Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
HS: Journalismus als Beruf
Sommersemester 2005
Das Image des Journalisten
von: Stefan Fößel
Inhaltsverzeichnis
1. Thematische Einführung S. 3
2. Wesen und Sinn des Images S. 4
2.1. Image – eine Begriffs(er)klärung S. 4
2.2. Cui bono? – Image-Funktionen S. 5
2.3. Image-Analysen: wichtig, aber nicht immer richtig S. 5
3. Das Bild des Journalisten beim Publikum S. 7
3.1. Viel Luft nach oben – Journalisten in der Berufshierarchie S. 7
3.2. Hoffnungslos unehrlich? – weitere Studien des IfD Allensbach S. 8
3.3. Vertrauen auf Verdacht – der GfK-Vertrauensindex S. 8
3.4. Der österreichische Journalist – das bekanntere Wesen S. 9
4. Wie hältst du´s mit den Journalisten? Eine Befragung S. 11
4.1. Journalisten zwischen Gut und Böse S. 11
4.2. Eigenschaften des Journalisten: Ehrgeiz unbestritten S. 12
4.3. Der „typische“ Journalist S. 13
4.4. Beliebt: journalistische Informationsvermittlung S. 13
4.5. Objektivität nur zögerlich zugestanden S. 14
4.6. Bekenntnis zum Begabungsberuf S. 14
4.7. Probleme einer einheitlichen Imagebildung S. 15
5. Ein notwendig schlechtes Image? Ursachenforschung S. 15
6. Fazit: Wege aus dem Image-Tief S. 17
7. Quellen S. 18
8. Anhang: Ergebnisse der Befragung zum Journalisten-Image S. 19
1. Thematische Einführung
„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt´s sich fortan ungeniert.“ Wilhelm Busch hatte leicht reden. Wenn dem so wäre, könnten die Journalisten in der Tat ein ungeniertes Dasein fristen. Längst in die Ecke des aufdringlichen und sensationslustigen Reporters gedrängt, strebt der Durchschnittsjournalist eher nach guten Geschichten denn danach, von allen geliebt zu werden. Auch in Film und Literatur ist der Journalist seltener der Held als eine Landplage, die Kamera schwenkend Polizeiarbeit behindert oder überlebenden Katastrophenopfern dümmliche Fragen stellt.
Scharfe Journalistenkritik ist kein neuer Hut, bereits im 17. Jahrhundert bezeichnete Johann Michael Moscherosch die ersten Nachrichtenhändler als „Ohrenbläser, Fuchsschwänzer und Lumpen, die den ekelhaften Höllenplatz verdient hätten“1. Solche negativen Meinungen haben sich über die Jahrhunderte gehalten, kaum ein Politiker übt sich in Zurückhaltung gegenüber der schreibenden und filmenden Zukunft. Jeder Staatsmann fand früher oder später harte Worte für die Medienschaffenden. Fühlte sich Helmut Schmidt noch von „Wegelagerern“ umgeben, ordnete Joschka Fischer die Journalisten bereits der billigsten Sparte des horizontalen Gewerbes zu. Ausgehend von dieser scharfen Polemik weniger stellt sich die Frage, ob das Bild des Journalisten auch in der breiten Bevölkerung derart negativ gezeichnet wird.
Die vorliegende Arbeit widmet sich ausführlich dem Image der Journalisten und versucht, die Ergebnisse bisheriger Studien zusammenzufassen. Zu Beginn soll der allgemeine Image- Begriff beleuchtet werden, ehe anhand der Allensbacher Prestigeskala ein Vergleich gezogen wird zwischen dem Journalistenberuf und anderen Berufsgruppen. Weit detaillierter als in Deutschland wurde das Journalistenimage in Österreich untersucht, daher finden auch die Ergebnisse der österreichischen Studien Eingang in die Seminararbeit. Auf Basis der Untersuchungen von Maximilian Gottschlich und Fritz und Matthias Karmasin wurde auch für diese Arbeit eine kleine Befragung durchgeführt, deren Ergebnisse ebenfalls vorgestellt werden sollen. Angesichts von nur 70 Befragten kann diese Untersuchung sicher kaum Anspruch auf Repräsentativität erheben, wohl aber ein gewisses Stimmungsbild aufzeigen und Ansatzpunkte für weiter reichende Studien liefern. Zum Abschluss der Seminararbeit soll untersucht werden, wie das negative Image der Journalisten zustande kommt, ob es nicht sogar schlecht sein muss, und wie es sich vielleicht doch verbessern ließe.
