Inhalt
I. Einleitung 3
II. Darstellbar oder nicht? 5
III. Warum Tagebücher? 9
IV.a. Die Tagebücher Missie Vassiltchikovs und Ursula von Kardorffs 15
IV.b. Tagebücher als Selbsttherapie 19
IV.c. Schuld und Verantwortung 22
V. Schluss 32
VI. Literatur 34
2
I. Einleitung
Noch nicht lange hat das Thema Bombenkrieg gegen deutsche Städte in den Medien Konjunktur. 1995, als sich das Kriegsende zum 50. Mal jährte, wurden (wie Klaus Neumann dargestellt hat 1 ) die Erlebnisse der deutschen Stadtbevölkerung noch eher zaghaft und unsicher diskutiert. Noch 50 Jahre nach den Ereignissen gab es keinen Konsens des Gedenkens, kein gefestigtes Geschichtsbild. Es wurde schnell deutlich, dass die Zeit, in der der Krieg aus den fernen Ländern in die Heimat kam, keinen festen Platz im kulturellen Gedächtnis der Deutschen hatte. Und so war diese erstmalige Diskussion des Luftkriegs gegen deutsche Zivilisten ein Wagnis. Denn die Bahnen, in denen sie verlaufen würde und die Erinnerungen, die zutage treten würden, waren weitgehend unbekannt. Vielleicht aus der Erkenntnis, nicht mehr lange diese Möglichkeit zu haben, wurden in diesen Wochen viele Zeitzeugen angehört und lebendige Erinnerungen festgehalten. Für viele der Betroffenen war dies eine ungeahnte Aufwertung und erstmalige gesellschaftliche Anerkennung ihrer Erinnerungen, denn zum ersten mal seit Bestehen der Bundesrepublik (in der DDR war an eine ehrliche Debatte über dieses Thema gar nicht zu denken) wurde plötzlich über den Luftkrieg - und auch über mögliche Gründe für das lange Schweigen darüber - gesprochen. 2
Die Präsenz des Themas in den Medien mag ein Anlass für den Schriftsteller und Literaturwissenschaftler W.G. Sebald gewesen sein, eine von ihm schon 1982 zum ersten mal geäußerte 3 und damals kaum wahrgenommene These wieder aufzugreifen und 1997 in einer dreiteiligen Zürcher Universitätsvorlesung weiterzuentwickeln: Die These vom Versagen der gesamten deutschen Literatur vor dem Luftkrieg gegen deutsche Städte. Die Bombennächte und -tage seien, geradezu von einem Tabu belegt, in der deutschsprachigen Literatur nie angemessen zur Sprache gekommen, so Sebald.
Nun - in den Jahren nach 1997 - schien die Zeit für eine breite Diskussion dieser These endlich gekommen. Zunächst fand sie im deutschsprachigen Feuilleton und nach Veröffentlichung der Vorlesung als Essay im Jahre 1999 4 auch in einigen wissenschaftlichen Untersuchungen statt.
1 Neumann, Klaus, Der Krieg als Text. Das Jahr 1945 im kulturellen Gedächtnis der Presse, Hamburg 1998, S.
33-72
2 Ebda.
3 Sebald, W.G.,
4 Sebald, W.G., Luftkrieg und Literatur, München 1999 (zitiert nach der Ausgabe Frankfurt am Main 2001)
3
Weitgehend missachtet oder gar ignoriert wurde in der Diskussion um die Fragen, welche literarischen Zeugnisse des Luftkriegs es gibt und wie Literatur überhaupt reagieren kann auf solch ein kollektives Trauma, das eigentlich Naheliegendste: die dokumentarische und insbesondere die Tagebuchliteratur derer, die dabei waren.
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II. Darstellbar oder nicht?
