Inhaltsverzeichnis
1. Das Gemälde „Olympia“
Seite 1 - 4
Seite 1 - 2
2.1 Daten zum Gemälde / Bildbeschreibung
Seite 2 - 4
2.2 Interpretation
Seite 4 - 6
2. Manets Kunstverständnis
Seite 4 - 5
2.1 Kunstrichtungen
Seite 5 - 6
2.2 Manets Malstil
Seite 6 - 13
3. Vorbilder
Seite 6 - 9
3.1 Tizian
Seite 9 - 11
3.2 Ingres
Seite 11 - 13
3.3 Goya
Seite 13 - 14
4. Eigene Meinung
Seite 15
5. Literaturverzeichnis
II
1. Das Gemälde „Olympia“
1.1 Daten zu dem Gemälde / Bildbeschreibung
„Olympia“ entstand 1863 in wenigen Tagen, da schon eine Aquarellfassung existierte, die mit dem endgültigen Werk fast übereinstimmt. Seinen Titel erhielt es jedoch erst 10 Monate später inspiriert durch die Verse eines Gedichts von Astruc. Im Lexikon ist unter ‚Olympia’ die Gemahlin des makedonischen Königs Philipp II. zu finden. Nachdem der Louvre das Bild nach Manets Tod zunächst ablehnte, wurde es per Kabinettsbeschluss ins Musee du Luxembourg geschickt, bis man es 1907 schließlich doch zur „Großen Odaliske“ von Ingres in den Louvre hängte. Heute befindet es sich im Musee d’Orsay in Paris. Es ist mit Öl auf Leinwand gemalt und misst 130,5 mal 190 Zentimeter. Als Modell diente Edouard Manet - wie schon öfters zuvor- die stadtbekannte Edelprostituierte Victorine Meurent. Dieser Umstand war sicherlich einer von nicht wenigen Gründen, weshalb das Gemälde im Salon 1865 auf das heftigste kritisiert wurde. Die „Olympia“ ist eine frontale Komposition, die im Hintergrund von der Wand und den Diwanvorhängen fast in der Mitte geteilt wird. Obwohl eine der beiden Figuren horizontal in der Mitte des Bildes liegt, ist doch beiden jeweils eine Bildhälfte zugeteilt. Dominierend ist natürlich die Figur der Olympia, die nackt und lang ausgestreckt auf einem Bett liegt, das den kompletten unteren Bildteil einnimmt. Den Oberkörper stützt sie auf einem Berg von Kissen ab. Die andere Gestalt steht rechts hinter dem Lager und stellt eine schwarze Dienerin in einem hellrosa Kleid dar, die dem Mädchen ein buntes Blumenbukett entgegenhält. Nicht zu vergessen ist die schwarze Katze am rechten Bildrand auf dem Bett, mit gesträubtem Rücken und funkelnden gelben Augen, wodurch sie mit dem frontalen Blick der Olympia korrespondiert. 1
Nicht nur kompositorisch, auch farblich sind die Inhalte im Bild streng voneinander abgegrenzt. Die deutliche Farbgegenüberstellung wird recht simpel durch den Hell-Dunkel-Kontrast des Hintergrunds mit den grünen Vorhängen und der rotbraunen Wand und dem „geschlossenen hellen Komplex“ 2 , bestehend aus dem Bett und den Personen, im Vordergrund erreicht. Nur die Dienerin fungiert hier mit ihrer dunklen Hautfarbe und dem hellen Kleid sozusagen als eine Art Verbindungsglied, da sie mit beiden Bereichen verschwimmt. Hinzu kommen Farbtupfer aus „zartesten Nuancen feinster Farbigkeit“ 3 , wie die korallenfarbige Haarschleife der Olympia, der goldene Armschmuck und das schwarze Halsband, die sich auf das bunte Bukett beziehen uns somit das Bild beleben.
