urteil“ festgelegte Bestands- und Entwicklungsgarantie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sowie um ihr Gebührenprivileg fürchteten. 7 Die konvergente Entwicklung von ist also nicht nur ein kommunikationswissenschaftliches Forschungsfeld, sondern darüber hinaus eine Frage von medienpolitischer Brisanz.
Konvergenz lässt sich auf verschiedenen Ebenen untersuchen. Man könnten unterscheiden zwischen eine qualitativen Angleichung der Programmangebote (z.B. Boulevardisierung der Informationsangebote) und einer quantitativen Angleichung (z.B. weniger Informationssendungen zu Gunsten von Unterhaltungsformaten). Außerdem ist zu differenzieren zwischen Konvergenzforschung auf Programmstrukturebene, innerhalb einzelner Sparten (Genreebene) oder sogar bezogen auf bestimmte Formate und Sendungen.
Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen die Forschungsbemühungen zur Konvergenzhypothese in der Sparte „Sport“ zusammenfassend dargestellt sowie eine Bewertung der bisher erfolgten Forschungsergebnisse vorgenommen werden. Ausgehend von der Rolle der Sportberichterstattung im Fernsehen und speziell im dualen Fernsehsystem werden die unterschiedlichen Studien zur Konvergenzhypothese für die Sparte „Sport“ präsentiert. Dabei ist zu bemerken, dass die Forschungslage in diesem Bereich noch sehr dürftig ist und zu vertiefenden wissenschaftlichen Bemühungen einlädt. Empirische Erkenntnisse über eine etwaige konvergente Entwicklung in der Sportberichterstattung lassen sich einerseits aus den als Längsschnittstudien angelegten Programmstrukturanalysen von Krüger und Merten ziehen. Darüber hinaus liegen drei Untersuchungen speziell zur Sparte „Sport“ im Querschnittsdesign vor.
7 Burk, Verena: Sport im Fernsehen. Öffentlich-rechtliche und private Programme im Vergleich. Darmstadt:
2002. S. 79.
5
2. Sport im Fernsehen
Das aktive Sporttreiben und der passive Sportkonsum sind nach Michael Schaffrath 8 die beiden gesellschaftlich relevante Ebenen des Sports. Beim passiven Sportkonsum lässt sich nach allgemeinem Sportinteresse, dem Besuch von Sportveranstaltungen und dem Konsum von Sportberichterstattung in den Medien differenzieren. Letzteres gilt dabei als wichtigster Aspekt des passiven Sportkonsums. Dem Fernsehen kommt dabei die Rolle des wichtigsten Mediums der Sportübertragung zu.
2.1. Entwicklung des TV-Sports in Deutschland
Als Ausgangspunkt der Sportberichterstattung im Fernsehen dürfen die Olympischen Spiele 1936 in Berlin angesehen werden. Die ersten öffentlichen Übertragungen des neuen Mediums Fernsehen galten dem Sport. Seit Beginn des Fernsehens war der Sport fester Programmbestandteil und trug durch seine „Pionierdienste“ zur weiteren Entwicklung des Massenmediums bei. 10
In der Bundesrepublik Deutschland war die Sportberichterstattung seit dem offiziellen Start des Fernsehens am 25.12.1952 Teil des Programmangebots. Bis zur Einführung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) 1963 besaß die ARD auch beim Sport eine Monopolstellung. In den Anfangsjahren konzentrierte sich die Sportberichterstattung vornehmlich auf LiveÜbertragungen von Ereignissen wie der Olympischen Spiele, großen Reitveranstaltungen sowie Handball- und Fußballspielen. 1954 startete mit „Die bunte Sportschau“ die erste Sport-
8 Vgl.Schaffrath, Michael: Sport on air: Studie zur Sportberichterstattung öffentlich-rechtlicher und privater
Radiosender in Deutschland. Beiträge des Instituts für Sportpublizistik; Bd. 5. Hg. Josef Hackforth. Berlin: 1996.
S. 164ff.
9 Scholz, Rolf: Konvergenz im TV-Sport: eine komparative Studie des „dualen Fernsehsystems“. Berlin: 1993.
S. 27.
10 Vgl. Hackforth, Josef: Sport im Fernsehen. Ein Beitrag zur Sportpublizistik unter besonderer
Berücksichtigung des Deutschen Fernsehens (ARD) und des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) in der Zeit
von 1952 - 1972. Münster: 1975. S. 36ff.
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Gregor Waschinski, 2005, Konvergenz in der Sportberichterstattung, München, GRIN Verlag GmbH
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