und befreite sich nur mühsam von mittelalterlichen Überresten. Wesentliche Anregungen für die Entwicklung der europäischen Kunst gaben die niederländischen Maler J. van Eyck, Lucas van Leyden, P. Bruegel d. Ä. und andere, die den Menschen unter seinen alltäglichen Lebensbedingungen in den Mittelpunkt stellten. In Deutschland fiel die Blüte der Renaissance in der Zeit des Bauernkriegs, der Reformation und der Entfaltung des Humanismus. Das bedingte die enge Verbindung des Schaffens von A. Dürer, H. Holbein d.J., L. Cranach d. Ä., P. Vischer d. Ä. und T Riemenschneider mit dem politischen und ideologischen Kampf zu dieser Zeit.
1.1. Albrecht Dürer
Albrecht Dürer (ungarisch "ajto“ = " Tür“ ) wurde am 21.05.1471 in Nürnberg geborgen. Er war einer der bedeutendsten deutschen Maler, Zeichner, Holzschneider, Stecher und Kunsttheoretiker. Er kam als drittes Kind von insgesamt achtzehn Kindern zur Welt. Dürers Vater, Albrecht d.Ä., der wie s ein Vater Goldschmied war, verließ schon früh seine Heimat und läßt sich um 1444 in Nürnberg nachweisen. Durch ihn erhielt Dürer eine Ausbildung. Doch bevor die Goldschmiedelehre anfing, besuchte er 1477 die öffentliche Lateinschule in Nürnberg. Von 1486 bis 1489 war Dürer bei dem Maler und Holzschnitt - Zeichner Michael Wolgemut. Dort wurden verschiedenartige Aufträge in umfassender Zusammenarbeit ausgeführt, zum Beispiel gemalte Tafeln für Flügelaltäre, Stifter- und Devotionsbildnisse, Entwürfe und Glasmalereien und Kunstgewerbe sowie auch Buchillustrationen in Holzschnitt. Ab 1490 beginnen seine Wanderschaften. Er wanderte nach Basel, wo er als Holzschnittzeichner tätig war. In Colmar arbeitete er in einer Werkstatt des berühmten Malers und Kupferstechers Martin Schongauer. Im gleichen Jahr entstand auch sein Gemälde ‚Dürers Vater‘. Am 18. Mai 1494 kehrte er nun endlich nach Nürnberg zurück, wo er am 07.07. Agnes Frey, die Tochter eines wohlhabenden Bürgers, heiratete. Noch im gleichen Jahr brach er zu seiner ersten Italienreise auf. Ein Jahr später gründete er eine Holzschneide – Werkstatt in Nürnberg. Die Holzschnittfolge „Apocalypse“ entstand im Jahr 1496-1498, die Dürer sofort berühmt machte. Als sein Vater 1502 starb, nahm er seine Mutter und sein Bruder Hans bei sich auf. 1503 beschäftigte sich Dürer dann ausschließlich mit religiöse Themen,
besonders mit Marien – Motive. Außerdem setzte er sich mit der Proportionslehre und mit dem Studium der italienischen Perspektivkunst auseinander. Um 1503/04 beginnt er mit der Holzschnitt – Serie zum Marienleben. 1504 erstellte Dürer den Kupferstich "Adam und Eva",
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der ein erstes Ergebnis seiner Beschäftigung mit der Proportionslehre war. Da die Pest ausgebrochen war, brach Dürer im Spätsommer 1505 nach Venedig auf. Dort machte er sich mit der Kunst von Leonardos und Raffaels bekannt. Als er 1507 wieder nach Nürnberg zurückkehrte, entstanden viele berühmte Landschaftsaquarelle. Im folgenden Jahr arbeitete an einem Altar für den Frankfurter Kaufmann Jakob Heller. Ab 1509 war Dürer Ratsherr in Nürnberg und erwarb ein stattliches Haus, das heute das Dürer – Museum ist. 1511 veröffentlicht er, als eigener Verleger und mit dem ersten kaiserlichen Privileg ausgestattet, die "Große Passion“, "Marienleben“ und die erneuerte Ausgabe der "Apokalypse“. Im Jahre 1512 lernt Dürer Kaiser Maximilian I., der sich vom 3.