MLU Halle - Wittenberg
Institut für Erziehungswissenschaften,
Fachbereich Psychologie
Ängste von Referendaren im schulischen Kontext -
Qualitative Untersuchung zu Phänomenen, Ursachen und Bewältigungsstrategien
Wissenschaftliche Hausarbeit
vorgelegt von: Annett Gorgas
vorgelegt am: 11.01.2006
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 4
1.1 Themenbegründung ... 7
1.2 Einordnung des Themas in den wissenschaftlichen Forschungsstand ... 8
1.3 Fragestellungen ... 13
2 Theoretische Grundlagen ... 14
2.1 Bedingungen für die Entstehung von Lehrerangst ... 14
2.1.2 Formen der Lehrerangst ... 24
2.1.3 Ursachen und Gründe der Lehrerangst ... 28
2.1.4 Auswirkungen und Bewältigungsmöglichkeiten der Lehrerangst ... 31
2.1.5 Lehrerrollen und Rollenkonflikte ... 39
2.1.6 Anforderungsstrukturen ... 46
2.2 Ängste von Referendaren – Der Praxisschock ... 48
2.3 Kritik an der Lehrerausbildung ... 56
3 Empirische Untersuchung ... 64
3.1 Zielstellungen ... 64
3.2 Methodisches Vorgehen ... 64
3.3 Stichprobe ... 66
3.4 Datenerhebung und -verarbeitung ... 68
3.4.1 Auswertung der Interviews ... 70
3.4.2 Ergebnisse und Interpretation der Interviews ... 95
4 Diskussion der Methode ... 100
4.1 Aspekte der Auswahl der zu Befragenden ... 100
4.2 Aspekte der Datenerhebung und -verarbeitung ... 100
5 Zusammenfassung und Konsequenzen ... 102
6 Abbildungsverzeichnis ... 105
7 Literaturverzeichnis ... 106
8 Anhang ... 113 - 198
1 Einleitung
Angst zu haben ist ein Urzustand des Menschen und ist verankert in seinen Grundbefindlichkeiten wie Hunger und Durst. „Angst haben ist einfach menschlich“1 schreibt Brück (1980) und Klußmann (2002) sagt, „Angst gehört ebenso zum Leben wie Schmerz … Lebens- und Weltangst gehören zur Basis des Menschseins überhaupt.“2 Schon in der Bibel steht geschrieben (Joh.16, 33), „In der Welt habt ihr Angst“3.
In den letzten zwanzig Jahren sind vermehrt Spezialeinrichtungen zur Behandlung von Angststörungen entstanden. Selbsthilfegruppen für Betroffene schossen aus dem Boden. Angst ist eine der am häufigsten auftretenden Emotion auf der Welt, so verwundert es nicht, dass sie in unserer Gesellschaft weit verbreitet und vielfach untersucht worden ist. Vor allem in den letzten Jahren rückte das Thema Angst verstärkt in das Interesse der Öffentlichkeit. Oft wird mittlerweile auch von einer „Angstgesellschaft“ 4 gesprochen, in der soziale, politische aber auch existentielle Ängste zunehmen. Ausgehend davon ist das Phänomen der Angst egal in welchen Berufsgruppen ein brandaktuelles Thema.
Der Angstbegriff, der dieser Arbeit zu Grunde liegt, stützt sich auf die Angstdefinition von Hackford/ Schwenkmezger (1985):
„Angst ist eine kognitive, emotionale und körperliche Reaktion auf eine Gefahrensituation bzw. auf die Erwartung einer Gefahren- oder Bedrohungssituation. Als kognitive Merkmale sind subjektive Bewertungsprozesse und auf die eigene Person bezogene Gedanken anzuführen…. Emotionales Merkmal ist die als unangenehm erlebte Erregung, die sich auch in physiologischen Veränderungen manifestieren und mit Verhaltensänderungen einhergehen kann.“5
Verschiedene psychologische Richtungen (die Psychoanalyse von Freud (1895), die Lernpsychologie durch Mowrer (1939) und Miller (1948) und die kognitive Psychologie durch Epstein (1972) und Bandura(1979))6 haben sich bemüht, das Phänomen Angst näher zu bestimmen. Sie dienen als Grundlage für die nachfolgenden Ausführungen, werden jedoch an dieser Stelle nicht weiter diskutiert. Für die nachfolgenden Darstellungen ist es wichtig weitere theoretische Ausgangspunkte festzulegen. Angst wird in der Arbeit nicht als überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal (A-trait) untersucht, sondern als kurzfristiger emotionaler Zustand (A-state).7 Somit ist Angst auch von der Ängstlichkeit abzugrenzen, welche als eine eher überdauernde Eigenschaft des Menschen angesehen wird. Eng mit dem Thema Angst, sind unter anderem auch die Stressbewältigung und der Umgang mit Belastungen verbunden. Die Begriffe Stress und (Über-)Belastung werden deswegen an gegebener Stelle wiederzufinden sein (siehe dazu Rudow (1995), Dick (1999), Schaarschmidt (1999), Krause (2003)). Allgemeine Überlegungen zum Konstrukt der Angst soll die Arbeit nicht liefern, dafür gibt es in der psychologischen Literatur genügend Beiträge (vgl. Katzenstein/ Sitte (1989), Krohne (1975), (1976), (1985), (1996), Levitt (1987), Schwarzer (1987), Lazarus-Mainka/ Siebeneik (2000), Rachmann (2000), etc.).