2. Wesen und Sinn des Images
2.1. Image – eine Begriffs(er)klärung
Der Ursprung des Begriffs „Image“ liegt im lateinischen „imago“, worunter ein „im Unterbewusstsein existierendes Bild einer anderen Person, das Handlungen und Lebenseinstellung bestimmen kann“2 verstanden wird. Im Englischen und im Französischen ist der Image-Begriff ganz ähnlich belegt, bezeichnet eine „Vorstellung (oder ein) Bild, das ein Einzelner oder eine Gruppe von einer Einzelperson oder einer anderen Gruppe hat, (ein) Persönlichkeits-, Charakterbild“3. Allein die Übersetzung liefert so bereits verschiedene Aspekte des Image-Begriffs. Hans Ludwig Zankl formuliert es so: „Beim Image handelt es sich nicht um das jeweils angesprochene Objekt selbst, sondern um das Bild, welches sich Menschen davon machen.“4 Er weist zudem darauf hin, dass Images umfassendere Komplexe sind, die verschiedene Stereotypen in sich vereinen.5 Für Zankl stellen Images etwas relativ Abstraktes dar: „Wir haben auf der einen Seite eine Welt, die exakt bestimmt, beschrieben, abgebildet, gemessen und gezählt werden kann, und auf der anderen jene so überaus schwer fassbare ‚erlebte Welt’, die weitgehend mit dem Begriff Image zusammenfällt.“6 Somit wird Image für Zankl zu „psychologische(r) Wirklichkeit“7. Spiegeln Images eine falsche Vorstellung wider, werden sie als „verfälschte Wirklichkeit“ wahrgenommen. Wilhelm Bernsdorf bezeichnet das Image als „dynamisch verstandene, bedeutungsgeladene, mehr oder weniger strukturierte Ganzheit der Wahrnehmungen, Vorstellungen, Ideen und Gefühle, die eine Person – oder eine Mehrzahl von Personen – von irgendeiner Gegebenheit besitzt, das subjektiv gewertete, d.h. psychisch, sozial und kulturell verarbeitete Bild der Wirklichkeit“8. Doch sind Images nicht nur Realität für sich, in der Soziologie wird ihnen auch eine Reihe bestimmter Funktionen zugeordnet.
2.2. Cui bono? – Image-Funktionen
Welch entscheidende Einflüsse ein bestimmtes Image haben kann, stellen Maximilian Gottschlich und Fritz Karmasin fest: „Wo es gilt, kommunikative Strategien zur Durchsetzung eigener Ziele zu entwickeln, stellt erworbenes bzw. zugesprochenes Image die Weichen für öffentlich besiegelte Akzeptanz und damit für soziale Relevanz.“9 Was das Image von Kommunikatoren angeht, wird ihm „Einfluss auf das Empfangsverhalten des Publikums und auf die Vorstellungsbilder der Personen, die sich über Medien vermitteln“10 zugesprochen.
Für Karl-Heinz Hillmann hat das Image drei Funktionen: Zunächst hilft es mit seiner Orientierungsfunktion bei der Einordnung von komplexen Sachverhalten in ein bereits vorhandenes, durch soziale Erfahrungen geprägtes System von Wahrnehmungsgehalten und Bezugsgruppen. Weiter hat es durch die pauschalisierende, stereotypisierende Ideologisierungstendenz eine Entlastungsfunktion und schließlich erfüllt das Image eine Zuordnungsfunktion, gilt als Maßstab für alternative Konformitäts- oder Abweichungsentscheidungen in der Abgrenzung von Eigengruppe und Fremdgruppe.11 Hans Ludwig Zankl stellt fest, dass durch Image-Forschung häufig Bekanntes bestätigt wird.12 Das sei jedoch nichts Beklagenswertes, denn auch das als selbstverständlich Empfundene müsse gelegentlich überprüft werden. Gerade weil Images bestimmte Funktionen erfüllen, sollten sie nach Möglichkeit nahe bei der Realität liegen. Entsprechend vorsichtig muss bei Imageanalysen vorgegangen werden.
2.3.Image-Analysen: wichtig, aber nicht immer richtig
[...]
1 Roloff, Eckart Klaus: Vom Aasgeier bis Zeilenschinder. Journalisten: Ein Beruf zwischen Schimpf und Schande. In: Rheinischer Merkur, Jg. 54, 1999, Nr. 7, S. 33.
2 Drosdowski, Günther/Müller, Wolfgang/Scholze-Stubenrecht, Werner/Wermke, Matthias: Duden. Fremdwörterbuch. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1990, S. 334.
3 Ebd.
4 Zankl, Hans Ludwig: Image und Wirklichkeit. Osnabrück 1971.
5 Vgl. ebd., S. 9.
6 Ebd., S. 10.
7 Ebd., S. 41.
8 Bernsdorf, Wilhelm: Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 1969, S. 444.
9 Gottschlich, Maximilian/Karmasin, Fritz: Beruf: Journalist. Eine Imageanalyse – Bevölkerung, Politiker, Journalisten urteilen. Wien 1979, S. 1.
10 Ebd. S. 9.
11 Vgl. Hillmann, Karl-Heinz: Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 1994, S. 355f.
12 Vgl. Zankl 1971, a. a. O., S. 22.
Arbeit zitieren:
Stefan Fößel, 2005, Das Image des Journalisten, München, GRIN Verlag GmbH
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