Allen voran nahm sich der Spiegel-Redakteur Volker Hage dem Thema an und wies 2003 in einer detaillierten Fleißarbeit nach, dass es sehr wohl literarische Zeugen der Zerstörung - und deren Zeugnisse - gibt. 5 Schon vor dieser Veröffentlichung hatte Hage insbesondere auf den bis dahin in Vergessenheit geratenen Autor Gert Ledig und dessen zweiten Roman Vergeltung 6 aus dem Jahre 1956 aufmerksam gemacht. Immerhin fand Ledigs Werk daraufhin in der Buchfassung der Sebaldschen Vorlesungen Erwähnung - wenn auch keine besonders freundliche: Zwar bescheinigt Sebald manchem an diesem Buch „erstaunliche Präzision“, anderes aber findet er „unbeholfen und überdreht“ 7 . Im Folgenden stilisiert er Ledig zu „einer Art maverick“, der bewusst darauf aus gewesen sei, „Abscheu und Ekel“ zu erzeugen 8 . Als eindrucksvolle Studie eines Augenzeugen aus dem Innern einer deutschen Großstadt, der Ledig seit seiner Kriegsverletzung war, lässt Sebald Ledigs Vergeltung nicht gelten. Aber immerhin verhalf diese Diskussion dem Roman 1999 zu einer Neuauflage.
Viele weitere Hinweise - nicht nur jene von Hage - wurden von Sebald unter dem Hinweis mangelnder literarischer Qualität oder Bedeutung nicht weiter beachtet oder schon in seiner Vorlesung rasch beiseite gewischt. Die Radikalität und Absolutheit der Sebaldschen Ablehnung von allen literarische Werken, die das Thema Luftkrieg berühren, war so groß, dass nicht nur Volker Hage vermutete, dass Sebald das „was er angeblich suchte, eigentlich gar nicht finden wollte, schon weil es im Grunde gar nicht existieren konnte“ 9 . Auch Andreas Huyssen vermutet ein persönliches Anliegen Sebalds und attestiert ihm „transgenerational traumatization“ 10 - ohne Nationalsozialismus und Krieg selbst erlebt zu haben, leide er also an einem Kriegstrauma. Und zwar vielleicht gerade weil er, als 1944 geborener der ersten Nachkriegsgeneration angehörig, keine eigene Erinnerung an den Luftkrieg hat. Die vehementen Attacken auf die Autoren der Zeitzeugen-Generation seien, so Huyssen, eine Kompensation dafür, keinen anderen Zugang zu dem Thema zu haben, als ihre
5 Hage, Volker, Zeugen der Zerstörung. Die Literaten und der Luftkrieg, Frankfurt am Main 2003
6 Ledig, Gert, Vergeltung, Frankfurt am Main 1999
7 Sebald, Luftkrieg und Literatur, S. 101
8 Ebda. S. 101f.
9 Hage, S. 124
10 Huyssen, Andreas, On Rewritings and new Beginnings. W.G. Sebald and the Literature about the Luftkrieg, S.
83, in: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik, Jahrgang 31, Heft 124, S. 72-90
5
Texte mit ihren eigenen Herangehensweisen. 11 Und tatsächlich muten Sebalds Erzählungen von seinen Spaziergängen über die stillgelegten airfields in seiner englischen Heimat so etwas wie eine merkwürdige Trauer darüber an, dass sich ein solches Ereignis wie der Luftkrieg - eine „in der Geschichte bis dahin einzigartige Vernichtungsaktion“ 12 - niemals durch Literatur nachempfinden lässt. Es ist in den letzten Jahren deutlich geworden, dass man mit dem quantitativen Argument gegen Sebald recht gut gewappnet gewesen wäre - es gibt zahlreiche literarische Werke, die den Luftkrieg zum Thema haben oder in denen er zumindest erwähnt wird. Das Bezeichnende dabei ist, dass wohl kaum jemandem diese Werke auf Anhieb geläufig waren. Vergessene Texte mussten erst in teilweise mühevoller Recherche-Arbeit zu Tage gefördert werden. Vielleicht rührte daher die spontane Zustimmung zu Sebalds Thesen in den Monaten nach ihrem Bekanntwerden. Das Problem scheint also weniger die Existenz solcher Texte zu sein, als ihre mangelnde Bekanntheit. Und dies ist der zweite Teil der sebaldschen Argumentation: der Luftkrieg sei in der Literatur tabuisiert und als eine Art tabuisiertes „Familiengeheimnis“ behandelt worden 13 .