Die vorliegende Arbeit setzt sich vordergründig mit den Ängsten von Referendaren8 auseinander. Dabei stützt sich die Arbeit im theoretischen Teil hauptsächlich auf Untersuchungen und Ergebnisse der Lehrerforschung und der empirische Teil wird vornehmlich von der Gruppe der Referendare bestimmt. Weiterhin soll die Arbeit einen Einblick in den bisherigen Forschungsstand geben und einen ergänzenden Beitrag zur Untersuchung von Ängsten bei Lehrern und Referendaren leisten.
Im ersten Kapitel der Arbeit erfolgt eine Einordnung des Themas in den aktuellen Forschungsstand. Dabei wird ein Überblick über die Richtungen aber auch die Defizite der bisherigen Untersuchungen und Beiträge zu diesem Thema geliefert. Im Zuge dessen werden verschiedene Arbeiten kurz vorgestellt und diskutiert. Anschließend werden die der Arbeit zugrunde liegenden Fragestellungen formuliert. Die konkreten Fragen sollen verdeutlichen, welches Ziel die Arbeit anstrebt und was im Einzelnen untersucht wird.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich im Speziellen mit der Lehrer- und Referendarsangst. Dabei soll zu Beginn auf die Bedingungen für die Entstehung der Lehrerangst, nachfolgend auf ihre Formen, sowie Ursachen, Auswirkungen und Bewältigungsmöglichkeiten eingegangen werden. Im Anschluss daran beschäftigt sich die Arbeit mit den diversen Rollenanforderungen und Rollenkonflikten im Lehrerberuf. Danach erfolgt eine Analyse der Anforderungsstrukturen des Lehrerberufs. Der zweite Teil dieses Kapitels setzt sich konkret mit den Ängsten von Referendaren auseinander, wobei hier das Phänomen des Praxisschocks herangezogen werden soll. Auch der Bereich der Lehrerausbildung wird im Zuge der Untersuchung der Referendarsangst diskutiert.
Im dritten Kapitel werden die empirische Untersuchung sowie die einzelnen Phasen der Untersuchungsprozedur vorgestellt. Hierbei wird näher auf das methodische Vorgehen, die Auswahl der Stichprobe und die Untersuchungsprozedur eingegangen. Außerdem werden Datenerhebungsinstrumente, Auswertungs- und Analysemethoden dargestellt und näher erklärt. Im Anschluss daran werden die gewonnenen Daten, sowie angefertigte Auswertung und Analyse des Datenmaterials präsentiert.
Das vierte Kapitel beinhaltet eine Methodendiskussion wobei auf Kriterien der Stichprobe und auf den Prozess der Datengewinnung eingegangen wird. Die kritische Auseinandersetzung mit der angewandten empirischen Methode und eine anschließende Reflexion sind Bestandteil dieses Kapitels.
Das fünfte Kapitel liefert abschließend eine Zusammenfassung der Arbeit und gibt einen Ausblick in mögliche fortzuführende Forschungen. Außerdem wird auf die Konsequenzen der Ergebnisse für die Referendare, sowie für die Lehrerausbildung eingegangen.
Im sechsten und siebten Kapitel befinden sich das Abbildungsverzeichnis und der Anhang. Letzterer wird auf Grund seines Umfangs in einem extra Band zusammengefasst. Dieser beinhaltet die Protokolle, den Interviewleitfaden, die Transkriptionen der Interviews, die Interviewprotokolle sowie Bestandteile der Datenverarbeitung.
Das achte Kapitel beinhaltet das Literaturverzeichnis, in dem alle verwendeten Quellen der Arbeit aufgelistet sind.
[...]
1 Brück 1980, S.15
2 Klußmann 2002, S.308
3 Christliche Internet Dienst GmbH: Online im Internet: URL: www.bibel-online.de 2002 cid [Stand 05.12.2005]
4 siehe dazu: Artikel im Kölner Stadt Anzeiger vom 28./29. Juni 2003: „Angstgesellschaft“. In diesem Artikel beschreibt Ismene Poulakos worin die Gründe für vermehrt aufkommende Ängste im neuen Jahrtausend liegen. Zum Beispiel in der allgegenwärtigen Gefahr vor Kriegen und Terroranschlägen, aber auch in der erhöhten Arbeitslosigkeit und der zunehmenden Perspektivlosigkeit der Zukunft. Sie betont, dass der Gesellschaft Kontinuität und soziale Sicherheit fehlen.
5 Hackford und Schwenkmezger 1985, S. 19, zitiert aus Sörensen 1993 S. 3
6 vgl. Krohne 1976, S.11
7 vgl. Sörensen 1993
8 Auf Geschlechtsspezifische Bezeichnungen wird in dieser Arbeit verzichtet.
Quote paper:
Annett Oswald, 2006, Ängste von Referendaren im schulischen Kontext, Munich, GRIN Publishing GmbH
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