-15. Februar in Nürnberg aufhielt, kennen. Für die folgenden 3 Jahre war er im wesentlichen für Maximilian tätig (u.a. "die Ehrenpforte“). Kurz vor dem Tod (am 16. Mai 1514) seiner Mutter zeichnet er ein Porträt von ihr. 1518 nimmt Dürer als Vertreter Nürnbergs am Reichstag zu Augsburg teil, wo er neben den Mächtigsten auch den reichsten Mann seiner Zeit, den Kaufmann Jakob Fugger, portraitiert. Um 1519 beginnt er s eine Reise in die Schweiz mit Willibald Pirckheimer. Ein Jahr später bricht er im Juli mit seiner Frau Agnes zu einer Reise in die Niederlande auf. Über Antwerpen und Brüssel reist er dem jungen Kaiser Karl V. bis Köln nach. Danach verbringt Dürer mit seine Frau das Frühjahr in den Antwerpen. Dort studiert er die Kunst der Niederländer. In seinem Tagebuch vermerkt er die Entstehung von 12 Gemälden. Kurz darauf erkrankt er an Malaria, die ihn für den Rest seines Lebens beeinträchtigen wird. Im August kehrt e r nach Nürnberg zurück. Als Maler schuf Dürer Andachtsbilder und Altäre, so den Dresdner Altar (um 1496, heute in der Dresdener Gemäldegalerie), den Paumgartner-Altar (zwischen 1498/1504, heute in München in der Alten Pinakothek), die "Anbetung der Könige" (1504, heute in Florenz in den Uffizien), das "Rosenkranzfest" (1506, heute in Prag in der Nationalgalerie). Seine Werke bezeichnen den Höhepunkt der Spätgotik und den Übergang zur Renaissance, vor allem seine Selbstbildnisse drücken das
Persönlichkeitsbewußtsein der Renaissance aus. Er war wohl der erste deutsche Künstler, der sich selbst malte. Während und nach seiner zweiten Venedigreise 1505 bis 1507 entstanden Portraits und Akte aus seiner Beschäftigung mit den Proportionen des Menschen und dem Ringen um Vollkommenheit. Ähnliches gilt für seine Detailarbeit in der Darstellung von Landschaften, Pflanzen und Tieren. Das wohl wichtigste Thema bleibt für ihn die Darstellung der Passion Christi. Schon zu Lebzeiten drang sein Ruf weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Aus seiner Spätzeit stammen freie Entwürfe, so einer Kreuzigung und eines Holzschnitts des Abendmahls von 1523. Sein letztes großes Werk, die "Vier Apostel" (heute in München in der Alten Pinakothek) vermachte er 1526 seiner Vaterstadt; es s ollte den
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weltlichen Regenten Mahnung und Halt in den wirren Zeiten sein. 1528 am 6. April starb Albrecht Dürer. Er wird auf dem Johannisfriedhof in Nürnberg begraben. Von seinem Freund Willibald Pirckheimer stammt die einfache Inschrift auf dem Grabstein: "Was an Dürer sterblich war, birgt dieser Hügel. Er ging dahin am 6. April 1528“. Kurz nach seinem Tode erscheinen seine "Vier Bücher von menschlicher Proportion“. Die Kunst Albrecht Dürers markiert den Höhepunkt der Malerei am Ausgang des Mittelalters. D ie Meisterschaft von akkurater Zeichnung und sinnenfroher Farbgebung fasziniert bis heute.