Über die Gründe für diese bislang mangelhafte Rezeption von Luftkriegs-Texten kann viel spekuliert werden: Saß die Nazi-Propaganda, die die wahren Ausmaße des Bombenkriegs gegen deutsche Städte bis zum Schluss leugnete, so tief, dass es in der Bevölkerung auch nach 1945 keine verbindliche Auffassung des Luftkriegs als Teil des Krieges gab? 14 Liegt es an der von Margarete und Alexander Mitscherlich diagnostizierten deutschen „Unfähigkeit zu Trauern“, daran, dass die Deutschen sich sofort nach der Niederlage und Kapitulation von der Vergangenheit abwenden und dem Wiederaufbau und dem Erwirtschaften von Wohlstand widmen wollten 15 ? Lag es an dem patriarchalisch geprägten kulturellen Gedächtnis, das den Daheimgebliebenen - in aller Regel also den Frauen, Kindern und Alten - eine echte
11 Huyssens, On Rewritings and New Beginnings, S. 84
12 Sebald, Luftkrieg und Literatur, S. 11
13 Ebda., S. 17
14 Heukenkamp, Ursula, Gestörte Erinnerung. Erzählungen vom Luftkrieg, S. 473, in: Heukenkamp, Ursula
(Hrsg.), Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik, Band 50: Schuld und Sühne. Kriegserlebnis und
Kriegsdeutung in deutschen Medien der Nachkriegszeit, Amsterdam 2001, S. 469-492 Daraus sei
Fassungslosigkeit und Ablehnung der eigenen Erinnerung erwachsen.
15 „Werktätigkeit und ihr Erfolg verdeckten bald die offenen Wunden, die aus der Vergangenheit geblieben
waren. Wo aufgebaut und ausgebaut wurde, geschah es fast buchstäblich auf den Fundamenten, aber kaum noch
in einem durchdachten Zusammenhang mit der Tradition. (…) Auch die Millionenverluste des vergangenen
Krieges, auch die Millionen getöteter Juden können nicht daran hindern, dass man es satt hat, sich an die
Vergangenheit erinnern zu lassen.“ Aus: Mitscherlich, Alexander und Margarete, Die Unfähigkeit zu Trauern,
München 1968
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Kriegserfahrung, vergleichbar mit den Fronterlebnissen des soldatischen Mannes, absprach
16
?
Unterstützend für diese These liest sich der Werdegang Gert Ledigs. Als er 1955 den Roman Die Stalinorgel über seine Kriegserlebnisse an der Ostfront veröffentlichte, war sein Erfolg bei Lesern wie Kritikern, national wie international groß. Befeuert von diesem Zuspruch, legte Ledig nur ein Jahr später Vergeltung nach, eine brutal verdichtete Schilderung eines einzigen, 70-minütigen Luftangriffs auf eine namenlose deutsche Großstadt. Die Resonanz auf dieses Buch wiederum war so vernichtend, dass Ledig - wiederum nur ein Jahr später - gerade noch mit Faustrecht, einem Roman über die unmittelbare Nachkriegszeit, seine Trilogie beenden konnte, bevor er dem Schriftstellerberuf für immer den Rücken kehrte. Eine gewichtige Rolle beim Verdrängen der Luftkriegs-Literatur spielte darüber hinaus die Tatsache, dass das Sprechen über den Luftkrieg unausweichlich an den Diskurs gebunden schien, der die Deutschen zu Opfern stilisiert. Damit schien die Gefahr groß, der Relativierung oder gar Leugnung des Holocausts nahe zu kommen. Noch heute hat dieses Argument nicht seine gesamte Überzeugungskraft eingebüßt. Klaus Harpprecht antwortete auf Sebald mit der mittlerweile weithin bekannten Sentenz: „Das Schweigen verbarg vielleicht eine Scham, die kostbarer ist als alle Literatur.“ 17 (Und zuverlässig gibt es Protestveranstaltungen von linksgerichteten Gruppen gegen das Gedenken an die Zerstörung deutscher Städte - so z.B. am 60. Jahrestag der Bombardierung Dresdens) Dass diese politisch-moralische Begründung als Erklärung nicht nur zutrifft, sondern auch die größte Rolle bei der konsequenten Nicht-Beachtung der Luftkriegs-Literatur spielt, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass der Bombenkrieg gegen deutsche Städte nicht nur in seiner literarischen Verarbeitung weitgehend unbekannt ist, sondern bis vor wenigen Jahren auch als historisches Ereignis kaum Beachtung fand. So musste bis zum Jahre 2002, als Jörg Friedrichs Der Brand erschien, auf eine umfassende historische Untersuchung des Bombenkriegs gewartet werden.