1.2 Interpretation
Auf den ersten Blick sehen wir eine hübsche Frau, die nackt und halb aufrecht auf ihrem Bett liegt. Eine Dienerin hält ihr einen großen bunten Blumenstrauß hin. Ganz offensichtlich ist hier eine wohlhabende Frau dargestellt, die sich eine Dienerin leisten kann. Auch der edle Stoff unter ihren Beinen und der goldene Schmuck bestätigen diese Annahme. Der Strauß weist auf Verehrer und Bewunderer hin, die ihr allerdings gleichgültig zu sein scheinen, denn sie würdigt den Strauß wie auch die Dienerin keines Blickes. Stattdessen blickt sie den Betrachter mit versteinertem Gesicht direkt an. Obwohl sie nackt und in erwartender Pose
1 Hopp, Edouard Manet, 1968, S. 30
2 Hopp, Edouard Manet, 1968, S. 26
3 Waldmann, Edouard Manet, 1923, S. 28
1
daliegt, erscheint sie eher steif und angespannt. Sie präsentiert ihren Körper selbstbewusst und ohne Scham.
Manet stellt damit einen neuen Frauentypus vor: „Sein Auge ersah den Nerv des modernen Großstadtgeschöpfes, eines vollkommen neuen Wesens.“ 4 . Es begann zu Manets Zeit, dass sich Frauen ihrer Weiblichkeit bewusst wurden und auch bewusst ihre Reize einsetzten. Dafür ist Victorine Meurent höchstwahrscheinlich das beste Beispiel, denn als stadtbekannte Prostituierte tat sie genau das mit dem Ergebnis in Luxus leben zu können. Da Frauen immer noch als das schwache Geschlecht gesehen wurden, versuchten sie auf anderen Wegen indirekt an ihr Ziel zu gelangen, ob das nun Geld, Macht oder Sonstiges war. Die Olympia wirkt zwar verkrampft, jedoch strahlt sie gleichzeitig ein derartiges Selbstbewusstsein, Stolz und fast schon Skrupellosigkeit aus, das zu dieser Zeit an einer Frau einfach schockieren musste. Vielleicht war es die Angst der Männer, die sie dazu brachte lautstark zu kritisieren und protestieren. Gotthard Jedlicka findet eine weitere Gemeinsamkeit in Manets Gemälden, in denen Frauen dargestellt werden:
sich und es lässt sich nicht leugnen, dass sich beides gegenseitig bedingte. Noch deutlicher ist dabei der Einfluss, den diese beiden Faktoren auf die Entwicklung der Kunst hatten. Natürlich existierten bis dahin schon etliche Kunstwerke, die entblößte Frauen- sowie Männerkörper zeigten (s. Michelangelo), trotzdem entstand hier etwas Neues, indem der religiöse oder mythologische Hintergrund ausblieb. Bisher war die Darstellung von nackten Körpern nur unter dem Vorwand von mythologischen Szenen zu rechtfertigen. Dabei war die Aktdarstellung seit jeher Mittel zum Zweck:
Dabei hat das Bild nichts Anstößiges oder Vulgäres, denn es ist sehr kühl und distanziert gehalten. 7 „Letzten Endes wird es vielleicht gerade die Abwesenheit alles sinnlichen Reizes gewesen sein, was die Leute so empörte“. 8 Wodurch wir wieder auf die Angst der Männerwelt stoßen, denn die Olympia ist kein reines Sexobjekt mehr, vielmehr ist sie ein
4 Meier-Graefe, Edouard Manet, 1912, S. 43
5 Jedlicka, Edouard Manet, 1941, S. 317-318
6 www.eugwiss.udk-berlin.de/schmid/odahtml/odaIII.1.html
7 Waldmann, Edouard Manet, 1923, S. 28
8 Ebd., S. 28
2
Arbeit zitieren:
Maja Tworek, 2004, Manets 'Olympia' und ihre Vorbilder, München, GRIN Verlag GmbH
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