2. Reisen
2.1. Erste Italienreise
Nach seiner Heirat mit Agnes Frey (1494) brach Dürer zu seiner ersten Italienreise auf. In Venedig setzte er sich intensiv mit der Kunst des Quattrocento auseinander, welche er bereits zuvor durch die von ihm kopierten Kupferstiche Andrea Mantegnas kennen gelernt hatte. Aus dieser Zeit stammen einige herausragende Landschaftsaquarelle, so z. B. eine Ansicht der Burg von Trient (National Gallery, London). 1495 kehrte Dürer nach Nürnberg zurück, wo er bis 1505 blieb. Die während dieser Zeit entstandenen Werke wie die Holzschnittserie Apokalypse (1498), die Kupferstiche Der verlorene Sohn (1498), Das große Glück (um 1500) und Adam und Eva (1504) stellen einen ersten Höhepunkt in seinem Schaffen dar. Vor allem das letztgenannte Werk spiegelt seine intensive Auseinandersetzung mit den von den Renaissancekünstlern entwickelten Gesetzen der Perspektive und der Proportionslehre, die die Darstellung des idealen Menschen zum normativen Postulat erhebt. Sein christusähnliches Selbstporträt von 1500 (Alte Pinakothek, München) beleuchtet den selbstbewussten Anspruch des Künstlers, anders als im Mittelalter nicht mehr als reiner Handwerker, sondern als innovativer Schöpfer zu wirken. Weitere bedeutende Werke, die nach seiner ersten Italienreise entstanden, waren der Wittenberger Altar (um 1495, Gemäldegalerie, Dresden) und der Paumgartneraltar mit der Geburt Christi und den Stiftern als heiliger Georg und als heiliger Eustachius (um 1504, Alte Pinakothek, München).
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2.2. Zweite Italienreise
Zwischen 1505 und 1507 reiste Dürer zum zweiten Mal nach Italien, wo er u. a. mit Giovanni Bellini zusammentraf. In Venedig erhielt er von deutschen Kaufleuten den Auftrag für das Altarbild Rosenkranzfest (1506, heute Nationalgalerie, Prag), das sein Bemühen demonstriert, sich mit dem reichen Kolorit der Venezianer zu messen. Zurück in Nürnberg kaufte Dürer 1509 ein repräsentatives Haus am Tiergärtnertor und wurde in den Großen Rat der Stadt aufgenommen. In dieser Zeit schuf er den Altar für die Frankfurter Dominikanerkirche (1508-1509, 1729 verbrannt) sowie den Allerheiligenaltar (1508-1511, Kunsthistorisches Museum, Wien). Darüber hinaus entstanden die 37 Blätter der Kleinen Holzschnittpassion (1509-1511) und die Randzeichnungen zum Gebetbuch Kaiser Maximilians I., für den Dürer seit 1512 tätig war. Bei diesem Werk, das zu den größten Kostbarkeiten der deutschen Buchillustration zählt, arbeitete er mit den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit zusammen, wie Lucas Cranach dem Älteren, Albrecht Altdorfer und Hans Baldung (1513-1515, Bayerische Staatsbibliothek, München). Einen weiteren Höhepunkt seiner formalen Meisterschaft markieren die Kupferstiche Ritter, Tod und Teufel (1513), Der heilige Hieronymus im Gehäus (1514) und Melencolia I (1514), mit denen es Dürer gelang, die Graphik erstmals als eigenständige Gattung neben der Malerei zu etablieren und sie von ihrer Funktion als Vorzeichnung für komplexere Gemälde zu befreien. 1514 schuf Dürer auch die ungeschönt realistische Kohlestudie seiner greisen Mutter.
2.3. Niederlandsreise
Nach dem Tod Maximilians 1519 versuchte Dürer, auch dessen Nachfolger Karl V. als Mäzen zu gewinnen. Deshalb reiste er 1520 zuerst nach Aachen und von dort aus weiter in die Niederlande. Ein faszinierendes Dokument jener Zeit ist sein Tagebuch, in dem er u. a. über seine erfolgreichen Audienzen bei Karl V. und über das Zusammentreffen mit Antwerpener Künstlern berichtet. Auf Dürers künstlerische Entwicklung hatte der Aufenthalt in den Niederlanden zwar nur geringe Auswirkungen, trug jedoch zur Verbreitung seines eigenen Werkes bei. Auf seiner Reise zog sich Dürer eine fieberhafte Erkrankung zu, von der er sich nicht mehr gänzlich erholte. 1521 kehrte er nach Nürnberg zurück, wo er am 6. April 1528 starb. Das Hauptwerk seiner letzten Schaffensperiode sind die beiden Bildtafeln mit den überlebensgroßen Darstellungen der Vier Apostel (1526, Alte Pinakothek, München), die er
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Christiane Felgenträger, 2002, Albrecht Dürer, Munich, GRIN Publishing GmbH
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