Es bleibt die - natürlich hypothetische - Frage, ob ein wirklich überzeugendes Stück Literatur (weniger radikal und verstörend als Gert Ledigs Vergeltung, erzählerischer als Hans Erich Nossacks Der Untergang 18 und sprachkräftiger und in größerer
16 vgl. Heukenkamp, Ursula, Gestörte Erinnerung, S. 491
17 Harpprecht, Klaus, Stille, schicksalslose. Warum die Nachkriegsliteratur von vielem geschwiegen hat, in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20. Januar 1998
18 Nossack, Hans Erich, Der Untergang, Hamburg 1948
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Verdichtung als Dieter Fortes Romantrilogie Das Haus auf meinen Schultern 19 ) es nicht trotz all dieser Hindernisse geschafft hätte, zu einer allseits anerkannten Chiffre für den Bombenkrieg zu werden. (So wie Das Tagebuch der Anne Frank als populäres literarisches Zeugnis der Judenverfolgung gilt.) Volker Hage weist darauf hin, dass es in Japan, dem einzigen Land mit einer einigermaßen vergleichbaren Bombenkriegs-Erfahrung wie Deutschland, sehr wohl einen solchen Text gibt 20 : Akiyuki Nosakas Erzählung Das Grab der Leuchtkäfer 21 . Aber natürlich besteht der gewaltige Unterschied, dass Japan, wenn auch mit eigenen Kriegsverbrechen, so doch nicht mit so etwas wie dem deutschen Holocaust umzugehen hat. Außerdem wurde der Abwurf der Atombomben auf japanische Städte schon früh von vielen verurteilt und die japanische Zivilbevölkerung als Opfer einer schrecklichen militärischen Verfehlung gesehen.
Man muss Sebald aber wohl in der Feststellung folgen, dass sich in der mittlerweile großen, von Hage und anderen Kritikern Sebalds zusammengetragenen Materialsammlung nur sehr wenige wirklich überzeugende und ästhetisch geglückte Werke finden. Es sei dabei wieder verwiesen auf die bereits erwähnten Ledig, Nossack oder vielleicht Forte, denen es - auf vollkommen unterschiedliche Weisegeglückt ist, eine dem Horror der Luftangriffe angemessene und vor allem unpathetische Sprache zu finden. Als Negativbeispiele seien hier der bereits von Sebald erwähnte Peter de Mendelssohn mit Die Kathedrale 22 oder Hermann Kasacks Roman Die Stadt hinter dem Strom 23 genannt. Beide Werke wirken aus heutiger Perspektive geradezu peinlich in dem Versuch, den Leiden der Bevölkerung einen Sinn zu geben und sie pathetisch zu erhöhen. Haben sich also die wirklich „großen“ Autoren von vornherein von dem Thema ferngehalten - in dem Wissen, an dem Thema scheitern zu müssen? Auffällig ist jedenfalls, dass in den Werken nicht weniger der deutschen Autoren, die heute als „groß“ gelten, das Thema überhaupt nicht oder nur am Rande vorkommt. (Ausnahmen sind Günther Grass und Heinrich Böll, dessen Roman Der Engel schwieg allerdings erst 1992, fast 50 Jahre nach seiner Entstehung erschien.)
19 Forte, Dieter, Das Haus auf meinen Schultern, Frankfurt am Main 1999
20 Hage, Volker, Zeugen der Zerstörung, S. 114
21 Nosaka, Akiyuki, Das Grab der Leuchtkäfer, Reinbek 1990
22 De Mendelssohn, Peter, Die Kathedrale. Eine Sommernachtsmahr, Hamburg 1983
23 Kasack, Hermann, Die Stadt hinter dem Strom, Frankfurt 1996
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So kommt man zu der Frage, ob es vielleicht Themen gibt, die Autoren meiden sollten - nicht weil sie politisch oder kommerziell unerwünscht wären, sondern weil ihnen mit der Literatur ganz einfach nicht beizukommen ist. Das ist sicher eine Frage, die Autoren und der Mehrheit der Literaturwissenschaftler widernatürlich scheint. Der Kritiker Marcel Reich-Ranicki antwortet darauf: „Die Literatur ist allen Themen gewachsen, nur viele Schriftsteller sind manchem Thema nicht gewachsen. Aber wenn viele dem nicht gewachsen sind, kann ja immer noch einer kommen, der dem dann doch gewachsen ist. Ich glaube nicht, dass irgend etwas geschehen ist, was nicht literarisch dargestellt werden könnte.“ 24 Aber auch Reich-Ranicki nennt über Gert Ledig hinaus keinen weiteren Autor, der dem Thema gewachsen gewesen wäre. Man braucht gar nicht die moralische und kulturapokalyptische Ebene des berühmten Ausspruch Adornos, demzufolge es „barbarisch“ sei, nach Auschwitz Lyrik zu verfassen. Vielleicht verträgt ein Erlebnis wie das Durchleben eines Feuersturms in einer bombardierten deutschen Stadt ästhetisch keine künstlerische Verdichtung, Verfremdung oder ein noch so geschicktes Arrangement. Noch viel weniger verträgt ein solches Thema den bemühten Versuch, die realen Geschehnisse in irgendeiner Weise durch die Phantasie zu „übertreffen“. Das zeigen die beiden oben genannten Peter de Mendelssohn und Hermann Kasack deutlich.
III. Warum Tagebücher?
Der Dichter und Liedermacher Wolf Biermann, dessen Vater in Auschwitz ermordet wurde, hat des Öfteren erklärt, über einen besonders schweren Luftangriff auf seine Heimatstadt Hamburg im Sommer 1943 könne er einen Roman schreiben - wenn er einen Roman schreiben könnte. Im Gespräch erzählt Biermann daraufhin ausführlich, (im Buch nimmt diese Schilderung über acht Seiten ein) wie er als damals Sechsjähriger gemeinsam mit seiner Mutter den Bomben und Bränden entkam und sich schließlich gemeinsam mit anderen Überlebenden auf die Hamburger Moorweide retten konnte. Nur zwei Jahre zuvor hatten sich auf dieser Wiese die Juden von Hamburg - darunter viele Verwandte Biermanns - versammeln müssen, um in die Todeslager im Osten abtransportiert zu werden.
25
Beim Lesen von Texten wie diesem, die die Ereignisse einfach dokumentieren, fragt man sich, wozu die Literatur zu diesem Thema die Phantasie oder das künstlerische Arrangement eines Romanschriftstellers noch brauchen sollte. Kein Roman - sollte
24 im Interview mit Volker Hage in dessen Buch Zeugen der Zerstörung, S. 243
25 im Gespräch mit Volker Hage in dessen Zeugen der Zerstörung, S. 144
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Malte Conradi, 2006, Luftkrieg und Tagebuch, München, GRIN Verlag GmbH
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